Archiv der Kategorie ‘Umweltkrankheiten‘

Teebaumöl – Ursache für Kontaktallergien

Für Allergiker und Haustiere äußerst bedenklich

Teebaumöl wird als Hausmittel gegen Insektenstiche, Hautproblemen, bei offenen Wunden, bei Läusebefall, Erkältungskrankheiten, bei Entzündungen des Zahnfleisches und vielen weiteren Gesundheitsproblemen propagiert. Weil Teebaumöl bakterizide, fungizide, antimikrobielle und antiseptische Wirkung hat, wird es als Wirkstoff in Haushaltsreinigern, Shampoos, Cremes, Aknemitteln, Zahncremes und Mundwasser eingesetzt. Es wird auch als Öl für Aroma-Lampen zum Vertreiben von Insekten und für die Tierpflege angeboten. Teebaumöl kann erhebliche Nebenwirkungen und Allergien auslösen. Insbesondere unverdünnte oder längere Anwendungen des ätherischen Öls sind bedenklich. Durch einen Oxidationsprozess steigt das Risiko für Kontaktallergien. Allergiker und Personen mit MCS (Chemikaliensensitivität) sind besonders gefährdet. Bei Haustieren kann Teebaumöl leicht zu Vergiftung und Ableben führen.

Licht und Luft löst Autooxidationsprozess aus

Das in Teebaumöl enthaltene Monoterpen, α-Terpinen, ist eine der Komponenten, die durch Luft und Licht autooxidieren und allergische Verbindungen freisetzen. Bereits vier Tage nach Anbrechen einer Flasche ist der Oxidationsprozess in Gang, deshalb soll das Öl auch nur lichtgeschützt aufbewahrt werden. Wissenschaftler der Universität Göteborg untersuchten, ob Teebaumöl schon bei Raumtemperatur autooxidiert und welche Substanzen durch diesen Prozess freigesetzt werden. (1) Chemische Analysen zeigten, dass in Teebaumöl enthaltenes α-Terpinen sehr rasch zerfällt und verschiedene Oxidationsprodukte wie p-Cymol, allylische Epoxide und Wasserstoffperoxid bilden. Die schwedischen Wissenschaftler fanden spezifische ungesättigte Aldehyde als Hauptursache für das sensibilisierende Potential des Teebaumöls. Durch Luftkontakt verstärkte sich dieses sensibilisierende Potential von α-Terpinen und wird so rasch zum Hautallergen. In Deutschland und Österreich gab es 2003 eine multizentrische Studie, die ermittelte, dass rund 3% der Studienteilnehmer Sensibilisierung auf Teebaumöl aufwiesen. Ein Wissenschaftlerteam der Universität Groningen stellte bei 5% der Patienten eine Sensibilisierung auf das ätherische Öl fest. (2,3)

Teebaumöl problematisch für Allergiker und MCS Kranke

Allergiker sollten auf Teebaumöl wegen seines allergieauslösenden Potentials weitgehend bis völlig verzichten. Eine weitere Risikogruppe sind Personen, die unter MCS (multiple Chemikaliensensitivität) leiden. Insbesondere, wenn die MCS durch Organophosphat-Pestizide ausgelöst wurde, weil α-Terpinen ebenfalls das Enzym Acetylcholinesterase und weitere zur Entgiftung notwendige Enzyme hemmt. Wenn Allergiker oder MCS Kranke Teebaumöl trotz des Risikos verwenden wollen, sollten sie es sehr stark verdünnen und erst einen Verträglichkeitstest mit einem Tropfen verdünntem Teebaumöl in der Armbeuge durchführen.

Allergien auf Teebaumöl werden bei Patienten mit Kontaktallergien bislang viel zu selten untersucht, obwohl das Öl mit steigender Tendenz verwendet wird. Allergietests auf Teebaumöl können tückisch sein, weil sie falsch negativ verlaufen, wenn für die Testsubstanz kein oxidiertes Teebaumöl verwendet wird, das stellten australische Wissenschaftler fest. Patienten, die mit frisch geöffneten Teebaumöl-Produkten getestet werden, reagieren in der Regel nicht. Für Patchtests soll laut der Wissenschaftler deshalb nur oxidiertes Teebaumöl verwendet werden. (4)

Vorsicht: Teebaumöl für Katzen und Hunde toxisch

Landläufig ist der Einsatz von Teebaumöl zur Bekämpfung von Hunde- und Katzenflöhen üblich und es kommt häufig zu Vergiftungsfällen, weil die Tierbesitzer nichts über dessen Toxizität wissen. Die Terpene und Phenole, die im Teebaumöl enthalten sind, können von Hunden und besonders von Katzen nicht verstoffwechselt werden. Neurologische Symptome wie Zittern, Schwanken, Unruhe und völlige Erschöpfung sind typisch. Für Hunde und Katzen kann die Anwendung von Teebaumöl tödlich sein, insbesondere wenn das Öl in offene Wunden eindringt oder wenn die Tiere das Öl ablecken. (5)

Teebaumöl nur im Notfall

Die schwedischen Wissenschaftler, deren Forschungsergebnisse in der Januar 2012 Ausgabe der Fachzeitschrift „Chemical Research in Toxicology“ veröffentlicht wurden, kamen zum Ergebnis, dass Teebaumöl für Anwendung auf der Haut nur bedingt geeignet ist. Die Toxikologen halten den Einsatz des ätherischen Öls in Kosmetika und Hautpflegeprodukten bedenklich, wegen der Gefahr, sich zu sensibilisieren und Kontaktallergien zu entwickeln. Zu ähnlicher Einschätzung kam ein weiteres schwedisches und ein italienisches Wissenschaftlerteam, das Kontaktallergien durch alternativmedizinische Substanzen untersuchte. (6,7) Teebaumöl erwies sich als äußerst problematische Substanz, die Hypersensitivität auslösen kann und die Liste der Kontaktallergene bei alternativmedizinischen Substanzen anführte.

