Archiv der Kategorie ‘Lifestyle‘

Chemikalien in der Umwelt gefährden Impfschutz bei Kindern

PFC’s können für das Immunsystem giftiger als Dioxine sein

Wissenschaftler der Harvard Universität fanden in einer Studie heraus, dass perfluorierte Verbindungen (PFC’s) bei Kindern die Wirkung von Schutzimpfungen schwächen. Perfluorate sind langkettige, äußerst persistente Kohlenwasserstoffe, die in vielen Alltagsgegenständen enthalten sind. Die chemisch hergestellten Kunststoffe finden sich beispielweise in beschichteten Antihaft-Pfannen, wetterfester Kleidung und Fastfood Verpackungen. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass der Einfluss der Chemikalien auf das Immunsystem so stark ist, dass der Impfschutz bei Tetanus- und Diphterie gefährdet sein kann. Die Studie ist die erste ihrer Art, die dokumentiert, wie PFC’s, die über den Mutterleib auf das Ungeborene weitergegeben werden, als auch über die Umwelt und die Nahrungskette ihren Weg in unsere Körper finden, Impfschutz negativ beeinträchtigen können. Die Ergebnisse wurden in der Januar 2012 Ausgabe des medizinischen Fachjournal JAMA veröffentlicht.

“Routine Impfungen in der Kindheit sind eine tragende Säule der modernen Verhütung von Krankheiten. Die negativen Auswirkungen auf die Impfungen im Kindesalter durch PFC sollte als eine potenzielle Bedrohung für die öffentliche Gesundheit angesehen werden”, sagte der Hauptautor der Studie, Philippe Grandjean, Professor für Umwelt und Gesundheit an der Harvard School of Public Health .

PFC’s werden von der Industrie und in Tausenden von Fertigungsprozessen verwendet. Darin liegt das große Problem. Die Chemikalie hat sich dadurch in unserer Nahrungskette angereichert und in der Umwelt verbreitet. Sie ist im Körper von fast jedem in den USA oder in Europa nachweisbar. Frühere Tierversuchsstudien an Mäusen zeigten, dass PFC Werte ähnlich denen bei Menschen, mit geschwächter Immunantwort einhergehen. Nur dass die negativen Auswirkungen beim Menschen lediglich schlechter dokumentiert wurden.

Die Wissenschaftler analysierten Daten von Kindern, die im National Hospital in Torshavn, auf den Färöer Inseln im Zeitraum 1999-2001 geboren wurden. Insgesamt 587 Kinder nahmen bis zu den Nachuntersuchungen teil. Bei den Kindern wurden die Immunantwort gegen Tetanus und Diphtherie Impfungen im Alter von 5 und 7 Jahren getestet. PFC wurden im mütterlichen Serum während der Schwangerschaft und im Serum von Kindern im Alter von 5 gemessen, um prä-und postnatale Exposition zu bestimmen. Die höchsten Konzentrationen wurden bei PFC Perfluoroctansulfonat (PFOS) und Perfluoroctansäure (PFOA) ermittelt.

Die Ergebnisse zeigten, dass PFC Exposition mit niedrigerer Antikörper-Antwort auf Impfungen und einem erhöhten Risiko für geringere Antikörper-Werte einhergingen. Diese Antikörper sind erforderlich, um den Kindern langfristigen Schutz zu bieten. Ein zweifacher Anstieg von drei verschiedenen PFC’s war mit einem 49% Rückgang der Antikörper bei Diphterie und Tetanus bei Kindern im Alter von 7 Jahre verbunden.

Philippe Grandjean von der Harvard School of Public Health in Boston begleitet eine Kohorte von Kindern der Geburtsjahrgänge 1999/2001 seit der Schwangerschaft ihrer Mütter. Seine Daten dokumentieren die PFC-Exposition der Kinder seit ihrer pränatalen Phase. Die höchsten Konzentrationen erreichten dabei die PFC Perfluoroctansulfonat (PFOS) und Perfluoroctansäure (PFOA).

Grandjean zeigte sich extrem überrascht über die starken Auswirkungen der PFC’s auf das Immunsystem und kam zu dem Schluss, dass diese Erkenntnisse bedeuten können, dass PFC’s sich möglicherweise noch toxischer auf das Immunsystem auswirken, als die derzeitig vorhandenen Dioxinbelastungen. Die PFC-Konzentrationen, die im Rahmen der Studie gefunden wurden, liegen ähnlich oder leicht unter denen bei US-Frauen. Bedenklich ist, die meisten PFC Werte im Serum von färöischen Kindern im Alter von fünf Jahren, niedriger waren als die bei US-Kindern im Alter von 3 bis 5 Jahren, die in den Jahren von 2001 bis 2002 gemessen wurden. Antikörper-Konzentrationen im Serum sind ein Indikator für die gesamten Immunfunktionen bei Kindern.

 Im eigenen Umfeld vor PFC’s schützen

Der Einzelne kann sich nur sehr bedingt vor einer Belastung mit Perfluoraten schützen, wegen ihrer ubiquitären Verbreitung und weil sie in unserer Nahrungskette angelangt sind.

Im eigenen Umfeld sollte man auf Folgendes verzichten:

  • Alltagsgegenstände und Produkte mit Antihaft-Beschichtung
  • Eliminieren von Antihaft-Pfannen und Töpfen (Teflon)
  • Fast-Food, das in beschichtetem Papier verpackt ist
  • Wasserabweisend beschichtete Kleidung

Autor: Silvia K: Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 26.01.2012

Literatur:

  • Harvard School of Public Health, PFCs, chemicals in environment, linked to lowered immune response to childhood vaccinations, Jan, 24, 2012
  • Philippe Grandjean, Elisabeth Wreford Andersen, Esben Budtz-Jorgensen, Flemming Nielsen, Kare Molbak, Pal Weihe, Carsten Heilmann, Serum Vaccine Antibody Concentrations in Children Exposed to Perfluorinated Compounds, JAMA, January 25, 2012, Vol. 307, No. 4, pp. 391-397

Stearinkerzen und Bienenwachskerzen besser für Allergiker und Asthmatiker

Herkömmliche Kerzen aus Paraffin und Duftkerzen setzen Schadstoffe frei

In der Winterzeit und besonders in der Weihnachtszeit bringen Kerzen romantische Stimmung ins Haus. Die im Handel angebotenen Kerzen bestehen fast ausnahmslos aus Paraffin, ein billiges Erdölprodukt. Außer den Schadstoffen, die durch das Paraffin in die Innenraumluft freigesetzt werden, tragen Duftstoffe zur Belastung von Luft und Gesundheit bei. Neuere Studien belegen, dass Aromaöle, die Kerzen duften lassen, unter bestimmten Bedingungen Schadstoffe bilden. Wissenschaftler stellten fest, Kerzen aus Sojaöl, Bienenwachs, Pflanzenstearin brennen rückstandsfrei ab, ohne die Luft mit Schadstoffen zu belasten.

