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E-Zigaretten können auch zu gesundheitlichen Gefahren für Passivraucher führen

BfR empfiehlt, das Rauchen von E-Zigaretten in Nichtraucherzonen zu untersagen

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat einige typische Inhaltsstoffe von E-Zigaretten-Liquids wie Nikotin, Vernebelungsmittel, Zusatz- und Aromastoffe bewertet: Die Dämpfe dieser Substanzen können die Gesundheit von E-Rauchern beeinträchtigen. Gefahren für Dritte sind nach derzeitigem Kenntnisstand nicht auszuschließen. Angesichts eines großen und wachsenden Produktspektrums an Liquids für E-Zigaretten ist nicht im Detail bekannt, was ein E-Raucher im konkreten Fall tatsächlich inhaliert bzw. ausatmet und mit welchen Schadstoffen die Atemluft belastet wird. Durch den Einsatz von nachfüllbaren Kartuschen haben die Konsumenten nahezu unbegrenzte Möglichkeiten zum Experimentieren und Zusammenstellen eigener Liquids, wobei auch Konzentrate und bedenkliche Substanzen verwendet werden können. Eine Bewertung der tatsächlichen Risiken für Unbeteiligte ist daher nicht möglich. Zum Schutz von Verbrauchern sollten E-Zigaretten deshalb in Nichtraucherbereichen herkömmlichen Tabakprodukten gleichgestellt sein „Das Rauchen von E-Zigaretten sollte nur in Raucherzonen erlaubt sein“, sagt BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel. „So können E-Zigaretten Passivraucher nicht gesundheitlich beeinträchtigen.“

Das BfR geht davon aus, dass von der E-Zigarette und ihren Liquids gesundheitliche Risiken ausgehen. Ursache dafür können neben Nikotin auch das Verneblungsmittel Propylenglycol, Chemikalienzusätze wie pharmakologische Wirkstoffe sowie verschiedene Duft- und Aromastoffe (z.B. Menthol, Linalool) und Verunreinigungen sein. Es gibt Hinweise aus der Fachliteratur, dass einige Fabrikate von E-Zigaretten auch krebserzeugende Aldehyde freisetzen. Die verschiedenen Substanzen werden in Form von Emissionen über die Dämpfe der E-Zigaretten und den Atem der E-Raucher in die Umgebungsluft abgegeben. Gefahren für Dritte können nach jetzigem Kenntnisstand deswegen nicht ausgeschlossen werden.

E-Raucher können auch eigene Liquids mischen und dabei auf Konzentrate und vielfältige Zusätze und Substanzen zurückgreifen. In diesen Fällen ist unklar, was genau ein- und ausgeatmet wird. Unbeteiligte können im konkreten Fall nicht einschätzen, ob von den freigesetzten Emissionen gesundheitliche Gefahren ausgehen.

Das BfR empfiehlt daher, das Rauchen von allen E-Zigaretten in Nichtraucherzonen zu untersagen und diese Produkte im Sinne des Nichtraucherschutzes wie herkömmliche Zigaretten zu behandeln. Auch im Privatbereich sollten E-Zigaretten wie herkömmliche Zigaretten gehandhabt werden: d.h. sie sollten nicht im Beisein von empfindlichen Personen wie Kindern, Schwangeren und Kranken geraucht werden.

Autor:

BfR, E-Zigaretten können auch zu gesundheitlichen Gefahren für Passivraucher führen, 17/2012, 07.05.2012

Hausstaubmilbenallergie – Diagnose, Behandlung, Schutz

Prävention ist wichtigste Therapie bei Allergie auf Hausstaubmilben

Hausstaubmilben sind weltweit verbreitet, ganz ungeachtet von klimatischen Verhältnissen. Außer im Hochgebirge sind sie überall anzutreffen. Der Kot der Hausstaubmilben gilt als Allergieauslöser und kann zu chronischer, allergiebedingter Erkrankung führen. Am stärksten ist man Hausstaubmilbenallergenen im Bett ausgesetzt. Das regelmäßige Einatmen auch nur geringer Konzentration dieser Allergene führt zu chronisch verstopfter Nase, und bei längerem Kontakt kann Asthma eintreten. Juckende Augen und ständig kribbelnde Nase sind weitere häufig verbreitete Symptome. In Deutschland leidet fast jeder Zehnte unter einer Hausstaubmilbenallergie.  Abhilfe schaffen neuere Therapien, Encasings und Präventionsmaßnahmen im häuslichen Umfeld.

Wo Hausstaubmilben sich wohlfühlen

Hausstaubmilben mögen feuchtes Klima und ernähren sich von Hautschuppen des Menschen. Gut isolierte Wohnungen und tropische Gefilde bieten ihnen optimale Bedingungen. Hausstaubmilben findet man hauptsächlich in Matratzen, Polstermöbeln und Teppichen. Kuscheltiere, die Kinder gerne mit ins Bett nehmen, sind ebenfalls ein beliebter Wohnort für Hausstaubmilben.