Autor:

Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 21. Februar 2012

Literatur:

  1. Rudbäck J, Bergström MA, Borje A, Nilsson UL, Karlberg AT., α-Terpinene, an Antioxidant in Tea Tree Oil, Autoxidizes Rapidly to Skin Allergens on Air Exposure, Chem Res Toxicol. 2012 Jan 17.
  2. C. Pirker und B.M. Hausen et al.: Sensibilisierung auf Teebaumöl in Deutschland und Österreich – Eine multizentrische Studie der Deutschen Kontaktallergiegruppe. J Dtsch Dermatol Ges. 1/8/2003 S. 629-34. doi:10.1046/j.1610-0387.2003.03727.
  3. Bakker CV, Blömeke B, Coenraads PJ, Schuttelaar ML., Ascaridole, a sensitizing component of tea tree oil, patch tested at 1% and 5% in two series of patients, Contact Dermatitis. 2011 Oct;65(4):240-1. doi: 10.1111/j.1600-0536.2011.01948.x.
  4. Rutherford T, Nixon R, Tam M, Tate B., Allergy to tea tree oil: retrospective review of 41 cases with positive patch tests over 4.5 years, Australas J Dermatol. 2007 May;48(2):83-7.
  5. Villar D, Knight MJ, Hansen SR, Buck WB., Toxicity of melaleuca oil and related essential oils applied topically on dogs and cats, Vet Hum Toxicol. 1994 Apr;36(2):139-42.
  6. Ahlin M, Dingizian V, Svenssson A., High frequency of contact allergy caused by alternative medicine substances. Tea tree oil tops the list, Lakartidningen. 2011 Aug 10-23;108 (32-33):1487-90.
  7. Ventura MT, Viola M, Calogiuri G, Gaeta F, Pesole O, Romano A., Hypersensitivity reactions to complementary and alternative medicine products, Curr Pharm Des. 2006;12(26):3393-9.

Grippale Virusinfektion verschlimmert Hausstaubmilbenallergie und allergisch bedingtes Asthma

Patienten berichten, dass sie während einer Virusinfektion stärker auf Hausstaubmilben reagieren und dass allergisches Asthma auftritt. Mediziner gehen davon aus, dass Virusinfektionen der Atemwegen mit einem erhöhten Auftreten von allergischem Asthma in Verbindung stehen. Allerdings werden die Mechanismen, durch die Infektionen der Atemwege zu allergischer Atemwegerkrankung führen, bislang nur unvollständig verstanden. Eine im Journal of Immunology publizierte Studie brachte Aufschluss.

Allergie wirkt sich während Virusinfektion stärker aus

Eine kanadische Wissenschaftlergruppe der McMaster University stellte sich die Aufgabe, Näheres herauszufinden. Im Vorfeld ihrer aktuell veröffentlichten Studie hatte das Team herausgefunden, dass der Kontakt gegenüber einer geringen Konzentration Hausstaubmilben (HSM) eine Haustaubmilben-vermittelte, allergisch bedingte Entzündung der Atemwege verstärkt, und was in diesem Zusammenhang besonders wichtig ist, dass eine Hyperreaktivität der Atemwege nur bei Allergenkontakt während einer akuten Influenza-A-Infektion auftritt.

Hausstaubmilben induzieren Gene während Influenza

In der aktuellen Studie werteten die Wissenschaftler die Auswirkungen der gleichzeitigen Influenza-Infektion und Allergenexposition auf genomischer Ebene aus. Die ermittelten Daten zeigten, dass ein Kontakt gegenüber einer niedrigen Konzentration von Hausstaubmilben während einer Influenza-A-Infektion zu einem dramatischen Anstieg der Genexpression führt, vor allem von TLRs, C-Typ Lektin-Rezeptoren, mehreren Komplementkomponenten, sowie Fc ε R1. Darüber hinaus beobachteten die Kanadier ein erhöhtes Auftreten einer Reihe von Genen, Chemokinen und Zytokinen, die mit einem Anstieg von entzündungsfördernden Zellen in Zusammenhang stehen. Zusätzlich stellen sie fest, dass der Kontakt mit Hausstaubmilben im Rahmen einer Influenza-A-Infektion zu einer Induktion einzigartiger Gene, darunter Calgranulin A (S100A8) und TLR4-Agonist führt.

Verstärkte allergische Reaktionen

Die Erkenntnisse aus dieser Studie bringen Aufschluss darüber, dass eine Influenza-Infektion die Expression mehrerer Genklassen deutlich erhöht und dass diese dann in der Lage sind, auf Allergene zu sensibilisieren und anschließende entzündliche Immunreaktionen zu verstärken. Die kanadischen Wissenschaftler gehen davon aus, dass eine Influenza-A-Infektion die Umgebung in der Lunge in einer Weise „schärft“, dass die Schwelle zur Reaktionsfähigkeit auf Allergene herabgesetzt wird, wodurch dieser klinisch signifikante, allergische Phänotyp entsteht.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 19. Dezember 2011

Literatur:

Al-Garawi A, Husain M, Ilieva D, Humbles AA, Kolbeck R, Stampfli MR, O’Byrne PM, Coyle AJ, Jordana M.,Shifting of Immune Responsiveness to House Dust Mite by Influenza A Infection: Genomic Insights, J Immunol. 2011 Dec 14.

Wissenschaftlicher Durchbruch könnte Pollenallergikern helfen

Hilfe für Allergiker: Allergengehalt in Pollenextrakten ist zuverlässig messbar

Der Allergengehalt in Präparaten zur Diagnostik und Therapie kann stark schwanken. Das wirkt sich direkt auf Testergebnisse und Behandlungserfolge aus. Nach jahrelanger Forschung ist ein Durchbruch bei der Allergenbestimmung in Pollenextrakten erzielt worden. Auf einer Konferenz des Europäischen Direktorats für die Qualität von Arzneimitteln (EDQM) in Strasbourg stellten Wissenschaftler neue Methoden vor. Damit werden die wichtigsten Allergene in Birken- und Gräserpollen gemessen. Es handelt sich um Eiweißstoffe, auf die Allergiker überempfindlich mit lästigen Beschwerden an Augen, Nase und Bronchien reagieren.

