Archiv der Kategorie ‘Kinder mit Allergien‘

Bekannteste Umweltmedizinerin aus den USA besucht Deutschland

Prof. Doris Rapp: Die Ursachen für Umweltkrankheiten müssen endlich realisiert werden

Die Ärztin und Wissenschaftlerin Doris Rapp gehört zu denen, die Umweltmedizin nicht nur praktizieren, sondern für die die Umweltmedizin der wichtigste Lebensinhalt ist. Zwei Wochen weilt die Amerikanerin in Deutschland. Das erneute Zusammentreffen mit der Umweltmedizinerin war äußerst produktiv, und nahezu nebenbei durften wir einen wunderschönen Tag an der Mosel verbringen. Ein kleiner Bericht darüber:

Wissenschaftlerin dokumentiert Umweltkrankheiten

Vor rund 18 Jahren traf ich Prof. Rapp zum ersten Mal auf einem Kongress in Bad Emstal. Es war ein Schlüsselerlebnis gewesen. Bei ihrem Vortrag zeigte die Umweltmedizinerin ein Video über eine Lehrerin, die durch schadstoffbelasteten Teppichboden in der Schule krank wurde. Die Lehrerin wurde während einer Reaktion auf Staub aus dem belasteten Teppichboden gefilmt. Sehr anschaulich wurde dem Betrachter vermittelt, was MCS ist, und wie eine Reaktion abläuft. Ich stand damals ganz am Anfang meiner Erkrankung und hatte ähnliche Reaktionen auf bestimmte Pestizide. Die Lehrerin bekam Schüttelkrämpfe und wurde bewusstlos, ich dachte „meine Güte, das bin ich, das ist wie bei mir, das ist, was du auch hast…“. Nach dem Vortrag sprach ich damals mit Prof. Rapp und es wurde der Beginn eines fortwährenden Austauschs und einer interessanten Freundschaft. Wir trafen uns immer wieder auf Kongressen in Deutschland, Holland, in den USA, besuchten uns gegenseitig in Deutschland und den USA und tauschten uns per E-Mail aus. Als ich sie in Scottsdale besuchte, zeigte sie mir eines ihrer Videoarchive. Tausende Videos von Kindern, die sie behandelt hatte, lagerten dort. Sie zeigten die Patienten während und nach der Therapie und bei Tests auf Nahrungsmittel, Schimmelpilzen, Pollen, Chemikalien oder Hausstaubmilben. Eindrucksvolle Beweise, die keine Zweifel an der Existenz von Umweltkrankheiten und Allergien aufkommen lassen.

Umweltkrankheiten nicht mehr ignorierbar

Für diesen Besuch war die Umweltmedizinerin von Dr. Binz und seiner Frau eingeladen worden. Eigentlich hatten wir uns für einen Ausflug entlang der Mosel verabredet, der vor dem Mittagessen losgehen sollte. Das Wiedersehen war herzlich und kaum hatten wir uns begrüßt, schon tauschten wir bereits Informationen aus und ehe wir uns versahen, waren wir mitten in Planungen für künftige Projekte.

„Ich bin jetzt über 80 und habe keine Kinder, eigentlich brauche ich all das nicht mehr und sollte mein Alter ganz in Ruhe genießen, aber ich sehe, was los ist, und kann einfach nicht schweigen. Wir haben so viele Chemikalien in unserer Umwelt, in der Nahrung, die wir essen, im Wasser, das wir trinken und in der Luft, die wir ständig einatmen. Sie beeinflussen jedes unserer Körpersysteme und das ist nicht mehr zu ignorieren. Fast jeder Zweite in meinem Land hat Krebs, das ist nicht hinnehmbar, “ sagte Doris Rapp.

„Die Politiker und die Öffentlichkeit muss realisieren, welchen Einfluss die Flut der Chemikalien auf uns hat und keiner sollte noch länger sagen, dass wir nicht wissen, woher all die Krankheiten kommen, die immer gehäufter auftreten. Die Beweise sind da. Wir haben Tierversuche, die sie belegen. Deshalb stelle ich als Medizinerin die Frage: „Wie viel muss noch passieren, bis wir die wahren Ursachen zugeben? Ich lasse es auch nicht durchgehen, dass man sagt: „Ja, aber da kann man nichts dagegen tun.“ Doch, denn man kann sich selbst schlau machen und man kann, zur Hölle nochmal, eine ganze Menge tun, “ sagte die über die derzeitige Situation erzürnte Wissenschaftlerin.

Lösungen sind oft sehr einfach

Doch Prof. Rapp ist niemand, der mit der Welt hadert und Lösungen außen vor lässt. Sie ist gerade dabei, ein weiteres Buch zu schreiben. „Es wird ein kleines Buch sein, nur 30 Seiten. Jeder Leser bekommt leicht verständlich aufgezeigt, wie man sein Umfeld gestalten sollte, um gesund zu bleiben. Die Tipps in diesem Buch werden niemanden ein Vermögen kosten, sie sind leicht und ohne großen finanziellen Aufwand umsetzbar. Es wird jedem helfen, der etwas ändern will und möchte, dass sein Gesundheitszustand sich verbessert. Die Medizinerin führt zwei Beispiele an:

„Viele reagieren auf Nahrungsmittel, manche wissen aber nicht auf welche. Teure Tests sind nicht unbedingt nötig. Ich rate, dass die Leute nachdenken, was sie am allerliebsten essen. Nahrungsmittel, auf die sie regelrecht süchtig sind. Erfahrungsgemäß sind das nämlich Nahrungsmittel, die sie jeden Tag essen und auf die sie reagieren. Die Lösung: Weglassen der verdächtigen Nahrungsmittel für eine Woche. Man kann ein Nahrungsmittel nach dem anderen so einem Verträglichkeitstest unterziehen. Das kostet nichts!“