Diagnostik geht oft schleppend voran

Bis ein Patient wegen Beschwerden durch eine Hausstaubmilbenallergie zum Arzt geht, vergeht oft eine Weile. Wertvolle Zeit, in der meist schon eine Chronifizierung eingetreten ist. Viele Hausstaubmilbenallergiker sprechen erst beim Arzt vor, wenn ihre Gesundheitsbeschwerden massiv geworden sind. Sie leiden dann meist unter erheblichen Atembeschwerden, fühlen sich ständig erschöpft und abgeschlagen. Um eine Allergie auf Hausstaubmilben zu diagnostizieren, führt der Arzt in der Regel einen Hauttest durch. Um auszuschließen, dass noch weitere Allergien vorliegen, werden bei dieser Gelegenheit meist noch weitere Allergene mit untersucht.

Therapien bei Hausstaubmilbenallergie

Die Therapie einer Hausstaubmilbenallergie ist abhängig von der Schwere der Symptomatik, die ein Allergiker entwickelt hat. Bei asthmaartigen Beschwerden wird vom Arzt oder Allergologe meist ein cortisonhaltiges Nasenspray oder ein Cortisonpräparat zum Inhalieren verordnet. Beides bringt rasche Linderung der Beschwerden, ist aber nicht als Langzeittherapie gedacht und hat Nebenwirkungen, was besonders bei Kindern zu bedenken ist.

Für trockene Luft sorgen und Encasings benutzen

Schweizer Mediziner vom Inselspital in Bern wiesen in einer neueren Publikation darauf hin, dass Vermeidung bei dieser Allergie gute klinische Resultate erbringt. Häufiges Stoßlüften im Winter halten die Experten für besonders sinnvoll, weil trockene, kalte Luft zu Reduzierung der Luftfeuchtigkeit im Innenraum führt. Diese trockene Luft durch richtiges Lüften führt zu einer Reduzierung der Milben, da sie ihnen die Lebensgrundlage entzieht. Ein weiterer Hinweis der Mediziner betrifft das Bett. Sie raten den Allergikern das Benutzen von Encasings für die Matratze, Kopfkissen und Bettdecke und empfehlen den wöchentlichen Wechsel der Bettwäsche für Allergiker. Zusätzlich gibt es Sprays zum Reduzieren der Hausstaubmilben, man sollte jedoch darauf achten, dass sie allergen- und chemiefrei sind.

Fortschritte bei der Therapie von Hausstaubmilbenallergie

Eine neuere Art der Therapie ist die spezifische Immuntherapie mit Extrakten von Hausstaubmilben, die zu guten Ergebnisse bei Kindern und Erwachsenen führt. Mit rekombinanten Allergenen (pdf) (Co- und Kreuztestung) wird eine bessere Qualität in der diagnostischen sowie therapeutischen Immuntherapie erzielt. Die Besonderheit rekombinanter Allergene besteht darin, dass sie mit molekularbiologischen Techniken durch Bakterien hergestellt werden und als hochreine Substanzen wertvolle diagnostische Information liefern. Eine Reihe von Berufsverbänden von Allergologen sprechen sich für SCIT – subkutane spezifische Immuntherapie aus.

Welche Maßnahmen und Therapien bei einer Hausstaubmilbenallergie im speziellen Fall die Richtigen sind, entscheidet der Allergologe im spezifischen Einzelfall.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 24. April, 2012

Literatur:

Carrard A, Pichler Ch., House dust mite allergy, Ther Umsch. 2012 Apr; 69(4):249-52.

Urlaub für Allergiker: Allergiepass in 10 Sprachen

Reisen mit Allergien

Jüterbog (ots) – Blütenpollen, Insektenstiche, lebensbedrohliche Allergene im Essen – für Allergiker ist besonders im fremdsprachigen Ausland das Risiko höher, im Akutfall medizinisch nicht richtig versorgt zu werden, weil man nicht ausreichend verstanden wird. Allergiker wissen wie wichtig es ist, einen Allergieausweis zu besitzen, besonders in Notfällen. Aber was passiert, wenn man sich im Ausland befindet und der Arzt kein Deutsch versteht?

Unter www.allergieausweis.de können sich Allergiker einen Allergiepass in der Sprache passend zum Reiseland erstellen. 10 Sprachen stehen zur Auswahl: Dänisch, Englisch, Finnisch, Französisch, Griechisch, Italienisch, Kroatisch, Portugiesisch, Spanisch und Türkisch. Neu hinzugekommen ist eine Übersetzungshilfe zur Beschreibung von Symptomen bei einem möglichen Arzt- oder Apothekerbesuch.

Aber soweit muss es erst gar nicht kommen. Manche zeigen ihren Pass bereits im Restaurant vor, um Missverständnisse eindeutig zu vermeiden. Ein Ausweis in einer Fremdsprache kostet 4,95 EUR. Für 9,95 EUR können Globetrotter ihn in bis zu 10 Sprachen erstellen.

Hintergrundinformationen zum Thema

Heute leiden rund 30% der Bevölkerung an einer oder mehreren Allergien, und die Europäische Stiftung für Allergieforschung (www.ecarf.org) geht davon aus, dass 2015 beinahe jeder zweite von mindestens einer Allergie betroffen ist.