Zur nachhaltigen Behandlung dient die spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) mit Allergenpräparaten. Sie enthalten große Mengen vom Polleneiweiß, an die sich das Immunsystem bei wiederholter Gabe langsam gewöhnt. Allerdings ließen sich die Allergenextrakte bisher nicht vergleichen; zu unterschiedlich waren die verwendeten Einheiten, die in Deutschland das Paul-Ehrlich-Institut überwacht. Jetzt können die Hauptallergene, z.B. Bet v 1 aus Pollen der Warzenbirke (wissenschaftliche Bezeichnung Betula verrucosa), zuverlässig bestimmt werden. Prof. Stefan Vieths, Vizepräsident vom Paul-Ehrlich-Institut und Beirat der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) sieht darin einen Durchbruch: “Auf diesen Moment haben die Allergologen lange gewartet”. Sind die Tests erst Bestandteil des Europäischen Arzneibuches geworden, steht auf allen Birkenpollen-Präparaten der genaue Allergengehalt.

Literatur: Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI), Berlin, 16.12.2011

Stearinkerzen und Bienenwachskerzen besser für Allergiker und Asthmatiker

Herkömmliche Kerzen aus Paraffin und Duftkerzen setzen Schadstoffe frei

In der Winterzeit und besonders in der Weihnachtszeit bringen Kerzen romantische Stimmung ins Haus. Die im Handel angebotenen Kerzen bestehen fast ausnahmslos aus Paraffin, ein billiges Erdölprodukt. Außer den Schadstoffen, die durch das Paraffin in die Innenraumluft freigesetzt werden, tragen Duftstoffe zur Belastung von Luft und Gesundheit bei. Neuere Studien belegen, dass Aromaöle, die Kerzen duften lassen, unter bestimmten Bedingungen Schadstoffe bilden. Wissenschaftler stellten fest, Kerzen aus Sojaöl, Bienenwachs, Pflanzenstearin brennen rückstandsfrei ab, ohne die Luft mit Schadstoffen zu belasten.

Wissenschaftler weisen auf Schadstoffbelastung durch Paraffinkerzen hin

Auf ihrem 238. Kongress trugen Wissenschaftler der American Chemical Society vor, dass handelsübliche Kerzen aus Paraffin eine bislang wenig beachtete Schadstoffquelle darstellen. Besonders in kleinen Räumen und Zimmern mit geringer Ventilation stellen sich rasch Konzentrationen ein, die gesundheitsschädlich sein können. Es handelt sich u.a. um krebserregende Stoffe.

Alternativen aus der Natur

Bienenwachskerzen und Kerzen aus Pflanzenstearin brennen nicht nur besser ab, sie sehen auch wesentlich edler aus als schadstoffbelastete Paraffinkerzen. Ein weiterer Pluspunkt: Selbst wenn sie in der Anschaffung etwas teurer sind, so haben sie auch eine erheblich längere Brenndauer. Kauft man ökologische Kerzen, kann man sicher sein, dass der Baumwolldocht bleifrei ist. Bei konventionellen Kerzen aus Paraffin hingegen ist durch den meistens bleihaltigen Docht mit Bleieintrag im Raum zu rechnen.

Zusätzliche Schadstoffbelastung

Duftstoffe und Aromaöle werden durch bestimmte Umweltbedingungen in Schadstoffe umgewandelt. Selbst natürliche Duftöle bergen diese Gefahr und können sich zusätzlich als Reizstoffe für Allergiker herausstellen.

Herkömmliche Paraffinkerzen problematisch für Allergiker, Asthmatiker, Chemikaliensensible

Kerzen aus Paraffin und solche, die mit Duftstoffen oder Aromaölen versetzt sind, sind für Menschen, die unter Allergien, Chemikaliensensitivität (MCS) oder Atemwegsbeschwerden leiden, wie bspw. Asthma, besonders bedenklich. Sie sollen bei empfindlichen Personen Asthmaanfälle, Reizungen der Atemwege und sogar Hautallergien auslösen können, bestätigten deutsche Lungenfachärzte. Bei diesen Personengruppen können Kerzen, die aus Chemikalien hergestellt wurden oder damit versetzt sind, unmittelbar zu Beschwerden führen.

Manche Personen rätseln, weshalb es ihnen in bestimmten Räumen schlecht geht und denken an eine neue Allergie. Das ist meistens falsch, sagte der Studienleiter Prof. Hamidi, es sind die Schadstoffe, auf die diese Menschen reagieren. Deshalb sollte man in Gegenwart von hypersensibilisierten Personen am besten ganz auf Kerzen verzichten. Wenn man zu feierlichen Stunden, oder in der Weihnachtszeit, nicht ganz ohne Kerzen auskommen möchte, sind Kerzen aus Pflanzenstearin die sicherste Wahl. Sie brennen geruchsneutral und rückstandsfrei ab.

