Archiv der Kategorie ‘Kinder mit Allergien‘

Schimmelpilz im Haus, eine unterschätzte Gefahr

Ganze Familie krank durch Schimmelpilz

Ein Team amerikanischer Wissenschaftler und Experten untersuchte eine Familie, die krank wurde, nachdem sie in ein Haus zog, in dem Schimmelbefall durch Wasser- und Bauschäden vorlag. Bei der ganzen Familie, einschließlich des Hunds, wurden schwerste gesundheitliche Auswirkungen festgestellt.

Schimmelpilzbelastung in Wohnhäusern wird oft unterschätzt und kann vielfältige Beschwerden und Gesundheitsschäden hervorrufen. Analysen des Hauses auf Schimmelpilz- und Bakterienbefall erbrachten im nachfolgend beschriebenen Fall eindeutige Ergebnisse. Bei den Familienmitgliedern wurden u.a. Mykotoxine in Sammelproben von Urin und Nasensekret, Muttermilch, Plazenta und Nabelschnur entdeckt. Sehr umfangreiche medizinische Untersuchungen bestätigten den Zusammenhang zwischen den Gesundheitsbeschwerden und dem Schimmelpilz- und Bakterienbefall im Haus.

Gesunde Familie plötzlich krank

Eine fünfköpfige Familie zog mit Hund von Kanada nach Maui auf Hawaii, wo sie ein Haus anmieteten. Bevor die Familie umzog, waren alle völlig gesund gewesen. Kurz nachdem sie eingezogen, stellten sich bei allen Symptome ein. Das Haus, das sie an angemietet hatten, wies diverse Bauschäden auf, wodurch es zu Wasserschäden und Schimmelbefall kam. Davon wusste die Familie bei Einzug jedoch nichts. Erst als die Gesundheit der Familie sich immer dramatischer verschlechterte und Gutachten von Experten und Laboruntersuchungen erstellt wurden, kamen durch Ursachen des Gesundheitszerfalls zu Tage.

Ein kleiner, nicht vollständiger Abriss, wie es den Familienmitgliedern ging:

Der Vater (40 J.) litt u.a. permanenten Husten, Kopfschmerzen, Sinusitis, schwere Erschöpfung, Nasenbluten, neurologische Defizite, Libidoverlust, Haarverlust, Kurzzeit- und Langzeitgedächtnisverlust.

Seine Frau (39 J.) hatte ebenfalls ständigen Husten, Kopfschmerzen, Sinusitis, Libidoverlust, Gedächtnisverlust, Kurzatmigkeit und extreme Erschöpfung. Sie wurde schwanger und bekam drei Monate nachdem sie aus dem Haus ausgezogen waren ein Mädchen.

Die älteste Tochter (8 J.) hatte die gleichen Symptome wie ihre Eltern, nur dass sie zusätzlich unter Konzentrationsstörungen, Übelkeit und Appetitverlust litt.

Der 5-jährige Sohn hatte häufige Kopfschmerzen, war immer müde und erschöpft, seine Nase war ständig zu, er hatte oft Nasenbluten, der Hals war innen gerötet und entzündet, er war kurzatmig und konnte in der Schule dem Unterricht kaum folgen.

Das Neugeborene war am ganzen Körper pink-rot, was bis zur 10.-12. Lebenswoche anhielt. Danach trat diese Rötung immer wieder sporadisch auf. Das Mädchen hatte am ganzen Körper starke braune, fleckenartige Pigmentierung. Die Pigmentflecke waren auch im Alter von 2 Jahren noch präsent.

Der Hund der Familie hatte ungefähr 72 Hautläsionen (Talgdrüsen und Lipome) an den Beinen, am Rumpf und den Ohren. Ein Tierarzt bestätigte, dass solches massive Auftreten sehr selten ist.

Untersuchungen, Analysen

Die Familie wurde umfassenden medizinischen Untersuchungen unterzogen, u.a. laboranalytische Tests, neurologische und psychologische Tests, Kernspinn, Computertomographie, Biopsien und speziellen PCR-Tests. Untersuchungen des Blutes, Urin, der Muttermilch, Plazenta und Nabelschnur wiesen Mykotoxine in unterschiedlichen Konzentrationen auf.

Der Vater hatte 17 pathologische, neurologische Befunde, seine Frau ebenfalls. Die Tochter hatte Tremor, der mit den Schimmelpilzen und Mykotoxinen in Zusammenhang gebracht werden konnte. Vater und Tochter hatten Nasenpolyen und ödematöse Entzündungen der Nasennebenhöhlen, die eine Operation erforderten. Beide hatten schwere, chronische Rhinosinusitis, die mit höchster Wahrscheinlichkeit mit Mikroben (Bakterien und Pilzen) in Zusammenhang steht, wie man sie aus Häusern kennt, die Wasserschäden aufweisen.

Der Sohn hatte keine neurologischen Ausfälle, bei ihm wurde jedoch festgestellt, dass er Anzeichen für Autismus und/oder ADHS aufwies. Wenn er im Verlauf schimmelbelastete Umgebung betrat, bekam er Nasenbluten, Husten, Kopfschmerzen und Atembeschwerden. Alle hatten Sinusitis, was in der medizinischen Fachliteratur als Folge beschrieben wird. Durch den Nachweis von Mykotoxinen in Plazenta, Nabelschnur und Muttermilch konnte ermittelt werden, dass das Baby einer sehr hohen Belastung ausgesetzt gewesen war.

