Monatsarchiv für Mai 2010

Gesundheitsrisiko Luftmatratzen

Luftmatratze

Der Sommer und die Badesaison nahen. Bunte Luftmatratzen für den Spass am See und im Schwimmbad warten schon in den Geschäften. Dort sollte man die meisten Luftmatratzen am besten lassen, wenn einem die eigene Gesundheit und die der Kinder am Herzen liegt. Ökotest hat die Sommerbegleiter auf Schadstoffe getestet, über das erschreckende Resultat berichtet BUND:

Bundesregierung muss handeln und gefährliche Chemikalien aus Alltagsprodukten verbannen

Berlin/Frankfurt: Zu den heute veröffentlichten Ergebnissen von “Ökotest”, nach denen alle von dem Magazin untersuchten Luftmatratzen mit gefährlichen Schadstoffen belastet sind, erklärte Sarah Häuser, Chemieexpertin des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND): „Die Badesaison startet mit einer Hiobsbotschaft: Für Kinder kann das Planschen mit Luftmatratzen zum Gesundheitsrisiko werden. Es ist inakzeptabel, dass ausgerechnet Produkte, mit denen vor allem Kinder in Berührung kommen, gefährliche Chemikalien in zum Teil extrem hohen Konzentrationen enthalten. Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner muss handeln. Schadstoffhaltige Luftmatratzen dürfen nicht mehr verkauft werden.“

Besonders beunruhigend sei, dass in allen getesteten Luftmatratzen polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) nachgewiesen werden konnten. Diese seien krebserregend und erbgutschädigend und könnten über die Haut in den Körper gelangen. Acht der 13 getesteten Luftmatratzen enthielten erhöhte oder stark erhöhte PAK-Werte. Zudem seien in zahlreichen Luftmatratzen Weichmacher-Phthalate sowie zinnorganische Verbindungen entdeckt worden. Aufgrund ihrer hormonellen Wirkungen könnten diese Stoffe das empfindliche Hormonsystem von Kindern stören. Zahlreiche Studien hätten gezeigt, dass Krankheiten wie Unfruchtbarkeit oder Krebs mit solchen Schadstoffen in Zusammenhang stünden. Aus neun Luftmatratzen habe sich außerdem das nervenschädigende Phenol gelöst.

Häuser: „Das geeignete Instrument, mit dem gefährliche Chemikalien aus Alltagsprodukten verbannt werden können, ist die europäische Chemikalienverordnung REACH. Allerdings wird deren Umsetzung nicht ernsthaft genug verfolgt. Obwohl REACH inzwischen seit drei Jahren in Kraft ist, sind erst 30 Stoffe als besonders gefährliche Chemikalien gelistet. In unseren Alltagsprodukten sind jedoch rund zweitausend gesundheitsschädliche Substanzen enthalten. Die Bundesregierung muss endlich aktiv werden und alle riskanten Chemikalien auf die Liste der besonders gefährlichen Stoffe setzen. Mit REACH kann dann deren Verwendung beschränkt oder auch ganz verboten werden.“

BUND, Pressemitteilung vom 28. Mai 2010

Allergologen raten: Sparsamer Umgang mit Chemikalien vermindert Allergie-Risiko

Baby

Viele Kinder leiden an Allergien. Nach Schätzungen des Verbandes deutscher Allergologen ist heute jedes vierte Kind von Hautausschlägen, Heuschnupfen oder Asthma betroffen. Eltern sind besorgt und fragen sich, ob sie dem vorbeugen können. Das sei nur bedingt möglich, sagen Fachleute, da Allergien teilweise angeboren sind und alle Auslöser noch lange nicht bekannt sind. Studien zeigen aber, dass Eltern das Allergie-Risiko zumindest reduzieren können: Grundsätzlich sei es ratsam, mit Chemikalien so sparsam wie möglich umzugehen, und das bereits im Babyalter, sagt der Kinderarzt Uwe Büsching aus Bielefeld.

“Der Wickeltisch muss nicht mit Plastik ausgelegt und dann mit Hygienesprays behandelt werden.” Stattdessen sollte man gekochte Tücher aus Leinen oder Baumwolle als Wickelunterlage benutzen. Außerdem sei es völlig ausreichend, die Badewanne nur mit Wasser auszuspülen. Sie müsse nicht extra mit Chemikalien desinfiziert werden. Auch Weichspüler könnten Allergien auslösen, warnt der Kinderarzt. “Vor allem in den ersten vier Lebenswochen reagiert Babyhaut sehr empfindlich darauf.”