Autor:

Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 25.10.2011

Literatur:

R. Massoudi Ph.D., Amid Hamidi , Romantic, candle-lit dinners: An unrecognized source of indoor air pollution, American Chemical Society, 19. Aug. 2009

Lungenärzte im Netz, Paraffin in Duftkerzen kann die Atemwege reizen und Asthma hervorrufen, 15.11.2010

Silvia K. Müller, Vorsicht bei MCS: Kerzen können zu Schadstoffbelastung in Innenräumen beitragen, CSN, 13.12.2008

Bekannteste Umweltmedizinerin aus den USA besucht Deutschland

Prof. Doris Rapp: Die Ursachen für Umweltkrankheiten müssen endlich realisiert werden

Die Ärztin und Wissenschaftlerin Doris Rapp gehört zu denen, die Umweltmedizin nicht nur praktizieren, sondern für die die Umweltmedizin der wichtigste Lebensinhalt ist. Zwei Wochen weilt die Amerikanerin in Deutschland. Das erneute Zusammentreffen mit der Umweltmedizinerin war äußerst produktiv, und nahezu nebenbei durften wir einen wunderschönen Tag an der Mosel verbringen. Ein kleiner Bericht darüber:

Wissenschaftlerin dokumentiert Umweltkrankheiten

Vor rund 18 Jahren traf ich Prof. Rapp zum ersten Mal auf einem Kongress in Bad Emstal. Es war ein Schlüsselerlebnis gewesen. Bei ihrem Vortrag zeigte die Umweltmedizinerin ein Video über eine Lehrerin, die durch schadstoffbelasteten Teppichboden in der Schule krank wurde. Die Lehrerin wurde während einer Reaktion auf Staub aus dem belasteten Teppichboden gefilmt. Sehr anschaulich wurde dem Betrachter vermittelt, was MCS ist, und wie eine Reaktion abläuft. Ich stand damals ganz am Anfang meiner Erkrankung und hatte ähnliche Reaktionen auf bestimmte Pestizide. Die Lehrerin bekam Schüttelkrämpfe und wurde bewusstlos, ich dachte „meine Güte, das bin ich, das ist wie bei mir, das ist, was du auch hast…“. Nach dem Vortrag sprach ich damals mit Prof. Rapp und es wurde der Beginn eines fortwährenden Austauschs und einer interessanten Freundschaft. Wir trafen uns immer wieder auf Kongressen in Deutschland, Holland, in den USA, besuchten uns gegenseitig in Deutschland und den USA und tauschten uns per E-Mail aus. Als ich sie in Scottsdale besuchte, zeigte sie mir eines ihrer Videoarchive. Tausende Videos von Kindern, die sie behandelt hatte, lagerten dort. Sie zeigten die Patienten während und nach der Therapie und bei Tests auf Nahrungsmittel, Schimmelpilzen, Pollen, Chemikalien oder Hausstaubmilben. Eindrucksvolle Beweise, die keine Zweifel an der Existenz von Umweltkrankheiten und Allergien aufkommen lassen.

Umweltkrankheiten nicht mehr ignorierbar

Für diesen Besuch war die Umweltmedizinerin von Dr. Binz und seiner Frau eingeladen worden. Eigentlich hatten wir uns für einen Ausflug entlang der Mosel verabredet, der vor dem Mittagessen losgehen sollte. Das Wiedersehen war herzlich und kaum hatten wir uns begrüßt, schon tauschten wir bereits Informationen aus und ehe wir uns versahen, waren wir mitten in Planungen für künftige Projekte.

„Ich bin jetzt über 80 und habe keine Kinder, eigentlich brauche ich all das nicht mehr und sollte mein Alter ganz in Ruhe genießen, aber ich sehe, was los ist, und kann einfach nicht schweigen. Wir haben so viele Chemikalien in unserer Umwelt, in der Nahrung, die wir essen, im Wasser, das wir trinken und in der Luft, die wir ständig einatmen. Sie beeinflussen jedes unserer Körpersysteme und das ist nicht mehr zu ignorieren. Fast jeder Zweite in meinem Land hat Krebs, das ist nicht hinnehmbar, “ sagte Doris Rapp.

„Die Politiker und die Öffentlichkeit muss realisieren, welchen Einfluss die Flut der Chemikalien auf uns hat und keiner sollte noch länger sagen, dass wir nicht wissen, woher all die Krankheiten kommen, die immer gehäufter auftreten. Die Beweise sind da. Wir haben Tierversuche, die sie belegen. Deshalb stelle ich als Medizinerin die Frage: „Wie viel muss noch passieren, bis wir die wahren Ursachen zugeben? Ich lasse es auch nicht durchgehen, dass man sagt: „Ja, aber da kann man nichts dagegen tun.“ Doch, denn man kann sich selbst schlau machen und man kann, zur Hölle nochmal, eine ganze Menge tun, “ sagte die über die derzeitige Situation erzürnte Wissenschaftlerin.

Lösungen sind oft sehr einfach

Doch Prof. Rapp ist niemand, der mit der Welt hadert und Lösungen außen vor lässt. Sie ist gerade dabei, ein weiteres Buch zu schreiben. „Es wird ein kleines Buch sein, nur 30 Seiten. Jeder Leser bekommt leicht verständlich aufgezeigt, wie man sein Umfeld gestalten sollte, um gesund zu bleiben. Die Tipps in diesem Buch werden niemanden ein Vermögen kosten, sie sind leicht und ohne großen finanziellen Aufwand umsetzbar. Es wird jedem helfen, der etwas ändern will und möchte, dass sein Gesundheitszustand sich verbessert. Die Medizinerin führt zwei Beispiele an:

„Viele reagieren auf Nahrungsmittel, manche wissen aber nicht auf welche. Teure Tests sind nicht unbedingt nötig. Ich rate, dass die Leute nachdenken, was sie am allerliebsten essen. Nahrungsmittel, auf die sie regelrecht süchtig sind. Erfahrungsgemäß sind das nämlich Nahrungsmittel, die sie jeden Tag essen und auf die sie reagieren. Die Lösung: Weglassen der verdächtigen Nahrungsmittel für eine Woche. Man kann ein Nahrungsmittel nach dem anderen so einem Verträglichkeitstest unterziehen. Das kostet nichts!“

„Manche Menschen wohnen in einem Haus, das mit Schadstoffen belastet ist oder durch Schimmel kontaminiert. Meine Erfahrung ist, dass fünf von sieben Leuten eine Verbesserung ihres Gesundheitszustandes um 70% erfahren, wenn sie sich einen qualitativ hochwertigen Luftreiniger beschaffen, der in der Lage ist mehrere Hundert Chemikalien aus der Wohnraumluft zu filtern. Ein solcher Luftreiniger kostet zwar etwas, aber ich habe nicht selten Patienten gesehen, denen es schon über Nacht besser ging. Es lohnt sich also, sich einen Luftfilter anzuschaffen, wenn man nicht direkt aus der Wohnung ausziehen kann.“

Das neue Buch wird noch in diesem Jahr erscheinen und Prof. Rapp hat mir die Autorisierung erteilt, es ins Deutsche zu übersetzen. Auch für ihre Videos und anderen Bücher gab sie die Genehmigung, diese in unsere Sprache zu übertragen, es beizutragen, dass Allergiker und Chemikaliensensible im deutschsprachigen Raum Wissen und Anleitungen zur Hand bekommen, die ihnen helfen, einen Weg zurück ins Leben zu erhalten.

