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Entsäuerung als Basis jeder Therapie Teil II

PH-Messung & Basisauswertung für jedermann möglich

Im Teil I unserer Serie "Entsäuerung als Basis jeder Therapie" erfuhren wir, dass ein chronisch übersäuerter Körper sehr vielschichtige gesundheitliche Beschwerden verursachen und sogar einen Therapieerfolg verhindern kann. Um kostengünstig zu untersuchen, ob eine Übersäuerung an den eigenen gesundheitlichen Beschwerden Anteil hat, bietet Teil II eine Anleitung für einen pH- Basistest, den jeder selbst ohne großen Aufwand und Kosten Zuhause durchführen kann.

Um zu erfahren ob mit dem Säure-Basen-Gleichgewicht etwas nicht stimmt, muss nicht zwingend eine Labordiagnostik durchgeführt werden. Als Orientierungshilfe, kann man auch selbst eine Basiskontroll- pH- Messung im Tagesprofil als ersten Überblick erstellen. Die Messergebnisse kann man anschließend mit dem Arzt oder Therapeuten besprechen und eine Therapie darauf aufbauen.

Was wird für eine pH- Messung benötigt?
In der Apotheke gibt es sogenannte pH- Indikatorstäbchen, diese sollte man als Erstes besorgen. Die Stäbchen haben unterschiedliche Messbereiche, ideal ist der Bereich von 5,0 bis 10,0. Für den Fall, dass diese nicht erhältlich sind, würde es auch mit Indikatorstäbchen mit einer Skala von 5,0 bis 8,0 (oder bis 8,5) funktionieren.

Reicht eine PH - Messung am Tag?
Nein leider nicht, für eine pH- Basiskontroll- Messung werden mehrere pH- Messungen eines Tages benötigt. Häufig wird selbst von Expertenseite geraten, nur den morgendlichen Ersturin zu kontrollieren und wenn dieser einen pH-Wert von z.B. 5,0 bis 6,5 aufweist, wird oft behauptet, man hätte eine Übersäuerung. Der Morgenurin ist jedoch i.d.R. sauer und daher kein Indiz für eine azidotische Stoffwechsellage.

Wann sollte der PH Wert gemessen werden?
Für die Feststellung einer ernährungsbedingten Übersäuerung sollten die PH-Parameter von Harn (Urin) und Sputum (Speichel) gemessen werden. Speichel ist sozusagen immer verfügbar, beim Urin trifft dies eher nicht zu. Daher wird hier kein Zeitpunkt vorgeschrieben, stattdessen schreibt man die exakte Uhrzeit des Harnlassens hinzu. Je mehr PH-Messungen, umso aussagekräftiger lässt sich am Ende das Säure-Basen-Gleichgewicht im Körper beurteilen.

Wie wird ein pH- Tagesprofil erstellt?
Für eine Messung werden 2 pH- Indikatorstreifen benötigt, von denen jeweils einer mit Harn bzw. Sputum benetzt und das Ergebnis nach ca. 60 Sekunden abgelesen und in die Basisauswertungs- Tabelle eingetragen wird. Auch die Mahlzeiten und Getränke des Tages werden hierzu notiert, denn auch Nahrung kann den pH Wert erheblich beeinflussen. Liegt die Aufstellung über ein paar Tage vor, wird sehr schnell offenkundig, welches Nahrungsmittel oder Getränk den Körper übermäßig säuert.

Messungsverlauf:
1. Nach dem Sie aufgestanden sind
2. Eine, noch besser 2 Stunden nach dem Frühstück
3. Gut, wäre auch einmal vor dem Mittagessen
4. Zwei Stunden nach dem Mittagessen
5. Vor dem Abendessen
6. Ein, besser zwei Stunden nach Abendessen
7. Wer spät zu Bett geht, gegen 22.00 Uhr oder später, dann auch da unbedingt eine Messung

Welche Kriterien sind noch wichtig?
Alle Nahrungsmittel müssen notiert werden, denn sie sind für die Beurteilung enorm wichtig. Ebenso sollten Medikamente oder Nahrungsergänzungen berücksichtigt werden. Die meisten chemischen Pharmaka tragen zur azidotischen Stoffwechsellage (Übersäuerung) bei, doch gibt es auch einige, die das Gegenteil herbeiführen (Alkalose). Dies ist wichtig zu wissen, denn häufig sprechen die Ernährungsgrundlage (z.B. viel Fleisch, Kaffee, Süßwaren) sowie die Lebensweise (viel Stress, Zigaretten usw.) und die vorhandenen Beschwerden für eine Übersäuerung, doch die pH- Tagesmessung zeigt Werte von 8,0 bis 9,0 im Tagesdurchschnitt.