Wissenschaftler weisen auf Schadstoffbelastung durch Paraffinkerzen hin

Auf ihrem 238. Kongress trugen Wissenschaftler der American Chemical Society vor, dass handelsübliche Kerzen aus Paraffin eine bislang wenig beachtete Schadstoffquelle darstellen. Besonders in kleinen Räumen und Zimmern mit geringer Ventilation stellen sich rasch Konzentrationen ein, die gesundheitsschädlich sein können. Es handelt sich u.a. um krebserregende Stoffe.

Alternativen aus der Natur

Bienenwachskerzen und Kerzen aus Pflanzenstearin brennen nicht nur besser ab, sie sehen auch wesentlich edler aus als schadstoffbelastete Paraffinkerzen. Ein weiterer Pluspunkt: Selbst wenn sie in der Anschaffung etwas teurer sind, so haben sie auch eine erheblich längere Brenndauer. Kauft man ökologische Kerzen, kann man sicher sein, dass der Baumwolldocht bleifrei ist. Bei konventionellen Kerzen aus Paraffin hingegen ist durch den meistens bleihaltigen Docht mit Bleieintrag im Raum zu rechnen.

Zusätzliche Schadstoffbelastung

Duftstoffe und Aromaöle werden durch bestimmte Umweltbedingungen in Schadstoffe umgewandelt. Selbst natürliche Duftöle bergen diese Gefahr und können sich zusätzlich als Reizstoffe für Allergiker herausstellen.

Herkömmliche Paraffinkerzen problematisch für Allergiker, Asthmatiker, Chemikaliensensible

Kerzen aus Paraffin und solche, die mit Duftstoffen oder Aromaölen versetzt sind, sind für Menschen, die unter Allergien, Chemikaliensensitivität (MCS) oder Atemwegsbeschwerden leiden, wie bspw. Asthma, besonders bedenklich. Sie sollen bei empfindlichen Personen Asthmaanfälle, Reizungen der Atemwege und sogar Hautallergien auslösen können, bestätigten deutsche Lungenfachärzte. Bei diesen Personengruppen können Kerzen, die aus Chemikalien hergestellt wurden oder damit versetzt sind, unmittelbar zu Beschwerden führen.

Manche Personen rätseln, weshalb es ihnen in bestimmten Räumen schlecht geht und denken an eine neue Allergie. Das ist meistens falsch, sagte der Studienleiter Prof. Hamidi, es sind die Schadstoffe, auf die diese Menschen reagieren. Deshalb sollte man in Gegenwart von hypersensibilisierten Personen am besten ganz auf Kerzen verzichten. Wenn man zu feierlichen Stunden, oder in der Weihnachtszeit, nicht ganz ohne Kerzen auskommen möchte, sind Kerzen aus Pflanzenstearin die sicherste Wahl. Sie brennen geruchsneutral und rückstandsfrei ab.

Autor:

Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 25.10.2011

Literatur:

R. Massoudi Ph.D., Amid Hamidi , Romantic, candle-lit dinners: An unrecognized source of indoor air pollution, American Chemical Society, 19. Aug. 2009

Lungenärzte im Netz, Paraffin in Duftkerzen kann die Atemwege reizen und Asthma hervorrufen, 15.11.2010

Silvia K. Müller, Vorsicht bei MCS: Kerzen können zu Schadstoffbelastung in Innenräumen beitragen, CSN, 13.12.2008

PureNature Online Shop jetzt auch in Spanien

Es ist uns eine große Freude, mitteilen zu dürfen, dass es seit dem 8. Juli 2011 auch in Spanien einen PureNature Online Shop gibt. Spanische Kunden finden dort schon jetzt über 2000 Produkte, die ihnen ein Leben mit Allergien erleichtern und sie dabei unterstützen, umweltbewusst zu leben.

Ein Kundenservice ist bereits seit vergangenem Jahr vor Ort tätig. Unser Repräsentant, Herr David Palma, beantwortet die spanischen Kundenanfragen mit großem Sachverstand und steht in ständigem Kontakt mit seinen deutschen Kollegen, um alle Kundenwünsche und Anfragen zu größter Zufriedenheit zu erfüllen.

Die Übersetzung der Produktbeschreibungen des PureNature Sortiments nahm viele Monate in Anspruch und dauert noch an. Die Mühe hat gelohnt, denn für die spanischen Kunden wird das Einkaufen bei PureNature mit dem Start des Online Shops nun viel einfacher. Die Waren werden vom PureNature Stammsitz in Idar-Oberstein nach Spanien versendet. Die neuen Kunden werden im Monat Juli bei ihrer ersten Bestellung mit portofreiem Versand begrüßt.

Ein herzliches Willkommen nach Spanien, und an dieser Stelle ein großes Dankeschön an David Palma und seine Frau Eva Caballé, ohne die dieses Projekt nicht zustande gekommen wäre!

Alles Gute,

vom gesamtem PureNature Team

 

Schauen Sie herein in den neuen spanischen PureNature Shop: www.purenature.es

 

Schwimmhilfen und Schwimmtiere häufig schadstoffbelastet

Toxische Krokodile am Strand

Sie gehören zum Schwimmbad und Strand dazu wie die obligatorische Sonnencreme. Mit den Krokodilen, Delphinen, Schwänen, Walfischen aus leuchtend buntem Kunststoff, all den anderen Schwimmtieren, den orangefarbenen Schwimmärmchen und quietschbunten Schwimmreifen assoziieren wir Sommer und ausgelassene Kinder, die sich beim Spielen im Wasser vergnügen. Neue Schadstofftests konfrontieren uns mit der Gewissheit, dass die meisten dieser Schwimm-Reittiere und Schwimmhilfen immer noch giftige Chemikalien ausdünsten. Einige Hersteller bieten schadstoffkontrollierte Produkte für den Badespaß an, mit etwas Mühe kann der Käufer sie erkennen. Leichter hat es derjenige, der sich vor dem Kauf bei Ökotest oder bei Marktcheck informiert.

