Monatsarchiv für Oktober 2010

Was bedeutet MCS? Ein Film zeigt es

MCS raubt die Lebensqualität

Chemikalien-Sensitivität (MCS) ist eine schwer vorstellbare Krankheit, wenn man nicht selbst betroffen ist. Dass ein wunderbar duftendes Parfüm einem Mitmenschen starke Schmerzen zufügen kann, oder ihn sogar bewusstlos werden lässt, wer weiß das schon? Aufklärung über Chemikalien-Sensitivität ist daher ungeheuer wichtig, vor allem wenn man bedenkt, dass ca. 15% der Bevölkerung auf minimale Konzentra- tionen von Chemikalien reagiert, die im ganz normalen Alltag anzutreffen sind.

Eva Caballé, eine junge Spanierin, wurde auf ihrer Arbeit als Buchhalterin krank. Sie ist so stark chemikaliensensibel, dass sie sich nur noch in ihrem Haus aufhalten kann. Den ganzen Tag über müssen Luftfilter laufen und ihre Familie kann sie nur durch die Terrassentür sehen oder am Telefon sprechen. Spuren von Chemikalien, die in der Kleidung anderer haften, lösen bei ihr schlimme Zusammenbrüche aus. Trotz dass Eva so krank ist und oftmals nicht aus dem Bett aufstehen kann, ist sie eine Aktivistin geworden, die sich dafür einsetzt, dass Näheres über die Krankheit in der Allgemeinbevölkerung bekannt wird. Eva und ihr Mann David haben viel für spanische MCS-Kranke getan, indem sie in Radio, Fernsehen und in Interviews in Zeitungen über Chemikalien-Sensitivität berichtet haben und den Blog „No Fun“ betreiben. Als die junge Frau ein Buch über MCS veröffentlichte, folgte Interview über Interview, die ihr Mann gab, weil Eva selbst zu schwach dafür ist. Gestern kam eine E-Mail und es gibt eine weitere gute Nachricht:

Eva Caballé, 24. Oktober 2010:

Im November 2009 wurde ich von Carne Cruda, einem Spanischen Radioprogramm zu einem Interview über Multiple Chemical Sensitivity eingeladen und einer der Zuhörer, der Videofilmer Víctor Moreno war derart betroffen, dass er kurz danach zu mir Kontakt aufnahm. Er teilte mir mit, dass er einen Kurzfilm über MCS machen möchte, der uns helfen soll, möglichst viele Leute über diese schreckliche Krankheit zu informieren. Er wollte wissen, was ich davon halte und ob ich mich an der Arbeit beteiligen möchte. Natürlich versicherte ich ihm, dass er und sein Team auf mich zählen können, wenn das gewünscht ist.

Im März begannen sie “The birds of the mine” (‘Die Vögel aus der Kohlenmine’) aufzunehmen, der erste Kurzfilm über Multiple Chemical Sensitivity in Spanien. Nun können wir endlich den Trailer präsentieren und ankündigen, dass die Erstaufführung im Dezember sein wird. Zu Beginn des Projektes graute es mir davor, das Script zu lesen, da sie wissen wollten, was ich davon halte. Danach sah ich einige Szenen der Aufnahmen und ich kann versichern, dass der Film sehr, sehr beeindruckend ist, wie man auch am Trailer erkennen kann.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 25. Oktober 2010

Weitere Artikel von Eva Caballé:

Kinder mit Allergien auf Nahrungsmittel sind häufig Zielscheibe für Schikanen

Kinder mit Allergien sind Mobbing ausgesetzt

Allergien dürfen nicht länger bagatellisiert werden

Es existieren Berichte von Kindern und Jugendlichen, die unter Nahrungsmittel- allergien leiden und deswegen schikaniert und geärgert werden. Sie berichten bspw., dass sie auf dem Schulhof Erdnüsse übergeworfen bekamen, weil die Mitschüler gerne herausfinden wollten, ob die Allergie „echt“ ist oder ob der allergische Schüler nur „spinnt“. Experimente dieser Art können einen schlimmen Ausgang nehmen.

Bislang gab es noch keine Studie, die darauf ausgelegt war, solche Ereignisse genauer zu charakterisieren. Ein amerikanisches Wissenschaftlerteam setzte sich daher das Ziel, das Vorhandensein und die speziellen Merkmale von Mobbing, Hänseleien oder Belästigung von Lebensmittel-Allergikern aufgrund ihrer Nahrungsmittelallergien zu ermitteln. Die Wissenschaftler mussten feststellen, dass Nahrungsmittelallergikern tatsächlich wegen ihrer Allergien häufig zuleide gelebt wird, und das nicht nur durch Gleichaltrige.

Wie ergeht es Kindern und Jugendlichen mit Nahrungsmittelallergien?

Kinder, die unter Allergien auf Nahrungsmittel leiden, habe es oft nicht leicht. Das Bewusstsein wie schlimm die Auswirkungen auf ein Allergen sein können, ist den meisten Kindern, aber auch Erwachsenen oft fremd. Diesen Missstand müssen Kinder mit Allergien im Alltag ausbaden.

