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Allergien: Pollen plagen mit Doppelstrategie

Allergien: Pollen plagen mit Doppelstrategie




Pollenkörner plagen Allergiker mit einer effektiven Doppelstrategie: Bevor bestimmte Eiweiße auf ihrer Oberfläche das Immunsystem des Betroffenen auf den Plan rufen, produzieren die Körner bereits so genannte freie Radikale. Diese aggressiven Sauerstoffverbindungen reizen die Schleimhäute von Nase, Bronchien oder Lungen und wirken so wie eine Art interner Verstärker, der die allergische Reaktion deutlich verschlimmert.

Über die Entdeckung, die Sanjiv Sur von der Universität von Texas in Galveston und seine Kollegen bei Versuchen mit Mäusen machten, berichtet der Online-Dienst der Fachzeitschrift «Science». Eigentlich galten die Vorgänge, die zu den typischen allergischen Reaktionen bei Pollenallergikern führen, bereits seit längerer Zeit als entschlüsselt: Gerät ein Pollenkorn beispielsweise in die Nase eines Betroffenen, docken die Mastzellen des Immunsystems an bestimmte Oberflächenproteine des Eindringlings an und produzieren das Hormon Histamin. Das wiederum setzt eine ganze Kaskade von Reaktionen in Gang, die schließlich die Entzündungsreaktionen inklusive Jucken, Niesen und Atemnot auslösen.

Bei ihrer Studie entdeckten die Forscher um Sur nun jedoch, dass dieser Mechanismus nicht alle bei einer allergischen Reaktion auftretenden Phänomene erklärt. So fanden die Wissenschaftler in den Lungen ihrer Testmäuse bereits wenige Minuten nach dem Kontakt mit dem Pollen freie Radikale, die nicht von den Zellen der Tiere produziert wurden. Die Pollenkörner müssen demnach selbst mit allem ausgestattet sein, was für die Radikalbildung benötigt wird, schlossen die Forscher. Tatsächlich enthielten 39 von 40 untersuchten Pollenarten ein Enzym namens NADPH-Oxidase, das aggressive Sauerstoffverbindungen herstellen kann.

Weitere Untersuchungen bestätigten, dass erst die Kombination beider Mechanismen die voll ausgebildete allergische Reaktion auslöst: Kamen die Mäuse nur mit den Oberflächenproteinen oder nur mit dem radikalproduzierenden Enzym in Kontakt, zeigten sie nur sehr schwache Symptome einer Allergie. Verabreichten die Forscher den Tieren jedoch das Enzym zusammen mit dem Oberflächeneiweiß, war die Reaktion genauso stark wie bei Kontakt mit dem echten Pollenkorn. Die Wissenschaftler hoffen nun, mithilfe ihrer Entdeckung eine effektivere Therapie von Allergien entwickeln zu können.

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Quelle: NetDoktor-News (Washington/ddp) vom 3.8.05
9.8.2005

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