Spielzeug, das nach Teer, Mottenkugeln oder Lösungsmitteln riecht

In praller Sonne sind die Lösungsmittel, PAKs und Petrochemikalien aus Schwimmtieren und Schwimmhilfen selbst mit schwacher Nase oft nicht zu überriechen. Sich beim Kauf nur auf die Nase zu verlassen, um sein Kind zu schützen, reicht nicht aus, denn Weichmacher (Phthalate), die ebenfalls als sehr gesundheitsschädlich gelten, kann man nicht riechen. Wer im Internet kauft, hat es schwierig, denn vor allem bei Billiganbietern fehlt die Angabe aus welchem Material oft völlig oder ist unpräzise, indem bspw. nur „stabile Folie“ das Material umschreibt, statt es präzise zu benennen.

Raus aus dem Schlafzimmer!

Schwimmtiere und anderes Spielzeug, das Schadstoffe ausdünsten kann, sollte auf keinen Fall im Schlaf- oder Kinderzimmer aufbewahrt werden. Viele der Schwimmtiere besitzen eine beträchtliche Größe, manche sind eineinhalb Meter groß. Bei geschlossenem Fenster können rasch Schadstoffkonzentrationen entstehen, die die Gesundheit eines Kleinkindes durchaus nach wenigen Stunden oder sogar nach Minuten schädigen können. Ebenso sollte man darauf verzichten, Schwimmtiere in aufgeblasenem Zustand im Auto zu transportieren. In Fahrzeugen ohne Klimaanlage dünsten die teils leichtflüchtigen Chemikalien dieser Plastiktiere enorm aus und können bspw. zu Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Reizungen der Schleimhäute, Atemwegsbeschwerden, extremer Müdigkeit und Aggressivität führen.

Hersteller verpassen den wichtigsten Trend

Dass die bunten Schwimmtiere, die es im Handel gibt, ein Gesundheitsproblem darstellen, ist seit Jahren bekannt. Bei Schadstofftests wurden die Prüflabore immer wieder fündig. Geändert hat sich am Angebot wenig. Viele Anbieter im Internet schreiben nicht einmal dazu, aus welchem Material genau das Schwimm-Reittier hergestellt ist, und die Hersteller achten offenbar mehr darauf, keinen Designtrend zu verpassen, als die Produktion umzustellen. Der wichtigste Trend, schadstofffreie oder schadstoffarme Produkte zu produzieren, wird bislang verpasst.

Schadstoffarme Krokodile, Delphine,…

Noch sind es wenige Anbieter, die gute Produkte für ungetrübten Sommerspaß anbieten. Mit etwas Mühe können gesundheitsbewusste Verbraucher, die ihren Kindern keine Schadstoffe zumuten möchten, jedoch fündig werden.

Worauf man beim Kauf achten sollte:

  • Nur PVC-freie und PAK-freie Badetiere und Schwimmhilfen kaufen
  • Riecht das Badespielzeug stark chemisch oder gar giftig? Nicht kaufen!
  • Auf Siegel achten: BPA-frei, PAK-frei, Phthalat-frei, Weichmacher-frei
  • Bei Ökotest, Marktcheck vorab informieren

Verbraucher sorgen für Badespaß ohne Schadstoffe

Konsumenten haben mehr Einfluss auf das Angebot, als sie vermuten. Deshalb lohnt es beim Einkauf grundsätzlich, sich die Mühe zu machen, gezielt nach schadstofffreien oder schadstoffgeprüften Produkten zu fragen.

Schwimmtiere und Spielzeug, das stark riecht oder durch Gesundheitsbeschwerden auf sich aufmerksam macht, sollte man direkt entsorgen oder zurückgeben. Das Zurückbringen oder zurückschicken von schadstoffbelasteter Ware führt zu besseren Produkten in den Regalen. Je mehr Verbraucher sich die Mühe machen, ein Schwimmtier oder ein anderes Produkt, dass nach Auslüften oder abwaschen noch giftig riecht, zurückzubringen, desto größer wird der Druck auf die Branche, sich zu bessern. Selbst wenn man den Kaufpreis nicht mehr zurück erstattet bekommt, weil das Kaufdatum zu weit zurück liegt, ist die Reklamation solcher schadstoffbelasteten Ware ein Impuls, der seine Wirkung mittelfristig nicht verfehlen kann.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, Juni 2011

Ameisengift im Bioladen?

Pestizide – oft unterschätzt

Es ist schon lästig, wenn Ameisen von draußen plötzlich durch die halbe Küche laufen, am Küchenschrank hochklettern und sich etwas Süßes suchen. Eine solche Ameisenstraße und Ungeziefer im Allgemeinen lösen schnell Panik aus und den Griff zum Gift. Steht keine verstaubte Dose Schädlingsbekämpfungsmittel im Haushaltsschrank oder in der Garage, wird schnell ein Pestizid aus dem Supermarkt oder Baumarkt besorgt. Neuerdings ist Ameisengift sogar in einigen Bioläden erhältlich.

Viele Konsumenten sind zwar bewusster im Umgang mit Pestiziden geworden, doch wie sieht es aus, wenn die Ameisen die Küche durchwandern? Wird in diesem Moment wirklich genau recherchiert, ob das Gift aus der Dose nicht nur die Ameisen killt, sondern möglicherweise auch die eigene Gesundheit? Verharmlosende Beschreibungen und Versprechungen auf der Pestizid-Dose können zu Unterschätzung des Gefahrenpotentials für Mensch und Haustier führen.

Ameisengift, überall frei erhältlich

Im Baumarkt an der Kasse scheint der Sommer eingezogen zu sein. Schädlingsbekämpfungsmittel jeglicher Art zum Töten von Mücken, Ameisen, Wespen, Schnecken und alles was sonst noch unliebsam ist, sind dort in Regalen groß aufgebaut.