Ein Ausflug entlang der Mosel

Auf der Fahrt zum historischen Moselweinort Bernkastel, nach Traben-Trabach und zurück nach Trier, sprühte Prof. Rapp vor innovativen Ideen, die wir in den nächsten Monaten realisieren werden und die auch den deutschen Umweltkranken in vielerlei Hinsicht zugutekommen werden.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 12. September 2011

PureNature Online Shop jetzt auch in Spanien

Es ist uns eine große Freude, mitteilen zu dürfen, dass es seit dem 8. Juli 2011 auch in Spanien einen PureNature Online Shop gibt. Spanische Kunden finden dort schon jetzt über 2000 Produkte, die ihnen ein Leben mit Allergien erleichtern und sie dabei unterstützen, umweltbewusst zu leben.

Ein Kundenservice ist bereits seit vergangenem Jahr vor Ort tätig. Unser Repräsentant, Herr David Palma, beantwortet die spanischen Kundenanfragen mit großem Sachverstand und steht in ständigem Kontakt mit seinen deutschen Kollegen, um alle Kundenwünsche und Anfragen zu größter Zufriedenheit zu erfüllen.

Die Übersetzung der Produktbeschreibungen des PureNature Sortiments nahm viele Monate in Anspruch und dauert noch an. Die Mühe hat gelohnt, denn für die spanischen Kunden wird das Einkaufen bei PureNature mit dem Start des Online Shops nun viel einfacher. Die Waren werden vom PureNature Stammsitz in Idar-Oberstein nach Spanien versendet. Die neuen Kunden werden im Monat Juli bei ihrer ersten Bestellung mit portofreiem Versand begrüßt.

Ein herzliches Willkommen nach Spanien, und an dieser Stelle ein großes Dankeschön an David Palma und seine Frau Eva Caballé, ohne die dieses Projekt nicht zustande gekommen wäre!

Alles Gute,

vom gesamtem PureNature Team

 

Schauen Sie herein in den neuen spanischen PureNature Shop: www.purenature.es

 

Schwimmhilfen und Schwimmtiere häufig schadstoffbelastet

Toxische Krokodile am Strand

Sie gehören zum Schwimmbad und Strand dazu wie die obligatorische Sonnencreme. Mit den Krokodilen, Delphinen, Schwänen, Walfischen aus leuchtend buntem Kunststoff, all den anderen Schwimmtieren, den orangefarbenen Schwimmärmchen und quietschbunten Schwimmreifen assoziieren wir Sommer und ausgelassene Kinder, die sich beim Spielen im Wasser vergnügen. Neue Schadstofftests konfrontieren uns mit der Gewissheit, dass die meisten dieser Schwimm-Reittiere und Schwimmhilfen immer noch giftige Chemikalien ausdünsten. Einige Hersteller bieten schadstoffkontrollierte Produkte für den Badespaß an, mit etwas Mühe kann der Käufer sie erkennen. Leichter hat es derjenige, der sich vor dem Kauf bei Ökotest oder bei Marktcheck informiert.

Spielzeug, das nach Teer, Mottenkugeln oder Lösungsmitteln riecht

In praller Sonne sind die Lösungsmittel, PAKs und Petrochemikalien aus Schwimmtieren und Schwimmhilfen selbst mit schwacher Nase oft nicht zu überriechen. Sich beim Kauf nur auf die Nase zu verlassen, um sein Kind zu schützen, reicht nicht aus, denn Weichmacher (Phthalate), die ebenfalls als sehr gesundheitsschädlich gelten, kann man nicht riechen. Wer im Internet kauft, hat es schwierig, denn vor allem bei Billiganbietern fehlt die Angabe aus welchem Material oft völlig oder ist unpräzise, indem bspw. nur „stabile Folie“ das Material umschreibt, statt es präzise zu benennen.

Raus aus dem Schlafzimmer!

Schwimmtiere und anderes Spielzeug, das Schadstoffe ausdünsten kann, sollte auf keinen Fall im Schlaf- oder Kinderzimmer aufbewahrt werden. Viele der Schwimmtiere besitzen eine beträchtliche Größe, manche sind eineinhalb Meter groß. Bei geschlossenem Fenster können rasch Schadstoffkonzentrationen entstehen, die die Gesundheit eines Kleinkindes durchaus nach wenigen Stunden oder sogar nach Minuten schädigen können. Ebenso sollte man darauf verzichten, Schwimmtiere in aufgeblasenem Zustand im Auto zu transportieren. In Fahrzeugen ohne Klimaanlage dünsten die teils leichtflüchtigen Chemikalien dieser Plastiktiere enorm aus und können bspw. zu Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Reizungen der Schleimhäute, Atemwegsbeschwerden, extremer Müdigkeit und Aggressivität führen.

