Archiv der Kategorie ‘Umweltmedizin‘

MCS und EHS Organisationen aus 26 Ländern wenden sich an die WHO

Petition fordert Integration von Umweltkrankheiten in den ICD-10

Seit den 50-ziger Jahren, mit Beginn der Industrialisierung, ist die Krankheit bekannt, bis heute versucht die Medizin, sie zu negieren. In den letzten beiden Jahrzehnten hat sich als Bezeichnung für die Krankheit das Kürzel „MCS“ eingebürgert, es steht für „Multiple Chemical Sensitivity“. Wer unter dieser Chemikalien-Sensitivität leidet, kann kein normales Leben mehr führen. Noch gravierender sind die Auswirkungen für Menschen die hypersensibel auf elektromagnetische Felder und Mikrowellen- strahlung (Handystrahlung) reagieren. (EHS). Die Einschränkungen ziehen sich durch den gesamten Alltag. Um endlich medizinische Hilfe und soziale Unterstützung zu erhalten, haben Organisationen und Stiftungen gemeinsam mit Ärzten und Wissenschaftlern eine an die Weltgesundheitsorganisation – WHO gerichtete Petition unterzeichnet. Die Petition wird im Rahmen des MCS Aufklärungsmonat Mai 2011 der WHO in Genf überreicht. Sie hat zum Ziel, dass MCS und EHS in die Internationale Klassifikation für Krankheiten, dem ICD-10, integriert werden. Bislang bleiben Millionen von Menschen ohne korrekte Diagnose und Hilfe.

MCS – Kranke organisieren sich

Weil MCS und EHS ein Politikum darstellen, erhalten die Erkrankten seit über einem halben Jahrhundert keine Hilfe. Im Gegenteil, wer auf Chemikalien reagiert, wird gesellschaftlich ausgegrenzt. Die Erkrankten haben diese Form von Diskriminierung lange schweigend erduldet. Sie hatten auch kaum eine andere Chance, denn wie soll man andere Betroffene finden, um sich zu organisieren, wenn man das Haus kaum oder überhaupt nicht verlassen kann, weil sich sonst sofort Beschwerden wie bspw. Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Gleichgewichts- oder Sehstörungen einstellen. Die Ausgangssituation hat sich zum Positiven gewandelt für die MCS Kranken. Durch das Internetzeitalter ist es völlig gleichgültig, wo man sich befindet, man kann zu jeder Tageszeit von fast jedem Ort mit anderen Menschen kommunizieren. Ein weiterer Schub nach vorne für die MCS Kranken erfolgte durch die Einführung der Social Networks. Facebook, Twitter und viele Foren. Die Social Networks haben es ermöglicht, dass MCS Aktivisten aus allen Ecken der Welt zusammengefunden haben. Genau über diesen Weg war es letztendlich möglich, auf internationaler Ebene über 240 Organisationen und Stiftungen und über 200 Experten aus dem Gesundheitsbereich zu motivieren, eine gemeinsame Petition an die WHO zu senden.

MCS hat Auswirkungen für den Einzelnen, die Gesellschaft und die Wirtschaft

Die Zahl der MCS Kranken ist in den letzten Jahrzehnten angestiegen. Es liegen wissenschaftliche Studien aus verschiedenen Ländern vor, die belegen, dass rund 15 – 30% der Bevölkerung auf ganz normale Chemikalien in ihrem Alltag reagieren. Für einen Teil von ihnen reicht bereits ein kurzer Kontakt mit jemandem, der ein Deo, Weichspüler, Haarspray oder Parfüm benutzt hat, und sie leiden für Stunden oder Tage unter schwersten Symptomen.

Die Auswirkungen der Umweltkrankheit MCS sind enorm und komplex. Für den Einzelnen und für die Gesellschaft. Der Einzelne, weil er weder am normalen Leben teilnehmen kann, sobald die Auswirkungen der Krankheit einen gewissen Schweregrad überschritten haben. An die Ausübung eines normalen Berufs ist nicht mehr zu denken und der Verlust des Arbeitsplatzes ist eine häufige Folge. Die nächste Konsequenz ist oft das Auseinanderbrechen der Familie und das Dahinschwinden der sozialen Kontakte.

