Monatsarchiv für Juni 2009

Umweltkrankheiten, eine Ärzteinformation beseitigt Unklarheiten und unterstützt Ärzte und Patienten

Ärzte oft nicht über Umweltkrankheiten informiert

Ein Arztbesuch kann frustrierend verlaufen, wenn eine der Umweltkrankheiten wie MCS, CFS, FMS, TE oder EMS vorliegt. Kaum ein niedergelassener Arzt kennt sich mit Multiple Chemical Sensitivity (MCS), Chronic Fatigue Syndrome (CFS), Fibromyalgie (FMS), Toxischer Enzephalopathie (TE) oder Elektrosensbilität (EMS) aus. Obwohl sie häufig auftreten und für Erkrankte rasche Hilfe die Prognose drastisch verbessert. Im Praxisalltag sieht es jedoch so aus, dass, wenn ein Patient den Verdacht äußert, dass er unter einer der genannten Umweltkrankheiten leidet, er in vielen Fällen die Antwort erhält,: „Noch nie gehört“. Noch frustrierender als ein „noch nie gehört“, ist eine prompte Äußerung, über diese Krankheiten wisse man noch nichts, sie seien aber psychisch bedingt – soviel sei klar.

 

Um vorherrschende Unkenntnis zu eliminieren und zu verhindern, dass Patienten, die unter Umweltkrankheiten leiden, falsch „einsortiert“ werden, haben Experten eine Ärzteinformation erstellt. Denn eines haben diese Krankheiten gemeinsam, sie sind als körperlich bedingte Krankheiten anerkannt und es existieren Diagnosekriterien, mit denen ein Arzt in der Lage sein könnte, eine solche Umweltkrankheit zu erkennen.

 

Die ÄRZTEINFORMATION, die vom Arbeitskreis Anerkennung, der aus einem Umweltmediziner, einem Rechtsanwalt und einem Sachverständigen für Umweltfragen besteht, in Kooperation mit dem CSN – Chemical Sensitivity Network erarbeitet wurde, kann ausgedruckt werden und bei Verdacht auf eine Umweltkrankheit dem behandelnden Arzt oder bei Behörden vorgelegt werden.

 

Für alle, die Schwierigkeiten haben, die Broschüre in passabler Qualität auszudrucken, gibt es einen kostenlosen Service. Die Ärzteinformation kann bei CSN – Chemical Sensitivity Network, Mühlwiesenstr. 2, 55743 Kirschweiler gegen einen mit 1.45€ frankierten, mit Adresse versehenen Din A5 Rückumschlag angefordert werden. Es werden jeweils 5 Ärzteinformationen pro Person auf speziellem festem Papier gedruckt kostenlos bereitgehalten.

 

Zum Anschauen und Ausdrucken anklicken >>> Ärzteinformation

Umweltverbände fordern radikale Änderung im Umgang mit Pestiziden

In ländlichen Regionen gehören Bauern mit Traktoren und riesigen Auslegern, die Pestizide und Herbizide versprühen, zum alltäglichen Landschaftsbild. In Weinregionen ist es ähnlich, auch dort werden hochgiftige Pestizide ausgebracht, häufig sogar mit Gebläsen vernebelt. Den Anwohnern solcher Gegenden geht es oft nicht gut. Wissenschaftliche Studien belegen zunehmend Zusammenhänge zwischen Pestiziden und typischen Krankheitsbildern in solchen Regionen, z.B. Parkinson und andere neurodegenerative Erkrankungen. Drei deutsche Umweltverbände haben heute die nachfolgende Pressemitteilung herausgegeben und mahnen zur rigiden Änderung der herrschenden Situation.

Pestizide haben Folgen für Gesundheit und Umwelt

 

Gemeinsame Presseinformation des Pestizid Aktions-Netzwerks (PAN), des Naturschutzbund Deutschland (NABU) und Greenpeace: 

 

Mehr Schutz vor Pestiziden – Der Countdown läuft  Umweltverbände fordern klare Zielvorgaben im neuen Pestizid-Aktionsplan 

 

Hamburg/Berlin, 22.06.2009. Klare und verbindliche Ziele zum Schutz von Natur und Umwelt sowie der Gesundheit von Verbrauchern und Anrainern fordern Umweltverbände im Vorfeld der morgen in Potsdam beginnenden Veranstaltung des Bundeslandwirtschaftsministeriums zur Risikoreduktion beim Pestizideinsatz.  