Um herauszufinden, welchen Angriffen Nahrungsmittelallergiker ausgesetzt sind, ließ das Wissenschaftlerteam Jugendliche und Erwachsene, als auch Eltern von Kindern mit Lebensmittelallergien, Fragebogen ausfüllen. Insgesamt wurden 353 Erhebungen abgeschlossen.

Mobbing wegen Allergien auf Lebensmittel

Die Mediziner mussten feststellen, dass Kinder und Jugendliche verschiedenster Altersgruppen erheblichen Repressalien und Schikanen wegen ihrer Nahrungsmittelallergien ausgesetzt waren. Insgesamt berichtete rund ein Viertel (24%) der Nahrungsmittelallergiker, dass man sie mobbt, hänselt oder belästigt, nur weil sie eine oder mehrere Allergien auf Nahrungsmittel haben.

Immer wieder gemobbt, gehänselt und schikaniert

Von denen, die gemobbt, gehänselt oder belästigt wurden, berichteten fast alle (86%) sogar über mehrere Episoden. Betrüblich erscheint, dass 82 % der Vorfälle in der Schule auftraten und 80% wurden vor allem durch Mitschüler verübt.

Sogar Lehrer waren Täter

Erschreckend ist, dass 21% Prozent derjenigen, die gemobbt, gehänselt oder schikaniert wurden, berichteten, dass die Täter Lehrer oder Schulpersonal gewesen waren. Fast alle Kinder und Jugendliche (79%), die Probleme wegen ihrer Allergien hatten, berichteten, dass sie ausschließlich wegen dem Vorhandensein von Nahrungsmittelallergien geärgert und schikaniert wurden.

Vorsätzliche Körperverletzung an der Tagesordnung

Über die Hälfte (57%) der Allergiker, die gemobbt wurden, konnten konkrete Ereignisse beschreiben, z. B., dass sie bewusst mit einem Allergen berührt wurden, ein Allergen übergeworfen bekamen oder ihnen etwas, auf das sie stark allergisch reagieren, mit voller Absicht zugefächelt wurde. Mehrere der Befragten teilten sogar mit, dass man ihnen Essen vorsätzlich mit Allergenen verunreinigt hatte.

Gezielte Aufklärung zum Umgang mit Allergikern ist notwendig

Die Ergebnisse der vorliegenden Studie, die im medizinischen Fachjournal Annuals of Allergy, Asthma und Immunology im Oktober 2010 publiziert wurde, legten unter dem Strich offen, dass Schikanen, Hänseleien und Mobbing bei Kindern mit Nahrungsmittelallergie absolut üblich zu sein scheinen. Die Wissenschaftler stellten zusätzlich fest, dass solche Vorkommnisse nicht nur häufig, sondern durchaus wiederholt auftreten. Die Mediziner gaben als Resümee zu bedenken, dass diese Vorfälle emotionale und körperliche Risiken darstellen und fordern, dass die Problematik im Zuge einer gezielten Aufklärung zum angemesseneren Umgang mit Nahrungsmittelallergiekern angegangen werden sollte.

Allergien dürfen nicht länger bagatellisiert werden

In der Praxis müssten die Erkenntnisse aus der Studie insofern umgesetzt werden, dass insbesondere Lehrpersonal an Schulen und Kindergärtnerinnen informiert werden, wie gefährlich eine Allergie sein kann. Sachkundige Aufklärung und konsequente Umsetzung kann die Lebensqualität von Allergikern drastisch verbessern.

Ein Beispiel wie der Umgang mit schweren Allergien auch gehandhabt werden kann:

In den USA ist es an vielen Schulen und Universitäten untersagt, Erdnüsse, Erdnussbutter, und andere Nahrungsmittel, die Erdnüsse enthalten, zu essen oder mitzubringen. Eine Konsequenz, weil Erdnüsse bei Allergikern tödlich verlaufende Schockreaktionen auslösen können.

Es muss jedoch nicht gleich ein allergischer Schock sein, es reicht schon, dass sich ein Allergiker einige Stunden bis Tage nur deshalb schlecht fühlt und mit gesundheitlichen Beschwerden zu kämpfen hat, weil sich Mitschüler oder Lehrpersonal der Tragweite einer allergischen Reaktion nicht bewusst sind und die sensibilisierte Person mit Allergenen in Kontakt bringen.

Eine allergische Person bewusst mit einem Allergen zu konfrontieren oder extra nicht vor einem Allergen in ihrem Umfeld zu warnen, um zu beobachten, ob der Allergiker „tatsächlich“ reagiert oder ob er es sich nicht „einbildet“, kann schwere Folgen haben, die hinterher jeder bedauert.