Ganze Familie krank. Ursache: Ein kontaminiertes Haus

Das Haus wurde von zwei unabhängigen Bausachverständigen auf Bauschäden hin untersucht und weitreichende Tests durchgeführt. Ein sehr schwerwiegendes Feuchtigkeits- und Schimmelproblem wurde im Kriechkeller unterhalb der Schlafzimmer festgestellt. Feuchtigkeit drang aus dem Fundament in die Wände ein. Die Belüftung des Kriechkellers hing am gleichen Lüftungssystem wie die Schlafzimmer und andere Wohnbereiche.

Die Sachverständigen stellten außerdem Eindringen von Feuchtigkeit durch eine Dusche, Sprinkler und zu feuchten Boden vor dem Innenausbau, sowie durch Mängel an den Dachrinnen fest. Der Kriechkeller wies muffigen Schimmelgeruch und sichtbare Schimmelflecken an der Decke auf. Rauchtests ergaben eine Kommunikation zwischen dem Kriechkeller und den Schlafzimmern über Steckdosen, elektrische Leitungen und Armaturen. Rohrleitungen ließen Kondenswasser aus dem Kellerhohlraum in die Betonwände dringen. Löcher in Wänden, die vom Verlegen der Rohrleitungen und anderen Versorgungsleitungen stammten, waren nicht richtig versiegelt.

Luft- und Materialproben wurden unter notarieller Aufsicht an ein Labor verschickt. Es wurden umfangreiche Analysen durchgeführt (ERMI Q-PCR 36). Je nach Areal im Haus wurden unterschiedliche Schimmelpilzkombinationen festgestellt, u.a. Aspergillus, Penicillium, Eurotium amstelodami, A. pullans, C. globosum, und viele weitere.

Diverse Materialproben wurden auf Bakterien und Endotoxine hin untersucht. Man nahm dazu unterschiedliche Materialien, um ein umfassendes Spektrum zu ermitteln, u.a. Schmutz aus dem Kriechkeller, Kies, Holz, Kunststoff und eine Sandale, die unter einem Bett gelegen hatte. Verschiedene Arten von Bakterien und Mykotoxine wurden festgestellt. Was bei all den Analysen ermittelt wurde, erklärte die gesundheitlichen Beschwerden der Hausbewohner.

Eindeutige Kausalität

Die Ergebnisse der medizinischen Untersuchungen, gemeinsam mit den Analyseergebnissen aus dem Haus, waren sehr eindeutig. Die Wissenschaftler und Experten befanden, dass Schimmelpilze, Bakterien und Abbauprodukte mit größtmöglicher Wahrscheinlichkeit für die Gesundheitsschäden der Hausbewohner verantwortlich seien. Alle Experten, die in den Fall involviert waren, legten ihre Ergebnisse und ihre fachliche Einschätzung bei Gericht dar.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 11. Januar 2012

Literatur:

Jack Dwayne Thrasher, Michael R. Gray, Kaye H. Kilburn, Donald P. Dennis, and Archie Yu, “A Water-Damaged Home and Health of Occupants: A Case Study,” Journal of Environmental and Public Health, vol. 2012, Article ID 312836, 10 pages, 2012. doi:10.1155/2012/312836

Volltext der Studie (engl.):

A Water-Damaged Home and Health of Occupants: A Case Study

 

Genetische Ursachen von Neurodermitis identifiziert

Drei neue Risikogene für Neurodermitis ermöglichen neue Ansätze zur Vorhersage und Prävention

Die bisher größte genetische Studie zu Neurodermitis hat drei Gene identifiziert, die entscheidend zum Entstehen der chronischen Hauterkrankung beitragen. Die Ergebnisse der vom Helmholtz Zentrum München initiierten internationalen Studie wurden am 25.12.2011 beim renommierten Fachjounal Nature Genetics veröffentlicht.

Das EAGLE-Konsortium (EArly Genetics and Lifecourse Epidemiology) hat drei neue Gene identifiziert, die das Risiko für Neurodermitis deutlich erhöhen. Zwei der Gene tragen dazu bei, die natürliche Hautbarriere aufrecht zu erhalten. Das dritte gefundene Gen hat Auswirkungen auf die Immunregulation und beeinflusst auch die Entstehung von Asthma und Allergien. Im Rahmen der bisher weltweit umfassendsten genomweiten Studie wurden über 10.000 Neurodermitis-Patienten und 40.000 gesunde Vergleichspatienten untersucht.

“Unsere Ergebnisse ermöglichen es, die genetischen Ursachen von Neurodermitis besser zu verstehen. Damit können wir nicht nur Tests für genauere Risiko- abschätzungen entwickeln, sondern auch neue Präventions- und Behandlungs- ansätze ableiten,” sagt Dr. Joachim Heinrich, Initiator des multizentrischen Forschungsprojektes und kommissarischer Leiter des Instituts für Epidemiologie I am Helmholtz Zentrum München. “Die gemeinsame statistische Auswertung der Daten von 26 Kohorten aus 12 Ländern, darunter Australien, Kanada, USA sowie neun europäischer Staaten stellte eine besonders anspruchsvolle Herausforderung dar”, sagt Marie Standl, die als Doktorandin am Helmholtz Zentrum München federführend die zentrale Datenanalyse erfolgreich durchführte. Das Verständnis der Entstehungsmechanismen von Volkskrankheiten und die Ableitung neuer Angriffspunkte für Diagnose, Therapie und Prävention sind Ziele des Helmholtz Zentrums München.