Studien des Instituts für Tourismuswissenschaft der Universität Lüneburg zeigen, dass das am häufigsten empfundene Risiko beim Reisen zu 71% in Krankheitsfällen liegt, gefolgt von Unfall mit 45%.

Statt weiter Statistiken zu wälzen, haben wir Allergiepatienten bei ihrer Urlaubsvorbereitung mit der Kamera begleiten lassen. Unter www.allergieausweis.de finden Sie einen Filmbeitrag, der Ihnen das Thema “Allergikersorgen auf Reisen” näher bringt.

Autor: Medilang, Allergiepass in 10 Sprachen – ein Tipp für reisefreudige Allergiker, 4. April 2012

Hochgebirge, das ideale Reiseziel für Allergiker und Asthmatiker

Medizinische Behandlung in den Bergen erfolgreicher

Die saubere Luft im Hochgebirge und die geringere Belastung mit Allergenen sind Aspekte, die dazu beitragen, dass es Allergikern und Asthmatikern in den Bergen besser geht. Im Hochgebirge treten Allergene wesentlich geringer auf. Manche Allergene sind ab einer bestimmten Höhe überhaupt nicht vorhanden. Für Hausstaubmilben ist die Luft über 1600m zu trocken, Schimmelpilze haben wegen der geringen Luftfeuchte ebenfalls keine Chance. Das Immunsystem und die Atemwege von Patienten mit Asthma, Neurodermitis, Heuschnupfen, Hausstaubmilben- und Schimmelpilzallergien können sich beruhigen. Reizungen und Entzündungen der Atemwege klingen ab.

In den Schweizer Bergen siedelten sich insbesondere in Davos Kliniken an, die durch die örtlichen Gegebenheiten profitieren. Die positiven Auswirkungen der Behandlung in Höhenlage wurden bei Asthma vor allem der Allergenkarenz zugeschrieben. Neuere Statistiken zeigen, dass die Behandlung in großer Höhe Entzündung der Atemwege bei nicht-allergischen Patienten ebenfalls verbessert.

Hochgebirge, eine Wohltat für viele Asthmatiker?

Ein Wissenschaftlerteam aus der Schweiz stellte die Hypothese auf, dass Behandlung in Höhenlage bei auch Patienten mit schwerem, nicht beeinflussbarem Asthma, mit oder ohne allergische Sensibilisierung, klinisch gleichermaßen wirksam ist. In eine klinische Beobachtungsstudie wurden 137 Erwachsene mit schwerem therapierefraktärem Asthma (92 mit allergischer Sensibilisierung), für die Behandlung großer Höhe in Davos (1600 m) einbezogen, um die Hypothese zu belegen.

Die Mediziner führten umfangreiche Anamnese und Untersuchungen bei den Asthmatikern durch, u.a. Asthmakontrolle (ACQ), ein Fragebogen zu Asthma-bezogener Lebensqualität (AQLQ), Bewertung sino-nasaler Symptome (SNOT-20), Auflistung der Medikamente, die eingenommen wurden, Post-Bronchodilatatoren (pb) FEV1, 6 min. gehen (6MWD), Gesamt-IgE-, Blut-Eosinophilen und ausgeatmeten Stickstoffmonoxid (FeNO) bei Aufnahme in der Klinik und nach 12 Wochen.

Besserung durch Hochgebirgsatmosphäre bei Asthmatikern feststellbar

Patienten mit Allergien, wie auch Patienten ohne Allergien, profitierten auf ähnliche, vielschichtige Weise durch den Aufenthalt und die therapeutische Behandlung im Hochgebirge. Sie konnten wesentlich besser atmen, waren belastbarer, hatten weniger Asthmabeschwerden und konnten den persönlichen Medikamentenkonsum verringern. Bei den Patienten mit Allergien war der Behandlungserfolg jedoch noch weitreichender. Die Wissenschaftler berichteten in der medizinischen Fachzeitschrift „European Respiratory Journal“, dass bei den Patienten mit Allergien eine größere Abnahme der Gesamt-IgE, Blut Eosinophilen und dem ausgeatmeten Stickoxid festgestellt wurde. Unabhängig von einer allergischen Sensibilisierung konnte bei sonst nicht beeinflussbarem Asthma die Cortison Anforderung durch den Aufenthalt im Hochgebirge reduziert werden und gleichzeitig verbesserten sich durch die Hochgebirgsatmosphäre klinische und funktionale Parameter. Die Ergebnisse der Studie sprechen deutlich dafür, dass Asthmatiker, ob sie nun unter Allergien leiden oder nicht, von einer Kur oder einem Urlaub im Hochgebirge erheblich profitieren.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivty Network, 26. März 2012

Literatur:

Rijssenbeek-Nouwens LH, Fieten KB, Bron AO, Hashimoto S, Bel EH, Weersink EJ., High altitude treatment in atopic and non-atopic patients with severe asthma, Eur Respir J. 2012 Mar 22.