Im Supermarkt ist es ähnlich, auch dort ist zur Sommerzeit oft ein großes Regal mit diversen Schädlingsbekämpfungsmitteln vorzufinden. Wer sich mit Pestiziden etwas auskennt, dürfte zusammenschrecken, denn was in den Regalen steht, sind meist Nervengifte. Zu den Inhaltsstoffen gehören u.a. Pyrethroide und Organophosphate, beide Pestizidklassen gelten als sehr gesundheitsschädlich. Für bestimmte Risikogruppen, u.a. Schwangere, Allergiker und Chemikaliensensible besteht erhöhte Gefahr, weshalb deutsche Behörden vor dem Einsatz von Pyrethroiden und Pyrethrum in deren Nähe warnen.

Verbrauchertäuschung durch die Begriff „natürlich“ und „Bio“

Auf manchen der Giftdosen mit dem Inhaltsstoff Pyrethrum, steht gut lesbar „natürliches Bekämpfungsmittel“, „Bio“ oder „aus der Chrysantheme gewonnen“. Keineswegs bedeuten solche Beschreibungen, dass man es mit einem völlig ungefährlichen „Bio-Gift“ zu tun hat. Pyrethrum ist zwar ein aus der Chrysantheme gewonnenes Kontaktinsektizid, doch es ist schon von alters her für seine zuverlässige toxische Wirkung bekannt. Ungefährliche Pestizide mit natürlichen Lockstoffen sind eher selten zu finden.

Neurotoxisches Ameisengift im Bioladen?

Szenenwechsel: „Was haben wir denn da?“, dachte ich, als mein Blick im Bioladen auf dem Weg zum Kühlregal auf ein Sortiment von Schädlingsbekämpfungsmitteln fiel. Kleine handliche Flaschen mit nett aufgemachtem, in Pastellfarben gehaltenem Design. „Na, vielleicht etwas völlig ungiftiges, was man Nachbarn empfehlen kann, wenn sie Probleme mit Ungeziefer haben“, war der zweite Gedanke. Ein Blick auf die Liste der Inhaltsstoffe auf der Pumpsprühdose mit dem Ameisengift und die Angelegenheit war erledigt. „Natur-Pyrethrum“ stand dort, ein toxisches Nervengift, und das im Bioladen.

Wer Ameisengift kauft, der weiß das! Wirklich?

Die Besitzerin des Bioladens stand unweit, und es war eine gute Gelegenheit, sie auf das Schädlingsbekämpfungsmittel-Sortiment anzusprechen. Auf die sachliche Erläuterung, wie gefährlich für die Gesundheit Pyrethrum sein kann, insbesondere für Kinder, Kranke, Allergiker, Asthmatiker und Haustiere, gab die Bioladen-Besitzerin die Antwort: „Wer Ameisengift kauft, der weiß das“.

Werden Schädlingsbekämpfungsmittel von jedem richtig eingeschätzt?

Genau diese Aussage war letztendlich eine Bestätigung, dass selbst diejenigen, die sich mit Schädlingsbekämpfungsmitteln etwas auskennen sollten, deren Gefährlichkeit völlig unterschätzen.

Auch Natur-Pyrethrum birgt erhebliche Gesundheitsgefahren für Menschen und Haustiere. Katzen können daran sterben. Aus der Toxikologie und Medizin ist bekannt, dass Pyrethrum gesundheitsschädlich ist und Allergien und Asthma auslösen kann. Man verzichtet sicherheitshalber also besser auch auf dieses natürliche Pestizid und versucht es stattdessen mit ungefährlichen Hausmitteln.

Bioläden sollten keine Schädlingsbekämpfungsmittel mit Pyrethrum anbieten. Das Vertrauen der Verbraucher in ihre Bioläden wird durch solche gesundheits- gefährdenden Produkte im Sortiment in Mitleidenschaft gezogen. Die bessere Variante gibt eine amerikanische Bio-Supermarktkette vor, sie verteilt kostenlos kleine Broschüren mit Tipps für giftfreie Schädlingsbekämpfung. Gift und Bioladen, das passt nämlich nicht zusammen.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 20.06.2011

Giftfreier Tipp gegen Ameisen im Haus und Garten:

Eine Tüte Chilisamen im Supermarkt besorgen und mehrere Esslöffel davon in eine Glas mit Öl geben, einige Stunden ziehen lassen und dann an der Tür nach außen entlang träufeln. Diese wirkungsvolle Barriere ist völlig giftfrei und man kann zuschauen, wie die Ameisen eine Kehrtwendung machen.

Tipp für Eür Eilige: Chilisamen mit Öl auf dem Herd erwärmen, damit der für die Schärfe verantwortliche Wirkstoff Capsaicin schneller ins Öl übergeht. Man kann die Chilisamen auch ausstreuen, das hat jedoch den Nachteil, dass sie sich durch Luftzug verteilen.

Kaiserschnitt als Business Idee entdeckt?


Kaiserschnitt oder natürliche Geburt?

Die „Geburt nach Plan“ hat Konjunktur, fast jede dritte Geburt ist ein Kaiserschnitt. Wurde die Schnittgeburt vor Jahren nur als rettende Option bei Mehrlings- oder Komplikationsgeburten angesehen, wird der Kaiserschnitt werdenden Müttern mittlerweile häufig als schmerzfreie Alternative zur natürlichen Geburt offeriert. Was sind die Hauptgründe für den drastischen Anstieg der operativen Geburt? Der Altersanstieg der werdenden Mütter? Oder ist die Geburt nach „Plan“ ein perfider Plan, um Kliniken finanziell und personell über Wasser zu halten?

Gründe für den Anstieg von Kaiserschnittgeburten

Rund ein Drittel aller Geburten erfolgen in Deutschland per Kaiserschnitt, wobei sogar einzelne Bundesländer deutlich hervorstechen. Die KKH-Allianz, als viertgrößte bundesweite Krankenkasse mit über zwei Millionen Versicherten, gab dazu am 10. Mai 2011 folgende Informationen bekannt:

„Die Kaiserschnittquote ist in den neuen Bundesländern deutlich niedriger (27 Prozent) als in den alten Bundesländern (33 Prozent). Spitzenreiter war im vergangenen Jahr Rheinland-Pfalz mit einer Kaiserschnittquote von 38 Prozent. In Sachsen war sie mit 25 Prozent am niedrigsten.