„Manche Menschen wohnen in einem Haus, das mit Schadstoffen belastet ist oder durch Schimmel kontaminiert. Meine Erfahrung ist, dass fünf von sieben Leuten eine Verbesserung ihres Gesundheitszustandes um 70% erfahren, wenn sie sich einen qualitativ hochwertigen Luftreiniger beschaffen, der in der Lage ist mehrere Hundert Chemikalien aus der Wohnraumluft zu filtern. Ein solcher Luftreiniger kostet zwar etwas, aber ich habe nicht selten Patienten gesehen, denen es schon über Nacht besser ging. Es lohnt sich also, sich einen Luftfilter anzuschaffen, wenn man nicht direkt aus der Wohnung ausziehen kann.“

Das neue Buch wird noch in diesem Jahr erscheinen und Prof. Rapp hat mir die Autorisierung erteilt, es ins Deutsche zu übersetzen. Auch für ihre Videos und anderen Bücher gab sie die Genehmigung, diese in unsere Sprache zu übertragen, es beizutragen, dass Allergiker und Chemikaliensensible im deutschsprachigen Raum Wissen und Anleitungen zur Hand bekommen, die ihnen helfen, einen Weg zurück ins Leben zu erhalten.

Ein Ausflug entlang der Mosel

Auf der Fahrt zum historischen Moselweinort Bernkastel, nach Traben-Trabach und zurück nach Trier, sprühte Prof. Rapp vor innovativen Ideen, die wir in den nächsten Monaten realisieren werden und die auch den deutschen Umweltkranken in vielerlei Hinsicht zugutekommen werden.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 12. September 2011

PureNature Online Shop jetzt auch in Spanien

Es ist uns eine große Freude, mitteilen zu dürfen, dass es seit dem 8. Juli 2011 auch in Spanien einen PureNature Online Shop gibt. Spanische Kunden finden dort schon jetzt über 2000 Produkte, die ihnen ein Leben mit Allergien erleichtern und sie dabei unterstützen, umweltbewusst zu leben.

Ein Kundenservice ist bereits seit vergangenem Jahr vor Ort tätig. Unser Repräsentant, Herr David Palma, beantwortet die spanischen Kundenanfragen mit großem Sachverstand und steht in ständigem Kontakt mit seinen deutschen Kollegen, um alle Kundenwünsche und Anfragen zu größter Zufriedenheit zu erfüllen.

Die Übersetzung der Produktbeschreibungen des PureNature Sortiments nahm viele Monate in Anspruch und dauert noch an. Die Mühe hat gelohnt, denn für die spanischen Kunden wird das Einkaufen bei PureNature mit dem Start des Online Shops nun viel einfacher. Die Waren werden vom PureNature Stammsitz in Idar-Oberstein nach Spanien versendet. Die neuen Kunden werden im Monat Juli bei ihrer ersten Bestellung mit portofreiem Versand begrüßt.

Ein herzliches Willkommen nach Spanien, und an dieser Stelle ein großes Dankeschön an David Palma und seine Frau Eva Caballé, ohne die dieses Projekt nicht zustande gekommen wäre!

Alles Gute,

vom gesamtem PureNature Team

 

Schauen Sie herein in den neuen spanischen PureNature Shop: www.purenature.es

 

Schwimmhilfen und Schwimmtiere häufig schadstoffbelastet

Toxische Krokodile am Strand

Sie gehören zum Schwimmbad und Strand dazu wie die obligatorische Sonnencreme. Mit den Krokodilen, Delphinen, Schwänen, Walfischen aus leuchtend buntem Kunststoff, all den anderen Schwimmtieren, den orangefarbenen Schwimmärmchen und quietschbunten Schwimmreifen assoziieren wir Sommer und ausgelassene Kinder, die sich beim Spielen im Wasser vergnügen. Neue Schadstofftests konfrontieren uns mit der Gewissheit, dass die meisten dieser Schwimm-Reittiere und Schwimmhilfen immer noch giftige Chemikalien ausdünsten. Einige Hersteller bieten schadstoffkontrollierte Produkte für den Badespaß an, mit etwas Mühe kann der Käufer sie erkennen. Leichter hat es derjenige, der sich vor dem Kauf bei Ökotest oder bei Marktcheck informiert.

Spielzeug, das nach Teer, Mottenkugeln oder Lösungsmitteln riecht

In praller Sonne sind die Lösungsmittel, PAKs und Petrochemikalien aus Schwimmtieren und Schwimmhilfen selbst mit schwacher Nase oft nicht zu überriechen. Sich beim Kauf nur auf die Nase zu verlassen, um sein Kind zu schützen, reicht nicht aus, denn Weichmacher (Phthalate), die ebenfalls als sehr gesundheitsschädlich gelten, kann man nicht riechen. Wer im Internet kauft, hat es schwierig, denn vor allem bei Billiganbietern fehlt die Angabe aus welchem Material oft völlig oder ist unpräzise, indem bspw. nur „stabile Folie“ das Material umschreibt, statt es präzise zu benennen.

Raus aus dem Schlafzimmer!

Schwimmtiere und anderes Spielzeug, das Schadstoffe ausdünsten kann, sollte auf keinen Fall im Schlaf- oder Kinderzimmer aufbewahrt werden. Viele der Schwimmtiere besitzen eine beträchtliche Größe, manche sind eineinhalb Meter groß. Bei geschlossenem Fenster können rasch Schadstoffkonzentrationen entstehen, die die Gesundheit eines Kleinkindes durchaus nach wenigen Stunden oder sogar nach Minuten schädigen können. Ebenso sollte man darauf verzichten, Schwimmtiere in aufgeblasenem Zustand im Auto zu transportieren. In Fahrzeugen ohne Klimaanlage dünsten die teils leichtflüchtigen Chemikalien dieser Plastiktiere enorm aus und können bspw. zu Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Reizungen der Schleimhäute, Atemwegsbeschwerden, extremer Müdigkeit und Aggressivität führen.