 

Das Pestizid Aktions-Netzwerk e.V. (PAN Germany), der Naturschutzbund Deutschland (NABU) und Greenpeace setzen sich in einer gemeinsamen Stellungnahme dafür ein, dass der Einsatz von Pestiziden innerhalb der nächsten fünf Jahre um dreißig Prozent reduziert wird.

 

Susan Haffmans von PAN: „Dabei ist wichtig, dass der Einsatz von Pestiziden mit besonders bedenklichen Wirkstoffen, z. B. solche, die krebserregend oder hormonell wirksam sind, innerhalb der nächsten 10 Jahre beendet wird. Sie müssen durch weniger problematische Wirkstoffe und durch nicht-chemische Alternativverfahren ersetzt werden.“  

 

Darüber hinaus fordern die Verbände eine deutliche Verringerung der Schäden des chemischen Pflanzenschutzes an Nichtziel-Organismen und schützenswerten Habitaten sowie ein Verbot der Anwendung aller chemisch-synthetischen Pestizide durch Laien. „48% unseres Grundwassers ist mit Pestiziden belastet, Amphibien werden durch Pestizide direkt geschädigt und ehemals häufige Vogelarten wie die Feldlerche finden in Ackerbauregionen nicht mehr genügend Nahrung. Wir brauchen dringend bessere Vorgaben zum Schutz der Biodiversität vor Pestiziden“, so Florian Schöne vom NABU. 

 

Zukünftig sollen in der EU die Risiken des Pestizideinsatzes und die Abhängigkeit von Pestiziden in der Landwirtschaft reduziert werden. So sieht es die neue EU-Gesetzgebung vor. Deutschland muss die Vorgaben aus Brüssel nun mit einem Nationalen Aktionsplan umsetzen. „Es kann nicht sein, dass VerbraucherInnen tagtäglich Lebensmittel zu sich nehmen, die besonders gefährliche Pestizide enthalten“, sagt Manfred Santen von Greenpeace.  

 

Eine weitere Forderung der drei Organisationen betrifft die Umstellung auf Anbauverfahren, die ohne chemisch-synthetische Pestizide auskommen. Der ökologische Landbau schafft das. Deshalb sollte es nach Ansicht der Umweltverbände einen jährlichen Zuwachs an ökologisch bewirtschafteten Flächen von 20% geben.  

 

Gemeinsame Presseinformation des Pestizid Aktions-Netzwerks (PAN), des Naturschutzbund Deutschland (NABU) und Greenpeace, 22. Juni 299 

Kirschen lecker, aber Vorsicht, in Kirschen stecken häufig gefährliche Pestizide

Kirschen aus dem Geschäft können Pestizide enthaltenKirschen lecker, aber Vorsicht… 

Am Wochenende war ich in der Pfalz und im Elsass. Überall standen Kirschbäume und waren schwer beladen mit roten Kirschen. Mir fiel auf, dass die wilden Kirschbäume und die Kirschbäume, die privat in Gärten standen, noch reicher behängt waren als die Bäume in Plantagen. Mancher dieser Bäume war so voller Kirschen, dass man nur noch rot und keine grünen Blätter mehr sah. Das waren Bäume um die sich niemand groß kümmerte und die keiner mit Pestiziden gespritzt hatte. Kaum Zuhause, landet die nachfolgende Pressemitteilung von Greenpeace auf meinem Schreibtisch über vergiftete Kirschen im Handel.

 

Nach einer neuen Greenpeace-Untersuchung weisen derzeit angebotene Kirschen aus Spanien und Frankreich häufig bedenklich hohe Pestizid-Rückstände auf. Erdbeeren aus Deutschland und Spanien sind dagegen kaum mit unerwünschten Agrarchemikalien belastet. Greenpeace-Mitarbeiter hatten Ende Mai bei den sechs führenden deutschen Supermarkt-Ketten bundesweit Kirschen und Erdbeeren eingekauft. Die 28 Erdbeer- und 12 Kirschproben wurden in einem Speziallabor auf 400 Pestizid-Rückstände getestet. Die in den Kirschen gefundenen Pestizide können Krebs auslösen und die Fortpflanzung beeinträchtigen. Greenpeace fordert, dass die Produzenten und Handelsketten besonders gefährliche Pestizide nicht mehr anwenden.