Viele Frauen entscheiden sich heutzutage erst viel später für ein Baby als noch vor ein paar Jahren. Das zeigt eine aktuelle Auswertung der Versichertendaten der KKH-Allianz. Demnach ist die Zahl der werdenden Mütter im Alter von 20 bis 24 Jahren zwischen 2004 und 2010 um 28 Prozent gesunken. Gleichzeitig ist die Geburtenrate der 40 bis 44-Jährigen um 46 Prozent gestiegen.

„Angesichts der steigenden Zahl an Risikoschwangerschaften, zu denen Spätgebärende gehören, beobachten wir seit mehreren Jahren einen Anstieg der Kaiserschnittgeburten“, so Dr. Elisabeth Siegmund-Schultze, Gynäkologin bei der KKH-Allianz.

„Ein Kaiserschnitt kann in vielen Fällen medizinisch notwendig sein, zum Beispiel bei einer Querlage des Kindes oder bei eintretenden Komplikationen wie dem Abfall der kindlichen Herzfrequenz“, erklärt Siegmund-Schultze. Allerdings gibt es auch immer mehr Frauen, die sich ohne entsprechende medizinische Indikation einen Kaiserschnitt wünschen. „Dieser Trend ist problematisch“, sagte die Medizinerin der KKH.

Problematisch und auffällig, denn die medizinischen Einrichtungen in Deutschland und ihre Ausstattung sollten genau das Gegenteil erwarten lassen.

WHO rät nur zu Kaiserschnitt, wenn konkrete Indikation besteht

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht sich für eine Geburt per Kaiserschnitt nur dann aus, wenn eine normale Geburt für das Leben von Mutter oder Kind eine Gefahr bergen könnte. Nach Schätzungen der WHO ist demnach eine Kaiserschnittgeburt nur bei zehn bis fünfzehn Prozent aller Schwangerschaften indiziert. Wünsche von Müttern nach einer Geburt durch Kaiserschnitt stellen keine Indikation dar, vor allem weil normale Geburten heutzutage durch die intensive Betreuung und Überwachung der Schwangerschafts- und Geburtsphase kaum noch Risiken bergen.

Fast jede 3. Geburt in Deutschland ein Kaiserschnitt

Wenn keine Mehrlingsgeburt oder eine schwierige Position des Babys im Mutterleib vorliegt, oder sonstige Komplikationen zu erwarten sind, spricht eigentlich in Deutschland so gut wie Nichts für eine Geburt per Operation. Zumindest, wenn man die positiveren Aspekte für Mutter und Kind abwägt.

Wirft man jedoch einen Blick auf die schwierige Lage, in der sich die meisten Kliniken und Krankenhäuser in Deutschland befinden, gerät man ins Grübeln:

Ein Kaiserschnitt ist im Gegensatz zu einer normalen natürlichen Geburt ein kalkulierbarer Vorgang. Die Mutter geht in der Regel in der 39. Woche ins Krankenhaus und nach einer 60-minütigen Operation ist das Baby da. Bei der dünnen Personalbesetzung, die fast überall herrscht, kommt der Kaiserschnitt daher sehr gelegen. Der genaue Tag und die Stunde der operativen Entbindung kann genau terminiert werden. Dadurch entstehen keine personellen Engpässe wie bei einer personalintensiveren, natürlichen Geburt, weil diese bis zu 12 Stunden dauern kann. Kalkulierbar ist auch die Vergütung einer Geburt. Für eine normale Geburt gibt es im Schnitt 1500€ und für eine Kaiserschnittgeburt rund 3000€, also das Doppelte. Für die eine oder andere Klinik, der finanziell das Wasser bis zum Hals steht, sind diese Aspekte sicherlich verlockend.

Der Wunsch nach einer Geburt ohne Schmerz

Eine Kaiserschnittgeburt auf Wunsch ist in Deutschland in den Kostenplänen der Krankenkassen nicht zur Erstattung vorgesehen. Offiziell wird für die operative Schnittgeburt nur dann gezahlt, wenn sie für medizinisch notwendig erachtet wird. Wie erwähnt, geht die WHO bei 10-15% der Geburten von einer Indikation für einen Kaiserschnitt aus. Ist bei dem verbleibenden Prozentsatz von Müttern die Angst vor dem Geburtsschmerz und Panik für eventuelle Geburtsrisiken der Beweggrund für ihre Entscheidung?

Obwohl das Geburtserlebnis für die Bindung zwischen Mutter und Kind unvergleichbar wichtig ist, wählen werdende Mütter immer häufiger die operative Geburtsvariante. Meist ist es tatsächlich die Angst vor dem Schmerz, den eine natürliche Geburt mit sich bringt. Es ist jedoch ein Irrglaube, dass ein Kaiserschnitt „schmerzfrei“ sei und für Mutter und Kind der komplikationsfreieste Weg. Nach einem Kaiserschnitt ist u.U. mit monatelang andauernden Schmerzen der Operationsnarbe zu rechnen. Diese müssen ohne Schmerzmittel ertragen werden, weil Medikamente das Kind schädigen könnten, wenn es gestillt wird. Noch zwei Aspekte, an die Mütter denken sollten, die möglichweise unschöne Operationsnarbe ist bleibend und die nächste Geburt ist mit größter Wahrscheinlichkeit wieder eine Schnittgeburt, weil mit dem Aufreißen der Operationsnarbe gerechnet werden muss.

Risiken bestehen bei einer Kaiserschnittgeburt wie bei jeder anderen Operation, in diesem Falle für die gebärende Mutter und das Kind. Neben den Komplikationen, wie sie bei jeder Operation z.B. als Narkosekomplikationen auftreten können, sind u.a. auch die Gefahr einer Thrombose und Infektionen gegeben. Plazentaverwachsungen durch Operationsnarben gehören zu den weiteren Risiken, die in Betracht gezogen werden müssen.

Kaiserschnitt, die Folgen für ein Kind können weitreichend sein

Die Risiken für ein Kind, das mit Kaiserschnitt zur Welt kommt, sind weitreichender als lange vermutet. In den letzten Jahren haben Wissenschaftler aus verschiedenen Ländern neue Erkenntnisse gewonnen, die uns sehr nachdenklich stimmen sollten und dafür sprechen, dass eine natürliche Geburt, wann immer es möglich ist, einer Kaiserschnittgeburt vorzuziehen ist.