Gefährliche Chemie aus der Waschtrommel

Greenpeace-Studie: Import-Textilien verschmutzen Gewässer in Deutschland

Hamburg (ots)- Giftige und hormonell wirksame Chemikalien gelangen auch durch die normale Haushaltswäsche in deutsche Gewässer.Nach einer neuen Greenpeace-Untersuchung treten bis zu 94 Prozent der Nonylphenolethoxylate (NPE) in Import-Textilien bei der ersten Haushaltswäsche aus. Im Abwasser bildet sich aus NPE das Umweltgift Nonylphenol (NP). Die Verwendung dieser Chemikalien ist in der EU verboten oder stark eingeschränkt. “Modemarken machen ihre Kunden zu unfreiwilligen Komplizen bei der weltweiten Wasserschmutzung”, sagt Manfred Santen, Chemieexperte von Greenpeace: “Die Branche muss ihre Produktion endlich entgiften.” Greenpeace engagiert sich mit der Kampagne “Detox” für eine Textilproduktion ohne gefährliche Chemikalien.

Für den aktuellen Report “Schmutzige Wäsche – Gefährliche Chemie aus der Waschtrommel” hat Greenpeace Textilien von Abercrombie & Fitch, Ralph Lauren, Calvin Klein und weiteren Modemarken aus elf Ländern untersucht. Aus dem deutschen Handel stammt ein in China gefertigtes Sport-Shirt von Li Ning mit dem dritthöchsten NPE-Gehalt aller Proben. In den Herstellungsländern der getesteten Textilien – China, Thailand, Vietnam, Sri Lanka, Philippinen und Türkei – ist der Einsatz von NPE nicht geregelt. Diese werden zum Beispiel als Tenside in Waschmitteln genutzt. Laut Umweltbundesamt sind Import-Textilien die größte Quelle für NPE und NP in deutschen Gewässern. Kläranlagen können die Einleitung nicht ausreichend verhindern.

Von der Waschmaschine in den Fluss: Jede neue Textilie setzt Chemikalien frei Für den Import von NPE-haltigen Textilien existieren in der EU bisher keine Regelungen. Mit der jährlichen Einfuhr von 881 000 Tonnen Textilien nach Deutschland werden auch viele Tonnen NPE mitgeliefert. Einige Modemarken wie H&M, Adidas, Puma und Nike haben in betriebseigenen Regelungen 100 mg/kg NPE als Rückstandsmenge festgelegt. Bei einem weltweiten Exportvolumen von 150 000 bis 200 000 Tonnen Textilien führt so allein H&M 15 bis 20 Tonnen NPE in Absatzländer ein. “Die von den Firmen festgelegten Werte sind viel zu hoch”, sagt Santen: “Von der Herstellung bis zum Handel verteilt die

Textilindustrie weiterhin ihre Schadstoffe.” Da nur vereinzelte Firmen überhaupt Grenzwerte haben, geht Greenpeace davon aus, dass die in hiesige Gewässer eingeleitete Menge NPE 88,1 Tonnen pro Jahr weit übersteigt.

Einen Ausstieg aus der Produktion mit gefährlichen Chemikalien bis zum Jahr 2020 haben bisher Nike, Adidas, Puma, Li Ning, H&M und C&A zugesagt. Greenpeace fordert alle Markenhersteller auf, den Einsatz von NPE in Produktionsprozessen bis zum Jahr 2013 zu beenden. Es sind längst ungefährlichere Alternativen auf dem Markt.

In zwei vorangegangenen Berichten hatte Greenpeace aufgedeckt, dass die internationale Textilindustrie die Trinkwasserdepots von Millionen Menschen in China vergiftet. Eine breite Auswahl (78 Artikel) in Asien gefertigter Textilien ließ Greenpeace anschließend auf NPE-Rückstände untersuchen. 14 dieser 78 Proben wurden für den aktuellen Test in einer standardisierten Haushaltswäsche bei 40 Grad gewaschen.

Autor: Greenpeace e.V., Gefährliche Chemie aus der Waschtrommel, 20. März 2012

Photo: Greenpeace

Diabetes-Risiko durch Kaiserschnitt

Gestörte Darmflora, geschwächte Immunabwehr

Kinder, die per Kaiserschnitt zur Welt kamen, haben laut der BABYDIAB-Studie ein mehr als doppelt so hohes Typ 1 Diabetes-Risiko als Kinder, die spontan entbunden wurden. In der Langzeit-Studie der Forschergruppe Diabetes der Technischen Universität München wurde der Einfluss von Umweltfaktoren auf die Entwicklung der Erkrankung bei 1.650 Kindern aus Risikofamilien untersucht. Die Studienteilnehmer wurden von Geburt an durchschnittlich 11 Jahre lang beobachtet. Eine Erklärung sehen die Forscher in der Tatsache, dass eine Entbindung per Kaiserschnitt die Zusammensetzung der kindlichen Darmflora verändert und damit die Entwicklung von Autoimmunität begünstigt.

Laut der Studie haben Kinder, deren Mutter oder Vater an Typ 1 Diabetes erkrankt ist und die per Kaiserschnitt geboren wurden, ein Diabetes-Risiko von 4,8 Prozent, bis zum 12. Lebensjahr daran zu erkranken. Dagegen liegt das Risiko von Kindern mit familiärer Vorbelastung, die vaginal entbunden wurden, bei 2,2 Prozent. Das erhöhte Diabetes-Risiko bei Kaiserschnitt trat unabhängig davon auf, ob es sich um eine Mehrlingsschwangerschaft, Frühgeburt oder um das Erstgeborene handelte. Auch der Geburtsmonat und Rauchen während der Schwangerschaft hatten keinen Einfluss.