Hersteller verpassen den wichtigsten Trend

Dass die bunten Schwimmtiere, die es im Handel gibt, ein Gesundheitsproblem darstellen, ist seit Jahren bekannt. Bei Schadstofftests wurden die Prüflabore immer wieder fündig. Geändert hat sich am Angebot wenig. Viele Anbieter im Internet schreiben nicht einmal dazu, aus welchem Material genau das Schwimm-Reittier hergestellt ist, und die Hersteller achten offenbar mehr darauf, keinen Designtrend zu verpassen, als die Produktion umzustellen. Der wichtigste Trend, schadstofffreie oder schadstoffarme Produkte zu produzieren, wird bislang verpasst.

Schadstoffarme Krokodile, Delphine,…

Noch sind es wenige Anbieter, die gute Produkte für ungetrübten Sommerspaß anbieten. Mit etwas Mühe können gesundheitsbewusste Verbraucher, die ihren Kindern keine Schadstoffe zumuten möchten, jedoch fündig werden.

Worauf man beim Kauf achten sollte:

  • Nur PVC-freie und PAK-freie Badetiere und Schwimmhilfen kaufen
  • Riecht das Badespielzeug stark chemisch oder gar giftig? Nicht kaufen!
  • Auf Siegel achten: BPA-frei, PAK-frei, Phthalat-frei, Weichmacher-frei
  • Bei Ökotest, Marktcheck vorab informieren

Verbraucher sorgen für Badespaß ohne Schadstoffe

Konsumenten haben mehr Einfluss auf das Angebot, als sie vermuten. Deshalb lohnt es beim Einkauf grundsätzlich, sich die Mühe zu machen, gezielt nach schadstofffreien oder schadstoffgeprüften Produkten zu fragen.

Schwimmtiere und Spielzeug, das stark riecht oder durch Gesundheitsbeschwerden auf sich aufmerksam macht, sollte man direkt entsorgen oder zurückgeben. Das Zurückbringen oder zurückschicken von schadstoffbelasteter Ware führt zu besseren Produkten in den Regalen. Je mehr Verbraucher sich die Mühe machen, ein Schwimmtier oder ein anderes Produkt, dass nach Auslüften oder abwaschen noch giftig riecht, zurückzubringen, desto größer wird der Druck auf die Branche, sich zu bessern. Selbst wenn man den Kaufpreis nicht mehr zurück erstattet bekommt, weil das Kaufdatum zu weit zurück liegt, ist die Reklamation solcher schadstoffbelasteten Ware ein Impuls, der seine Wirkung mittelfristig nicht verfehlen kann.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, Juni 2011

MCS und EHS Organisationen aus 26 Ländern wenden sich an die WHO

Petition fordert Integration von Umweltkrankheiten in den ICD-10

Seit den 50-ziger Jahren, mit Beginn der Industrialisierung, ist die Krankheit bekannt, bis heute versucht die Medizin, sie zu negieren. In den letzten beiden Jahrzehnten hat sich als Bezeichnung für die Krankheit das Kürzel „MCS“ eingebürgert, es steht für „Multiple Chemical Sensitivity“. Wer unter dieser Chemikalien-Sensitivität leidet, kann kein normales Leben mehr führen. Noch gravierender sind die Auswirkungen für Menschen die hypersensibel auf elektromagnetische Felder und Mikrowellen- strahlung (Handystrahlung) reagieren. (EHS). Die Einschränkungen ziehen sich durch den gesamten Alltag. Um endlich medizinische Hilfe und soziale Unterstützung zu erhalten, haben Organisationen und Stiftungen gemeinsam mit Ärzten und Wissenschaftlern eine an die Weltgesundheitsorganisation – WHO gerichtete Petition unterzeichnet. Die Petition wird im Rahmen des MCS Aufklärungsmonat Mai 2011 der WHO in Genf überreicht. Sie hat zum Ziel, dass MCS und EHS in die Internationale Klassifikation für Krankheiten, dem ICD-10, integriert werden. Bislang bleiben Millionen von Menschen ohne korrekte Diagnose und Hilfe.

MCS – Kranke organisieren sich

Weil MCS und EHS ein Politikum darstellen, erhalten die Erkrankten seit über einem halben Jahrhundert keine Hilfe. Im Gegenteil, wer auf Chemikalien reagiert, wird gesellschaftlich ausgegrenzt. Die Erkrankten haben diese Form von Diskriminierung lange schweigend erduldet. Sie hatten auch kaum eine andere Chance, denn wie soll man andere Betroffene finden, um sich zu organisieren, wenn man das Haus kaum oder überhaupt nicht verlassen kann, weil sich sonst sofort Beschwerden wie bspw. Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Gleichgewichts- oder Sehstörungen einstellen. Die Ausgangssituation hat sich zum Positiven gewandelt für die MCS Kranken. Durch das Internetzeitalter ist es völlig gleichgültig, wo man sich befindet, man kann zu jeder Tageszeit von fast jedem Ort mit anderen Menschen kommunizieren. Ein weiterer Schub nach vorne für die MCS Kranken erfolgte durch die Einführung der Social Networks. Facebook, Twitter und viele Foren. Die Social Networks haben es ermöglicht, dass MCS Aktivisten aus allen Ecken der Welt zusammengefunden haben. Genau über diesen Weg war es letztendlich möglich, auf internationaler Ebene über 240 Organisationen und Stiftungen und über 200 Experten aus dem Gesundheitsbereich zu motivieren, eine gemeinsame Petition an die WHO zu senden.

MCS hat Auswirkungen für den Einzelnen, die Gesellschaft und die Wirtschaft

Die Zahl der MCS Kranken ist in den letzten Jahrzehnten angestiegen. Es liegen wissenschaftliche Studien aus verschiedenen Ländern vor, die belegen, dass rund 15 – 30% der Bevölkerung auf ganz normale Chemikalien in ihrem Alltag reagieren. Für einen Teil von ihnen reicht bereits ein kurzer Kontakt mit jemandem, der ein Deo, Weichspüler, Haarspray oder Parfüm benutzt hat, und sie leiden für Stunden oder Tage unter schwersten Symptomen.

