Monatsarchiv für Februar 2010

Strikte Vermeidung – der beste Weg zur Behandlung und Prävention von Nahrungsmittelallergien?

Labor

Wissenschaftler einer renommierten amerikanischen Universität ermittelten kürzlich in einer Studie, ob strenge Allergenkarenz die am besten geeignete Strategie für den Umgang mit Nahrungsmittelallergien ist oder ob sie deren Verhütung dient. Herkömmlicherweise gilt die Karenz gegenüber den Lebensmitteln, die man nicht verträgt, als Standarttherapie bei Allergien auf Nahrungsmittel. Dieser Rat beruht in erster Line auf der Annahme, dass ein Kontakt in eine allergische Reaktion münden kann und dass Meidung die Genesung beschleunigt. Neuere Studien stellen diese Annahme in Frage.

Erhitzen tötet Allergene zum Großteil ab

Aktuelle Studien zeigen, dass die meisten Kinder mit Milch-Allergie und Ei-Allergie diese Lebensmittel dann tolerieren, wenn sie stark erhitzt wurden. Darüber hinaus belegen klinische Studien, dass Essen winziger Mengen des Nahrungsmittels, auf das reagiert wird, zu einer Desensibilisierung führen kann. An dieser Stelle muss angemerkt werden, dass dieses Procedere natürlich nur in Gegenwart eines Arztes oder in einer Allergieklinik durchgeführt werden darf, wenn ein Kind unter schweren allergischen Reaktionen leidet.

Spätes Einführen von Allergenen bietet keinen Vorteil

Kürzlich erschienene epidemiologische Studien unterstützten die bisherige Annahme nicht, dass eine verzögerte Einführung von hoch allergenen Lebensmitteln für Säuglinge und Kleinkinder eine Entstehung von Nahrungsmittelallergien verhindert. In der Tat legen die neueren Daten nahe, dass Verzögerungen die Risiken, eine Allergie zu entwickeln, sogar erhöhen können.

Biomarker könnten bessere Erkenntnisse liefern

Die neuesten Daten deuten darauf hin, dass strenge Allergenkarenz als Behandlung nicht immer notwendig ist. Exposition gegenüber einem speziellen Nahrungsmittel kann sogar eine therapeutische Maßnahme sein. Eine erweiterte Verzögerung bei der Einführung von Nahrungsmittelallergenen bei der Ernährung von Kleinkindern kann das Allergierisiko sogar erhöhen, teilen die Wissenschaftler in ihrem Bericht mit. In vielen Fällen sei die strikte Vermeidung für eine Behandlung jedoch eindeutig erforderlich, daher halten die Wissenschaftler des Mount Sinai Hospital weitere Studien für notwendig, um die Risiken und Vorteile der Exposition gegenüber Allergenen noch genauer zu ermitteln. Besonderen Stellenwert räumen sie der Identifizierung von Biomarkern für Patienten ein, die auf Nahrungsmittel reagieren.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 23. Februar, 2010.

Literatur:

Kim JS, Sicherer S., Should avoidance of foods be strict in prevention and treatment of food allergy?, Jaffe Food Allergy Institute, Mount Sinai School of Medicine, New York, New York, USA, Curr Opin Allergy Clin Immunol. 16. Februar 2010.

Gesetzesentwurf im Dänischen Parlament: Regelung von Duftstoffen im öffentlichen Bereich

Dänisches Parlament debattiert über Regelungen zu Duftstoffen

Seit einigen Jahren setzen sich zwei dänische MCS-Selbsthilfegruppen dafür ein, dass gesetzliche Regelungen für Duftstoffe und Parfüms im öffentlichen Bereich geschaffen werden. Insbesondere im Gesundheitswesen sollen Duftstoffe einer strikten Regelung unterzogen werden.

Durch ihre Chemikalien-Sensitivität (MCS) ist es den Mitgliedern der beiden Organisationen in der Regel nicht möglich, sich in ein Krankenhaus oder andere medizinische Einrichtungen zu begeben. Einer der Hauptgründe dafür sind Parfüms, After Shave, Weichspüler, Deo’s, Body Lotion’s und Raumduftsprays denen man überall begegnet. Schwere gesundheitliche Beschwerden sind für diese Erkrankten, als auch für Allergiker und Asthmatiker häufig die Folge.

Der mehrjährige massive Kampf durch die beiden dänischen Selbsthilfegruppen für Chemikaliensensible, MCS-SHG e.V. und MCS-Danmark trägt nun Früchte:

Im dänischen Parlament wurde am 23. Februar ein Gesetzesentwurf mit dem Titel: „Gesetzesentwurf zur Entwicklung von Richtlinien für Duftstoffe in Krankenhäusern und Kindertagesstätten“ debattiert.