Hersteller verpassen den wichtigsten Trend

Dass die bunten Schwimmtiere, die es im Handel gibt, ein Gesundheitsproblem darstellen, ist seit Jahren bekannt. Bei Schadstofftests wurden die Prüflabore immer wieder fündig. Geändert hat sich am Angebot wenig. Viele Anbieter im Internet schreiben nicht einmal dazu, aus welchem Material genau das Schwimm-Reittier hergestellt ist, und die Hersteller achten offenbar mehr darauf, keinen Designtrend zu verpassen, als die Produktion umzustellen. Der wichtigste Trend, schadstofffreie oder schadstoffarme Produkte zu produzieren, wird bislang verpasst.

Schadstoffarme Krokodile, Delphine,…

Noch sind es wenige Anbieter, die gute Produkte für ungetrübten Sommerspaß anbieten. Mit etwas Mühe können gesundheitsbewusste Verbraucher, die ihren Kindern keine Schadstoffe zumuten möchten, jedoch fündig werden.

Worauf man beim Kauf achten sollte:

  • Nur PVC-freie und PAK-freie Badetiere und Schwimmhilfen kaufen
  • Riecht das Badespielzeug stark chemisch oder gar giftig? Nicht kaufen!
  • Auf Siegel achten: BPA-frei, PAK-frei, Phthalat-frei, Weichmacher-frei
  • Bei Ökotest, Marktcheck vorab informieren

Verbraucher sorgen für Badespaß ohne Schadstoffe

Konsumenten haben mehr Einfluss auf das Angebot, als sie vermuten. Deshalb lohnt es beim Einkauf grundsätzlich, sich die Mühe zu machen, gezielt nach schadstofffreien oder schadstoffgeprüften Produkten zu fragen.

Schwimmtiere und Spielzeug, das stark riecht oder durch Gesundheitsbeschwerden auf sich aufmerksam macht, sollte man direkt entsorgen oder zurückgeben. Das Zurückbringen oder zurückschicken von schadstoffbelasteter Ware führt zu besseren Produkten in den Regalen. Je mehr Verbraucher sich die Mühe machen, ein Schwimmtier oder ein anderes Produkt, dass nach Auslüften oder abwaschen noch giftig riecht, zurückzubringen, desto größer wird der Druck auf die Branche, sich zu bessern. Selbst wenn man den Kaufpreis nicht mehr zurück erstattet bekommt, weil das Kaufdatum zu weit zurück liegt, ist die Reklamation solcher schadstoffbelasteten Ware ein Impuls, der seine Wirkung mittelfristig nicht verfehlen kann.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, Juni 2011

Deutsche Allergologen sehen gefährliche Defizite bei der Betreuung von Allergikern

Allergiker an den Rand gedrängt

Allergien haben sich zu einer Volkskrankheit des 21. Jahrhunderts entwickelt; in Deutschland ist jeder Vierte davon betroffen, darunter sehr viele Kinder: Neurodermitis ist die häufigste chronische Erkrankung unter 15-Jähriger, und 650000 Kinder leiden an Asthma. Die Gesundheitspolitik habe aber offenbar beschlossen, allergische Erkrankungen weitgehend zu privatisieren: Sie sollen der gesetzlichen Krankenversicherung nicht noch mehr zur Last fallen. Das beklagten drei Fachgesellschaften deutscher Allergologen nun auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in Berlin. Ohne eine bessere Finanzausstattung drohe ein Zusammenbruch der Versorgung von Allergikern.

Krankenkassen erstatten viele Medikamente für Allergiker nicht mehr

Die Allergologen kritisieren sowohl Entscheidungen der Gesundheitspolitik als auch der ärztlichen Selbstverwaltung in den vergangenen Jahren. So werden etwa wichtige Medikamente wie Antihistaminika gegen Heuschnupfen oder Hautpflegemittel für Neurodermitis-Patienten nicht von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet. Testsubstanzen für Kontaktallergien müssen seit 2008 wie Arzneimittel zugelassen werden – zu kompliziert, zu teuer und vor allem unnötig. Noch nie wurde ein Patient durch solche Tests geschädigt. Die Vergütung für allergologische Arztleistungen hätte ein Niveau erreicht, das für Praxen nicht mehr kostendeckend sei. “Wir appellieren nachdrücklich an die Verantwortlichen in Politik und Gesundheitsadministration, das Steuer herumzuwerfen und Allergiker nicht weiter auszugrenzen”, betonte Prof. Harald Renz von der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI).

Allergien sind keine „Befindlichkeitsstörungen”

Als Gemeinsamkeit hinter den vielen Einschränkungen sehen die Allergologen-Verbände eine fatale Fehleinschätzung allergischer Erkrankungen als “Befindlichkeitsstörungen”, die der Verantwortung des Einzelnen überlassen bleiben könne. “Gefährlich wird diese Sicht, wenn Kinder mit Heuschnupfen nicht mehr kompetent untersucht und behandelt werden. 30 bis 40 Prozent von ihnen können aber als Spätfolge ein Asthma bekommen”, erklärte Prof. Carl-Peter Bauer von der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin (GPA). Asthma ist eine chronische Erkrankung, die das Kind im weiteren Leben erheblich belasten und hohe Folgekosten verursachen wird.

Ärzte legen bei Allergikern drauf

Ulrich Glatzer, Geschäftsführer des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (AeDA) rechnete vor, dass niedergelassene Ärzte allergologische Leistungen oft nicht einmal mehr kostendeckend erbringen können. Wenn der Arzt z.B. einen Hauttest vornehmen muss, verbrauchen allein schon die Testsubstanzen das Geld, das in einigen Regionen dem Arzt für ein ganzes Quartal für diesen Patienten zur Verfügung steht. In anderen Regionen blieben ihm noch bis 8,73 Euro, dafür müsse er aber alle anderen Leistungen erbringen. Hat der Patient noch eine weitere allergische Erkrankung, was keine Seltenheit darstellt, müsste der Arzt sie gratis diagnostizieren und behandeln. Diese absurde Situation führe dazu, dass immer weniger Ärzte überhaupt noch allergologische Leistungen anbieten. Selbst Allergologen mit anderthalbjähriger Fachausbildung zögen sich schon zurück, Nachwuchs gebe es immer weniger.