Weitere Informationen

Neurodermitis ist mit einer Häufigkeit von ca. 20 Prozent bei Kindern und ca. 5 Prozent bei Erwachsenen in westlichen Industrienationen eine der häufigsten chronischen Hauterkrankungen. Sie geht oft der Entwicklung von Heuschnupfen und Asthma voraus. Ein großer Teil des Risikos, Neurodermitis und Allergien zu entwickeln, wird vererbt. In Kombination mit Umwelteinflüssen kommt es zur Krankheitsentstehung.

Autor:

Helmholtz Institut, Drei neue Risikogene für Neurodermitis ermöglichen neue Ansätze zur Vorhersage und Prävention, Neuherberg, 27.12.2011.

Literatur:

L. Paternoster*, M. Standl* et al., Meta-analysis of genome-wide association studies identifies three new risk loci for atopic dermatitis. Nature Genetics 2011; Advance online publication; doi:10.1038/ng.1017.

Grippale Virusinfektion verschlimmert Hausstaubmilbenallergie und allergisch bedingtes Asthma

Patienten berichten, dass sie während einer Virusinfektion stärker auf Hausstaubmilben reagieren und dass allergisches Asthma auftritt. Mediziner gehen davon aus, dass Virusinfektionen der Atemwegen mit einem erhöhten Auftreten von allergischem Asthma in Verbindung stehen. Allerdings werden die Mechanismen, durch die Infektionen der Atemwege zu allergischer Atemwegerkrankung führen, bislang nur unvollständig verstanden. Eine im Journal of Immunology publizierte Studie brachte Aufschluss.

Allergie wirkt sich während Virusinfektion stärker aus

Eine kanadische Wissenschaftlergruppe der McMaster University stellte sich die Aufgabe, Näheres herauszufinden. Im Vorfeld ihrer aktuell veröffentlichten Studie hatte das Team herausgefunden, dass der Kontakt gegenüber einer geringen Konzentration Hausstaubmilben (HSM) eine Haustaubmilben-vermittelte, allergisch bedingte Entzündung der Atemwege verstärkt, und was in diesem Zusammenhang besonders wichtig ist, dass eine Hyperreaktivität der Atemwege nur bei Allergenkontakt während einer akuten Influenza-A-Infektion auftritt.

Hausstaubmilben induzieren Gene während Influenza

In der aktuellen Studie werteten die Wissenschaftler die Auswirkungen der gleichzeitigen Influenza-Infektion und Allergenexposition auf genomischer Ebene aus. Die ermittelten Daten zeigten, dass ein Kontakt gegenüber einer niedrigen Konzentration von Hausstaubmilben während einer Influenza-A-Infektion zu einem dramatischen Anstieg der Genexpression führt, vor allem von TLRs, C-Typ Lektin-Rezeptoren, mehreren Komplementkomponenten, sowie Fc ε R1. Darüber hinaus beobachteten die Kanadier ein erhöhtes Auftreten einer Reihe von Genen, Chemokinen und Zytokinen, die mit einem Anstieg von entzündungsfördernden Zellen in Zusammenhang stehen. Zusätzlich stellen sie fest, dass der Kontakt mit Hausstaubmilben im Rahmen einer Influenza-A-Infektion zu einer Induktion einzigartiger Gene, darunter Calgranulin A (S100A8) und TLR4-Agonist führt.

Verstärkte allergische Reaktionen

Die Erkenntnisse aus dieser Studie bringen Aufschluss darüber, dass eine Influenza-Infektion die Expression mehrerer Genklassen deutlich erhöht und dass diese dann in der Lage sind, auf Allergene zu sensibilisieren und anschließende entzündliche Immunreaktionen zu verstärken. Die kanadischen Wissenschaftler gehen davon aus, dass eine Influenza-A-Infektion die Umgebung in der Lunge in einer Weise „schärft“, dass die Schwelle zur Reaktionsfähigkeit auf Allergene herabgesetzt wird, wodurch dieser klinisch signifikante, allergische Phänotyp entsteht.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 19. Dezember 2011

Literatur:

Al-Garawi A, Husain M, Ilieva D, Humbles AA, Kolbeck R, Stampfli MR, O’Byrne PM, Coyle AJ, Jordana M.,Shifting of Immune Responsiveness to House Dust Mite by Influenza A Infection: Genomic Insights, J Immunol. 2011 Dec 14.

Wissenschaftlicher Durchbruch könnte Pollenallergikern helfen

Hilfe für Allergiker: Allergengehalt in Pollenextrakten ist zuverlässig messbar

Der Allergengehalt in Präparaten zur Diagnostik und Therapie kann stark schwanken. Das wirkt sich direkt auf Testergebnisse und Behandlungserfolge aus. Nach jahrelanger Forschung ist ein Durchbruch bei der Allergenbestimmung in Pollenextrakten erzielt worden. Auf einer Konferenz des Europäischen Direktorats für die Qualität von Arzneimitteln (EDQM) in Strasbourg stellten Wissenschaftler neue Methoden vor. Damit werden die wichtigsten Allergene in Birken- und Gräserpollen gemessen. Es handelt sich um Eiweißstoffe, auf die Allergiker überempfindlich mit lästigen Beschwerden an Augen, Nase und Bronchien reagieren.

