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Fallbeispiel Allergie: Allergiediagnostik und -therapie in der Facharztpraxis

Hauttest zum Aufspüren von AllergienAllergologen und Fachärzte die Allergiker behandeln, bekommen seit Januar 2009 ihre Leistungen nur noch mit einem lächerlich geringen Betrag entgolten. Wie umfangreich die Diagnostik von Allergien und deren Behandlung ist, lässt sich am nachfolgenden Fallbeispiel erkennen.

Warum das Budget zur Diagnostik und Therapie von Allergien so radikal gekürzt wurde, kann man nur erahnen. Die Zahl der Allergiker ist in den letzten Jahren rapide gestiegen. Wissenschaftler weltweit machen dafür in erster Linie auch Luftverschmutzung,  Schadstoffbelastung in Innenräumen und belastete Nahrung verantwortlich.

Beispiel einer 32-jährigen Allergikerin

1. Termin: Anamnese in einem ausführlichen Arztgespräch

Frau B. H. aus F., 32 Jahre, hat seit mehreren Jahren leichten Heuschnupfen. Im Frühjahr 2009 traten massiv verstärkte Symptome auf, im April erstmals auch Husten und Atemnot. Seit diesem Jahr verträgt Frau H. zudem keine Äpfel und Nüsse mehr. Sie reagiert nach dem Genuss dieser Lebensmittel mit Juckreiz im Mund.

Die Patientin erhält einen neuen Termin für einen Allergietest und soll davor mindestens vier Tage keine antiallergischen Medikamente (Antihistaminika) einnehmen.

2. Termin: Pricktestung

Der Hauttest ergibt Sensibilisierungen gegen Baumpollen, schwächer auch gegen Gräser- und Roggenpollen. Eine erneute Testung mit Allergenen aus verschiedenen Baumpollen weist starke Sensibilisierungen gegen Erle, Hasel, Birke, Buche und Eiche nach.

Um die klinisch relevanten Allergene einzugrenzen, erhält Frau H. drei neue Termine.

3., 4. und 5. Termin: nasale Provokationstests und ausführliches Arztgespräch

An jeden dieser Termine wird ein nasaler Provokationstest (Einatmen jeweils eines Allergens pro Nasenloch) mit Erle und Hasel, Birke und Buche, Eiche und Histamin (Positivkontrolle) durchgeführt.

Während des 5. Termins führt der Allergologe ein ausführliches Gespräch mit Frau H. und klärt sie über die Befunde auf: Es besteht eine starke Allergie gegen Birke und Hasel. Vor allem die Birkenpollen sind problematisch, denn Frau H. zeigte in der Birkenpollensaison bereits Symptome eines oralen Allergiesyndroms (Kreuzallergie auf Äpfel und Nüsse) und reagierte auf Birkenpollen mit Asthmasymptomen (Husten und Atemnot). Es ist zu befürchten, dass sich zusätzlich zum Heuschnupfen ein Asthma bronchiale entwickelt (Etagenwechsel). Zudem wurden bei Frau H. Sensibilisierungen gegen Gräser- und Roggenpollen festgestellt, die bisher jedoch noch keine Symptome verursachten.

Der Allergologe rät Frau H. zu einer spezifischen Immuntherapie (SIT, Hyposensibilisierung) um die Symptome während der Pollensaison zu bekämpfen und Asthma sowie weitere Sensibilisierungen bzw. Allergien zu verhindern. Er erläutert die Vor- und Nachteile der Therapie und gibt Frau H. Bedenkzeit für ihre Entscheidung.

6. Termin: Arztgespräch

Die Patientin klärt letzte Fragen zur geplanten SIT und entscheidet sich für die Behandlung. Sie erhält ein Rezept, so dass das Allergen-Präparat bestellt werden kann.

7.-13. Termin: Beginn der spezifischen Immuntherapie

Es folgen im wöchentlichen Abstand sieben weitere Termine für die Aufdosierung des Allergen-Präparates. Die Injektionen werden vom Arzt durchgeführt. Dazu erfolgt jeweils ein kurzes Arztgespräch. Frau H. wartet außerdem nach der Injektion eine halbe Stunde in der Praxis, um sicherzustellen, dass sie die Allergeninjektion gut verträgt.

Folgetermine: 3-jährige spezifische Immuntherapie

Frau H. erhält nach der Aufdosierungsphase jeden Monat eine Erhaltungsdosis des Allergen-Präparats mit jeweils anschließender 30-minütiger Wartezeit in der Praxis.

