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Allergie-Prävention

Allergien vorbeugen – Leitlinie sagt wie




Der Pressedienst des Ärtzteverbandes Deutscher Allergologen (ÄDA) und die Deutsche Gesellschaft für Allergologie u. Klinische Immunologie (DGAKI) berichten:

Durch gezielte Vorbeugemaßnahmen im häuslichen Umfeld können die charakteristischen Beschwerden von Kindern mit allergischem Asthma ebenso effektiv vermindert werden wie durch die Gabe von Kortisonsprays. Zu diesem Ergebnis kamen Wissenschaftler um Wayne Morgan in einer amerikanischen Studie.1 Im Gegensatz zu bisherigen Untersuchungen, die sich nur auf die Verminderung eines einzelnen Allergens beschränkten, reduzierten die Wissenschaftler gleichzeitig Tabakrauch und mehrere Allergene wie Hausstaubmilben oder Schimmelpilze im Umfeld der Kinder – und zwar ganz gezielt je nach deren individueller Gefährdung. Sie klärten die Erziehungsberechtigten über Asthma, Auslöser einer Allergie und Möglichkeiten ihrer Vermeidung auf und verteilten zum Beispiel milbendichte Bezüge für Matratzen, Luftreinigungsgeräte oder spezielle Staubsauger mit hocheffizienten Partikelfiltern. Die Präventionsmaßnahmen kosteten dabei mit etwa 750 bis 1.000 US-Dollar pro Jahr genauso viel, wie die Behandlung mit inhalierbaren Medikamenten bei Kindern mit moderatem bis schwerem Asthma.


Neuerkrankungen verhindern
Prävention lohnt sich also. Und nicht nur, um zu verhindern, dass eine Erkrankung schlimmer wird oder Folgeschäden auftreten. Sie kann vor allem dazu beitragen, dass weniger Menschen erkranken. Bisher existierten jedoch keine wissenschaftlich gesicherten Präventionsempfehlungen, an denen sich Ärzte, Patienten oder gefährdete Personen orientieren konnten. Daher wurde im Rahmen des „Aktionsbündnisses Allergieprävention“ (adap) unter der Leitung von Professor Dr. Torsten Schäfer vom Institut für Sozialmedizin des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein in Lübeck eine evidenzbasierte Leitlinie zur Primär- und Sekundärprävention entwickelt.2
„Allergische Krankheiten wie Asthma, Heuschnupfen und Neurodermitis haben in den letzten Jahrzehnten dramatisch zugenommen. Da kausale Therapieansätze noch weitgehend fehlen, kommt der Prävention besondere Bedeutung zu, wenn man dem ansteigenden Trend begegnen will“, sagt Schäfer, der auch Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und Klinische Immunologie (DGAKI) ist.
„Wichtige Präventionsmaßnahmen sind zum Beispiel die Aufklärung der Bevölkerung, vor allem der Risikopersonen, die Früherkennung der Erkrankung sowie die Vermeidung von Allergenen und anderen allergierelevanten Substanzen. Bei Personen mit Heuschnupfen kann eine spezifische Immuntherapie auch zur Verhinderung von Folgeerkrankungen wie Asthma sinnvoll sein.“ Bei der spezifischen Immuntherapie (SIT), auch Allergie-Impfung oder Hyposensibilisierung genannt, spritzt der Arzt dem Patienten regelmäßig standardisierte Allergenpräparate unter die Haut. Diese enthalten die Substanz, auf die der Patient allergisch reagiert, zum Beispiel Pollenallergene. Sie führen bei regelmäßiger Gabe zu einer Toleranzentwicklung. So gelingt es in vielen Fällen, die Überempfindlichkeit des Immunsystems zu verringern, manchmal ist sogar eine vollständige Heilung der Allergie möglich.


Tabakrauch vermeiden
In der Leitlinie zur Allergieprävention werden Personen mit einem erhöhten Risiko für allergische Erkrankungen von denen ohne ein erhöhtes Risiko unterschieden. Zur ersten Gruppe gehören Menschen mit allergiekranken Familienmitgliedern. Ihr genetisches Risiko steigt, je mehr Familienmitglieder betroffen sind. Besonders hoch ist es, wenn beide Eltern an der gleichen atopischen Erkrankung leiden, etwa an Neurodermitis. Laut Leitlinie wird beiden Gruppen empfohlen, Kinder in den ersten vier Lebensmonaten ausschließlich zu stillen und vor dem fünften Lebensmonat auf Beikost zu verzichten. Darüber hinaus sollte Tabakrauch unbedingt vermieden werden, gerade auch in der Schwangerschaft. In Deutschland sind 50 Prozent aller Kinder dem Zigarettenrauch ihrer Mütter ausgesetzt. Das ist eine erschreckende Zahl, denn Studien belegen, dass Kinder, deren Mütter rauchen, häufiger unter Asthma und Infekten der oberen Luftwege leiden.

Innenraumklima ist wichtig
Risikopersonen sollten sich keine Haustiere mit Fell anschaffen. „Nach aktuellem Kenntnisstand ist die Haltung von Hunden zwar nicht mit einem höheren Allergierisiko verbunden. Katzen und Nagetiere wie Kaninchen und Meerschweinchen sollten aber in jedem Fall gemieden werden“, so Schäfer. Leben bereits Tiere im Haushalt, muss im Einzelfall entschieden werden, ob sie bleiben können. Maßnahmen wie milbendichte Bezüge für Matratzen (Encasing) helfen, Hausstaubmilbenallergene zu vermeiden und senken bei gefährdeten Menschen das Erkrankungsrisiko. Generell wird empfohlen, auf ein richtiges Innenraumklima zu achten, um Hausstaubmilben und vor allem Schimmelpilzen das Wachstum zu erschweren: Wohnräume sollten nicht überheizt, feuchte Stellen saniert und mehrmals täglich über fünf bis zehn Minuten kurze Stoßlüftungen mit mehreren weit geöffneten Fenstern durchgeführt werden. Alle Kinder, auch allergiegefährdete, sollten nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) geimpft werden. Denn aus den vorliegenden Studien kann weder gefolgert werden, dass Impfungen vor Allergien schützen, noch dass sie das Risiko für diese Erkrankungen erhöhen.

Die Suche geht weiter
Zusätzlich wurden weitere Faktoren daraufhin untersucht, ob sie Allergien vorbeugen. Es gibt zum Beispiel Hinweise darauf, dass eine unspezifische Stimulation des Immunsystems in der frühen Kindheit vor allergischen Erkrankungen schützen kann. So haben Untersuchungen gezeigt, dass Kinder, die in einer ländlichen Umgebung leben, schon im ersten Lebensjahr eine Kindertagesstätte besuchen oder mit mehreren Geschwister aufwachsen seltener allergische Erkrankungen haben. Bisher lassen sich daraus aber noch keine Empfehlungen ableiten. Auch die Frage, ob die Gabe von Probiotika wie Lactobazillen vorbeugend wirkt, muss in weiteren Studien untersucht werden.
Eines ist allerdings sicher: „Vorbeugen ist besser als heilen. Das gilt besonders, wenn heilen – wie bei Allergien – nur schwer möglich ist“, betont Schäfer.

Referenzen:
1 Morgan WJ et al.: N Engl J Med 2004 (351;11): 1068-1136
2 Schäfer T et al.: Allergo J 2004 (13): 252-260


Impressum:
Pressedienst der ÄDA/DGAKI im Juni 2005
Erstellt: 01.07.05
Bearbeitet: Gisela Nickel







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