Zur nachhaltigen Behandlung dient die spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) mit Allergenpräparaten. Sie enthalten große Mengen vom Polleneiweiß, an die sich das Immunsystem bei wiederholter Gabe langsam gewöhnt. Allerdings ließen sich die Allergenextrakte bisher nicht vergleichen; zu unterschiedlich waren die verwendeten Einheiten, die in Deutschland das Paul-Ehrlich-Institut überwacht. Jetzt können die Hauptallergene, z.B. Bet v 1 aus Pollen der Warzenbirke (wissenschaftliche Bezeichnung Betula verrucosa), zuverlässig bestimmt werden. Prof. Stefan Vieths, Vizepräsident vom Paul-Ehrlich-Institut und Beirat der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) sieht darin einen Durchbruch: “Auf diesen Moment haben die Allergologen lange gewartet”. Sind die Tests erst Bestandteil des Europäischen Arzneibuches geworden, steht auf allen Birkenpollen-Präparaten der genaue Allergengehalt.

Literatur: Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI), Berlin, 16.12.2011

Stearinkerzen und Bienenwachskerzen besser für Allergiker und Asthmatiker

Herkömmliche Kerzen aus Paraffin und Duftkerzen setzen Schadstoffe frei

In der Winterzeit und besonders in der Weihnachtszeit bringen Kerzen romantische Stimmung ins Haus. Die im Handel angebotenen Kerzen bestehen fast ausnahmslos aus Paraffin, ein billiges Erdölprodukt. Außer den Schadstoffen, die durch das Paraffin in die Innenraumluft freigesetzt werden, tragen Duftstoffe zur Belastung von Luft und Gesundheit bei. Neuere Studien belegen, dass Aromaöle, die Kerzen duften lassen, unter bestimmten Bedingungen Schadstoffe bilden. Wissenschaftler stellten fest, Kerzen aus Sojaöl, Bienenwachs, Pflanzenstearin brennen rückstandsfrei ab, ohne die Luft mit Schadstoffen zu belasten.

Wissenschaftler weisen auf Schadstoffbelastung durch Paraffinkerzen hin

Auf ihrem 238. Kongress trugen Wissenschaftler der American Chemical Society vor, dass handelsübliche Kerzen aus Paraffin eine bislang wenig beachtete Schadstoffquelle darstellen. Besonders in kleinen Räumen und Zimmern mit geringer Ventilation stellen sich rasch Konzentrationen ein, die gesundheitsschädlich sein können. Es handelt sich u.a. um krebserregende Stoffe.

Alternativen aus der Natur

Bienenwachskerzen und Kerzen aus Pflanzenstearin brennen nicht nur besser ab, sie sehen auch wesentlich edler aus als schadstoffbelastete Paraffinkerzen. Ein weiterer Pluspunkt: Selbst wenn sie in der Anschaffung etwas teurer sind, so haben sie auch eine erheblich längere Brenndauer. Kauft man ökologische Kerzen, kann man sicher sein, dass der Baumwolldocht bleifrei ist. Bei konventionellen Kerzen aus Paraffin hingegen ist durch den meistens bleihaltigen Docht mit Bleieintrag im Raum zu rechnen.

Zusätzliche Schadstoffbelastung

Duftstoffe und Aromaöle werden durch bestimmte Umweltbedingungen in Schadstoffe umgewandelt. Selbst natürliche Duftöle bergen diese Gefahr und können sich zusätzlich als Reizstoffe für Allergiker herausstellen.

Herkömmliche Paraffinkerzen problematisch für Allergiker, Asthmatiker, Chemikaliensensible

Kerzen aus Paraffin und solche, die mit Duftstoffen oder Aromaölen versetzt sind, sind für Menschen, die unter Allergien, Chemikaliensensitivität (MCS) oder Atemwegsbeschwerden leiden, wie bspw. Asthma, besonders bedenklich. Sie sollen bei empfindlichen Personen Asthmaanfälle, Reizungen der Atemwege und sogar Hautallergien auslösen können, bestätigten deutsche Lungenfachärzte. Bei diesen Personengruppen können Kerzen, die aus Chemikalien hergestellt wurden oder damit versetzt sind, unmittelbar zu Beschwerden führen.

Manche Personen rätseln, weshalb es ihnen in bestimmten Räumen schlecht geht und denken an eine neue Allergie. Das ist meistens falsch, sagte der Studienleiter Prof. Hamidi, es sind die Schadstoffe, auf die diese Menschen reagieren. Deshalb sollte man in Gegenwart von hypersensibilisierten Personen am besten ganz auf Kerzen verzichten. Wenn man zu feierlichen Stunden, oder in der Weihnachtszeit, nicht ganz ohne Kerzen auskommen möchte, sind Kerzen aus Pflanzenstearin die sicherste Wahl. Sie brennen geruchsneutral und rückstandsfrei ab.

Autor:

Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 25.10.2011

Literatur:

R. Massoudi Ph.D., Amid Hamidi , Romantic, candle-lit dinners: An unrecognized source of indoor air pollution, American Chemical Society, 19. Aug. 2009

Lungenärzte im Netz, Paraffin in Duftkerzen kann die Atemwege reizen und Asthma hervorrufen, 15.11.2010

Silvia K. Müller, Vorsicht bei MCS: Kerzen können zu Schadstoffbelastung in Innenräumen beitragen, CSN, 13.12.2008

Bekannteste Umweltmedizinerin aus den USA besucht Deutschland

Prof. Doris Rapp: Die Ursachen für Umweltkrankheiten müssen endlich realisiert werden

Die Ärztin und Wissenschaftlerin Doris Rapp gehört zu denen, die Umweltmedizin nicht nur praktizieren, sondern für die die Umweltmedizin der wichtigste Lebensinhalt ist. Zwei Wochen weilt die Amerikanerin in Deutschland. Das erneute Zusammentreffen mit der Umweltmedizinerin war äußerst produktiv, und nahezu nebenbei durften wir einen wunderschönen Tag an der Mosel verbringen. Ein kleiner Bericht darüber:

Wissenschaftlerin dokumentiert Umweltkrankheiten

Vor rund 18 Jahren traf ich Prof. Rapp zum ersten Mal auf einem Kongress in Bad Emstal. Es war ein Schlüsselerlebnis gewesen. Bei ihrem Vortrag zeigte die Umweltmedizinerin ein Video über eine Lehrerin, die durch schadstoffbelasteten Teppichboden in der Schule krank wurde. Die Lehrerin wurde während einer Reaktion auf Staub aus dem belasteten Teppichboden gefilmt. Sehr anschaulich wurde dem Betrachter vermittelt, was MCS ist, und wie eine Reaktion abläuft. Ich stand damals ganz am Anfang meiner Erkrankung und hatte ähnliche Reaktionen auf bestimmte Pestizide. Die Lehrerin bekam Schüttelkrämpfe und wurde bewusstlos, ich dachte „meine Güte, das bin ich, das ist wie bei mir, das ist, was du auch hast…“. Nach dem Vortrag sprach ich damals mit Prof. Rapp und es wurde der Beginn eines fortwährenden Austauschs und einer interessanten Freundschaft. Wir trafen uns immer wieder auf Kongressen in Deutschland, Holland, in den USA, besuchten uns gegenseitig in Deutschland und den USA und tauschten uns per E-Mail aus. Als ich sie in Scottsdale besuchte, zeigte sie mir eines ihrer Videoarchive. Tausende Videos von Kindern, die sie behandelt hatte, lagerten dort. Sie zeigten die Patienten während und nach der Therapie und bei Tests auf Nahrungsmittel, Schimmelpilzen, Pollen, Chemikalien oder Hausstaubmilben. Eindrucksvolle Beweise, die keine Zweifel an der Existenz von Umweltkrankheiten und Allergien aufkommen lassen.

Umweltkrankheiten nicht mehr ignorierbar

Für diesen Besuch war die Umweltmedizinerin von Dr. Binz und seiner Frau eingeladen worden. Eigentlich hatten wir uns für einen Ausflug entlang der Mosel verabredet, der vor dem Mittagessen losgehen sollte. Das Wiedersehen war herzlich und kaum hatten wir uns begrüßt, schon tauschten wir bereits Informationen aus und ehe wir uns versahen, waren wir mitten in Planungen für künftige Projekte.

„Ich bin jetzt über 80 und habe keine Kinder, eigentlich brauche ich all das nicht mehr und sollte mein Alter ganz in Ruhe genießen, aber ich sehe, was los ist, und kann einfach nicht schweigen. Wir haben so viele Chemikalien in unserer Umwelt, in der Nahrung, die wir essen, im Wasser, das wir trinken und in der Luft, die wir ständig einatmen. Sie beeinflussen jedes unserer Körpersysteme und das ist nicht mehr zu ignorieren. Fast jeder Zweite in meinem Land hat Krebs, das ist nicht hinnehmbar, “ sagte Doris Rapp.

„Die Politiker und die Öffentlichkeit muss realisieren, welchen Einfluss die Flut der Chemikalien auf uns hat und keiner sollte noch länger sagen, dass wir nicht wissen, woher all die Krankheiten kommen, die immer gehäufter auftreten. Die Beweise sind da. Wir haben Tierversuche, die sie belegen. Deshalb stelle ich als Medizinerin die Frage: „Wie viel muss noch passieren, bis wir die wahren Ursachen zugeben? Ich lasse es auch nicht durchgehen, dass man sagt: „Ja, aber da kann man nichts dagegen tun.“ Doch, denn man kann sich selbst schlau machen und man kann, zur Hölle nochmal, eine ganze Menge tun, “ sagte die über die derzeitige Situation erzürnte Wissenschaftlerin.

Lösungen sind oft sehr einfach

Doch Prof. Rapp ist niemand, der mit der Welt hadert und Lösungen außen vor lässt. Sie ist gerade dabei, ein weiteres Buch zu schreiben. „Es wird ein kleines Buch sein, nur 30 Seiten. Jeder Leser bekommt leicht verständlich aufgezeigt, wie man sein Umfeld gestalten sollte, um gesund zu bleiben. Die Tipps in diesem Buch werden niemanden ein Vermögen kosten, sie sind leicht und ohne großen finanziellen Aufwand umsetzbar. Es wird jedem helfen, der etwas ändern will und möchte, dass sein Gesundheitszustand sich verbessert. Die Medizinerin führt zwei Beispiele an:

„Viele reagieren auf Nahrungsmittel, manche wissen aber nicht auf welche. Teure Tests sind nicht unbedingt nötig. Ich rate, dass die Leute nachdenken, was sie am allerliebsten essen. Nahrungsmittel, auf die sie regelrecht süchtig sind. Erfahrungsgemäß sind das nämlich Nahrungsmittel, die sie jeden Tag essen und auf die sie reagieren. Die Lösung: Weglassen der verdächtigen Nahrungsmittel für eine Woche. Man kann ein Nahrungsmittel nach dem anderen so einem Verträglichkeitstest unterziehen. Das kostet nichts!“