Verschiedene Medikamente, die mehrere Wochen bis wenige Monate genommen werden müssen, schaffen auch nach dem Absetzen der Medikamente, für einen längeren Zeitraum, ein überwiegend alkalisches PH-Profil, was auch zu div. Beschwerden führen kann. Selbst für Experten kann dieses Erscheinungsbild irreführend sein, wenn man diese Aspekte nicht in seine Überlegungen integriert.

Säure-Basen-Gleichgewicht des Urins

Tageszeit Uhrzeit           Normalbereich pH
Vor dem Frühstück 6.00 bis
7.00 Uhr
5,5 bis 7,0
Nach dem Frühstück ca. 10.00 Uhr mindestens 7,5
Vor dem Mittagessen 12.00 bis
13.00 Uhr
7,0 bis 7,5
Nach dem Mittagessen 15.00 bis
16.00 Uhr
7,5 bis 8,5
Vor dem Abendessen 18.00 bis
19.00 Uhr
7,0 bis 8,0
Nach dem Abendessen 20.00 bis
21.00 Uhr
6,8 bis 7,0
Vor dem Zubettgehen 23.00 bis
24.00 Uhr
sinkt bis auf 5,0 evtl. ab

Quelle: Mirko Albrecht, Gesund im Säure-Basen-Gleichgewicht, Falken Verlag

Hier zur Basisauswertungs- Tabelle.
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Interpretation des pH- Status
Liegt ein Großteil der Messungen der pH-Werte vom Urin unter 7,0, kann von einer Übersäuerung der Gewebe ausgegangen werden.
Die pH-Werte des Speichels sind nicht solchen Schwankungen wie beim Urin- pH unterzogen, diese sollten bei 6,5 bis 7,0 liegen. Abweichungen können z. B. auf eine gestörte Darmflora hindeuten.
Ob ggf. tiefere Gewebebezirke betroffen sind, kann man oft nur annehmen, jedoch braucht man auch dazu eine gewisse Erfahrung mit dieser Materie. Bei einer professionellen Basis-Auswertung werden dann natürlich die einzelnen Beschwerden oder zugrunde liegenden Diagnosen genauso berücksichtigt, wie die verzehrten Nahrungs- und Genussmittel und Getränke (am Tag der Kontroll-Messung), denn alle diese Angaben, verraten einem viele wichtige Hinweise, die für eine Gesamtauswertung enorme Aussagekraft haben.

Wann liegt eine Übersäuerung tieferer Gewebebezirke vor?
Für den Laien wird dies schwer zu beurteilen sein, aber der Vollständigkeit halber werden nachfolgend die wichtigsten Aspekte zur allgemeinen Erläuterung aufgeführt. Es ist ein Zusammenspiel von unterschiedlichsten Faktoren.

In der Praxis gebe ich Therapeuten folgende Anweisung:

Liest man sich zuerst die Krankheitsgeschichte (Anamnese) des Patienten durch, fallen einem bereits Krankheitsbilder oder einzelne Beschwerden auf, die ein Indiz darstellen können, wie z.B. Infekte, Gelenkbeschwerden, Entzündungen, Bindehautentzündungen, die ständig wiederkehren, also chronisch sind. Des Weiteren lassen Tinnitus oder Ekzeme gewisse Rückschlüsse zu, dass einzelne tiefer gelegene Gewebezirkel zusätzlich betroffen sein könnten.

Besonders interessant ist es, wenn eine Entzündung o. ä. sowohl mit konventionellen als auch mit naturheilkundlichen Maßnahmen nicht zu einer langfristigen Besserung führt. Dies kann ein sehr wichtiges Zeichen dafür sein, dass ganz spezielle Gewebebezirke übersäuert sein könnten. Im nächsten Schritt, schaut man sich alle ermittelten pH-Werte im Tagesprofil an und kontrolliert, ob sich insbesondere die Parameter des Urins öfter wiederholen, denn auch dies ist u. U. ein typisches Zeichen dafür. Ganz gleich zu welcher Zeit gemessen wurde oder was gegessen wurde, viele der pH-Werte sind gleich. Auch muss man jede einzelne Reaktion des jeweiligen pH-Wertes mit den Nahrungs- und Genussmitteln des Tages vergleichen, um ersehen zu können, wie der Stoffwechsel auf Säure- und Basenbildner reagiert.

Übersäuerung und bestimmte Zusammenhänge kurz notiert:
Wiederkehrende Infekte (Lippenherpes, Zahnfleischentzündungen), Magnesiummangel
können der Erfahrung nach, durch eine Azidose begünstigt oder gar ausgelöst werden und natürlich auch zur Verstärkung der Beschwerden entsprechend beitragen.