Ein größeres Diabetes-Risiko durch Kaiserschnitt war auch nachweisbar bei Kindern mit bestimmten Varianten des Gens IFIH1 (Interferon induced with helicase C domain 1), das die Entwicklung von Typ 1 Diabetes beeinflusst. Das Protein IFIH1 ist für die Erkennung von Virus-RNA zuständig und reguliert somit die angeborene Immunabwehr gegenüber Viren. Man nimmt an, dass eine Virusinfektion das IFIH1 Gen aktiviert und es dadurch zur Ausschüttung des immunstimulierenden Proteins Interferon kommt. Dies hemmt zwar die Virusvermehrung, jedoch lockt es auch die zytotoxischen T-Zellen an, die – so nimmt man an – Betazellen erkennen und zerstören. Somit scheinen Virusinfektionen die Entwicklung von Typ 1 Diabetes zu fördern. Bei Kindern mit bestimmten Varianten dieses Gens steigt das Risiko für die Autoimmunerkrankung bei einem Kaiserschnitt sogar um etwa das Dreifache (9,1 Prozent gegenüber 2,8 Prozent bei spontaner Entbindung).

Ein Kaiserschnitt beeinflusst jedoch nicht das Risiko für die Entstehung von Inselautoimmunität und die Bildung von Autoantikörpern. Diese sind gegen die Insulin produzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse gerichtet und sind Vorboten der Manifestation des Diabetes. Allerdings beschleunigt die Geburt per Kaiserschnitt offenbar die Entstehung von Diabetes nach dem Auftreten erster Autoantikörper.

„Eine Erklärung für diese Ergebnisse ist die Tatsache, dass die Entbindung per Kaiserschnitt auf die Beschaffenheit der kindlichen Darmflora und damit auf das Immunsystem einwirkt“, erläutert Prof. Anette-Gabriele Ziegler, Studienleiterin und Leiterin der Forschergruppe Diabetes der Technischen Universität München. Unter den Mikroorganismen, die den Darm besiedeln, lassen sich bei Kindern, die per Kaiserschnitt auf die Welt kamen, zum Beispiel weniger Bifidobakterien nachweisen. „Somit ähnelt die Darmflora dieser Kinder der gestörten Darmflora von Diabetikern“, so Ziegler weiter. Bei den Bifidobakterien handelt es sich um die wichtigste Gruppe der nützlichen Darmbakterien. Sie sind auch in der Vagina gesunder Frauen zu finden, so dass sie bei einer vaginalen Entbindung vom Säugling aufgenommen werden können. Diese Mikroorganismen erfüllen neben der Bekämpfung von Krankheitskeimen und Schadstoffen vielfältige Aufgaben für das Immunsystem: So versorgen sie unter anderem die Immunzellen im Darm mit wichtigen Informationen zur Bekämpfung von Erregern, bilden Vitamine wie das Vitamin K und fördern den Aufbau der Darmschleimhaut.

Als Folge-Studie zu BABYDIAB läuft derzeit die TEENDIAB-Studie:

Sie erforscht bei Kindern mit familiärer Vorbelastung die Entstehung von Typ 1 Diabetes. Teilnehmen können Kinder im Alter von acht Jahren bis zum vollendeten 12. Lebensjahr, deren Vater oder Mutter beziehungsweise ein Geschwisterkind an Typ 1 Diabetes erkrankt ist. Sie haben somit ein erhöhtes Risiko, später selbst diese Stoffwechselerkrankung zu entwickeln. Bei den Studienteilnehmern wird das individuelle Krankheitsrisiko für Typ 1 Diabetes ermittelt.

Autor:

Forschergruppe Diabetes der TU München, Kaiserschnitt erhöht das Risiko für Typ 1 Diabetes, 14.02.2012

Literatur:

Ezio Bonifacio, Katharina Warncke, Christiane Winkler, Maike Wallner and Anette-G. Ziegler. Cesarean Section and Interferon-Induced Helicase Gene Polymorphisms Combine to Increase Childhood Typ1 Diabetes Risk. DIABETES. Vol. 60. December 2011. 3300-3306.

Informationen im Internet unter TEENDIAB

Weitere interessante Artikel:

Teebaumöl – Ursache für Kontaktallergien

Für Allergiker und Haustiere äußerst bedenklich

Teebaumöl wird als Hausmittel gegen Insektenstiche, Hautproblemen, bei offenen Wunden, bei Läusebefall, Erkältungskrankheiten, bei Entzündungen des Zahnfleisches und vielen weiteren Gesundheitsproblemen propagiert. Weil Teebaumöl bakterizide, fungizide, antimikrobielle und antiseptische Wirkung hat, wird es als Wirkstoff in Haushaltsreinigern, Shampoos, Cremes, Aknemitteln, Zahncremes und Mundwasser eingesetzt. Es wird auch als Öl für Aroma-Lampen zum Vertreiben von Insekten und für die Tierpflege angeboten. Teebaumöl kann erhebliche Nebenwirkungen und Allergien auslösen. Insbesondere unverdünnte oder längere Anwendungen des ätherischen Öls sind bedenklich. Durch einen Oxidationsprozess steigt das Risiko für Kontaktallergien. Allergiker und Personen mit MCS (Chemikaliensensitivität) sind besonders gefährdet. Bei Haustieren kann Teebaumöl leicht zu Vergiftung und Ableben führen.