Im Juli 2009 veröffentlichten schwedische Wissenschaftler vom renommierten Karolinska Institut, dass eine Geburt per Kaiserschnitt die Erbmasse eines Neugeborenen nachteilig beeinflusst. Für die Forscher war diese neue Erkenntnis eine Erklärung für die Feststellungen anderer Wissenschaftler, die herausgefunden hatten, dass Kinder, die durch Kaiserschnitt zur Welt kommen, im späteren Leben ein höheres Risiko haben an Asthma, Diabetes oder Krebs zu erkranken. Für die Veränderungen der DNA machen die Wissenschaftler aus Stockholm den unnatürlichen und plötzlich eintretenden Geburtsstress verantwortlich. Die DNA der Blutkörperchen, die für das Immunsystem zuständig sind, unterschied sich von der bei Kindern, die auf natürlichem Weg zur Welt kamen. Die Natur hat es so vorgesehen, dass der Geburtsstress langsam aufgebaut wird, was völlig normal und leicht zu verarbeiten ist. Bei der Kaiserschnittgeburt tritt der Stress ohne Vorankündigung ein und ist laut der Wissenschaftler offensichtlich dafür verantwortlich, dass bestimmte Gene aktiviert oder deaktiviert werden.

Die WHO hält Kaiserschnittgeburten noch aus anderen Gründen für nicht harmlos. Daten von mehr als 110 000 Geburten wurden ausgewertet. Über 27% der Babys waren per Kaiserschnitt zur Welt gekommen. Die intensive Analyse der Daten brachte zutage, dass der operative Eingriff, wenn er ohne konkrete Indikation erfolgte, das Risiko, dass die Mutter bei der Geburt verstarb oder schwere Komplikationen auftraten, um rund das Dreifache ansteigen ließ. Wenn der natürliche Geburtsvorgang bereits eingetreten war und es wurde dann ein Kaiserschnitt durchgeführt, erhöhte sich dieses Risiko um den Faktor 14.

Natürliche Geburt statt “Geburt nach Plan”

„Der Natur nicht ins Handwerk pfuschen“, eine alte Redewendung, die man sich bei der Überlegung bezüglich einer natürlichen Geburt oder einer Kaiserschnittgeburt, in den Sinn rufen sollte, wenn keine ernsthafte Indikation besteht. Das Geburtserlebnis, das von ungeheurer Wichtigkeit ist, nicht nur für die seelische Bindung von Mutter und Kind, sollte man sich nicht nehmen lassen. Die Natur hat es so eingerichtet, dass der Geburtsschmerz einfach vergessen und Endorphin ausgeschüttet wird, ein Botenstoff, der ein Glücksgefühl im Körper hervorruft. Der erste Schrei des Babys, der erste Blick auf das Neugeborene, das erste im Armhalten, das sind unvergessliche Eindrücke, die sich keine Mutter nehmen lassen sollte. Sie sind unbezahlbar und sollten keiner Mutter aus anderen Beweggründen, außer einer wirklich konkreten medizinischen Indikation, genommen werden.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 1. Juni 2011

Literatur:

Eine informative Broschüre über das für und wider Kaiserschnitt,

bietet profamilia in Kooperation mit weiteren Verbänden zum downloaden an:

Kaiserschnitt? Ja! Nein! Vielleicht?

Weitere PureNature Artikel zum Thema Baby:

Blitzschnelles Waldbeeren – Eis

Erfrischend, vitaminreich, lecker

Um ein leckeres Waldbeereneis zu zaubern braucht man nicht viel Zeit und die Zubereitung ist denkbar einfach. Das Tollste dabei, man braucht nicht unbedingt eine Eismaschine, es gelingt auch ohne.

Zutaten:

  • 250 g Quark (Mager- oder Halbfettquark)
  • 250 g Waldbeeren gefroren
  • Alternativ 250g gefrorene Erdbeeren, Himbeeren, Brombeeren oder Heidelbeeren
  • Wer es etwas süßer mag: 3-4 Esslöffel Agavendicksaft

Gönnen Sie sich in jedem Fall Biozutaten. Tiefgefrorene Beeren hat jeder Bioladen im Sortiment.

Zubereitung:

Quark und Waldbeeren zusammen in den Mixer geben. Agavendicksaft zufügen. Mixen bis die Masse schön fest ist. Sofort servieren, nicht mehr in den Froster geben.

Alternativ: Die kurz im Mixer vermischte Quark-Beerenmasse in die Eismaschine geben und 10 Minuten verarbeiten. Die Konsistenz wird fester als bei der Mixerversion.

Serviertipp: Eiskugeln mit gefrorenen Beeren und einem Zweig Minze oder Zitronenmelisse garnieren.

Weitere köstliche Sorbet- und Eisrezepte:

Tierfreunde auf der Suche nach seltener Libelle

Aktion Feuermelder: Wer findet die Feuerlibelle?

Libellen könnte man stundenlang zuschauen. Schnell muss man dabei sein, denn die Akrobaten der Lüfte verweilen nicht lange auf einer Wasserpflanze. Kaum hat man eine erspäht, zischt sie auf der Jagd nach Insekten schon wieder in Höchstgeschwindigkeit über die Wasseroberfläche. Am Teich von PureNature tummeln sich an sonnigen Tagen über ein Dutzend Libellen. Schwarzblaue, Grüne und ab und zu ist eine orangefarbene Libelle dabei. Eine rote Libelle wurde noch nicht gesichtet. Schade, denn in diesem Jahr wurde die rote Feuerlibelle vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) gemeinsam mit der Fachgesellschaft der Libellenkundler, der Gesellschaft deutschsprachiger Odona- tologen (GdO), zur „Libelle des Jahres 2011“ erklärt. Die Feuerlibelle ist, wie der Name schon erraten lässt, feuerrot. Bislang ist das spektakuläre Insekt in Deutschland selten anzutreffen. Der BUND und die GdO haben gemeinsam die „Aktion Feuermelder“ gestartet und bitten alle Tierfreunde um Mithilfe.

Feuerrote Libelle setzt Signal

Mit der künftig jährlich stattfindenden Wahl einer „Libelle des Jahres“ soll auf diese faszinierende Insektenart, aber auch auf vom Menschen verursachte Veränderungen in der Natur aufmerksam gemacht werden. Die Feuerlibelle sei ein besonders eindrucksvolles Beispiel für die Auswirkungen des Klimawandels, lautete die Begründung der Verbände.