Für die Gesellschaft hat MCS deshalb eine enorme Auswirkung, weil die Anzahl der Erkrankten vergleichsweise die der Diabetiker überschreitet. Das hat letztendlich auch Auswirkungen auf die Wirtschaft. Nicht jeder mit MCS fällt gleich aus dem Berufsleben aus, mancher schleppt sich über Jahre auf seinen Arbeitsplatz und kann seiner Aufgabe kaum noch gerecht werden. Das Arbeitspensum und die Qualität der Arbeit sinken zwangsläufig ab, es kommt zu Fehlzeiten und das alles kostet, wenn man es vom materiellen Standpunkt her betrachten will.

WHO empfängt Interessenvertreter von Umwelterkrankten

Am 13. Mai 2011 empfängt die WHO eine Delegation von zwei Vertretern von MCS und EHS Organisationen, zusammen mit zwei Wissenschaftlern und zwei Anwälten. Im Anschluss an eine Anhörung, die von Dr. Maria Neira, Generaldirektor für Öffentliche Gesundheit und Umwelt der WHO, geleitet wird, findet eine Pressekonferenz statt. Die Forderung der MCS und EHS Organisationen besteht in einem einheitlich für alle Länder weltweit gültigen Internationalen Krankheitscode. In Deutschland und Japan sind solche ICD-10 Codes für MCS bereits vorhanden. Österreich, Luxemburg und die Schweiz akzeptieren den ICD-10 ebenfalls.

Umweltkranke lassen sich nicht mehr vertrösten

Eines verdeutlichen die vielen Diskussionen, die MCS Kranke, Aktivisten und Selbsthilfegruppenleiter über die Grenzen hinweg in den vergangenen zwei Jahren führten, sie werden keine Ruhe mehr geben, bevor die Chemikaliensensiblen nicht die Rechte und medizinische Hilfe erhalten, die allen Kranken und Behinderten zusteht. Die Aktivisten fordern schlussendlich ja nichts Überzogenes, sondern nur die Einhaltung der geltenden Gesetze. Wie auch immer die Petition der Umwelterkrankten von der WHO beantwortet wird, auf die lange Bank werden sich die unterzeichnenden Organisationen, Vereine und Stiftungen aus 26 Ländern nicht mehr schieben lassen.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 6. Mai 2011

Deutsche Allergologen sehen gefährliche Defizite bei der Betreuung von Allergikern

Allergiker an den Rand gedrängt

Allergien haben sich zu einer Volkskrankheit des 21. Jahrhunderts entwickelt; in Deutschland ist jeder Vierte davon betroffen, darunter sehr viele Kinder: Neurodermitis ist die häufigste chronische Erkrankung unter 15-Jähriger, und 650000 Kinder leiden an Asthma. Die Gesundheitspolitik habe aber offenbar beschlossen, allergische Erkrankungen weitgehend zu privatisieren: Sie sollen der gesetzlichen Krankenversicherung nicht noch mehr zur Last fallen. Das beklagten drei Fachgesellschaften deutscher Allergologen nun auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in Berlin. Ohne eine bessere Finanzausstattung drohe ein Zusammenbruch der Versorgung von Allergikern.

Krankenkassen erstatten viele Medikamente für Allergiker nicht mehr

Die Allergologen kritisieren sowohl Entscheidungen der Gesundheitspolitik als auch der ärztlichen Selbstverwaltung in den vergangenen Jahren. So werden etwa wichtige Medikamente wie Antihistaminika gegen Heuschnupfen oder Hautpflegemittel für Neurodermitis-Patienten nicht von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet. Testsubstanzen für Kontaktallergien müssen seit 2008 wie Arzneimittel zugelassen werden – zu kompliziert, zu teuer und vor allem unnötig. Noch nie wurde ein Patient durch solche Tests geschädigt. Die Vergütung für allergologische Arztleistungen hätte ein Niveau erreicht, das für Praxen nicht mehr kostendeckend sei. “Wir appellieren nachdrücklich an die Verantwortlichen in Politik und Gesundheitsadministration, das Steuer herumzuwerfen und Allergiker nicht weiter auszugrenzen”, betonte Prof. Harald Renz von der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI).