Erläuterungen

Die seit dem 1. Januar 2009 geltende Honorarreform für Vertragsärzte legt Regelleistungsvolumen (RLV) fest: einen maximalen Betrag, den der Arzt pro Patient erhält – unabhängig davon, welche Behandlung erforderlich ist und wie häufig der Patient den Arzt aufsuchen muss. Hautärzte erhalten beispielsweise im Bundesdurchschnitt pro Quartal maximal ca. 17 Euro (5,67 Euro monatlich) und HNO-Ärzte pro Quartal maximal ca. 30 Euro (10 Euro monatlich).

Der oben geschilderte Fall einer Patientin mit Heuschnupfen und Asthma-Symptomen ist ein typischer Krankheitsfall. Ähnlich wie Frau H. geht es nach Schätzungen des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (ÄDA) etwa 20 Millionen Menschen, die in Deutschland an einer Atemwegsallergie wie Heuschnupfen oder Asthma leiden.

Es waren insgesamt 13 Termine mit ausführlichen Arztgesprächen und mehreren Untersuchungen/Testungen erforderlich, um eine genaue Diagnose zu stellen und eine geeignete Behandlung einzuleiten. Die allergologische Diagnostik und der Beginn der spezifischen Immuntherapie zur ursächlichen und langfristigen Bekämpfung der Allergieursache fand statt im 2. Quartal 2009 von April bis Juni.

Der behandelnde Allergologe erhielt in Hessen als Hautarzt für das 2. Quartal 2009 ein Regelleistungsvolumen von 14,92 Euro pro Patient. Damit sollte die komplette hautärztliche Behandlung der Patientin im Zeitraum von drei Monaten abgedeckt sein – einschließlich der allergologischen Diagnostik und Therapie, also auch alle oben genannten Leistungen: ein unmögliches Unterfangen.

Für das 3. Quartal 2009 legte die Kassenärztliche Vereinigung Hessen das Regelleistungsvolumen für Hautärzte übrigens auf 13,50 Euro fest. Damit sollen alle fachärztlichen Sonderleistungen, einschließlich der kompletten allergologischen Versorgung eines Patienten, für drei Monate abgedeckt sein. Allein die Praxisunkosten betragen in Hessen etwa 20 Euro pro Patient und Quartal.

Viele Allergologen in einer ähnlichen Situation sehen mit Besorgnis, dass sie ihren Allergiepatienten wegen der fehlenden Kostendeckung die kausal wirkende und von der WHO als Allergie-Impfung empfohlene Immuntherapie nicht mehr ermöglichen können.

Aus dem gleichen Grund müssen Ärzte auf die Durchführung von nasalen Provokationstests verzichten, obwohl sie bei Heuschnupfen nur damit eine klinisch relevante Allergie eindeutig nachweisen können. Denn Hauttestungen fallen auch bei Sensibilisierungen gegen Allergene, die zu keinen Beschwerden führen, positiv aus. Somit ist das in dem Fallbeispiel korrekte Vorgehen des Allergologen zugunsten einer eindeutigen Diagnose vor Beginn der spezifischen Immuntherapie doch nicht mehr typisch.

Die Benachteiligung von Patienten mit allergischen Erkrankungen setzt sich fort in der Regelung, dass schon jetzt ein Heuschnupfenpatient für antiallergische Medikamente wie z.B. Antihistaminika selbst aufkommen muss.

Literatur: Ärzteverband Deutscher Allergologen, Fallbeispiel – Akuter Allergie-Notstand, 6. August 2009

Für die Behandlung beim Allergologen gibt es kein Budget

Allergiehände 

Akuter Allergie-Notstand 

Jeder dritte Deutsche ist allergiekrank. Jeder Vierte, insgesamt also etwa 20 Millionen Menschen in Deutschland, hat nach Schätzungen des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (ÄDA) Heuschnupfen. Die Betroffenen leiden unter allergischem Schnupfen, juckenden Augen und einem stark beeinträchtigten Allgemeinbefinden. Ohne ausreichende Therapie erkranken 40 Prozent der Heuschnupfenpatienten an Asthma, das oft lebenslang bestehen bleibt und hohe Folgekosten verursacht. Noch dramatischer sind die Folgen einer lebensbedrohlichen Allergie auf Nahrungsmittel oder Insektengifte. Bei drei Prozent der Bevölkerung, das sind mehr als zwei Millionen Menschen in Deutschland, besteht die Gefahr, nach dem Stich einer Wespe oder Biene an einem Allergieschock zu sterben. Doch die fachärztliche Versorgung der Allergiepatienten steht am Abgrund: Für die Behandlung beim Allergologen gibt es kein Budget. Ein akuter Allergie-Notstand ist unausweichlich.