Feuerlibelle ist die erste `Libelle des Jahres`

Heidrun Heidecke, Naturschutzreferentin des BUND: „Die Feuerlibelle ist die erste `Libelle des Jahres` überhaupt. Sie reagiert auf klimatische Änderungen sehr sensibel und ist aufgrund ihrer grellroten Farbe für jeden leicht zu erkennen. Dass sie inzwischen auch bei uns vorkommt, ist ein klarer Beleg für die zunehmende Erderwärmung.“

Über das Meer zu uns

Ursprünglich kam die Feuerlibelle nur in Afrika und rund ums Mittelmeer vor. Mitte der 1980er Jahre wurde sie zunächst in Rheinland-Pfalz heimisch und breitete sich von dort in ganz Deutschland aus. Mittlerweile kommt sie auch in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein vor.

Neue Lebensräume durch Klimaerwärmung

„Die Klimaerwärmung ist ganz klar die Ursache für die Ausbreitung der Feuerlibelle in Deutschland“, sagte Dr. Jürgen Ott, Feuerlibellenexperte der GdO. Die Feuerlibelle sei eine wärmeliebende Art und erschließe sich ihren Lebensraum nach der vorherrschenden Temperatur. Diese sei in Deutschland seit Anfang des 20. Jahrhunderts im Durchschnitt um 1,1 Grad angestiegen. „Durch die Einwanderung neuer Arten aufgrund des Klimawandels verändert sich die Zusammensetzung von lokalen und regionalen Artengemeinschaften teilweise massiv. Vor allem heimische Arten, die in Mooren, Gebirgen und an Quellen vorkommen, drohen so möglicherweise verdrängt zu werden“, sagte Ott.

Auf die Suche gehen nach der seltenen Feuerlibelle

Um mehr Informationen über die aktuelle Verbreitung der „Libelle des Jahres 2011“ zu bekommen, ruft der BUND gemeinsam mit der Gesellschaft deutschsprachiger Odonatologen im Rahmen der „Aktion Feuermelder“ dazu auf, beobachtete Feuerlibellen zu melden. Sichtungen können in eine Internet-Datenbank unter www.bund.net/feuermelder eingetragen werden.


PureNature Teich

Lebensräume für Libellen schaffen

Es ist nicht schwer, im Garten ein Biotop zu schaffen, das Libellen anlockt. PureNature hat im vergangenen Jahr einen Teich auf dem Firmengrundstück angelegt. Kaum schauten die ersten Wasserpflanzen aus der Wasseroberfläche, waren sie da, die Akrobaten der Lüfte. Zu Anfang dieses Frühlings waren es erst drei blauschwarze Libellen, die am Teich mit ihren Flugkünsten erfreuten. Mit zunehmender Vegetation sind es jetzt an manchen sonnigen Tagen über ein Dutzend Libellen, die auf die Jagd gehen nach Mücken und anderen Insekten. Die Mitarbeiter von PureNature werden das Biotop weiter ausweiten und die Augen offen halten nach der Feuerlibelle, um sich an der „Aktion Feuermelder“ zu beteiligen. Selbstverständlich lassen sie Euch wissen, wenn eine der hübschen feuerroten Libelle gesichtet wird, mit etwas Glück sogar mit Photo. Schickt uns doch auch eine Nachricht oder ein Photo, wenn Ihr eine Feuerlibelle erspäht.

Autor: PureNature Redaktion

Literatur: BUND, Feuerlibelle ist Libelle des Jahres 2011, 23. Mai 2011

Photo Feuerlibelle: Günther J. Loos, BUND

Photos Teich, Libelle: PureNature

 

Verwaltungsgericht NRW: Raucherclubs unzulässig, Revision nicht möglich

Nichtraucherschutz vor Raucherinteressen

Nachdem Rauchverbote immer strikter wurden, gründeten einige Gastwirte und Raucher sogenannte „Raucherclubs“ um zu ermöglichen, dass in ihrer Gaststätte weiter geraucht werden dürfe. Bei Rauchern erfreuten sich diese „Raucherclubs“ großer Beliebtheit. Damit ist jetzt in Nordrhein Westfalen endgültig Schluss. Dass Oberverwaltungsgericht in NRW hat entschieden, dass es unzulässig ist, Gaststätten als „Raucherclubs“ zu deklarieren, um so den Nichtraucherschutz zu umgehen.

Nordrhein-Westfalen weitet Nichtraucherschutz noch weiter aus

Der 4. Senat des Oberverwaltungsgerichts hat mit Eilbeschluss vom 4. April 2011 ein Rauchverbot für eine Gaststätte bestätigt, die nach Angaben der Inhaberin nur den Mitgliedern eines sogenannten Raucherclubs offen steht. Zuvor hatte bereits das Verwaltungsgericht Köln den Eilantrag der Gastwirtin gegen das von der Stadt Köln verhängte Rauchverbot abgelehnt.

Das Nichtraucherschutzgesetz NRW bestimmt, dass in Gaststätten grundsätzlich nicht geraucht werden darf. Ausnahmen macht das Gesetz u.a. für Räume von Vereinen und Gesellschaften, deren ausschließlicher Zweck der gemeinsame Konsum von Tabakwaren ist. Diese Voraussetzungen sah der Senat im Rahmen einer vorläufigen Prüfung hier nicht als erfüllt an. Der Zweck des Gesetzes, die Bürger wirksam vor den erheblichen Gesundheitsgefahren durch Rauchen in der Öffentlichkeit zu schützen, gebiete eine enge Auslegung der Ausnahmevorschrift. Nach der dem Gericht vorliegenden Vereinssatzung bezwecke der Verein die „Förderung“ des gemeinsamen Tabakkonsums. Dies gehe über den gesetzlich zulässigen Zweck – den tatsächlichen gemeinsamen Konsum von Tabakwaren – hinaus und ermögliche auch Nichtrauchern die Vereinsmitgliedschaft. Diese könnten am einzig zulässigen Vereinszweck aber nicht Teil haben. Zudem sei die Inhaberin der Gaststätte auf einen Gewinn durch den Verkauf von Speisen und Getränken angewiesen. Auch dieses gewerbliche Interesse werde vom Verein gefördert. Insgesamt sei es erkennbarer Zweck des Vereins, die Nutzung der Gaststätte in der vor Inkrafttreten des Nichtraucherschutzgesetzes bestehenden Form zu sichern, und nicht nur, gemeinsam zu rauchen. Auf die Regelungen in der Vereinssatzung komme es insoweit nicht allein an. Maßgeblich seien auch die tatsächlichen Umstände. Deshalb sei es regelmäßig als unzulässige Umgehung des gesetzlichen Rauchverbots zu werten, wenn eine Gaststätte im Wesentlichen oder sogar ausschließlich den Mitgliedern eines Rauchervereins zur Verfügung gestellt werde. Die Klage der Gastwirtin gegen das Rauchverbot (Hauptsacheverfahren) ist beim Verwaltungsgericht Köln unter dem Aktenzeichen 7 K 4824/10 anhängig. Az.: 4 B 1771/10