Allergien sind keine „Befindlichkeitsstörungen”

Als Gemeinsamkeit hinter den vielen Einschränkungen sehen die Allergologen-Verbände eine fatale Fehleinschätzung allergischer Erkrankungen als “Befindlichkeitsstörungen”, die der Verantwortung des Einzelnen überlassen bleiben könne. “Gefährlich wird diese Sicht, wenn Kinder mit Heuschnupfen nicht mehr kompetent untersucht und behandelt werden. 30 bis 40 Prozent von ihnen können aber als Spätfolge ein Asthma bekommen”, erklärte Prof. Carl-Peter Bauer von der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin (GPA). Asthma ist eine chronische Erkrankung, die das Kind im weiteren Leben erheblich belasten und hohe Folgekosten verursachen wird.

Ärzte legen bei Allergikern drauf

Ulrich Glatzer, Geschäftsführer des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (AeDA) rechnete vor, dass niedergelassene Ärzte allergologische Leistungen oft nicht einmal mehr kostendeckend erbringen können. Wenn der Arzt z.B. einen Hauttest vornehmen muss, verbrauchen allein schon die Testsubstanzen das Geld, das in einigen Regionen dem Arzt für ein ganzes Quartal für diesen Patienten zur Verfügung steht. In anderen Regionen blieben ihm noch bis 8,73 Euro, dafür müsse er aber alle anderen Leistungen erbringen. Hat der Patient noch eine weitere allergische Erkrankung, was keine Seltenheit darstellt, müsste der Arzt sie gratis diagnostizieren und behandeln. Diese absurde Situation führe dazu, dass immer weniger Ärzte überhaupt noch allergologische Leistungen anbieten. Selbst Allergologen mit anderthalbjähriger Fachausbildung zögen sich schon zurück, Nachwuchs gebe es immer weniger.

Ärzteverbände fordern Änderungen zugunsten der Patienten

Die drei allergologischen Ärzteverbände sehen für ihr Fachgebiet einen Punkt erreicht, an dem nicht einfach so weitergemacht werden könne. Sparbemühungen träfen hier ohne haltbare Begründung einseitig eine Patientengruppe, die teilweise bereits resigniere. Ein Viertel der Allergiker suche schon gar keinen Arzt mehr auf und nur 10 Prozent würden noch von einem Allergologen qualifiziert versorgt. “Bei angemessener Versorgung können Allergiker heute eine gute Lebensqualität genießen”, sagte Prof. Harald Renz, DGAKI. “Das heutige System aber produziert viele schwer kranke Langzeitpatienten. Es ist an der Zeit, Gesundheitspolitik und kassenärztliche Vereinigungen auf ihre Verantwortung dafür hinzuweisen.”

Literatur:

Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI), Hamburg, OTS

Jeder dritte Arzneimittel-Allergiker nimmt den Allergieauslöser erneut ein

Allergologen mahnen zu besserem Umgang mit Medikamentenallergien

Medikamente können nicht nur Beschwerden lindern, sondern auch verursachen. Mehr als sieben Prozent der Bevölkerung leiden an einer Arzneimittel-Unverträglichkeit, viele davon reagieren allergisch. Häufige Auslöser einer Medikamenten-Allergie sind Penizillin und andere Antibiotika, aber auch Schmerzmittel wie ASS (Acetylsalicylsäure) sind Ursache von Urtikaria, Schock oder Asthma. Jetzt stellten der Allergologe Professor Thomas Fuchs und sein Team an der Hautklinik der Universitätsmedizin Göttingen in einer Studie fest, dass Arzneimittel-Allergiker langfristig stark gefährdet sein können. Denn jeder Dritte nimmt einige Jahre nach der Diagnose wieder ein Arzneimittel mit dem Allergieauslöser ein. „Patienten mit einer Allergie auf Arzneistoffe vergessen oder ignorieren die Empfehlungen ihres Allergologen mit der Zeit. Erschreckend ist, dass sich sogar Ärzte über unsere Empfehlungen hinwegsetzen und den Allergieauslöser verordnen“, kritisiert Fuchs. Die Folgen können schwerwiegend sein, im schlimmsten Fall droht ein Schock mit Lebensgefahr.