Allergiebehandlung ist dem Gesundheitssystem keinen Euro wert

„Fachärzte mit einer zusätzlichen Weiterbildung in Allergologie können Allergien wirkungsvoll bekämpfen. Sie bekommen dafür von der Kassenärztlichen Vereinigung allerdings kein Geld“, erklärt ÄDA-Präsident Professor Dr. Wolfgang Czech aus Villingen-Schwenningen. Allergiekranke Menschen werden von verschiedenen Fachärzten behandelt, beispielsweise von Hautärzten, HNO-Ärzten, Pneumologen oder Kinderärzten. Die meisten dieser Ärzte haben dafür eine allergologische Zusatzausbildung absolviert und können als Allergologen eine qualifizierte Diagnostik und Therapie bieten. Sie erhalten dafür jedoch kein zusätzliches Honorar, denn seit dem 1. Januar 2009 steht Fachärzten nur pauschal eine feste Summe für die komplette Behandlung des Patienten, das so genannte Regelleistungsvolumen (RLV), zu. So erhalten Hautärzte im 3. Quartal 2009 im Bundesdurchschnitt ca. 17 Euro für die dreimonatige Behandlung ihrer Patienten und HNO-Ärzte ca. 30 Euro. Für die Diagnostik und Therapie von Allergiepatienten gibt es keinerlei Zuschläge. Ausnahme: Die allergologisch tätigen Hautärzte in Baden-Württemberg erhalten im Quartal ein Extrabudget von 3,45 Euro (1,15 Euro monatlich) – allerdings bei vergleichbar niedrigeren RLV.

Es liegt auf der Hand, dass auch mit 1,15 Euro im Monat keinem Allergiker geholfen werden kann, denn dafür ist keine allergologische Untersuchung, Diagnostik und Behandlung möglich. „Das für drei Monate vorgesehene Budget des Facharztes ist bereits beim ersten Arztbesuch des Patienten nahezu ausgeschöpft“, erläutert Czech. Das wissen die Verantwortlichen bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung selbstverständlich. Die Honorare der Fachärzte werden derzeit bei knappen Ressourcen beschnitten, um den gesundheitspolitischen Willen – die Anzahl der ambulant tätigen Fachärzte zu senken – durchzusetzen. Das geschieht auf Kosten der allergiekranken Menschen. „Für Allergologen ist es nicht nachvollziehbar, dass die Gesundheitspolitik allergiekranken Patienten die notwendige Versorgung vorenthält. Meistens sind Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene betroffen. Es handelt sich also um die Menschen, die für die Zukunft unseres Landes stehen. Völlig unberücksichtigt bei gesundheitspolitischen Entscheidungen bleiben die dramatische epidemiologische Entwicklung allergischer Erkrankungen und die sich daraus entwickelnden negativen Folgen für die Volkswirtschaft“, kritisiert Dr. Kirsten Jung, Vorstandsmitglied des ÄDA aus Erfurt. „Wir brauchen ganz dringend ein zusätzliches Extrabudget für die allergologische Versorgung unserer Patienten!“

Spezifische Immuntherapie muss den Patienten weiterhin zur Verfügung stehen

Für die fachärztliche Behandlung eines Allergiepatienten sind mehrere Arzttermine erforderlich, denn einer erfolgreichen Allergietherapie geht eine sehr sorgfältige Diagnosestellung voraus. Anhand der Ergebnisse der Untersuchungen können nur Allergologen eine spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung), die als einzige Therapie den Beginn einer Allergie-Karriere stoppen kann, empfehlen bzw. festlegen. Der Arzt injiziert einem Allergiker dazu über einen Zeitraum von etwa drei Jahren regelmäßig ein für ihn speziell ausgesuchtes Allergenpräparat unter die Haut des Oberarms, bis das Immunsystem des Allergikers sich an den Allergieauslöser gewöhnt hat.