Grundsätzlich kann eine latente Azidose bereits vorhandene Beschwerden in ihrer Intensität entsprechend verstärken. Auch eine z.B. Duftstoffallergie, zählt dazu. Im Akutfall geben Betroffene häufig an, dass sich Ihre pH-Werte sehr ins Azidotische verschlechtern. Eine orale Gabe von (Natron) Natrium-Hydrogencarbonat bringt i.d. R. baldige Besserung.

Eine Azidose (der Gewebe) führt u. a. auch, zu einer Senkung der Abwehrkräfte, woraus dann weitere Folgen/ Beschwerden u. a. wiederkehrende Infekte und eine Verstärkung der Beschwerden des Gesamtzustandes resultieren können.

Man kann die akute Therapiephase verkürzen, insbesondere dann, wenn man die Säure-Basen-Regulierung (einschließlich der Säure-Basen - orientierten Ernährung/Kostumstellung) gleich zu Beginn in die Therapie mit integriert. Erfahrungsgemäß ist eine z.B. naturheilkundlich - orientierte Therapie nach einer Säure-Basen-Regulierung noch wirksamer. Dies wird auch von Heilpraktikern und naturheilkundlich - orientierten Medizinern immer wieder beobachtet, z.B. im Zusammenhang mit Akupunktur oder Homöopathie. Mögliche Therapieresistenzen können so gelöst oder vorgebeugt werden.

Nährstoffe & Übersäuerung
Auch Nährstoffe können positiven oder negativen Einfluss auf unseren Säure-Basenhaushalt nehmen. Zink und Ascorbinsäure können beispielsweise eine Verschiebung ins Azidotische verursachen.

Zink säuert insbesondere dann, wenn in Monoform substituiert und im Zustand einer latenten Azidose. Besser wäre eine Multiformel und sofern angezeigt, eine zusätzliche Gabe einer Zinkform, mit hoher Bioverfügbarkeit. Zink wird so auch besser vom Körper aufgenommen, weil es bekanntlich auch mit anderen Vitalstoffen zusammen fungiert. Zink in Monoform substituiert (ab 20 mg /Tag über 4-6 Wochen) kann zu div. anderen Nährstoffdefiziten führen. Auch kann eine Langzeittherapie mit Zink ab diesem Dosierungsbereich ggf. zu einer Wirkungsumkehrung führen, indem es nach einer längeren Therapiedauer immunsuppressive Eigenschaften (senkt die Immunkraft) annimmt. Insbesondere dann, wenn für eine hochdosierte Zinkmonotherapie keine Indikation besteht.

Ascorbinsäure, kann eine latente Azidose ggf. verstärken. Besser wäre z.B. eine Esterform wie z.B. Ascorbyl-Palmitat, dieses verbleibt zusätzlich 4-6 x länger im Blutserum als Ascorbinsäure.

Teil III folgt in den nächsten Ausgaben:
Titel: Einblick in die therapeutischen Möglichkeiten

Verfasser: Dipl.- Oekotrophologe O. Hagen, April 2006.
Referenzen:
  1. Dr. med. Michael Worlitschek, Praxis des Säure-Basen-Haushaltes - Grundlagen und Therapie, 2. Erweiterte Auflage, Haug Verlag.
  2. Andreas Diemer, Arzt und Dipl.-Physiker, Säure-Basen-Haushalt und Orthomolekulare Medizin, Journal für Orthomolekulare Medizin 8; 3 (2000).
  3. Dr. med. Hans Garten, Störungen des Säure-Basen-Haushalts: Diskussion verschiedener Messmethoden und therapeutisches Management, Neue Nutriologische Beiträge Nr. 17/Dezember 2002, Verlag Prevent-Network KG.
  4. M. Merz, W. Beyer, W. Gerz, Die Bedeutung und Diagnostik der latenten Gewebeübersäuerung, Gastroenterologische Aspekte in der Naturheilkunde, Ralf Reglin Verlag, Köln.
  5. Friedrich F. Sander, Der Säure-Basen-Haushalt des menschlichen Organismus und sein Zusammenspiel mit dem Kochsalzkreislauf und Leberrhythmus, Hippokrates Verlag, unveränderter Nachdruck der ersten Auflage von 1953.
  6. Karl O. Glaesel, Heilung ohne Wunder und Nebenwirkungen - Gesundheit biologisch gesteuert, Labor Glaesel Verlag.
  7. Sprenger, Heilfasten ist kein Hungern, Naturamed 10 (1995) Nr. 8 Kirchheim Verlag Mainz

Impressum:
PureNature-Redaktion, April 2006

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