Die Arbeitsgruppe um Fuchs hatte 80 Patienten mit einer Allergie auf nicht-steroidale Schmerzmittel wie ASS, Paracetamol, Diclofenac oder Ibuprofen nach ihren Erfahrungen einige Jahre nach der Diagnose befragt. 41 Prozent hatten trotz der bekannten Allergie erneut das auslösende Medikament eingenommen. Die häufigsten Ursachen: Die Betroffenen kennen den Allergieauslöser oder sichere Alternativen nach einigen Jahren nicht mehr oder nehmen Medikamente ein, ohne den Beipackzettel auf entsprechende Inhaltsstoffe zu prüfen. In einigen Fällen hatten auch Ärzte ein Medikament mit dem Allergieauslöser verordnet. Und mehrere Patienten nahmen absichtlich ein Allergie auslösendes Medikament ein – aus Neugier, ob wohl wieder eine Reaktion auftritt.

Die Untersuchung der Hautklinik Göttingen zeigt, wie wichtig die intensive Aufklärung von Menschen mit einer Medikamenten-Allergie ist. Laut Fuchs sollten sich die Betroffenen ein Jahr nach der Diagnose erneut bei einem Allergologen vorstellen. Außerdem rät er den Patienten, immer einen Allergiepass bei sich zu haben. Darin wird der Auslöser notiert, damit behandelnde Ärzte sofort erkennen, welche Medikamente gefährliche Unverträglichkeitsreaktionen auslösen können. „Menschen mit einer Medikamenten-Allergie sollten ihre Ärzte auch aktiv darauf hinweisen, damit gewährleistet ist, dass kein Medikament mit dem Allergieauslöser verordnet wird“, empfiehlt der Allergieexperte Thomas Fuchs von der Hautklinik Göttingen.

Autor: Ärzteverband Deutscher Allergologen e. V. (ÄDA) www.aeda.de

Literatur:

Buhl T, Meynberg HC, Kaune KM, Hünecke P, Schön MP, Fuchs T:

Long-term follow-up of patients with hypersensitivity to nonsteroidal anti-inflammatory drugs reveals shortcomings in compliance and care, J Allergy Clin Immunol 2011: 127(1): 284-285

Weitrere Artikel zum Thema:

Ursachen für Nasenpolypen entdeckt

Vererbung, Allergien, Umweltfaktoren und Chemikalien im Beruf

Die Ursache für Polypen in der Nase galt lange als weitgehend ungeklärt. Kinder, wie auch Erwachsene können von diesen gutartigen Wucherungen in der Nase, die das Atmen erschweren und zu erheblichen körperlichen Beeinträchtigungen führen kön- nen, betroffen sein.

Die Größe der Wucherungen variiert, sie reicht von Millimetern bis hin zu einer Größe, die das Atmen durch die Nase fast völlig unmöglich macht. Chronische Entzündungen, verursacht durch Viren, Bakterien oder Pilze, Allergien und Asthma standen bislang in Verdacht, Auslöser zu sein.

Ein Wissenschaftlerteam aus Griechenland konnte durch eine Fall-Kontroll-Studie nähere Aufschlüsse gewinnen und weitere Ursachen aufdecken. Umweltfaktoren und Chemikalien im Beruf hatten erhebliche Signifikanz für das Auftreten von Polypen.

Studie ermittelt Ursachen für Polypen

Ein griechisches Wissenschaftlerteam untersuchte 100 Patienten von drei Athener Kliniken und 102 Kontrollpersonen. Bei jedem Studienteilnehmer wurde bei der Anamnese Geschlecht, Bildungsniveau, Familiengeschichte, Allergien, Rauchen, berufliche Tätigkeiten und Umweltbelastungen ermittelt.

Symptome bei Nasenpolypen

Die durch Nasenpolypen verursachte Symptomatik hängt vom Schweregrad und den anatomischen Gegebenheiten ab, folgende Beschwerden werden häufig beobachtet:

  • Erschwerte Nasenatmung
  • Undeutliche, verwaschene Aussprache, „durch die Nase sprechen“,
  • Leistungsschwäche
  • Schlafstörungen, Schnarchen
  • Vermindertes Riechvermögen
  • Häufige Entzündung der Nasennebenhöhlen

Allergien und Vererbung Ursachen für Polypen in der Nase

Die Wissenschaftler stellten fest, dass Polypen auch familiär bedingt sein können. Bei insgesamt 13,3% der Patienten kamen Polypen in der Familie vor. Bei der Kontroll- gruppe hingegen hatte keiner der Familienangehörigen Nasenpolypen. Noch überzeugender war das Vorliegen von Allergien bei den Patienten mit Polypen. Bei 64% der Patienten wurden verschiedene Allergien festgestellt und bei 12% wahrscheinliches Vorliegen von Allergien.