Professor Wolfgang Czech fürchtet, dass immer weniger Patienten eine spezifische Immuntherapie erhalten: „Sollte sich an der derzeitigen gesundheitspolitischen Situation nichts ändern und eine Immuntherapie der Patienten wirtschaftlich unmöglich bleiben, werden wir in den nächsten Jahren stark ansteigende Zahlen von Asthmapatienten erleben.“ Bei Heuschnupfenpatienten können Allergologen nur mit einer spezifischen Immuntherapie der Entwicklung eines Asthma bronchiale vorbeugen. Die Behandlung führt außerdem zu einer langfristigen Besserung der Beschwerden und kann weitere Allergien verhindern. Für Insektengiftallergiker, die an ihrer Allergie sterben können, ist eine Immuntherapie besonders wichtig. Die Behandlung hilft bei ihnen nahezu hundertprozentig und kann lebensrettend sein.

„Wenn Entscheidungsträger im Wahljahr nicht nur Lippenbekenntnisse zur Versorgung Allergie-Kranker abgeben wollen, müssen endlich notwendige zusätzliche finanzielle Mittel für Allergiker bereitgestellt werden, um allergologisch tätigen Ärzten diese wichtige Therapieform außerhalb des Regelleistungsvolumens zu ermöglichen“, fordert Kirsten Jung vom Ärzteverband Deutscher Allergologen. Die seit Januar 2009 gültige Honorarreform für vertragsärztliche Leistungen macht jedoch eine fachärztliche Allergie-Diagnostik und  -Therapie praktisch unmöglich. Immer mehr Mitglieder des ÄDA signalisieren dem Vorstand des Allergologenverbandes, dass sie keine subkutane Immuntherapie mehr durchführen können, die Behandlung von Allergiepatienten aufgeben müssen und sich vorwiegend ihrem eigentlichen Fachgebiet (Dermatologie, HNO, Pädiatrie, Pneumologie) widmen werden. Leidtragender ist jeder Allergiepatient.

Literatur: Ärzteverband Deutscher Allergologen, Akuter Allergie-Notstand, 6. August 2009

Dieselpartikel können Hausstaubmilbenallergie auslösen

Dieselabgase lösen Allergien aus

Feinstäube aus Luftverschmutzung sind dafür bekannt, ein großes Gesundheitsrisiko darstellen und stehen besonders bei empfindlichen Bevölkerungsgruppen wie Asthmatikern in Zusammenhang mit erhöhter Sterblichkeit. Mehr als ein Jahrzehnt Feinstaubforschung legen klar dar, das diese Auswirkungen nicht wahllos einsetzen, sondern sowohl abhängig sind von der Partikel- und Oberflächengröße, als auch von der chemischen Zusammensetzung.Allergische Reaktion der Atemwege
Die amerikanische Umweltschutzbehörde EPA und das nationale amerikanische Umweltforschungslabor untersuchten in einer Studie den Einfluss von Dieselfeinstäuben auf die Entwicklung von Allergien bei Ratten. Im Forschungsexperiment konnte nachgewiesen werden, dass inhalierte oder eingeträufelte Dieselpartikel Lungenschädigung und Entzündungen hervorriefen und verstärkten. Man stellte weiterhin eine dosisabhängige allergische Reaktion der Atemwege fest. Ultrafeinstäube stellten sich bei diesem Forschungsabschnitt als am Wirkungsvollsten heraus.Dieselabgaspartikel lösen Allergie aus
Die Wissenschaftler untersuchten als nächstes eine mögliche allergische Sensibilisierung hervorgerufen durch die Dieselfeinstäube bei den Versuchstieren und setzten sie hierzu Hausstaubmilben aus. Es traten sowohl eine unmittelbare Reaktion der Atemwege nach der Provokation mit Hausstaubmilben als auch eine Reihe von pro entzündlichen und allergischen Reaktionen sowie Akutverletzungen der Atemwege ein. Die Wissenschaftler stellten als Erkenntnis abschließend fest, dass Dieselabgaspartikel das größte Potenzial hatten, eine Allergie herbeizuführen (Induktion), was in diesem Fall bedeutet, dass die chemische Zusammensetzung bei der Feststellung der Stärke der Auswirkungen auf die Gesundheit noch wichtiger war als die Partikelgröße.In der Praxis könnte das Resümee aus der vorliegenden Studie bedeuten, dass Personen, die verstärkt Dieselabgasen ausgesetzt sind, vermehrt unter Hausstaubmilbenallergie und anderen Allergien leiden. 
Autor:
Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 17. Dezember 2008Literatur:
Singh P, Madden M, Gilmour MI., Effects of diesel exhaust particles and carbon black on induction of dust mite allergy in brown norway rats, National Health and Environmental Effects Research Laboratory, U.S. Environmental Protection Agency, Research Triangle Park, North Carolina, USA,J Immunotoxicol. 2005 Jan 1;2(1):41-9.