Licht und Luft löst Autooxidationsprozess aus

Das in Teebaumöl enthaltene Monoterpen, α-Terpinen, ist eine der Komponenten, die durch Luft und Licht autooxidieren und allergische Verbindungen freisetzen. Bereits vier Tage nach Anbrechen einer Flasche ist der Oxidationsprozess in Gang, deshalb soll das Öl auch nur lichtgeschützt aufbewahrt werden. Wissenschaftler der Universität Göteborg untersuchten, ob Teebaumöl schon bei Raumtemperatur autooxidiert und welche Substanzen durch diesen Prozess freigesetzt werden. (1) Chemische Analysen zeigten, dass in Teebaumöl enthaltenes α-Terpinen sehr rasch zerfällt und verschiedene Oxidationsprodukte wie p-Cymol, allylische Epoxide und Wasserstoffperoxid bilden. Die schwedischen Wissenschaftler fanden spezifische ungesättigte Aldehyde als Hauptursache für das sensibilisierende Potential des Teebaumöls. Durch Luftkontakt verstärkte sich dieses sensibilisierende Potential von α-Terpinen und wird so rasch zum Hautallergen. In Deutschland und Österreich gab es 2003 eine multizentrische Studie, die ermittelte, dass rund 3% der Studienteilnehmer Sensibilisierung auf Teebaumöl aufwiesen. Ein Wissenschaftlerteam der Universität Groningen stellte bei 5% der Patienten eine Sensibilisierung auf das ätherische Öl fest. (2,3)

Teebaumöl problematisch für Allergiker und MCS Kranke

Allergiker sollten auf Teebaumöl wegen seines allergieauslösenden Potentials weitgehend bis völlig verzichten. Eine weitere Risikogruppe sind Personen, die unter MCS (multiple Chemikaliensensitivität) leiden. Insbesondere, wenn die MCS durch Organophosphat-Pestizide ausgelöst wurde, weil α-Terpinen ebenfalls das Enzym Acetylcholinesterase und weitere zur Entgiftung notwendige Enzyme hemmt. Wenn Allergiker oder MCS Kranke Teebaumöl trotz des Risikos verwenden wollen, sollten sie es sehr stark verdünnen und erst einen Verträglichkeitstest mit einem Tropfen verdünntem Teebaumöl in der Armbeuge durchführen.

Allergien auf Teebaumöl werden bei Patienten mit Kontaktallergien bislang viel zu selten untersucht, obwohl das Öl mit steigender Tendenz verwendet wird. Allergietests auf Teebaumöl können tückisch sein, weil sie falsch negativ verlaufen, wenn für die Testsubstanz kein oxidiertes Teebaumöl verwendet wird, das stellten australische Wissenschaftler fest. Patienten, die mit frisch geöffneten Teebaumöl-Produkten getestet werden, reagieren in der Regel nicht. Für Patchtests soll laut der Wissenschaftler deshalb nur oxidiertes Teebaumöl verwendet werden. (4)

Vorsicht: Teebaumöl für Katzen und Hunde toxisch

Landläufig ist der Einsatz von Teebaumöl zur Bekämpfung von Hunde- und Katzenflöhen üblich und es kommt häufig zu Vergiftungsfällen, weil die Tierbesitzer nichts über dessen Toxizität wissen. Die Terpene und Phenole, die im Teebaumöl enthalten sind, können von Hunden und besonders von Katzen nicht verstoffwechselt werden. Neurologische Symptome wie Zittern, Schwanken, Unruhe und völlige Erschöpfung sind typisch. Für Hunde und Katzen kann die Anwendung von Teebaumöl tödlich sein, insbesondere wenn das Öl in offene Wunden eindringt oder wenn die Tiere das Öl ablecken. (5)

Teebaumöl nur im Notfall

Die schwedischen Wissenschaftler, deren Forschungsergebnisse in der Januar 2012 Ausgabe der Fachzeitschrift „Chemical Research in Toxicology“ veröffentlicht wurden, kamen zum Ergebnis, dass Teebaumöl für Anwendung auf der Haut nur bedingt geeignet ist. Die Toxikologen halten den Einsatz des ätherischen Öls in Kosmetika und Hautpflegeprodukten bedenklich, wegen der Gefahr, sich zu sensibilisieren und Kontaktallergien zu entwickeln. Zu ähnlicher Einschätzung kam ein weiteres schwedisches und ein italienisches Wissenschaftlerteam, das Kontaktallergien durch alternativmedizinische Substanzen untersuchte. (6,7) Teebaumöl erwies sich als äußerst problematische Substanz, die Hypersensitivität auslösen kann und die Liste der Kontaktallergene bei alternativmedizinischen Substanzen anführte.