Die von MCS-Danmark formulierte „Duftpolitik“ schuf die Grundlage für den Gesetzesentwurf. Diese Initiative erfolgte im Anschluss an eine Eingabe von MCS-Danmark vom November 2009 im dänischen Parlament. Die Eingabe war dem Ausschuss für Umwelt und Planung und dem Ausschuss für Gesundheit vorgelegt worden. Die beiden dänischen Organisationen ließen verlauten: „Wir sind superfroh, dass dieser Kampf nun endlich Früchte tragen wird!“

Einige der Vorstandsmitglieder von MCS-Danmark waren bei dieser ersten Behandlung des Gesetzesentwurfs anwesend.

Autor: CSN – Chemical Sensitivity Network, 23. Februar 2010

Rosmarin, ein Indikator für Schadstoffe der PCB Klasse

Rosmarin

Das Küchenkraut Rosmarin ist in erster Linie in den südlichen Ländern der Mittelmeerregion zuhause, aber auch in unseren Kräutergärten beheimatet. Für Lammgerichte ist es nahezu unendbehrlich. Wissenschaftler eines pharmakologischen Forschungsinstitutes in Italien fanden aktuell heraus, dass das beliebte Gewürzkraut Schadstoffe anreichert.

Das eigentliche Ziel der Studie, die italienische Wissenschaftler in der norditalienischen Region Mantua durchführten, war herauszufinden, ob die Bevölkerung durch Schadstoffrückstände in Obst und Gemüse erkranken kann. Die Region Mantua ist sehr industriereich und entsprechend ist die Belastung mit PCB’s und Furanen, die als Flammschutzmittel dienen. Beide Schadstoffklassen reichern sich im Körper an und gelten u.a. als krebserregend.

Die Konzentrationen der Schadstoffe, die von den Wissenschaftlern ermittelt wurden, waren gering und laut deren Einschätzung stellen sie keine direkte Gefahr für die Bevölkerung dar. Fast alle Gifte waren unter der Nachweisgrenze. Eines stellten die Forscher jedoch fest, nämlich, dass die PCB-Konzentrationen in Rosmarin viel höher waren als in jeder anderen Kultur, was darauf hindeutet, dass Rosmarin die Schadstoffklasse der PCB’s akkumuliert und dass diese Pflanze daher als “Wächter” zum Nachweis dieser Schadstoffe in der Umwelt vorgeschlagen werden kann.

Für den Verbraucher ist diese Studie eine Warnung, den Verbrauch von Rosmarin in der Küche dahingehend einzuschränken, dass man das Küchenkraut nur dann verwendet, wenn es aus schadstoffkontrolliertem Anbau kommt oder aus dem eigenen Garten, sofern man in einer unbelasteten Gegend und nicht in der Nähe von Industrie wohnt.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 16. Februar 2010

Literatur:

Grassi P, Fattore E, Generoso C, Fanelli R, Arvati M, Zuccato E.,(PCBs), polychlorinated dibenzo-p-dioxins (PCDDs) and dibenzofurans (PCDFs) in fruit and vegetables from an industrial area in northern Italy, Department of Environmental Health Sciences, Mario Negri Institute for Pharmacological Research, Chemosphere. 2010 Feb 10.

Oh, bloß keine Allergien zu Valentine verschenken!

Ich liebe Dich

„Ich liebe Dich!“ – wie sage ich diese drei Worte meiner Liebe des Lebens an Valentine? Die Kreativen unter uns haben es einfach, ihnen fällt immer etwas ein, mit dem sie ihre Liebe auf überwältigende Weise zum Ausdruck bringen. Die meisten werden allerdings bei Blumen oder Pralinen als Geschenk enden. Ein hübscher Strauß Blumen oder eine edle Auswahl Pralinen sind auch etwas Nettes über das sich jeder freut, außer denjenigen, die Allergien haben. Für diese „Valentines“ kann der Tag der Liebenden, wenn man das falsche Geschenk überreicht, mit laufender Nase, juckenden Augen, oder Kopf- und Magenschmerzen enden.

Allergisch auf Blumen und Gräser

Gerade in der Frühlingszeit geht es vielen Pollenallergikern schlecht. Hasel und Weide sorgen für die ersten Symptome. Die hübschen Frühlingsboten im Blumenladen sind normalerweise kein Problem, es sei denn, es sind Gräser oder Weidenkätzchen in den Strauß miteingebunden. Ist ein Pollenallergiker allerdings sowieso schon am reagieren, weil beispielsweise die Weiden ums Haus blühen, dann können die bunten Blumen aus dem Blumenladen zu weiterer Symptomverschlechterung führen. Auf jeden Fall sollte daher, wenn es Blumen zu Valentine sein sollen, die Wahl auf solche Blumen fallen, die nicht stark riechen und keine stark pollenbehafteten Blütenstempel haben. Von Gräsern, Weidenkätzchen und Haselzweige ist ganz abzusehen, lieber ein schönes Herzchen aus Keramik oder Holz.