Allergien ausgelöst durch Kuscheltiere

 teddybaer 

Eine frühe Feststellung, ob ein Kind auf Inhalationsallergene wie Pollen, Schimmelpilze oder Hausstaubmilben sensibilisiert ist, dient als wichtiger Prognosefaktor. Leider ist die Diagnostik bei Kleinstkindern recht schwierig in der Durchführung.

Wissenschaftler aus Belgien fanden heraus, dass Kuscheltiere einen Einfluss auf die Entwicklung von Allergien bei Kindern haben.

 

Tests zur Ermittlung von Allergien  

Ein belgisches Wissenschaftlerteam versuchte anhand einer Studie mit Kleinstkindern im Alter von 0 bis 2 Jahren herauszufinden, ob die Allergien der Kinder mit Umwelteinflüssen in Zusammenhang stehen, oder ob bei ihnen eine Familienhistorie mit Allergien zugrunde liegt. Hierzu wurden von den Medizinern 824 Kleinkindern untersucht, die man zuvor in einer Asthmaklinik Hauttests auf Inhalationsallergene und Nahrungsmittel unterzogen hatte.

 

Kuscheltiere sorgen für Allergien

Bereits bei 40% der Kleinkinder konnte eine Allergie festgestellt werden. 28% reagierten über die Atmung auf Allergene wie Hausstaub, Pollen und Schimmelpilze. Für die allermeisten Kleinkinder waren Hausstaubmilben das schlimmste Allergen.

 

Was die Wissenschaftler zusätzlich herausfanden, ist erstaunlich:

Bei Kindern, die mit Kuscheltieren im Bett schliefen, war die Sensibilisierung weitaus stärker ausgeprägt, als bei Kindern, die keins mit ins Bett nahmen. Faktoren wie Geschlecht, Aufenthalt in einer Kindertagesstätte oder Ekzeme spielten bei der Entwicklung einer Allergie, laut der Mediziner, keine Rolle.

 

Völliger Verzicht nicht notwendig

Kinder lieben ihr Kuscheltier, und es vermittelt ihnen Geborgenheit. Es ganz wegzunehmen wäre daher nicht sinnvoll. Damit ein Kuscheltier nicht zu Allergien führt, sollte beim Kauf in erster Linie darauf geachtet werden, dass es schadstofffrei ist. Einige Hersteller weisen bereits gezielt darauf hin. Als weitere Präventionsmaßnahme sollte nur ein einziges Kuscheltier mit ins Bett genommen werden. Weiterhin wichtig zur Allergieprävention ist, dass Kuscheltiere regelmäßig gewaschen werden.

 

 

Autor:

Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, Mai 2008

 

Literatur:  

de Bilderling G, Mathot M, Agustsson S, Tuerlinckx D, Jamart J, Bodart E., Early skin sensitization to aeroallergens, Clin Exp Allergy. 2008 Apr;38(4):643-8.

Hausstaub, die unterschätzte heimliche Gefahr

Wer wischt schon gerne Staub? Ich nicht, da bin ich ehrlich. Aber was sein muss, muss sein, besonders wenn man heftig auf Hausstaubmilben reagiert. Die Milben sind allerdings nicht das einzige Problem und vor allem nicht das Größte.

Hausstaub ist keine Angelegenheit, die nur für Hausfrauen relevant ist, denn außer dem Ärgernis, dass er ständig beseitigt werden muss, kann er auch eine der größten Schadstoffquellen für die ganze Familie darstellen. Er bietet ein willkommenes Reservoir u. a. für Schwermetalle, Antiflammschutzmittel, Pestizide und Weichmacher. Insbesondere Kinder sind gefährdet, denn sie haben direkten Kontakt, da sie oft auf dem Boden spielen und auch Dinge in den Mund nehmen. Weil Kinder noch in der Entwicklungsphase stecken, kann Schadstoffbelastung zu erheblichen Auswirkungen, insbesondere auf deren Nervensystem führen. Erschwerend kommt hinzu, dass sich ihre Körperorgane ebenfalls noch in der Entwicklungsphase befinden, einschließlich der Organe, die Schadstoffe entgiften. Chemikaliensensible und Allergiker stellen eine weitere Risikogruppe dar.