Umweltfaktoren und Chemikalien Ursache für Polypen

An manchen Arbeitsplätzen kommen Angestellte mit Chemikalien und belasteten Stäuben in Kontakt. Auch dies kann zu Nasenpolypen führen, stellten die Wissenschaftler fest. Insbesondere Kontakt mit Chemikalien am Arbeitsplatz stellte sich als häufige Ursache bei den Patienten mit Polypen heraus. Rauchen hingegen stellte keinen signifikanten Auslösefaktor dar. Auch der Bildungsstand war irrrelevant für das Auftreten von Polypen.

Die Wissenschaftler schlossen aus den Ergebnissen, die sie durch ihre Studie gewonnen hatten, dass Nasenpolypen sehr häufig durch Allergien verursacht werden und familiär bedingt sein können. Eine genetische Disposition hat nach Auffassung der griechischen Wissenschaftler allerdings auch Einfluss auf die Häufigkeit des Auftretens von Nasenpolypen durch Chemikalien und Stoffe aus der Umwelt und am Arbeitsplatz. Patienten litten häufiger unter Polypen, wenn sie mit Chemikalien am Arbeitsplatz konfrontiert wurden und gleichzeitig Polypen in der Familie auftraten.

Behandlung von Nasenpolypen, Ursachenbekämpfung

Die Therapie der Wahl bei Nasenpolypen bestand bislang in erster Linie aus zwei Optionen: Langzeitbehandlung mit Cortisonspray (meist mind. 6 Monate) und/oder Operation. Die Erkenntnisse der Wissenschaftler aus Athen eröffnen eine weitere Herangehensweise: Allergenvermeidung, sowie Expositionsstop gegenüber auslösenden Chemikalien im Wohn- und Arbeitsumfeld. Dort, wo Allergene und Chemikalien nicht vermieden werden können, sollte von Betriebsseite präventiv für Schutz durch Tragen von Schutzmasken, gute Belüftung, als auch durch Absaugung von Chemikalien und Stäuben gesorgt werden.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 28. Feb. 2011

Literatur:

Alexiou A, Sourtzi P, Dimakopoulou K, Manolis E, Velonakis E., Nasal polyps: heredity, allergies, and environmental and occupational exposure, J Otolaryngol Head Neck Surg. 2011 Feb;40 (1):58-63.

Bisphenol A – EU-weites Verbot in Babyflaschen

Mehr Sicherheit für Babies

Am 1. März 2011 tritt in der Europäischen Union ein Verbot in Kraft, mit dem der Einsatz von Bisphenol A (BPA) bei der Herstellung von Babyflaschen untersagt wird. Die Verwendung von BPA ist bei Babyflaschen aus Kunststoff weit verbreitet. Das Verbot geht auf eine Ende Januar angenommene EU-Richtlinie (2011/8/EU) zurück, mit der ab dem 1. Juni 2011 auch untersagt wird, BPA-haltige Babyflaschen in Verkehr zu bringen oder in die EU einzuführen. Die Industrie zieht bis zu diesem Zeitpunkt mit BPA belastete Babyflaschen auf freiwilliger Basis vom Markt zurück und ersetzt sie durch sicherere Produkte. Diese freiwillige Maßnahme soll Mitte 2011 abgeschlossen sein. Die Mitgliedstaaten müssen nun die Europäische Kommission über die nationalen Rechtsvorschriften informieren, mit denen sie die Anforderungen der Richtlinie umsetzen wollen.

John Dalli, EU-Kommissar für Gesundheit und Verbraucherpolitik, sagte dazu: „Der 1. März 2011 stellt einen Meilenstein bei unseren Bemühungen dar, die Gesundheit der EU-Bürger zu schützen. Besonders, wenn es um unsere Kinder geht, folgen wir dem Vorsorgeprinzip. Da es bisher nicht ausgeschlossen werden kann, dass die Belastung mit Bisphenol A für Säuglinge schädlich ist, ist die Kommission zu dem Schluss gekommen, dass sie in diesem Bereich aktiv werden muss. Auf diese Weise soll die am stärksten gefährdete Personengruppe, d. h. die Säuglinge, immer weniger dieser belastenden Substanz ausgesetzt werden.”