 

“Essen Sie Erdbeeren! Die derzeit angebotenen Früchte enthalten geringe Mengen an Pestiziden. Bei Früh-Kirschen ist aber Vorsicht angebracht”, sagt Manfred Krautter, Chemieexperte von Greenpeace. “Insgesamt setzt sich der Trend zu geringeren Rückständen bei Obst und Gemüse aus Supermärkten auch bei unserem aktuellen Test fort. Das ist ein Erfolg der Greenpeace-Pestizid-Kampagne.” Als Reaktion auf umfassende Greenpeace-Tests hatten alle großen deutschen Supermarkt-Ketten zwischen den Jahren 2006 und 2007 verschärfte Standards und Kontrollen für Pestizid-Rückstände eingeführt.

 

Im aktuellen Greenpeace-Test fand das beauftragte Labor in vier (14 Prozent) der Erdbeerproben gar keine und bei 24 (86 Prozent) geringe Spritzmittelrückstände. Dagegen stecken in fünf der zwölf Kirschproben aus konventionellem Anbau so hohe Pestizidmengen, dass Greenpeace sie als “nicht empfehlenswert” beurteilt. Diese mangelhafte Ware stammt aus Spanien und Frankreich. Sie wurde von Kaiser’s in Frankfurt, Kaufland und Real in Dresden sowie Aldi und Rewe in Hamburg verkauft. Die Kirschen enthielten zum Beispiel das die Fortpflanzung beeinträchtigende Pestizid Dimethoat sowie Imazalil, das Krebs auslösen kann. Drei der Kirschproben waren frei von Pestiziden. In keiner Probe wurden gesetzliche Grenzwerte überschritten. Das liegt jedoch auch an der Anhebung der Grenzwerte im Jahr 2008 durch die EU-Kommission.

 

“Wir haben auch bei diesem Test immer wieder Rückstände besonders gesundheitsschädlicher Pestizide gefunden, die auf den ‘Schwarzen Listen’ von Greenpeace und Edeka stehen”, sagt Krautter. Greenpeace fordert, dass die Bundesregierung den Landwirten und Handelsketten bei der Umstellung auf nichtchemische Pflanzenschutz-Alternativen unter die Arme greift. Bei der Start-Veranstaltung zum nationalen Pestizid-Aktionsplan der Bundesministerien für Landwirtschaft und Umwelt Ende Juni in Potsdam müssen dazu wirksame Programme verabschiedet werden.

 

Autor: Patty Paris, 15. Juni 2009

 

Literatur: Greenpeace, Greenpeace-Test: In Kirschen stecken häufig gefährliche Pestizide, 15. Juni 2009  

Ein-Euro-Job für Allergologen?

Allergologen verzweifeltAllergologie in der Vertragsarztpraxis vor dem Aus

Der Ärzteverband der Allergologen und seine Mitglieder stehen Kopf, denn die Leistungen, die der Arzt für seine Arbeit erhält, kann keine Arztpraxis am Leben halten. Für die zunehmende Flut von Allergikern sieht es düster aus, wie die Hintergründe offenbaren, die wir aus nachfolgender Pressemitteilung des ÄDA erfahren.

Ein Vertragsarzt hat für allergologische Diagnostik und Therapie je nach Bundesland und Arztgruppe zwischen 1 und 2 Euro pro Monat zur Verfügung. Damit ist eine qualifizierte allergologische Patientenversorgung nicht mehr möglich.

Ein als Allergologe und Hautarzt tätiger Vertragsarzt in Westfalen-Lippe erhält beispielsweise im 2. Quartal 2009 für jeden Patienten im Monat 5,46 Euro für Regelleistungen (Regelleistungsvolumen). Darin sind alle hautärztlichen Leistungen und alle zusätzlichen Leistungen im Bereich der allergologischen Diagnostik und Therapie enthalten. Der Grundkomplex für jedes Krankenkassenmitglied/Familienmitglied im Alter zwischen 6 und 60 Jahre beträgt 4,47 Euro. Somit bleibt für die speziellen Leistungen der Allergologie nur ca. 1 Euro übrig.