Inhaltstoffe in Pralinen können Allergien auslösen

Allergien auf Schokolade sind äußerst selten anzutreffen. Bedenklich sind eher die sonstigen Inhaltsstoffe, vor allem Erdnuss und Soja. Erdnussallergiker müssen sehr aufpassen, denn schon Spuren von Erdnüssen können Reaktionen auslösen, die bis zu anaphylaktischem Schock reichen. Soll es doch etwas aus Schokolade sein, muss bei einer allergischen Person darauf geachtet werden, dass die bedenklichen Inhaltsstoffe unter Garantie nicht enthalten sind. Es gibt Hersteller die laktosefreie, sojafreie, glutenfreie oder nussfreie Schokolade anbieten. Das kann dann für einen „Valentine“, der immer Verzicht üben muss, eine ganz besondere Überraschung sein.

Parfüms – nichts für Allergiker, Asthmatiker und Chemikaliensensible

Sehr beliebt als Geschenk zu Valentine sind Parfüms. Neben der Tatsache, dass die meisten Parfums reine Chemikaliencocktails sind, muss bedacht werden, dass besonders Allergiker, Asthmatiker und Chemikaliensensible schwerste gesundheitliche Reaktionen erleiden können.  Ein duftfreies Cremebad oder eine pflegende hypoallergene Creme oder ein Nagellack für Allergiker ohne Lösungsmittel werden hingegen sicher sehr erfreuen.

Autor: Patty Paris, 11. Februar 2010

Gift-Cocktail in Kinderspielzeug: Gesetze verschärfen, Hersteller in die Verantwortung nehmen

Plastikspielzeug

Nürnberg/Berlin: Zum Auftakt der Internationalen Spielwarenmesse in Nürnberg warf der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) den Herstellern von Kunststoffspielzeug vor, durch mit Schadstoffen belastete Produkte die Kindergesundheit auf Spiel zu setzen. Dieses Spielzeug enthalte häufig hormonell wirksame Stoffe wie Weichmacher, bromierte Flammschutzmittel und Organozinnverbindungen. Die Chemikalien sammelten sich in Kinderkörpern zu einem gefährlichen Giftcocktail an und könnten das fein ausbalancierte Hormonsystem stören. Mögliche Folgen seien Verhaltensauffälligkeiten, Unfruchtbarkeit oder sogar Krebs. Weder die europäische Chemikalienverordnung noch die EU-Spielzeugrichtlinie schützten die Kindergesundheit ausreichend. Selbst das Bundesinstitut für Risikobewertung habe die Spielzeugrichtlinie kürzlich als unzureichend kritisiert.

Richard Mergner, Landesbeauftragter des Bund Naturschutz, dem BUND-Landesverband in Bayern: “Plüschige Teddys, Puppen und Planschtiere sind für unsere Kinder oft gefährliche Lieblinge. Die bisherigen Gesetze bieten nicht genügend Schutz. Hersteller und Händler dürfen nicht vor allem ihren Gewinninteressen folgen, wenn es auf Kosten der Gesundheit der Kinder geht. Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner muss handeln: Riskante Chemikalien haben in Spielzeug nichts zu suchen.”

Der BUND warnte insbesondere vor einem “Cocktaileffekt” der hormonellen Chemikalien. Verschiedene Schadstoffe sammelten sich in den Körpern der Kinder an und könnten sich in ihrer Wirkung gegenseitig verstärken. Grenzwerte für einzelne Stoffe seien dann nutzlos. Auch hier hinke die europäische Gesetzgebung den Erfordernissen hinterher. So habe der europäische Umweltministerrat die Kombinationseffekte von Chemikalien zwar anerkannt. Doch die EU-Kommission wolle bis 2012 erst einmal prüfen, inwieweit die bisherigen Gesetze ausreichend vor den sich addierenden Wirkungen unterschiedlicher Chemikalien schützten.

BUND-Chemieexpertin Sarah Häuser: “Wenn man bedenkt, mit wie vielen Gegenständen aus Kunststoff Kinder täglich in Berührung kommen, kann man sich vorstellen, dass dabei ein ziemlicher Schadstoffcocktail zusammenkommt. Die meisten dieser Stoffe lassen sich im Blut der Kinder nachweisen. Viele Krankheiten wie Krebs, Diabetes oder Unfruchtbarkeit sind die Folgen des Plastik-Overkills. Dabei gibt es für die Spielzeughersteller genügend Alternativen zu den gefährlichen Stoffen.”

Beim Kauf von Spielwaren empfiehlt der BUND auf unabhängige Prüfsiegel etwa des TÜV Rheinland zu achten. Das europäische CE-Prüfzeichen hingegen sei Verbrauchertäuschung, da es sich die Hersteller selbst verliehen. Insbesondere aus Nicht-EU-Ländern importierte Ware müsse effektiver durch die Zoll- und Länderbehörden kontrolliert werden, bevor sie auf den Markt gelange, forderte der BUND.

Literatur: BUND Pressemitteilung, Gift-Cocktail in Kinderspielzeug: Gesetze verschärfen, Hersteller in die Verantwortung nehmen, 4. Februar 2010