Belastungsquelle im Haushalt: Staub
In Kanada wurde im vergangenen Jahr eine staatliche Studie mit vierjähriger Laufzeit über Hausstaub gestartet. (1) Schon jetzt zeichnet sich ab, dass die ganze Problematik, die mit dem Staub in unseren Häusern verbunden ist, allgemein sehr unterschätzt wird. Möbel, Elektronikgeräte, Baumaterialien, selbst Spielzeug haben eines gemeinsam. Sie gasen ständig darin enthaltene Schadstoffe aus. Diese werden im Hausstaub gebunden und durch ihn im gesamten Wohnraum verteilt. Wer den anfallenden Staub nicht regelmäßig beseitigt, ist in erhöhtem Maße einer potentiellen Belastungsquelle ausgesetzt. Kinder sind besonders in Gefahr, denn sie erleiden durch Hand-Mundkontakt schnell eine Überexposition, gaben die Wissenschaftler von Health Canada schon jetzt bekannt.

Von der Strasse ins Haus
Wo die ganzen Bestandteile aus dem Hausstaub letztendlich herkommen, ist für Wissenschaftler noch weitgehend ungeklärt. Ein bekannter Faktor ist jedenfalls der Staub, der durch unsere Schuhe ins Haus eingebracht wird. Mit ihm werden nicht nur Bakterien und Keime eingeschleppt, sondern auch Schadstoffpartikel aus dem Straßenverkehr, Pestizide, Chemikalien, Schimmelpilze, Pollen und vieles mehr. Gerade im ländlichen Bereich bspw. ist die Pestizidbelastung durch die Landwirtschaft oft überproportional hoch, deshalb ist es gerade dort wichtig die Schuhe an der Eingangstür auszuziehen. (2,3)

Was ist so schlimm an Staub
Hausstaub ist so bedenklich, weil er zum Großteil aus Feinstaub besteht, welcher lungengängig ist und somit sofort in den Blutstrom gelangt. Bei einigen Chemikalien und Metallen ist dies besonders ausgeprägt. Sie sind Speichergifte und reichern sich in unserem Körper an. Manche dieser Speichergifte, wie die in jedem Hausstaub zu findenden polybromierten Antiflammschutzmittel, verbleiben über Jahre bis zu Jahrzehnten in unseren Körpern. In diesem Zeitraum kommt ständig Neues hinzu, was neben Wechselwirkungen mit anderen Chemikalien, zwangsläufig weitere Konsequenzen mit sich bringt.

Schwermetalle wie bspw. Blei und Quecksilber, die sich ebenfalls im Hausstaub anreichern, werden in Innenräumen teils in Konzentrationen gefunden, die höher sind, als im jeweiligen Wasser oder der Erde rings um das Wohnumfeld. Als weiteres aufaddierendes Übel gelten allgemeine Allergene von Haustieren, Hausstaubmilben, Pollen und Schimmelpilze, die das Immunsystem von Allergikern zusätzlich belasten.

Staubwischen ist angesagt
Um die Gefahrenquelle Hausstaub zu begrenzen, ist gründliches regelmäßiges Saugen und Wischen erforderlich. Häufiges Händewaschen, insbesondere bei Kindern, trägt zu Reduzierung der Belastung bei. Schuhe sollte jeder grundsätzlich beim Betreten des Wohnraumes ausziehen, um insbesondere das Einschleppen von Schwermetallen und Pestiziden zu verringern. Bei Flammschutzmitteln, die in erheblichen Mengen im Hausstaub angereichert sind, wird es schwieriger, denn sie gasen permanent aus unseren Haushaltsgeräten, Polstermöbel, etc. aus, ohne dass wir dies verhindern können. Die beste Lösung, um Staub und seine Auswirkungen in Schach zu halten, ist neben den bereits erwähnten Maßnahmen, im und um das Haus herum so weitgehend wie möglich auf Chemikalien zu verzichten, denn es wird noch eine Weile dauern, bis Wissenschaftler die ganze Hausstaubproblematik entschlüsselt haben. Also her mit Staubtuch, Saubsauger und Wedel.

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