Ärzteverbände fordern Änderungen zugunsten der Patienten

Die drei allergologischen Ärzteverbände sehen für ihr Fachgebiet einen Punkt erreicht, an dem nicht einfach so weitergemacht werden könne. Sparbemühungen träfen hier ohne haltbare Begründung einseitig eine Patientengruppe, die teilweise bereits resigniere. Ein Viertel der Allergiker suche schon gar keinen Arzt mehr auf und nur 10 Prozent würden noch von einem Allergologen qualifiziert versorgt. “Bei angemessener Versorgung können Allergiker heute eine gute Lebensqualität genießen”, sagte Prof. Harald Renz, DGAKI. “Das heutige System aber produziert viele schwer kranke Langzeitpatienten. Es ist an der Zeit, Gesundheitspolitik und kassenärztliche Vereinigungen auf ihre Verantwortung dafür hinzuweisen.”

Literatur:

Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI), Hamburg, OTS

Jeder dritte Arzneimittel-Allergiker nimmt den Allergieauslöser erneut ein

Allergologen mahnen zu besserem Umgang mit Medikamentenallergien

Medikamente können nicht nur Beschwerden lindern, sondern auch verursachen. Mehr als sieben Prozent der Bevölkerung leiden an einer Arzneimittel-Unverträglichkeit, viele davon reagieren allergisch. Häufige Auslöser einer Medikamenten-Allergie sind Penizillin und andere Antibiotika, aber auch Schmerzmittel wie ASS (Acetylsalicylsäure) sind Ursache von Urtikaria, Schock oder Asthma. Jetzt stellten der Allergologe Professor Thomas Fuchs und sein Team an der Hautklinik der Universitätsmedizin Göttingen in einer Studie fest, dass Arzneimittel-Allergiker langfristig stark gefährdet sein können. Denn jeder Dritte nimmt einige Jahre nach der Diagnose wieder ein Arzneimittel mit dem Allergieauslöser ein. „Patienten mit einer Allergie auf Arzneistoffe vergessen oder ignorieren die Empfehlungen ihres Allergologen mit der Zeit. Erschreckend ist, dass sich sogar Ärzte über unsere Empfehlungen hinwegsetzen und den Allergieauslöser verordnen“, kritisiert Fuchs. Die Folgen können schwerwiegend sein, im schlimmsten Fall droht ein Schock mit Lebensgefahr.

Die Arbeitsgruppe um Fuchs hatte 80 Patienten mit einer Allergie auf nicht-steroidale Schmerzmittel wie ASS, Paracetamol, Diclofenac oder Ibuprofen nach ihren Erfahrungen einige Jahre nach der Diagnose befragt. 41 Prozent hatten trotz der bekannten Allergie erneut das auslösende Medikament eingenommen. Die häufigsten Ursachen: Die Betroffenen kennen den Allergieauslöser oder sichere Alternativen nach einigen Jahren nicht mehr oder nehmen Medikamente ein, ohne den Beipackzettel auf entsprechende Inhaltsstoffe zu prüfen. In einigen Fällen hatten auch Ärzte ein Medikament mit dem Allergieauslöser verordnet. Und mehrere Patienten nahmen absichtlich ein Allergie auslösendes Medikament ein – aus Neugier, ob wohl wieder eine Reaktion auftritt.

Die Untersuchung der Hautklinik Göttingen zeigt, wie wichtig die intensive Aufklärung von Menschen mit einer Medikamenten-Allergie ist. Laut Fuchs sollten sich die Betroffenen ein Jahr nach der Diagnose erneut bei einem Allergologen vorstellen. Außerdem rät er den Patienten, immer einen Allergiepass bei sich zu haben. Darin wird der Auslöser notiert, damit behandelnde Ärzte sofort erkennen, welche Medikamente gefährliche Unverträglichkeitsreaktionen auslösen können. „Menschen mit einer Medikamenten-Allergie sollten ihre Ärzte auch aktiv darauf hinweisen, damit gewährleistet ist, dass kein Medikament mit dem Allergieauslöser verordnet wird“, empfiehlt der Allergieexperte Thomas Fuchs von der Hautklinik Göttingen.

Autor: Ärzteverband Deutscher Allergologen e. V. (ÄDA) www.aeda.de

Literatur:

Buhl T, Meynberg HC, Kaune KM, Hünecke P, Schön MP, Fuchs T:

Long-term follow-up of patients with hypersensitivity to nonsteroidal anti-inflammatory drugs reveals shortcomings in compliance and care, J Allergy Clin Immunol 2011: 127(1): 284-285

Weitrere Artikel zum Thema:

Ursachen für Nasenpolypen entdeckt

Vererbung, Allergien, Umweltfaktoren und Chemikalien im Beruf

Die Ursache für Polypen in der Nase galt lange als weitgehend ungeklärt. Kinder, wie auch Erwachsene können von diesen gutartigen Wucherungen in der Nase, die das Atmen erschweren und zu erheblichen körperlichen Beeinträchtigungen führen kön- nen, betroffen sein.

Die Größe der Wucherungen variiert, sie reicht von Millimetern bis hin zu einer Größe, die das Atmen durch die Nase fast völlig unmöglich macht. Chronische Entzündungen, verursacht durch Viren, Bakterien oder Pilze, Allergien und Asthma standen bislang in Verdacht, Auslöser zu sein.

Ein Wissenschaftlerteam aus Griechenland konnte durch eine Fall-Kontroll-Studie nähere Aufschlüsse gewinnen und weitere Ursachen aufdecken. Umweltfaktoren und Chemikalien im Beruf hatten erhebliche Signifikanz für das Auftreten von Polypen.

Studie ermittelt Ursachen für Polypen

Ein griechisches Wissenschaftlerteam untersuchte 100 Patienten von drei Athener Kliniken und 102 Kontrollpersonen. Bei jedem Studienteilnehmer wurde bei der Anamnese Geschlecht, Bildungsniveau, Familiengeschichte, Allergien, Rauchen, berufliche Tätigkeiten und Umweltbelastungen ermittelt.