„Manche Menschen wohnen in einem Haus, das mit Schadstoffen belastet ist oder durch Schimmel kontaminiert. Meine Erfahrung ist, dass fünf von sieben Leuten eine Verbesserung ihres Gesundheitszustandes um 70% erfahren, wenn sie sich einen qualitativ hochwertigen Luftreiniger beschaffen, der in der Lage ist mehrere Hundert Chemikalien aus der Wohnraumluft zu filtern. Ein solcher Luftreiniger kostet zwar etwas, aber ich habe nicht selten Patienten gesehen, denen es schon über Nacht besser ging. Es lohnt sich also, sich einen Luftfilter anzuschaffen, wenn man nicht direkt aus der Wohnung ausziehen kann.“

Das neue Buch wird noch in diesem Jahr erscheinen und Prof. Rapp hat mir die Autorisierung erteilt, es ins Deutsche zu übersetzen. Auch für ihre Videos und anderen Bücher gab sie die Genehmigung, diese in unsere Sprache zu übertragen, es beizutragen, dass Allergiker und Chemikaliensensible im deutschsprachigen Raum Wissen und Anleitungen zur Hand bekommen, die ihnen helfen, einen Weg zurück ins Leben zu erhalten.

Ein Ausflug entlang der Mosel

Auf der Fahrt zum historischen Moselweinort Bernkastel, nach Traben-Trabach und zurück nach Trier, sprühte Prof. Rapp vor innovativen Ideen, die wir in den nächsten Monaten realisieren werden und die auch den deutschen Umweltkranken in vielerlei Hinsicht zugutekommen werden.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 12. September 2011

PureNature Online Shop jetzt auch in Spanien

Es ist uns eine große Freude, mitteilen zu dürfen, dass es seit dem 8. Juli 2011 auch in Spanien einen PureNature Online Shop gibt. Spanische Kunden finden dort schon jetzt über 2000 Produkte, die ihnen ein Leben mit Allergien erleichtern und sie dabei unterstützen, umweltbewusst zu leben.

Ein Kundenservice ist bereits seit vergangenem Jahr vor Ort tätig. Unser Repräsentant, Herr David Palma, beantwortet die spanischen Kundenanfragen mit großem Sachverstand und steht in ständigem Kontakt mit seinen deutschen Kollegen, um alle Kundenwünsche und Anfragen zu größter Zufriedenheit zu erfüllen.

Die Übersetzung der Produktbeschreibungen des PureNature Sortiments nahm viele Monate in Anspruch und dauert noch an. Die Mühe hat gelohnt, denn für die spanischen Kunden wird das Einkaufen bei PureNature mit dem Start des Online Shops nun viel einfacher. Die Waren werden vom PureNature Stammsitz in Idar-Oberstein nach Spanien versendet. Die neuen Kunden werden im Monat Juli bei ihrer ersten Bestellung mit portofreiem Versand begrüßt.

Ein herzliches Willkommen nach Spanien, und an dieser Stelle ein großes Dankeschön an David Palma und seine Frau Eva Caballé, ohne die dieses Projekt nicht zustande gekommen wäre!

Alles Gute,

vom gesamtem PureNature Team

 

Schauen Sie herein in den neuen spanischen PureNature Shop: www.purenature.es

 

Schwimmhilfen und Schwimmtiere häufig schadstoffbelastet

Toxische Krokodile am Strand

Sie gehören zum Schwimmbad und Strand dazu wie die obligatorische Sonnencreme. Mit den Krokodilen, Delphinen, Schwänen, Walfischen aus leuchtend buntem Kunststoff, all den anderen Schwimmtieren, den orangefarbenen Schwimmärmchen und quietschbunten Schwimmreifen assoziieren wir Sommer und ausgelassene Kinder, die sich beim Spielen im Wasser vergnügen. Neue Schadstofftests konfrontieren uns mit der Gewissheit, dass die meisten dieser Schwimm-Reittiere und Schwimmhilfen immer noch giftige Chemikalien ausdünsten. Einige Hersteller bieten schadstoffkontrollierte Produkte für den Badespaß an, mit etwas Mühe kann der Käufer sie erkennen. Leichter hat es derjenige, der sich vor dem Kauf bei Ökotest oder bei Marktcheck informiert.

Spielzeug, das nach Teer, Mottenkugeln oder Lösungsmitteln riecht

In praller Sonne sind die Lösungsmittel, PAKs und Petrochemikalien aus Schwimmtieren und Schwimmhilfen selbst mit schwacher Nase oft nicht zu überriechen. Sich beim Kauf nur auf die Nase zu verlassen, um sein Kind zu schützen, reicht nicht aus, denn Weichmacher (Phthalate), die ebenfalls als sehr gesundheitsschädlich gelten, kann man nicht riechen. Wer im Internet kauft, hat es schwierig, denn vor allem bei Billiganbietern fehlt die Angabe aus welchem Material oft völlig oder ist unpräzise, indem bspw. nur „stabile Folie“ das Material umschreibt, statt es präzise zu benennen.

Raus aus dem Schlafzimmer!

Schwimmtiere und anderes Spielzeug, das Schadstoffe ausdünsten kann, sollte auf keinen Fall im Schlaf- oder Kinderzimmer aufbewahrt werden. Viele der Schwimmtiere besitzen eine beträchtliche Größe, manche sind eineinhalb Meter groß. Bei geschlossenem Fenster können rasch Schadstoffkonzentrationen entstehen, die die Gesundheit eines Kleinkindes durchaus nach wenigen Stunden oder sogar nach Minuten schädigen können. Ebenso sollte man darauf verzichten, Schwimmtiere in aufgeblasenem Zustand im Auto zu transportieren. In Fahrzeugen ohne Klimaanlage dünsten die teils leichtflüchtigen Chemikalien dieser Plastiktiere enorm aus und können bspw. zu Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Reizungen der Schleimhäute, Atemwegsbeschwerden, extremer Müdigkeit und Aggressivität führen.