Autor:

Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 21. Februar 2012

Literatur:

  1. Rudbäck J, Bergström MA, Borje A, Nilsson UL, Karlberg AT., α-Terpinene, an Antioxidant in Tea Tree Oil, Autoxidizes Rapidly to Skin Allergens on Air Exposure, Chem Res Toxicol. 2012 Jan 17.
  2. C. Pirker und B.M. Hausen et al.: Sensibilisierung auf Teebaumöl in Deutschland und Österreich – Eine multizentrische Studie der Deutschen Kontaktallergiegruppe. J Dtsch Dermatol Ges. 1/8/2003 S. 629-34. doi:10.1046/j.1610-0387.2003.03727.
  3. Bakker CV, Blömeke B, Coenraads PJ, Schuttelaar ML., Ascaridole, a sensitizing component of tea tree oil, patch tested at 1% and 5% in two series of patients, Contact Dermatitis. 2011 Oct;65(4):240-1. doi: 10.1111/j.1600-0536.2011.01948.x.
  4. Rutherford T, Nixon R, Tam M, Tate B., Allergy to tea tree oil: retrospective review of 41 cases with positive patch tests over 4.5 years, Australas J Dermatol. 2007 May;48(2):83-7.
  5. Villar D, Knight MJ, Hansen SR, Buck WB., Toxicity of melaleuca oil and related essential oils applied topically on dogs and cats, Vet Hum Toxicol. 1994 Apr;36(2):139-42.
  6. Ahlin M, Dingizian V, Svenssson A., High frequency of contact allergy caused by alternative medicine substances. Tea tree oil tops the list, Lakartidningen. 2011 Aug 10-23;108 (32-33):1487-90.
  7. Ventura MT, Viola M, Calogiuri G, Gaeta F, Pesole O, Romano A., Hypersensitivity reactions to complementary and alternative medicine products, Curr Pharm Des. 2006;12(26):3393-9.

Genetische Ursachen von Neurodermitis identifiziert

Drei neue Risikogene für Neurodermitis ermöglichen neue Ansätze zur Vorhersage und Prävention

Die bisher größte genetische Studie zu Neurodermitis hat drei Gene identifiziert, die entscheidend zum Entstehen der chronischen Hauterkrankung beitragen. Die Ergebnisse der vom Helmholtz Zentrum München initiierten internationalen Studie wurden am 25.12.2011 beim renommierten Fachjounal Nature Genetics veröffentlicht.

Das EAGLE-Konsortium (EArly Genetics and Lifecourse Epidemiology) hat drei neue Gene identifiziert, die das Risiko für Neurodermitis deutlich erhöhen. Zwei der Gene tragen dazu bei, die natürliche Hautbarriere aufrecht zu erhalten. Das dritte gefundene Gen hat Auswirkungen auf die Immunregulation und beeinflusst auch die Entstehung von Asthma und Allergien. Im Rahmen der bisher weltweit umfassendsten genomweiten Studie wurden über 10.000 Neurodermitis-Patienten und 40.000 gesunde Vergleichspatienten untersucht.

“Unsere Ergebnisse ermöglichen es, die genetischen Ursachen von Neurodermitis besser zu verstehen. Damit können wir nicht nur Tests für genauere Risiko- abschätzungen entwickeln, sondern auch neue Präventions- und Behandlungs- ansätze ableiten,” sagt Dr. Joachim Heinrich, Initiator des multizentrischen Forschungsprojektes und kommissarischer Leiter des Instituts für Epidemiologie I am Helmholtz Zentrum München. “Die gemeinsame statistische Auswertung der Daten von 26 Kohorten aus 12 Ländern, darunter Australien, Kanada, USA sowie neun europäischer Staaten stellte eine besonders anspruchsvolle Herausforderung dar”, sagt Marie Standl, die als Doktorandin am Helmholtz Zentrum München federführend die zentrale Datenanalyse erfolgreich durchführte. Das Verständnis der Entstehungsmechanismen von Volkskrankheiten und die Ableitung neuer Angriffspunkte für Diagnose, Therapie und Prävention sind Ziele des Helmholtz Zentrums München.

Weitere Informationen

Neurodermitis ist mit einer Häufigkeit von ca. 20 Prozent bei Kindern und ca. 5 Prozent bei Erwachsenen in westlichen Industrienationen eine der häufigsten chronischen Hauterkrankungen. Sie geht oft der Entwicklung von Heuschnupfen und Asthma voraus. Ein großer Teil des Risikos, Neurodermitis und Allergien zu entwickeln, wird vererbt. In Kombination mit Umwelteinflüssen kommt es zur Krankheitsentstehung.

Autor:

Helmholtz Institut, Drei neue Risikogene für Neurodermitis ermöglichen neue Ansätze zur Vorhersage und Prävention, Neuherberg, 27.12.2011.

Literatur:

L. Paternoster*, M. Standl* et al., Meta-analysis of genome-wide association studies identifies three new risk loci for atopic dermatitis. Nature Genetics 2011; Advance online publication; doi:10.1038/ng.1017.