Symptome bei Nasenpolypen

Die durch Nasenpolypen verursachte Symptomatik hängt vom Schweregrad und den anatomischen Gegebenheiten ab, folgende Beschwerden werden häufig beobachtet:

  • Erschwerte Nasenatmung
  • Undeutliche, verwaschene Aussprache, „durch die Nase sprechen“,
  • Leistungsschwäche
  • Schlafstörungen, Schnarchen
  • Vermindertes Riechvermögen
  • Häufige Entzündung der Nasennebenhöhlen

Allergien und Vererbung Ursachen für Polypen in der Nase

Die Wissenschaftler stellten fest, dass Polypen auch familiär bedingt sein können. Bei insgesamt 13,3% der Patienten kamen Polypen in der Familie vor. Bei der Kontroll- gruppe hingegen hatte keiner der Familienangehörigen Nasenpolypen. Noch überzeugender war das Vorliegen von Allergien bei den Patienten mit Polypen. Bei 64% der Patienten wurden verschiedene Allergien festgestellt und bei 12% wahrscheinliches Vorliegen von Allergien.

Umweltfaktoren und Chemikalien Ursache für Polypen

An manchen Arbeitsplätzen kommen Angestellte mit Chemikalien und belasteten Stäuben in Kontakt. Auch dies kann zu Nasenpolypen führen, stellten die Wissenschaftler fest. Insbesondere Kontakt mit Chemikalien am Arbeitsplatz stellte sich als häufige Ursache bei den Patienten mit Polypen heraus. Rauchen hingegen stellte keinen signifikanten Auslösefaktor dar. Auch der Bildungsstand war irrrelevant für das Auftreten von Polypen.

Die Wissenschaftler schlossen aus den Ergebnissen, die sie durch ihre Studie gewonnen hatten, dass Nasenpolypen sehr häufig durch Allergien verursacht werden und familiär bedingt sein können. Eine genetische Disposition hat nach Auffassung der griechischen Wissenschaftler allerdings auch Einfluss auf die Häufigkeit des Auftretens von Nasenpolypen durch Chemikalien und Stoffe aus der Umwelt und am Arbeitsplatz. Patienten litten häufiger unter Polypen, wenn sie mit Chemikalien am Arbeitsplatz konfrontiert wurden und gleichzeitig Polypen in der Familie auftraten.

Behandlung von Nasenpolypen, Ursachenbekämpfung

Die Therapie der Wahl bei Nasenpolypen bestand bislang in erster Linie aus zwei Optionen: Langzeitbehandlung mit Cortisonspray (meist mind. 6 Monate) und/oder Operation. Die Erkenntnisse der Wissenschaftler aus Athen eröffnen eine weitere Herangehensweise: Allergenvermeidung, sowie Expositionsstop gegenüber auslösenden Chemikalien im Wohn- und Arbeitsumfeld. Dort, wo Allergene und Chemikalien nicht vermieden werden können, sollte von Betriebsseite präventiv für Schutz durch Tragen von Schutzmasken, gute Belüftung, als auch durch Absaugung von Chemikalien und Stäuben gesorgt werden.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 28. Feb. 2011

Literatur:

Alexiou A, Sourtzi P, Dimakopoulou K, Manolis E, Velonakis E., Nasal polyps: heredity, allergies, and environmental and occupational exposure, J Otolaryngol Head Neck Surg. 2011 Feb;40 (1):58-63.

Verbraucher kämpften um ihr Allergiker-Shampoo

AFM Shampoo für Allergiker und Chemikaliensensible wieder in Originalrezeptur erhältlich

Ein geeignetes Shampoo ohne Duftstoffe und ohne Allergene zu finden ist nicht einfach, wenn man chemikaliensensibel ist. Ein amerikanischer Hersteller hatte viele Jahre ein duftfreies Dusch-Shampoo im Programm, das speziell für Allergiker und Menschen mit Chemikalien-Sensitivität (MCS) entwickelt worden war. Doch plötzlich, von einem Tag auf den anderen, war das beliebte Dusch-Shampoo nicht mehr in der gewohnten Rezeptur lieferbar. Die neue Zusammen- setzung war insbesondere für diejenigen mit MCS nicht tolerierbar. Kunden von PureNature riefen an, schrieben E-Mails und Briefe. MCS Selbsthilfegruppen aus Deutschland und anderen europäischen Ländern baten um Rückkehr des Original AFM Allergiker-Shampoo. Auf Anschreiben von PureNature blieb der Hersteller hart und beharrte auf die neue „bessere“ Rezeptur. Fast zwei Jahre kämpften Verbraucher zusammen mit PureNature um das beliebte, duftfreie Sham- poo.

Es ging amerikanischen Allergikern und Chemikaliensensiblen ähnlich, auch sie vermissten ihr AFM Shampoo. Auch von dort schrieben MCS-Selbsthilfegruppen an AFM. Auf dem europäischen und amerikanischen Markt gibt es zwar einige Allergiker-Sham- poos, aber sie lassen das Haar nicht so schön glänzen, wie das AFM Shampoo mit Seidenproteinen. Auch kommen viele dieser Allergiker-Shampoos für Chemikaliensensible nicht in Frage, weil sie Duftstoffe enthalten oder Beschwerden auslösende Chemikalien.