Allergien – Es kann jeden treffen, jeden Tag

Allergien können plötzlich, von einem Tag auf den anderen eintreten, sie können jeden betreffen – Kinder, Jugendliche, Erwachsene, als auch alte Leute. Wissenschaftliche Erhebungen gehen davon aus, dass in nicht allzu ferner Zukunft jeder Zweite unter Allergien leiden wird. Umso wichtiger erscheint es, dass unser soziales Umfeld zügig dem Umgang mit Menschen, die unter Allergien leiden besser gerecht wird. Zu wissen, was eine Allergie ist, wie man sich und andere schützt, was man unternehmen kann, wenn jemand eine schwere allergische Reaktion hat, muss Allgemeinwissen werden.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 18. Oktober 2010

Literatur:

Lieberman JA, Weiss C, Furlong TJ, Sicherer M, Sicherer SH. , Mobbing unter Kindern mit Nahrungsmittelallergie, Ann Allergy Asthma Immunol. 2010 Okt; 105 (4) :282-286.

Neue wissenschaftliche Erkenntnisse über die Ursachen von Kontaktallergien

Parfumflaschen

Duftstoffe, die in vielen Haushalts-und Hautpflegeprodukten verwendet werden, können Kontaktallergien verursachen, wenn sie Sauerstoff in der Luft ausgesetzt sind, dies zeigen Untersuchungen, die auf der Dermatologen Konferenz in Göteborg von der Universität Göteborg und der Sahlgrenska Akademie präsentiert wurden.

Die schwedischen Wissenschaftler hatten ihre Forschung darauf ausgerichtet herauszufinden, wie diese Stoffe durch Kontakt mit Sauerstoff in der Luft aktiviert werden können und wie dies dann wiederum auf die Haut einwirken kann. Eine speziell ausgerichtete Studie untersuchte, ob die aktivierten Duftstoffe Kontaktallergien bei Ekzempatienten der Sahlgrenska University Hospital Hautklinik und der Arbeits-und Umweltmedizin Hautklinik in Malmö verursachten. Es wurde festgestellt, dass ein hoher Prozentsatz der 3.400 Patienten mit Hautekzem eine allergische Reaktion auf die getesteten Duftstoffsubstanzen aufwies.

“Bei der Bemühung, tieferes Verständnis dahingehend zu gewinnen, wie Kontaktallergien entstehen, verwenden wir jetzt State-of-the-Art Mikroskope um zu verfolgen, was mit einem Allergen passiert, sobald es in die Haut eindringt”, sagte Ann-Therese Karlberg, Professor für Dermatochemistry/ Hautallergien und Wissenschaftlerin an der Sahlgrenska Akademie.

Beim Ermitteln, wie allergen ein Stoff ist, muss in die Überlegungen die Fähigkeit der Haut, eine Substanz durch den Stoffwechsel zu aktivieren, ebenfalls mit einbezogen werden.

Wir haben eine Mixtur entwickelt, die der Zusammensetzung realer Hautenzyme entspricht. Wir verwenden sie, um herauszufinden, ob die chemischen Stoffe in der Haut aktiviert werden können und zum Allergen werden.”

Die Entdeckung der schwedischen Wissenschaftler wird den Gesundheitsdienst- leistern durch die Entwicklung neuer Diagnose-Tools helfen, allergische Kontakt- ekzeme korrekt zu diagnostizieren, und auf lange Sicht dazu beitragen, die Anzahl der Fälle mit allergischen Kontaktekzemen zu reduzieren. Für die Patienten bedeutet die richtige Diagnose, dass sie die Exposition gegenüber auslösenden Stoffen vermeiden können, und so ihren Ekzemen eine Chance geben zu heilen.

“Zukünftige Forschungsarbeit wird für uns daraus bestehen, neue diagnostische Methoden zu evaluieren und über das, was in der Haut eindringt, tiefergehende Studien durchzuführen. Dies wird uns ermöglichen, neue Medikamente zu entwickeln und die einzige Behandlung, die derzeit für Ekzeme verfügbar ist, nämlich Cortisonsalbe, zu ersetzen”, erklärt Prof. Karlberg, welche die Auffassung vertritt, dass ihre Forschung durch ihre Auswirkungen auf die Hersteller, Verbraucher und Gesetzgeber die Präventionsarbeit verbessern kann.

Kontaktallergie

Es wird geschätzt, dass in Europa fast 20% der Bevölkerung von einer Kontaktallergie betroffen sind, was bedeutet, dass Patienten Ekzeme entwickeln, wenn sie mit Substanzen in Kontakt geraten, auf die sie allergisch sind. Nach Nickel sind Duftstoffe die häufigste Ursache von Kontaktallergien. Für diese Art der Allergie gibt es keine Heilung, sie kann jedoch durch Cortison Creme gemildert werden und dadurch, indem jeder Kontakt mit dem Allergen vermieden wird.

Literatur:

Ann-Therese Karlberg, Universität Göteborg, New Entdeckung über die Ursachen einer Kontaktallergie, 6. Oktober 2010

Übersetzung: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network