Als Folge verabschieden sich die Vertragsärzte derzeit in großer Zahl von der allergologischen Diagnostik und Therapie. Sie bieten keine betriebswirtschaftlich aufwändigen Testungen mehr an und beginnen keine subkutane Hyposensibilisierungsbehandlung (spezifische Immuntherapie) bei neuen Patienten. Stattdessen werden für die Krankenkassen zwar wirksame, aber teurere Behandlungsformen (Sublingualpräparate) rezeptiert, die der Patient zu Hause anwendet.

Der Ärzteverband Deutscher Allergologen (ÄDA) verfolgt diese Entwicklung mit Sorge, da sie nicht nur der Allergologie mittelfristig schadet, sondern vor allem auch akut betroffenen Allergikern nicht hilft.

Einen Ausweg können die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und die Krankenkassenvertreter im Bewertungsausschuss bieten: Die allergologischen Leistungen müssen im Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) außerhalb des Regelleistungsvolumens gestellt werden. Nur so können allergologisch tätige Fachärzte die spezielle allergologische Diagnostik und Therapie auf einem flächendeckend qualifizierten Niveau halten.

Mangelnde Versorgung treibt Pollenallergikern die Tränen in die Augen

 Pollenallergie

Die aufwändige Testung und Therapie von Allergiepatienten durch Vertragsärzte steht vor dem Aus. Nach Schätzungen des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (ÄDA) leiden schon rund 20 Millionen Bundesbürger unter Heuschnupfen, doch immer weniger Vertragsärzte können ihren Patienten wegen der ab 1.1.2009 bestehenden Regelleistungsvolumen eine adäquate Diagnostik und ursächliche Behandlung anbieten.

 

Der ÄDA fordert von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und den Krankenkassenvertretern allergologische Leistungen außerhalb des Regelleistungsvolumens zu bewerten, damit Fachärzte die qualifizierte Versorgung der Allergiker sicherstellen können. 

 

„Allergien darf man nicht auf die leichte Schulter nehmen“, warnt Professor Dr. Wolfgang Wehrmann vom ÄDA. Die mangelnde Versorgung von Allergiepatienten kann fatale Folgen haben, denn Heuschnupfen wird oft chronisch und führt bei 40 Prozent der Betroffenen zu Asthma bronchiale. Eine adäquate Facharztbehandlung erspart Heuschnupfenkranken die Chronifizierung und dem Sozialsystem langfristig Kosten. Schon heute müssen Patienten für Medikamente der ersten Wahl – Antihistaminika – bei Heuschnupfen selber aufkommen. 

 

Pollensaison dauert voraussichtlich bis November

Das schöne Frühlingswetter hat in diesem Jahr zu einem starken Pollenflug geführt. Inzwischen stehen die Gräser in voller Blüte, auf deren Pollen jeder zweite Heuschnupfenpatient allergisch reagiert. „Die Gräserpollensaison geht etwa bis zum November. Wer jetzt niest und schnupft und unter tränenden Augen oder Atemnot leidet, wird voraussichtlich bis spät in den Herbst hinein Beschwerden haben“, erklärt Wehrmann, Allergologe und Hautarzt aus Münster.

 

Allerdings bereiten in den Sommermonaten nicht nur Gräserpollen vielen Menschen Probleme. „Die Ursachen von Heuschnupfen im Sommer können auch die Pollen von Wegerich, Beifuss oder anderen Kräutern sowie die Sporen von Schimmelpilzen sein. Viele Patienten haben zudem Allergien gegen mehrere Auslöser gleichzeitig“, sagt Wehrmann.

 

Nur wenn Fachärzte die Auslöser genau diagnostizieren, können sie die Allergieursache mit einer spezifischen Immuntherapie dauerhaft bessern oder sogar heilen. Doch für die allergologische Diagnostik und Therapie stehen den Allergologen nur zwischen ein und zwei Euro pro Patient und Monat zur Verfügung. „Damit können wir Allergiepatienten einfach nicht mehr ausreichend diagnostizieren und behandeln“, so Wehrmann. 

 

Autor: Ärzteverband Deutscher Allergologen e.V., Presseinformation, Hamburg, 28. Mai 2009