Der Hersteller AFM gab schließlich dem Druck der Verbraucher nach, und seit Anfang des Jahres kann man das AFM Shampoo wieder erhalten. Die Hartnäckigkeit aller hat sich durchgesetzt und ist ein gutes Beispiel dafür, dass Verbraucher tatsächlich nicht locker lassen sollen, wenn ein Produkt, was sie schätzen gelernt haben, plötzlich nicht mehr wie gewohnt erhältlich ist. Für Hersteller sollte jede Rückmeldung von Verbrauchern ein Signal sein, die sie rasch zur Zufriedenheit lösen sollten. Bei AFM hat es etwas gedauert, aber was lange währt wird endlich gut. Wir von PureNature haben uns jedenfalls gefreut, dass unsere Kunden mit uns eisern geblieben sind. Es hat geklappt, „unser“ AFM Shampoo mit der bewährten Rezeptur, die eigens für Chemikaliensensible entwickelt wurde, ist endlich wieder da. :-)

Über 40 Schulen erhalten Luftreiniger, um Asthma zu reduzieren

Dieselabgase Auslöser von Umweltkrankheiten bei Kindern

Die Luft in den Gebieten um den Hafen von Los Angeles ist stark verschmutzt durch die Diesel-betriebenen Schiffe, Ladekräne, LKWs und Züge. In den fünf Gemeinden rings um den Hafen ist bei Kindern Asthma weit über dem Bevölkerungsdurchschnitt verbreitet. Umweltorganisationen haben durch einen Gerichtsprozess erreicht, dass Schulen Luftreiniger erhalten. Mit rund 5,4 Millionen Dollar wird die Ausstattung der über vierzig Schulen mit Luftreinigern zu Buche schlagen.

Kinder leiden unter Asthma durch Dieselabgase

Seit der Hafen von Los Angeles erweitert wurde, ist die Luft in den umliegenden Gemeinden kaum noch zum Atmen. Mehr als 40% der landesweit eingeführten Waren werden über den Los Angeles Port eingeführt. Die Luft dort ist geschwängert von Dieselabgasen und Feinstaub, was Umweltkrankheiten vorprogrammiert. Fast ein Viertel der Kinder, die dort wohnen, leidet unter Asthma. Das sind über zehn Prozent mehr als im US-Durchschnitt. Kinder sind wesentlich stärker betroffen als Erwachsene, weil ihre Lungen sich noch in Entwicklung befinden.

Kampf für saubere Luft zum Atmen

Anwohner der Hafenregion und Umweltorganisationen waren seit 2008 mit der Stadt Los Angeles im Rechtsstreit, um der Ausdehnung des Hafens Einhalt zu gebieten. Zu den weiteren Maßnahmen, die erfüllt werden sollen, gehört die Reduzierung der Emissionen des Hafens. Dazu gehören saubere, alternative Lösungen als Ersatz für die dieselbetriebenen Verladekräne, als auch die Anschaffung elektrobetriebener Fahrzeuge im Hafenbereich statt der jetzigen Diesel-LKWs.

Kinder haben ein Recht auf saubere Luft zum Atmen

In der Los Angeles Times stand zu lesen, dass die Eltern zwar froh sind, dass in den Schulen nun Luftfilter eingesetzt werden sollen, aber sie drängen auf weitere rasche Verbesserungen. Das Argument der Eltern ist schlagkräftig, sie betonen, dass die Kinder sich nicht nur in Schulinnenräumen aufhalten, sondern auch draußen spielen, und dort sind sie gegenüber der schweren Luftverschmutzung völlig ungeschützt. Dazu ist es notwendig, dass vor allem ältere Diesel-LKWs schnellstens aus dem Verkehr gezogen werden, weil sie neben den großen Frachtschiffen als stärkste Luftverschmutzer gelten.

Reduzierung von Asthma und Umweltkrankheiten an Schulen durch Luftreiniger

In den nächsten beiden Jahren sollen schrittweise rund vierzig Schulen mit Luftreinigern ausgestattet werden. Die Schulen, deren Luft am stärksten mit Schadstoffen belastet ist, werden zuerst mit Luftreinigern ausgestattet. Für Kinder aus Familien, die über keine großen finanziellen Mittel verfügen, um für Zuhause ebenfalls Luftreiniger anzuschaffen, wird die Schule zum sichersten Ort für ihre Gesundheit werden. Es bleibt abzuwarten, ob die Luftfilterung in den Schulen schon ausreicht, die Anzahl der Kinder mit Asthma und Umweltkrankheiten zu reduzieren.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 29.01.2011

Ärzte warnen vor Duftstoffen und Duftkerzen

Allergien und Asthma? Vorsicht beim Abbrennen von Duftkerzen

Kerzen zählen zu den beliebtesten Stimmungsmachern in der Weihnachts- und Adventszeit. Insbesondere Duftkerzen erfreuen sich großer Beliebtheit. Sie sorgen in Geschäften, auf Veranstaltungen, in Restaurants und in manchem Zuhause für „Weihnachtsduft“. Lungenärzte hingegen warnen insbesondere vor Duftkerzen, insbesondere wenn sie aus Paraffin hergestellt sind. Paraffinkerzen werden aus Petroleum, also Erdöl hergestellt. Oft kommen Schlacken der Erdölindustrie für die Herstellung von Kerzen zum Einsatz. Dadurch können die Produktionskosten der Kerzen minimal gehalten werden, was eine größere Gewinnspanne für die Hersteller und den Handel gewährleistet. Als Alternative nennen die Lungenärzte Kerzen aus Bienenwachs oder Soja und raten dazu, auf beduftete Kerzen sowie sonstige Raumbeduftung ganz zu verzichten. (1) Kritisch gegenüber Duftstoffen äußert sich auch der Ärzteverband der Deutschen Allergologen. (2)

Duftkerzen – Problematisch für Allergiker und Asthmatiker

Lungenärzte der Deutschen Lungenstiftung e.V. (DLS) halten den Einsatz von Duftkerzen aus Paraffin als ganz besonders bedenklich für Allergiker und Asthmatiker. Durch das Abbrennen werden Stoffe freigesetzt, die Atemwegsbeschwerden verursachen oder verstärken können. Auch Personen mit Duftstoffallergien sind gefährdet. Hautreaktionen können sich durch das Abbrennen von Duftkerzen verschlimmern. Duftstoffallergiker sind daher besser beraten, auf Duftkerzen ganz zu verzichten.

Was ist bedenklicher, natürliche Duftstoffe oder chemische?