Die Luft wird dünn für Raucher

Für Raucher wird es zunehmend schwieriger ihrer Sucht zu frönen. Die anfänglich vor vielen Restaurants und Gaststätten aufgestellten „Rauchersäulen“, sind an vielen Orten bereits wieder verschwunden. Der unschöne Anblick von Rauchern direkt vor der Eingangstür, an denen sich Nichtraucher luftanhaltend vorbeischlängeln mussten, wirkte eher abschreckend als einladend. Jetzt sieht man Raucher hastig auf der Straße rauchen oder in einer Einfahrt. Nichtraucher und gesundheitlich beeinträchtigte Personen, wie bspw. Asthmatiker oder Allergiker, beklagen Zunahme von Rauchern in Fußgängerzonen. Könnte sein, dass für Raucher in ein paar Jahren nur noch die eigene Wohnung und das Auto übrigbleiben um zu rauchen. In einigen amerikanischen und kanadischen Städten ist das bereits der Fall. Der Gesundheit der Allgemeinbevölkerung kam es zugute.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network

Photo: Gerhard Holzmann

Literatur: Oberverwaltungsgericht Nordrhein Westfalen, Gaststätten als Raucherclubs unzulässig, 06. April 2011

Grenzwerte für radioaktive Belastung von Lebensmitteln aus Japan erhöht

Bundesregierung informiert Öffentlichkeit nicht

Die Verbraucherorganisation foodwatch und das Umweltinstitut München e.V. haben die Informationspolitik der Bundesregierung über die Lebensmittelsicherheit nach der Reaktorkatastrophe in Japan kritisiert. Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner verweist seit Tagen auf „verstärkte Kontrollmaßnahmen“ und „spezielle Schutzstandards“ – sie informiert die Öffentlichkeit jedoch nicht darüber, dass die EU-weit geltenden Grenzwerte für die radioaktive Belastung von Lebensmitteln aus den betroffenen Regionen Japans am vergangenen Wochenende deutlich erhöht wurden.

War bisher eine kumulierte Radioaktivität von Cäsium-134 und Cäsium-137 von maximal 600 Becquerel/Kilogramm zulässig, traten am vergangenen Wochenende bis zu 20-fach höhere Obergrenzen von bis zu 12.500 Becquerel/Kilogramm für bestimmte Produkte aus Japan in Kraft.

Zwar gibt es in Europa derzeit keinen Anlass zur Sorge über hochbelastete Produkte aus Japan im Handel – dies rechtfertigt jedoch weder die lückenhafte Informationspolitik der Bundesregierung noch die Heraufsetzung der Grenzwerte. „Die Ministerin redet nur von verstärkten Kontrollen und verschweigt, dass gleichzeitig die Sicherheitsstandards für japanische Lebensmittel gesenkt wurden. Frau Aigner enthält der Öffentlichkeit wichtige Informationen vor – so gewinnt sie sicher nicht das Vertrauen der Bürger“, sagte Thilo Bode, Geschäftsführer der Verbraucherorganisation foodwatch. „Es ist absurd, in der jetzigen Situation Grenzwerte für japanische Lebensmittel zu erhöhen, um sie in die EU einführen zu können“, erklärte Christina Hacker, Vorstand im Umweltinstitut München.

Beide Organisationen sprachen sich dafür aus, einen kompletten Importstopp zu verhängen.„Unsere Solidarität gehört derzeit den Opfern der Katastrophe in Japan und diese Maßnahme wäre bestimmt kein großer Schaden für die japanische Wirtschaft “, so Christina Hacker vom Umweltinstitut München. Ohnehin seien die Einfuhrmengen für Lebensmittel aus Japan nach Europa nur sehr gering.

Für Lebensmittel und Lebensmittelimporte gelten für Cäsium-134 und Cäsium-137 üblicherweise Höchstwerte von 370 Becquerel/Kilogramm für Säuglingsnahrung und Milchprodukte sowie von 600 Becquerel/Kilogramm für andere Nahrungsmittel (EU-Verordnung 733/2008). Mit der Eilverordnung 297/2011, in Kraft getreten am 27. März 2011, hat die Europäische Kommission diese Grenzen für Produkte aus den betroffenen japanischen Regionen deutlich heraufgesetzt: auf 400 Becquerel/Kilogramm für Säuglingsnahrung, auf 1000 Becquerel/Kilogramm für Milchprodukte und auf 1250 Becquerel/Kilogramm für andere Nahrungsmittel. Bestimmte Produkte wie Fischöl oder Gewürze dürfen diesen Wert sogar um das Zehnfache übersteigen, also bis zu 12.500 Becquerel/Kilogramm belastet sein – ein 20-faches des bisherigen Limits.

Hintergrund für die Anhebung ist die nach der Tschernobyl-Katastrophe im Jahr 1987 erlassene EU-Verordnung 3954/1987. Demnach können im Falle eines „nuklearen Notstandes“ die Höchstgrenzen für die zulässige radioaktive Belastung von Lebensmitteln angehoben werden, um einer Nahrungsmittelknappheit vorzubeugen. „Diese Regelung jetzt in Kraft zu setzen, ist absurd, denn es gibt in Europa keinen nuklearen Notstand und erst recht keine Nahrungsmittelknappheit. Importe aus Japan spielen für die Versorgungssicherheit der europäischen Bürger überhaupt keine Rolle“, sagten Thilo Bode und Christina Hacker.

Literatur: Foodwatch, Umweltinstitut München, Berlin/München, 29. März 2011

Weiterführende Links:

Bisherige Grenzwerte (EU-Verordnung 733/2008)

EU-Eilverordnung 297/2011

Neue Grenzwerte (EU-Verordnung 3954/1987)

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