Die heutzutage oftmals übertriebene Hygiene von klein auf trage eine Mitschuld an der Zunahme körpereigener Überempfindlichkeitsreaktionen, sagt Uwe Büsching. “Kinder können sich ruhig mal schmutzig machen.” Denn der Kontakt mit Umwelt-Keimen fördere den Reifungsprozess des Immunsystems: Die Immunabwehr werde so regelrecht trainiert.

Verband Deutscher Allergologen, Sparsamer Umgang mit Chemikalien vermindert Allergie-Risiko, Köln, Pressemitteilung vom 18.05.2010

Pfingsten Schmetterlinge zählen gehen – Tag der Biologischen Vielfalt

Schmetterlinge zählen

BUND ruft bundesweit zur Bestandsaufnahme der Schmetterlinge

Trotz des kühlen Wetters sind schon viele Schmetterlinge unterwegs. Kaum ist die Sonne da, genießen sie es, durch die Lüfte zu schaukeln. Manche der Falter, die man jetzt sieht, gab es längere Zeit kaum noch. Dass einige Herbizide verboten wurden, scheint Erfolg zu zeigen.

Abenteuer FaltertageWie viele Schmetterlinge und welche Arten in Deutschland umherfliegen, möchte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) wissen und ruft dazu auf, beim Pfingstspaziergang am kommenden Wochenende Schmetterlinge zu zählen.

Die Naturschutzorganisation will sich mit den Ergebnissen einen Überblick über die Verbreitung ausgewählter Falterpopulationen verschaffen. Zählbögen mit Abbildungen von zehn gesuchten Arten sind unter BUND Faltertage und bei den mehr als 2000 Kreis- und Ortsgruppen des BUND erhältlich. Die Ergebnisse können Online im Internet oder per Post gemeldet werden.

„Gezählt werden solche Falter, die auch von Ungeübten leicht zu erkennen sind. Zu Pfingsten sind voraussichtlich unter anderem Aurorafalter, Tagpfauenauge und Kleiner Fuchs zu beobachten. Im Gegensatz zu einem Großteil der heimischen Schmetterlinge sind diese Arten noch relativ weit verbreitet“, so BUND-Naturschutzexperte Mark Hörstermann. Bei einem Drittel aller europäischen Schmetterlingsarten schrumpften derzeit die Bestände. Jede elfte der 435 Tagfalterarten Europas sei inzwischen vom Aussterben bedroht. Von 190 in Deutschland vorkommenden Tagfalterarten sei nur noch etwa ein Fünftel dauerhaft gesichert.

Der 22. Mai wurde von den Vereinten Nationen weltweit zum Tag der Biologischen Vielfalt erklärt. Damit soll auf den Reichtum natürlicher Lebensformen sowie auf deren Bedrohung aufmerksam gemacht werden. Hörstermann: „Schmetterlinge sind wie kaum eine andere Tiergruppe geeignet, diese Vielfalt zu bestaunen. Die variationsreichen Lebensräume und Anpassungstechniken spiegeln sich in den unterschiedlichen Formen und Farben der Falter wider. Die industrielle Landwirtschaft, aber auch exotische Pflanzen und der Einsatz von zuviel Dünger in Gärten drängen jedoch den Artenreichtum stark zurück.“ Das führe auch zum Verlust für Schmetterlinge besonders geeigneter Landschaftstypen wie Moore, Auen oder Feuchtwiesen.

Eine Teilnahme an den diesjährigen Schmetterlingszählungen des BUND ist noch bis Ende Oktober möglich. Erbeten wird auch die Wiederholung der Zählung an verschiedenen Tagen. Der BUND weist zudem auf Möglichkeiten hin, den Schmetterlingen direkt zu helfen. Zu den einfachsten Tipps gehören: In Gärten und Parks möglichst viele heimische Pflanzenarten ansiedeln, Grünflächen nicht zu häufig mähen und auf Torf und Agrargifte verzichten. Als Lohn winke eine bunte Vielfalt im Pflanzenbeet und mit vielen farbenprächtigen Schmetterlingen darüber, so der BUND.

Bestellung von kostenlosen Zählbögen und Broschüren zum Schmetterlingsschutz per Telefon unter 030-27586442 oder per E-Mail an faltertage@bund.net

Literatur: BUND Pressemitteilung vom 17. Mai 2010