Oft wird angeführt, es handele sich „nur“ um natürliche Duftstoffe. Der Verbraucher wiegt sich durch dieses Versprechen meist in trügerischer Sicherheit. Eine Erklärung, ob natürliche Duftstoffe eine bessere Wahl sind als chemische Düfte, lieferte der Allergologe der Hautklinik der Universitätsmedizin Göttingen, Professor Thomas Fuchs, im November 20010 in der Rheinischen Post: “… letzten Endes sind Duftstoffe Duftstoffe, egal, ob sie natürlichen Ursprungs oder im Labor hergestellt worden sind”.

Darüber, ob ein Duftstoffallergiker bei der Verwendung von Düften Ausnahmen machen sollte oder nicht, äußerte Prof. Fuchs, der dem Ärzteverband Deutscher Allergologen angehört, seinen klaren Standpunkt: “Wer von einer Duftstoffallergie betroffen ist, sollte auch auf Duftstoffe verzichten und zwar möglichst komplett.”

Duftstoffe können Asthmaanfälle auslösen

Für Asthmatiker sind Duftkerzen sehr problematisch und in der Weihnachts- und Adventszeit berichtet mancher Asthmatiker, dass er öfter zum Asthmaspray greifen muss. Alternativ bleibt Betroffenen nur der Verzicht, Duftkerzen Zuhause zu verwenden, sowie höchste Vorsicht und sofortiges Verlassen von Räumlichkeiten, in denen Duftkerzen brennen.

Kerzen aus Paraffin setzen Schadstoffe frei

„Paraffin-Kerzen werden aus Petroleum hergestellt“, erläuterte Prof. Harald Morr, Vorstandsvorsitzender, auf der Webseite der Deutschen Lungenärzte. „Insbesondere Menschen, die bereits eine Kontaktallergie auf bestimmte Duftstoffe entwickelt haben, riskieren, dass die beim Abbrennen freigesetzten Stoffe allergische Erscheinungen auf der Haut oder in den Atemwegen verstärken. Das kann dann Hautausschläge und Asthmabeschwerden hervorrufen.“

Bedenklich ist das Abbrennen von Kerzen jedoch nicht nur für Asthmatiker oder Allergiker, sondern für jeden, der sich in einem Raum befindet, in dem Kerzen abbrennen. Besonders in kleinen Räumen oder in Räumlichkeiten, die kaum oder schlecht belüftet sind, ist Vorsicht angeraten. Gutes Lüften empfehlen daher die Lungenärzte der Deutschen Lungenstiftung. Sie raten sogar, zusätzlich Ventilatoren aufzustellen, um die Schadstoffe, die Kerzen freisetzen, schneller nach draußen zu leiten. Übertrieben? Sicher nicht, denn insbesondere, wenn mehrere Kerzen brennen, kann dies schnell zu erheblicher Schadstoffbelastung in Innenräumen führen. Hierbei sind nicht nur Bestandteile des Paraffins bedenklich, sondern auch die Dochte, die sehr häufig bleihaltig sind. Die amerikanische Umweltschutzbehörde EPA ging in einer Veröffentlichung sogar davon aus, dass die bei Kindern nachgewiesene Bleibelastung zu einem erheblichen Prozentsatz durch Abbrennen von Kerzen verursacht wurde. (3)

Kerzenzauber auf stimmungsvollen Stunden belassen

Wer auf seine Gesundheit bedacht ist, sollte auf Duftkerzen generell verzichten und Kerzen aus reinem Pflanzenstearin, Soja und Bienenwachs solchen aus Paraffin vorziehen.

Zusätzlich ist darauf achten, dass Bienenwachskerzen ökologisch sind. Bei konven- tionellem Bienenwachs ist mit Kontaminierung des Wachses durch Pestizide und Arzneimittelrückstände zu rechnen, die beim Abbrennen in die Raumluft freigegeben werden.

Kerzenstimmung im Wohnraum sollte auf feierliche Anlässe beschränkt bleiben und bei der Auswahl der Kerzen sollte auf schadstofffreie Qualität geachtet werden. Nach jeder Kerzenbenutzung ist gründliches Lüften wichtig und beim Löschen der Kerzen ist darauf zu achten, dass die Kerzen schnell „erstickt“ werden und nicht unnötig weiterglimmen.

Autor:

Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 27.11. 2010

Literatur:

  1. Lungenärzte im Netz, Paraffin in Duftkerzen kann die Atemwege reizen und Asthma hervorrufen, 15.11.2010
  2. RP, Experte rät zu Verzicht auf Parfüm, 24.11.2010
  3. Silvia K. Müller, Vorsicht bei MCS: Kerzen können zu Schadstoffbelastung in Innenräumen beitragen, CSN, 13.12.2008

Kinder mit Allergien auf Nahrungsmittel sind häufig Zielscheibe für Schikanen

Kinder mit Allergien sind Mobbing ausgesetzt

Allergien dürfen nicht länger bagatellisiert werden

Es existieren Berichte von Kindern und Jugendlichen, die unter Nahrungsmittel- allergien leiden und deswegen schikaniert und geärgert werden. Sie berichten bspw., dass sie auf dem Schulhof Erdnüsse übergeworfen bekamen, weil die Mitschüler gerne herausfinden wollten, ob die Allergie „echt“ ist oder ob der allergische Schüler nur „spinnt“. Experimente dieser Art können einen schlimmen Ausgang nehmen.

Bislang gab es noch keine Studie, die darauf ausgelegt war, solche Ereignisse genauer zu charakterisieren. Ein amerikanisches Wissenschaftlerteam setzte sich daher das Ziel, das Vorhandensein und die speziellen Merkmale von Mobbing, Hänseleien oder Belästigung von Lebensmittel-Allergikern aufgrund ihrer Nahrungsmittelallergien zu ermitteln. Die Wissenschaftler mussten feststellen, dass Nahrungsmittelallergikern tatsächlich wegen ihrer Allergien häufig zuleide gelebt wird, und das nicht nur durch Gleichaltrige.

Wie ergeht es Kindern und Jugendlichen mit Nahrungsmittelallergien?