Grippale Virusinfektion verschlimmert Hausstaubmilbenallergie und allergisch bedingtes Asthma

Patienten berichten, dass sie während einer Virusinfektion stärker auf Hausstaubmilben reagieren und dass allergisches Asthma auftritt. Mediziner gehen davon aus, dass Virusinfektionen der Atemwegen mit einem erhöhten Auftreten von allergischem Asthma in Verbindung stehen. Allerdings werden die Mechanismen, durch die Infektionen der Atemwege zu allergischer Atemwegerkrankung führen, bislang nur unvollständig verstanden. Eine im Journal of Immunology publizierte Studie brachte Aufschluss.

Allergie wirkt sich während Virusinfektion stärker aus

Eine kanadische Wissenschaftlergruppe der McMaster University stellte sich die Aufgabe, Näheres herauszufinden. Im Vorfeld ihrer aktuell veröffentlichten Studie hatte das Team herausgefunden, dass der Kontakt gegenüber einer geringen Konzentration Hausstaubmilben (HSM) eine Haustaubmilben-vermittelte, allergisch bedingte Entzündung der Atemwege verstärkt, und was in diesem Zusammenhang besonders wichtig ist, dass eine Hyperreaktivität der Atemwege nur bei Allergenkontakt während einer akuten Influenza-A-Infektion auftritt.

Hausstaubmilben induzieren Gene während Influenza

In der aktuellen Studie werteten die Wissenschaftler die Auswirkungen der gleichzeitigen Influenza-Infektion und Allergenexposition auf genomischer Ebene aus. Die ermittelten Daten zeigten, dass ein Kontakt gegenüber einer niedrigen Konzentration von Hausstaubmilben während einer Influenza-A-Infektion zu einem dramatischen Anstieg der Genexpression führt, vor allem von TLRs, C-Typ Lektin-Rezeptoren, mehreren Komplementkomponenten, sowie Fc ε R1. Darüber hinaus beobachteten die Kanadier ein erhöhtes Auftreten einer Reihe von Genen, Chemokinen und Zytokinen, die mit einem Anstieg von entzündungsfördernden Zellen in Zusammenhang stehen. Zusätzlich stellen sie fest, dass der Kontakt mit Hausstaubmilben im Rahmen einer Influenza-A-Infektion zu einer Induktion einzigartiger Gene, darunter Calgranulin A (S100A8) und TLR4-Agonist führt.

Verstärkte allergische Reaktionen

Die Erkenntnisse aus dieser Studie bringen Aufschluss darüber, dass eine Influenza-Infektion die Expression mehrerer Genklassen deutlich erhöht und dass diese dann in der Lage sind, auf Allergene zu sensibilisieren und anschließende entzündliche Immunreaktionen zu verstärken. Die kanadischen Wissenschaftler gehen davon aus, dass eine Influenza-A-Infektion die Umgebung in der Lunge in einer Weise „schärft“, dass die Schwelle zur Reaktionsfähigkeit auf Allergene herabgesetzt wird, wodurch dieser klinisch signifikante, allergische Phänotyp entsteht.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 19. Dezember 2011

Literatur:

Al-Garawi A, Husain M, Ilieva D, Humbles AA, Kolbeck R, Stampfli MR, O’Byrne PM, Coyle AJ, Jordana M.,Shifting of Immune Responsiveness to House Dust Mite by Influenza A Infection: Genomic Insights, J Immunol. 2011 Dec 14.

Wissenschaftlicher Durchbruch könnte Pollenallergikern helfen

Hilfe für Allergiker: Allergengehalt in Pollenextrakten ist zuverlässig messbar

Der Allergengehalt in Präparaten zur Diagnostik und Therapie kann stark schwanken. Das wirkt sich direkt auf Testergebnisse und Behandlungserfolge aus. Nach jahrelanger Forschung ist ein Durchbruch bei der Allergenbestimmung in Pollenextrakten erzielt worden. Auf einer Konferenz des Europäischen Direktorats für die Qualität von Arzneimitteln (EDQM) in Strasbourg stellten Wissenschaftler neue Methoden vor. Damit werden die wichtigsten Allergene in Birken- und Gräserpollen gemessen. Es handelt sich um Eiweißstoffe, auf die Allergiker überempfindlich mit lästigen Beschwerden an Augen, Nase und Bronchien reagieren.

Zur nachhaltigen Behandlung dient die spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) mit Allergenpräparaten. Sie enthalten große Mengen vom Polleneiweiß, an die sich das Immunsystem bei wiederholter Gabe langsam gewöhnt. Allerdings ließen sich die Allergenextrakte bisher nicht vergleichen; zu unterschiedlich waren die verwendeten Einheiten, die in Deutschland das Paul-Ehrlich-Institut überwacht. Jetzt können die Hauptallergene, z.B. Bet v 1 aus Pollen der Warzenbirke (wissenschaftliche Bezeichnung Betula verrucosa), zuverlässig bestimmt werden. Prof. Stefan Vieths, Vizepräsident vom Paul-Ehrlich-Institut und Beirat der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) sieht darin einen Durchbruch: “Auf diesen Moment haben die Allergologen lange gewartet”. Sind die Tests erst Bestandteil des Europäischen Arzneibuches geworden, steht auf allen Birkenpollen-Präparaten der genaue Allergengehalt.

Literatur: Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI), Berlin, 16.12.2011