Die Auswirkungen der Umweltkrankheit MCS sind enorm und komplex. Für den Einzelnen und für die Gesellschaft. Der Einzelne, weil er weder am normalen Leben teilnehmen kann, sobald die Auswirkungen der Krankheit einen gewissen Schweregrad überschritten haben. An die Ausübung eines normalen Berufs ist nicht mehr zu denken und der Verlust des Arbeitsplatzes ist eine häufige Folge. Die nächste Konsequenz ist oft das Auseinanderbrechen der Familie und das Dahinschwinden der sozialen Kontakte.

Für die Gesellschaft hat MCS deshalb eine enorme Auswirkung, weil die Anzahl der Erkrankten vergleichsweise die der Diabetiker überschreitet. Das hat letztendlich auch Auswirkungen auf die Wirtschaft. Nicht jeder mit MCS fällt gleich aus dem Berufsleben aus, mancher schleppt sich über Jahre auf seinen Arbeitsplatz und kann seiner Aufgabe kaum noch gerecht werden. Das Arbeitspensum und die Qualität der Arbeit sinken zwangsläufig ab, es kommt zu Fehlzeiten und das alles kostet, wenn man es vom materiellen Standpunkt her betrachten will.

WHO empfängt Interessenvertreter von Umwelterkrankten

Am 13. Mai 2011 empfängt die WHO eine Delegation von zwei Vertretern von MCS und EHS Organisationen, zusammen mit zwei Wissenschaftlern und zwei Anwälten. Im Anschluss an eine Anhörung, die von Dr. Maria Neira, Generaldirektor für Öffentliche Gesundheit und Umwelt der WHO, geleitet wird, findet eine Pressekonferenz statt. Die Forderung der MCS und EHS Organisationen besteht in einem einheitlich für alle Länder weltweit gültigen Internationalen Krankheitscode. In Deutschland und Japan sind solche ICD-10 Codes für MCS bereits vorhanden. Österreich, Luxemburg und die Schweiz akzeptieren den ICD-10 ebenfalls.

Umweltkranke lassen sich nicht mehr vertrösten

Eines verdeutlichen die vielen Diskussionen, die MCS Kranke, Aktivisten und Selbsthilfegruppenleiter über die Grenzen hinweg in den vergangenen zwei Jahren führten, sie werden keine Ruhe mehr geben, bevor die Chemikaliensensiblen nicht die Rechte und medizinische Hilfe erhalten, die allen Kranken und Behinderten zusteht. Die Aktivisten fordern schlussendlich ja nichts Überzogenes, sondern nur die Einhaltung der geltenden Gesetze. Wie auch immer die Petition der Umwelterkrankten von der WHO beantwortet wird, auf die lange Bank werden sich die unterzeichnenden Organisationen, Vereine und Stiftungen aus 26 Ländern nicht mehr schieben lassen.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 6. Mai 2011

Deutsche Allergologen sehen gefährliche Defizite bei der Betreuung von Allergikern

Allergiker an den Rand gedrängt

Allergien haben sich zu einer Volkskrankheit des 21. Jahrhunderts entwickelt; in Deutschland ist jeder Vierte davon betroffen, darunter sehr viele Kinder: Neurodermitis ist die häufigste chronische Erkrankung unter 15-Jähriger, und 650000 Kinder leiden an Asthma. Die Gesundheitspolitik habe aber offenbar beschlossen, allergische Erkrankungen weitgehend zu privatisieren: Sie sollen der gesetzlichen Krankenversicherung nicht noch mehr zur Last fallen. Das beklagten drei Fachgesellschaften deutscher Allergologen nun auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in Berlin. Ohne eine bessere Finanzausstattung drohe ein Zusammenbruch der Versorgung von Allergikern.

Krankenkassen erstatten viele Medikamente für Allergiker nicht mehr

Die Allergologen kritisieren sowohl Entscheidungen der Gesundheitspolitik als auch der ärztlichen Selbstverwaltung in den vergangenen Jahren. So werden etwa wichtige Medikamente wie Antihistaminika gegen Heuschnupfen oder Hautpflegemittel für Neurodermitis-Patienten nicht von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet. Testsubstanzen für Kontaktallergien müssen seit 2008 wie Arzneimittel zugelassen werden – zu kompliziert, zu teuer und vor allem unnötig. Noch nie wurde ein Patient durch solche Tests geschädigt. Die Vergütung für allergologische Arztleistungen hätte ein Niveau erreicht, das für Praxen nicht mehr kostendeckend sei. “Wir appellieren nachdrücklich an die Verantwortlichen in Politik und Gesundheitsadministration, das Steuer herumzuwerfen und Allergiker nicht weiter auszugrenzen”, betonte Prof. Harald Renz von der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI).

Allergien sind keine „Befindlichkeitsstörungen”

Als Gemeinsamkeit hinter den vielen Einschränkungen sehen die Allergologen-Verbände eine fatale Fehleinschätzung allergischer Erkrankungen als “Befindlichkeitsstörungen”, die der Verantwortung des Einzelnen überlassen bleiben könne. “Gefährlich wird diese Sicht, wenn Kinder mit Heuschnupfen nicht mehr kompetent untersucht und behandelt werden. 30 bis 40 Prozent von ihnen können aber als Spätfolge ein Asthma bekommen”, erklärte Prof. Carl-Peter Bauer von der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin (GPA). Asthma ist eine chronische Erkrankung, die das Kind im weiteren Leben erheblich belasten und hohe Folgekosten verursachen wird.

Ärzte legen bei Allergikern drauf

Ulrich Glatzer, Geschäftsführer des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (AeDA) rechnete vor, dass niedergelassene Ärzte allergologische Leistungen oft nicht einmal mehr kostendeckend erbringen können. Wenn der Arzt z.B. einen Hauttest vornehmen muss, verbrauchen allein schon die Testsubstanzen das Geld, das in einigen Regionen dem Arzt für ein ganzes Quartal für diesen Patienten zur Verfügung steht. In anderen Regionen blieben ihm noch bis 8,73 Euro, dafür müsse er aber alle anderen Leistungen erbringen. Hat der Patient noch eine weitere allergische Erkrankung, was keine Seltenheit darstellt, müsste der Arzt sie gratis diagnostizieren und behandeln. Diese absurde Situation führe dazu, dass immer weniger Ärzte überhaupt noch allergologische Leistungen anbieten. Selbst Allergologen mit anderthalbjähriger Fachausbildung zögen sich schon zurück, Nachwuchs gebe es immer weniger.