Kinder, die unter Allergien auf Nahrungsmittel leiden, habe es oft nicht leicht. Das Bewusstsein wie schlimm die Auswirkungen auf ein Allergen sein können, ist den meisten Kindern, aber auch Erwachsenen oft fremd. Diesen Missstand müssen Kinder mit Allergien im Alltag ausbaden.

Um herauszufinden, welchen Angriffen Nahrungsmittelallergiker ausgesetzt sind, ließ das Wissenschaftlerteam Jugendliche und Erwachsene, als auch Eltern von Kindern mit Lebensmittelallergien, Fragebogen ausfüllen. Insgesamt wurden 353 Erhebungen abgeschlossen.

Mobbing wegen Allergien auf Lebensmittel

Die Mediziner mussten feststellen, dass Kinder und Jugendliche verschiedenster Altersgruppen erheblichen Repressalien und Schikanen wegen ihrer Nahrungsmittelallergien ausgesetzt waren. Insgesamt berichtete rund ein Viertel (24%) der Nahrungsmittelallergiker, dass man sie mobbt, hänselt oder belästigt, nur weil sie eine oder mehrere Allergien auf Nahrungsmittel haben.

Immer wieder gemobbt, gehänselt und schikaniert

Von denen, die gemobbt, gehänselt oder belästigt wurden, berichteten fast alle (86%) sogar über mehrere Episoden. Betrüblich erscheint, dass 82 % der Vorfälle in der Schule auftraten und 80% wurden vor allem durch Mitschüler verübt.

Sogar Lehrer waren Täter

Erschreckend ist, dass 21% Prozent derjenigen, die gemobbt, gehänselt oder schikaniert wurden, berichteten, dass die Täter Lehrer oder Schulpersonal gewesen waren. Fast alle Kinder und Jugendliche (79%), die Probleme wegen ihrer Allergien hatten, berichteten, dass sie ausschließlich wegen dem Vorhandensein von Nahrungsmittelallergien geärgert und schikaniert wurden.

Vorsätzliche Körperverletzung an der Tagesordnung

Über die Hälfte (57%) der Allergiker, die gemobbt wurden, konnten konkrete Ereignisse beschreiben, z. B., dass sie bewusst mit einem Allergen berührt wurden, ein Allergen übergeworfen bekamen oder ihnen etwas, auf das sie stark allergisch reagieren, mit voller Absicht zugefächelt wurde. Mehrere der Befragten teilten sogar mit, dass man ihnen Essen vorsätzlich mit Allergenen verunreinigt hatte.

Gezielte Aufklärung zum Umgang mit Allergikern ist notwendig

Die Ergebnisse der vorliegenden Studie, die im medizinischen Fachjournal Annuals of Allergy, Asthma und Immunology im Oktober 2010 publiziert wurde, legten unter dem Strich offen, dass Schikanen, Hänseleien und Mobbing bei Kindern mit Nahrungsmittelallergie absolut üblich zu sein scheinen. Die Wissenschaftler stellten zusätzlich fest, dass solche Vorkommnisse nicht nur häufig, sondern durchaus wiederholt auftreten. Die Mediziner gaben als Resümee zu bedenken, dass diese Vorfälle emotionale und körperliche Risiken darstellen und fordern, dass die Problematik im Zuge einer gezielten Aufklärung zum angemesseneren Umgang mit Nahrungsmittelallergiekern angegangen werden sollte.

Allergien dürfen nicht länger bagatellisiert werden

In der Praxis müssten die Erkenntnisse aus der Studie insofern umgesetzt werden, dass insbesondere Lehrpersonal an Schulen und Kindergärtnerinnen informiert werden, wie gefährlich eine Allergie sein kann. Sachkundige Aufklärung und konsequente Umsetzung kann die Lebensqualität von Allergikern drastisch verbessern.

Ein Beispiel wie der Umgang mit schweren Allergien auch gehandhabt werden kann:

In den USA ist es an vielen Schulen und Universitäten untersagt, Erdnüsse, Erdnussbutter, und andere Nahrungsmittel, die Erdnüsse enthalten, zu essen oder mitzubringen. Eine Konsequenz, weil Erdnüsse bei Allergikern tödlich verlaufende Schockreaktionen auslösen können.

Es muss jedoch nicht gleich ein allergischer Schock sein, es reicht schon, dass sich ein Allergiker einige Stunden bis Tage nur deshalb schlecht fühlt und mit gesundheitlichen Beschwerden zu kämpfen hat, weil sich Mitschüler oder Lehrpersonal der Tragweite einer allergischen Reaktion nicht bewusst sind und die sensibilisierte Person mit Allergenen in Kontakt bringen.

Eine allergische Person bewusst mit einem Allergen zu konfrontieren oder extra nicht vor einem Allergen in ihrem Umfeld zu warnen, um zu beobachten, ob der Allergiker „tatsächlich“ reagiert oder ob er es sich nicht „einbildet“, kann schwere Folgen haben, die hinterher jeder bedauert.

Allergien – Es kann jeden treffen, jeden Tag

Allergien können plötzlich, von einem Tag auf den anderen eintreten, sie können jeden betreffen – Kinder, Jugendliche, Erwachsene, als auch alte Leute. Wissenschaftliche Erhebungen gehen davon aus, dass in nicht allzu ferner Zukunft jeder Zweite unter Allergien leiden wird. Umso wichtiger erscheint es, dass unser soziales Umfeld zügig dem Umgang mit Menschen, die unter Allergien leiden besser gerecht wird. Zu wissen, was eine Allergie ist, wie man sich und andere schützt, was man unternehmen kann, wenn jemand eine schwere allergische Reaktion hat, muss Allgemeinwissen werden.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 18. Oktober 2010

Literatur:

Lieberman JA, Weiss C, Furlong TJ, Sicherer M, Sicherer SH. , Mobbing unter Kindern mit Nahrungsmittelallergie, Ann Allergy Asthma Immunol. 2010 Okt; 105 (4) :282-286.