Hersteller verpassen den wichtigsten Trend

Dass die bunten Schwimmtiere, die es im Handel gibt, ein Gesundheitsproblem darstellen, ist seit Jahren bekannt. Bei Schadstofftests wurden die Prüflabore immer wieder fündig. Geändert hat sich am Angebot wenig. Viele Anbieter im Internet schreiben nicht einmal dazu, aus welchem Material genau das Schwimm-Reittier hergestellt ist, und die Hersteller achten offenbar mehr darauf, keinen Designtrend zu verpassen, als die Produktion umzustellen. Der wichtigste Trend, schadstofffreie oder schadstoffarme Produkte zu produzieren, wird bislang verpasst.

Schadstoffarme Krokodile, Delphine,…

Noch sind es wenige Anbieter, die gute Produkte für ungetrübten Sommerspaß anbieten. Mit etwas Mühe können gesundheitsbewusste Verbraucher, die ihren Kindern keine Schadstoffe zumuten möchten, jedoch fündig werden.

Worauf man beim Kauf achten sollte:

  • Nur PVC-freie und PAK-freie Badetiere und Schwimmhilfen kaufen
  • Riecht das Badespielzeug stark chemisch oder gar giftig? Nicht kaufen!
  • Auf Siegel achten: BPA-frei, PAK-frei, Phthalat-frei, Weichmacher-frei
  • Bei Ökotest, Marktcheck vorab informieren

Verbraucher sorgen für Badespaß ohne Schadstoffe

Konsumenten haben mehr Einfluss auf das Angebot, als sie vermuten. Deshalb lohnt es beim Einkauf grundsätzlich, sich die Mühe zu machen, gezielt nach schadstofffreien oder schadstoffgeprüften Produkten zu fragen.

Schwimmtiere und Spielzeug, das stark riecht oder durch Gesundheitsbeschwerden auf sich aufmerksam macht, sollte man direkt entsorgen oder zurückgeben. Das Zurückbringen oder zurückschicken von schadstoffbelasteter Ware führt zu besseren Produkten in den Regalen. Je mehr Verbraucher sich die Mühe machen, ein Schwimmtier oder ein anderes Produkt, dass nach Auslüften oder abwaschen noch giftig riecht, zurückzubringen, desto größer wird der Druck auf die Branche, sich zu bessern. Selbst wenn man den Kaufpreis nicht mehr zurück erstattet bekommt, weil das Kaufdatum zu weit zurück liegt, ist die Reklamation solcher schadstoffbelasteten Ware ein Impuls, der seine Wirkung mittelfristig nicht verfehlen kann.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, Juni 2011

Deutsche Allergologen sehen gefährliche Defizite bei der Betreuung von Allergikern

Allergiker an den Rand gedrängt

Allergien haben sich zu einer Volkskrankheit des 21. Jahrhunderts entwickelt; in Deutschland ist jeder Vierte davon betroffen, darunter sehr viele Kinder: Neurodermitis ist die häufigste chronische Erkrankung unter 15-Jähriger, und 650000 Kinder leiden an Asthma. Die Gesundheitspolitik habe aber offenbar beschlossen, allergische Erkrankungen weitgehend zu privatisieren: Sie sollen der gesetzlichen Krankenversicherung nicht noch mehr zur Last fallen. Das beklagten drei Fachgesellschaften deutscher Allergologen nun auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in Berlin. Ohne eine bessere Finanzausstattung drohe ein Zusammenbruch der Versorgung von Allergikern.

Krankenkassen erstatten viele Medikamente für Allergiker nicht mehr

Die Allergologen kritisieren sowohl Entscheidungen der Gesundheitspolitik als auch der ärztlichen Selbstverwaltung in den vergangenen Jahren. So werden etwa wichtige Medikamente wie Antihistaminika gegen Heuschnupfen oder Hautpflegemittel für Neurodermitis-Patienten nicht von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet. Testsubstanzen für Kontaktallergien müssen seit 2008 wie Arzneimittel zugelassen werden – zu kompliziert, zu teuer und vor allem unnötig. Noch nie wurde ein Patient durch solche Tests geschädigt. Die Vergütung für allergologische Arztleistungen hätte ein Niveau erreicht, das für Praxen nicht mehr kostendeckend sei. “Wir appellieren nachdrücklich an die Verantwortlichen in Politik und Gesundheitsadministration, das Steuer herumzuwerfen und Allergiker nicht weiter auszugrenzen”, betonte Prof. Harald Renz von der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI).

Allergien sind keine „Befindlichkeitsstörungen”

Als Gemeinsamkeit hinter den vielen Einschränkungen sehen die Allergologen-Verbände eine fatale Fehleinschätzung allergischer Erkrankungen als “Befindlichkeitsstörungen”, die der Verantwortung des Einzelnen überlassen bleiben könne. “Gefährlich wird diese Sicht, wenn Kinder mit Heuschnupfen nicht mehr kompetent untersucht und behandelt werden. 30 bis 40 Prozent von ihnen können aber als Spätfolge ein Asthma bekommen”, erklärte Prof. Carl-Peter Bauer von der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin (GPA). Asthma ist eine chronische Erkrankung, die das Kind im weiteren Leben erheblich belasten und hohe Folgekosten verursachen wird.