Was ist BPA?

Bei Bisphenol A handelt es sich um ein organisches Molekül, das für Polykarbonat-Kunststoffe verwendet wird, die dann bei der Herstellung von Babyflaschen aus Kunststoff ihren Einsatz finden.

Wenn solche Kunststoffbehälter bei hohen Temperaturen erhitzt werden, können kleine Mengen von BPA in die Lebensmittel – bei Babyflaschen also in die Milcher- satznahrung – übergehen.

Die Fähigkeit, BPA abzubauen, entwickelt sich bei Säuglingen in den ersten sechs Monaten erst nach und nach. In dieser Zeit sind sie aber der Substanz am stärksten ausgesetzt, besonders, wenn sie nur Milchersatznahrung in Babyflaschen erhalten.

Hintergrund

Ende März 2010 hat die dänische Regierung vorübergehend den Einsatz von BPA bei der Herstellung von Materialien aus Kunststoff untersagt, die mit Lebensmitteln für Kinder im Alter von bis zu 3 Jahren in Berührung kommen. Die Kommission hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) gebeten, eine Stellung- nahme zu den von Dänemark angegebenen Gründen für ein BPA-Verbot abzugeben.

Im Juli 2010 hat Frankreich ebenfalls angekündigt, Herstellung, Ein- und Ausfuhr sowie Inverkehrbringen von Säuglingsflaschen, die BPA enthalten, vorübergehend zu untersagen.

Die EFSA legte im September 2010 ihre Stellungnahme vor. Sie schloss, dass eine tägliche Aufnahmemenge von Bisphenol A bis zu 0,05 mg/kg Körpergewicht pro Tag unbedenklich sei. Die Belastung läge bei allen Bevölkerungsgruppen unterhalb dieses Wertes. Nach Angaben des EFSA-Gremiums haben sich jedoch einige Fragen im Hinblick auf mögliche Auswirkungen von BPA insbesondere auf Säuglinge ergeben. Bis aussagekräftigere Daten zu den Bereichen vorliegen, in denen noch Unsicherheit besteht, ist dieser Aspekt laut EFSA weiter zu beobachten.

Weitere Informationen finden Sie unter: Richtlinie 2011/8/EU

Literatur:

Europäische Kommission, Bisphenol A – ab nächste Woche EU-weites Verbot in Babyflaschen, 25. Jan. 2011

Neue wissenschaftliche Erkenntnisse über die Ursachen von Kontaktallergien

Parfumflaschen

Duftstoffe, die in vielen Haushalts-und Hautpflegeprodukten verwendet werden, können Kontaktallergien verursachen, wenn sie Sauerstoff in der Luft ausgesetzt sind, dies zeigen Untersuchungen, die auf der Dermatologen Konferenz in Göteborg von der Universität Göteborg und der Sahlgrenska Akademie präsentiert wurden.

Die schwedischen Wissenschaftler hatten ihre Forschung darauf ausgerichtet herauszufinden, wie diese Stoffe durch Kontakt mit Sauerstoff in der Luft aktiviert werden können und wie dies dann wiederum auf die Haut einwirken kann. Eine speziell ausgerichtete Studie untersuchte, ob die aktivierten Duftstoffe Kontaktallergien bei Ekzempatienten der Sahlgrenska University Hospital Hautklinik und der Arbeits-und Umweltmedizin Hautklinik in Malmö verursachten. Es wurde festgestellt, dass ein hoher Prozentsatz der 3.400 Patienten mit Hautekzem eine allergische Reaktion auf die getesteten Duftstoffsubstanzen aufwies.

“Bei der Bemühung, tieferes Verständnis dahingehend zu gewinnen, wie Kontaktallergien entstehen, verwenden wir jetzt State-of-the-Art Mikroskope um zu verfolgen, was mit einem Allergen passiert, sobald es in die Haut eindringt”, sagte Ann-Therese Karlberg, Professor für Dermatochemistry/ Hautallergien und Wissenschaftlerin an der Sahlgrenska Akademie.