Ärzteverbände fordern Änderungen zugunsten der Patienten

Die drei allergologischen Ärzteverbände sehen für ihr Fachgebiet einen Punkt erreicht, an dem nicht einfach so weitergemacht werden könne. Sparbemühungen träfen hier ohne haltbare Begründung einseitig eine Patientengruppe, die teilweise bereits resigniere. Ein Viertel der Allergiker suche schon gar keinen Arzt mehr auf und nur 10 Prozent würden noch von einem Allergologen qualifiziert versorgt. “Bei angemessener Versorgung können Allergiker heute eine gute Lebensqualität genießen”, sagte Prof. Harald Renz, DGAKI. “Das heutige System aber produziert viele schwer kranke Langzeitpatienten. Es ist an der Zeit, Gesundheitspolitik und kassenärztliche Vereinigungen auf ihre Verantwortung dafür hinzuweisen.”

Literatur:

Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI), Hamburg, OTS

Grenzwerte für radioaktive Belastung von Lebensmitteln aus Japan erhöht

Bundesregierung informiert Öffentlichkeit nicht

Die Verbraucherorganisation foodwatch und das Umweltinstitut München e.V. haben die Informationspolitik der Bundesregierung über die Lebensmittelsicherheit nach der Reaktorkatastrophe in Japan kritisiert. Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner verweist seit Tagen auf „verstärkte Kontrollmaßnahmen“ und „spezielle Schutzstandards“ – sie informiert die Öffentlichkeit jedoch nicht darüber, dass die EU-weit geltenden Grenzwerte für die radioaktive Belastung von Lebensmitteln aus den betroffenen Regionen Japans am vergangenen Wochenende deutlich erhöht wurden.

War bisher eine kumulierte Radioaktivität von Cäsium-134 und Cäsium-137 von maximal 600 Becquerel/Kilogramm zulässig, traten am vergangenen Wochenende bis zu 20-fach höhere Obergrenzen von bis zu 12.500 Becquerel/Kilogramm für bestimmte Produkte aus Japan in Kraft.

Zwar gibt es in Europa derzeit keinen Anlass zur Sorge über hochbelastete Produkte aus Japan im Handel – dies rechtfertigt jedoch weder die lückenhafte Informationspolitik der Bundesregierung noch die Heraufsetzung der Grenzwerte. „Die Ministerin redet nur von verstärkten Kontrollen und verschweigt, dass gleichzeitig die Sicherheitsstandards für japanische Lebensmittel gesenkt wurden. Frau Aigner enthält der Öffentlichkeit wichtige Informationen vor – so gewinnt sie sicher nicht das Vertrauen der Bürger“, sagte Thilo Bode, Geschäftsführer der Verbraucherorganisation foodwatch. „Es ist absurd, in der jetzigen Situation Grenzwerte für japanische Lebensmittel zu erhöhen, um sie in die EU einführen zu können“, erklärte Christina Hacker, Vorstand im Umweltinstitut München.

Beide Organisationen sprachen sich dafür aus, einen kompletten Importstopp zu verhängen.„Unsere Solidarität gehört derzeit den Opfern der Katastrophe in Japan und diese Maßnahme wäre bestimmt kein großer Schaden für die japanische Wirtschaft “, so Christina Hacker vom Umweltinstitut München. Ohnehin seien die Einfuhrmengen für Lebensmittel aus Japan nach Europa nur sehr gering.

Für Lebensmittel und Lebensmittelimporte gelten für Cäsium-134 und Cäsium-137 üblicherweise Höchstwerte von 370 Becquerel/Kilogramm für Säuglingsnahrung und Milchprodukte sowie von 600 Becquerel/Kilogramm für andere Nahrungsmittel (EU-Verordnung 733/2008). Mit der Eilverordnung 297/2011, in Kraft getreten am 27. März 2011, hat die Europäische Kommission diese Grenzen für Produkte aus den betroffenen japanischen Regionen deutlich heraufgesetzt: auf 400 Becquerel/Kilogramm für Säuglingsnahrung, auf 1000 Becquerel/Kilogramm für Milchprodukte und auf 1250 Becquerel/Kilogramm für andere Nahrungsmittel. Bestimmte Produkte wie Fischöl oder Gewürze dürfen diesen Wert sogar um das Zehnfache übersteigen, also bis zu 12.500 Becquerel/Kilogramm belastet sein – ein 20-faches des bisherigen Limits.

Hintergrund für die Anhebung ist die nach der Tschernobyl-Katastrophe im Jahr 1987 erlassene EU-Verordnung 3954/1987. Demnach können im Falle eines „nuklearen Notstandes“ die Höchstgrenzen für die zulässige radioaktive Belastung von Lebensmitteln angehoben werden, um einer Nahrungsmittelknappheit vorzubeugen. „Diese Regelung jetzt in Kraft zu setzen, ist absurd, denn es gibt in Europa keinen nuklearen Notstand und erst recht keine Nahrungsmittelknappheit. Importe aus Japan spielen für die Versorgungssicherheit der europäischen Bürger überhaupt keine Rolle“, sagten Thilo Bode und Christina Hacker.

Literatur: Foodwatch, Umweltinstitut München, Berlin/München, 29. März 2011

Weiterführende Links:

Bisherige Grenzwerte (EU-Verordnung 733/2008)

EU-Eilverordnung 297/2011

Neue Grenzwerte (EU-Verordnung 3954/1987)

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