Ärzte legen bei Allergikern drauf

Ulrich Glatzer, Geschäftsführer des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (AeDA) rechnete vor, dass niedergelassene Ärzte allergologische Leistungen oft nicht einmal mehr kostendeckend erbringen können. Wenn der Arzt z.B. einen Hauttest vornehmen muss, verbrauchen allein schon die Testsubstanzen das Geld, das in einigen Regionen dem Arzt für ein ganzes Quartal für diesen Patienten zur Verfügung steht. In anderen Regionen blieben ihm noch bis 8,73 Euro, dafür müsse er aber alle anderen Leistungen erbringen. Hat der Patient noch eine weitere allergische Erkrankung, was keine Seltenheit darstellt, müsste der Arzt sie gratis diagnostizieren und behandeln. Diese absurde Situation führe dazu, dass immer weniger Ärzte überhaupt noch allergologische Leistungen anbieten. Selbst Allergologen mit anderthalbjähriger Fachausbildung zögen sich schon zurück, Nachwuchs gebe es immer weniger.

Ärzteverbände fordern Änderungen zugunsten der Patienten

Die drei allergologischen Ärzteverbände sehen für ihr Fachgebiet einen Punkt erreicht, an dem nicht einfach so weitergemacht werden könne. Sparbemühungen träfen hier ohne haltbare Begründung einseitig eine Patientengruppe, die teilweise bereits resigniere. Ein Viertel der Allergiker suche schon gar keinen Arzt mehr auf und nur 10 Prozent würden noch von einem Allergologen qualifiziert versorgt. “Bei angemessener Versorgung können Allergiker heute eine gute Lebensqualität genießen”, sagte Prof. Harald Renz, DGAKI. “Das heutige System aber produziert viele schwer kranke Langzeitpatienten. Es ist an der Zeit, Gesundheitspolitik und kassenärztliche Vereinigungen auf ihre Verantwortung dafür hinzuweisen.”

Literatur:

Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI), Hamburg, OTS

Jeder dritte Arzneimittel-Allergiker nimmt den Allergieauslöser erneut ein

Allergologen mahnen zu besserem Umgang mit Medikamentenallergien

Medikamente können nicht nur Beschwerden lindern, sondern auch verursachen. Mehr als sieben Prozent der Bevölkerung leiden an einer Arzneimittel-Unverträglichkeit, viele davon reagieren allergisch. Häufige Auslöser einer Medikamenten-Allergie sind Penizillin und andere Antibiotika, aber auch Schmerzmittel wie ASS (Acetylsalicylsäure) sind Ursache von Urtikaria, Schock oder Asthma. Jetzt stellten der Allergologe Professor Thomas Fuchs und sein Team an der Hautklinik der Universitätsmedizin Göttingen in einer Studie fest, dass Arzneimittel-Allergiker langfristig stark gefährdet sein können. Denn jeder Dritte nimmt einige Jahre nach der Diagnose wieder ein Arzneimittel mit dem Allergieauslöser ein. „Patienten mit einer Allergie auf Arzneistoffe vergessen oder ignorieren die Empfehlungen ihres Allergologen mit der Zeit. Erschreckend ist, dass sich sogar Ärzte über unsere Empfehlungen hinwegsetzen und den Allergieauslöser verordnen“, kritisiert Fuchs. Die Folgen können schwerwiegend sein, im schlimmsten Fall droht ein Schock mit Lebensgefahr.

Die Arbeitsgruppe um Fuchs hatte 80 Patienten mit einer Allergie auf nicht-steroidale Schmerzmittel wie ASS, Paracetamol, Diclofenac oder Ibuprofen nach ihren Erfahrungen einige Jahre nach der Diagnose befragt. 41 Prozent hatten trotz der bekannten Allergie erneut das auslösende Medikament eingenommen. Die häufigsten Ursachen: Die Betroffenen kennen den Allergieauslöser oder sichere Alternativen nach einigen Jahren nicht mehr oder nehmen Medikamente ein, ohne den Beipackzettel auf entsprechende Inhaltsstoffe zu prüfen. In einigen Fällen hatten auch Ärzte ein Medikament mit dem Allergieauslöser verordnet. Und mehrere Patienten nahmen absichtlich ein Allergie auslösendes Medikament ein – aus Neugier, ob wohl wieder eine Reaktion auftritt.

Die Untersuchung der Hautklinik Göttingen zeigt, wie wichtig die intensive Aufklärung von Menschen mit einer Medikamenten-Allergie ist. Laut Fuchs sollten sich die Betroffenen ein Jahr nach der Diagnose erneut bei einem Allergologen vorstellen. Außerdem rät er den Patienten, immer einen Allergiepass bei sich zu haben. Darin wird der Auslöser notiert, damit behandelnde Ärzte sofort erkennen, welche Medikamente gefährliche Unverträglichkeitsreaktionen auslösen können. „Menschen mit einer Medikamenten-Allergie sollten ihre Ärzte auch aktiv darauf hinweisen, damit gewährleistet ist, dass kein Medikament mit dem Allergieauslöser verordnet wird“, empfiehlt der Allergieexperte Thomas Fuchs von der Hautklinik Göttingen.

Autor: Ärzteverband Deutscher Allergologen e. V. (ÄDA) www.aeda.de

Literatur:

Buhl T, Meynberg HC, Kaune KM, Hünecke P, Schön MP, Fuchs T:

Long-term follow-up of patients with hypersensitivity to nonsteroidal anti-inflammatory drugs reveals shortcomings in compliance and care, J Allergy Clin Immunol 2011: 127(1): 284-285

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