Beim Ermitteln, wie allergen ein Stoff ist, muss in die Überlegungen die Fähigkeit der Haut, eine Substanz durch den Stoffwechsel zu aktivieren, ebenfalls mit einbezogen werden.

Wir haben eine Mixtur entwickelt, die der Zusammensetzung realer Hautenzyme entspricht. Wir verwenden sie, um herauszufinden, ob die chemischen Stoffe in der Haut aktiviert werden können und zum Allergen werden.”

Die Entdeckung der schwedischen Wissenschaftler wird den Gesundheitsdienst- leistern durch die Entwicklung neuer Diagnose-Tools helfen, allergische Kontakt- ekzeme korrekt zu diagnostizieren, und auf lange Sicht dazu beitragen, die Anzahl der Fälle mit allergischen Kontaktekzemen zu reduzieren. Für die Patienten bedeutet die richtige Diagnose, dass sie die Exposition gegenüber auslösenden Stoffen vermeiden können, und so ihren Ekzemen eine Chance geben zu heilen.

“Zukünftige Forschungsarbeit wird für uns daraus bestehen, neue diagnostische Methoden zu evaluieren und über das, was in der Haut eindringt, tiefergehende Studien durchzuführen. Dies wird uns ermöglichen, neue Medikamente zu entwickeln und die einzige Behandlung, die derzeit für Ekzeme verfügbar ist, nämlich Cortisonsalbe, zu ersetzen”, erklärt Prof. Karlberg, welche die Auffassung vertritt, dass ihre Forschung durch ihre Auswirkungen auf die Hersteller, Verbraucher und Gesetzgeber die Präventionsarbeit verbessern kann.

Kontaktallergie

Es wird geschätzt, dass in Europa fast 20% der Bevölkerung von einer Kontaktallergie betroffen sind, was bedeutet, dass Patienten Ekzeme entwickeln, wenn sie mit Substanzen in Kontakt geraten, auf die sie allergisch sind. Nach Nickel sind Duftstoffe die häufigste Ursache von Kontaktallergien. Für diese Art der Allergie gibt es keine Heilung, sie kann jedoch durch Cortison Creme gemildert werden und dadurch, indem jeder Kontakt mit dem Allergen vermieden wird.

Literatur:

Ann-Therese Karlberg, Universität Göteborg, New Entdeckung über die Ursachen einer Kontaktallergie, 6. Oktober 2010

Übersetzung: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network

Chlor im Schwimmbad kann die Gesundheit ruinieren und Krebs verursachen

Schwimmbad-kl.-Junge

Experten fordern alternative Desinfektion von Schwimmbädern

Hallenbäder in Städten galten einst als Statussymbol. Jetzt macht eines nach dem anderen zu. Die Kosten für den Unterhalt von Schwimmbädern sind enorm. Es gibt aber noch einen weiteren Faktor, der zwar nicht in den Vordergrund gerück wird, aber sicher eine Rolle spielt. Chlor – die Chemikalie wird zur Desinfektion dem Wasser zugesetzt. Chlor ist effektiv und günstig, aber es ist toxisch und hat die Gesundheit von vielen Bademeistern und Vielschwimmern zerstört. In mancher Stadt kam es zu Personalmangel im Hallenbad, weil ein Bademeister nach dem anderen an Krebs verstarb.

Eine aktuelle Meldung über die Gesundheitsgefahren durch Chlor in Schwimmbädern:

Das Schwimmen im gechlorten Hallen- oder Freibad kann das Risiko, an Krebs zu erkranken, erhöhen. Zu diesem Schluss kommt ein Forscherteam um Manolis Kogevinas vom Center for Research in Environmental Epidemiology in Barcelona. Die Forscher haben in gechlorten Pools mehr als 100 chemische Zwischenprodukte identifizieren können. Sie raten nicht davon ab, in Pools zu schwimmen, sondern wollen Veränderungen in Sachen Bäderhygiene erreichen und fordern Schwimmer dazu auf, sich vor dem Bad gründlich mit Seife zu waschen.

“Chlor ist ein hochaktiver Mikrobenkiller und reagiert mit einer Vielzahl von organischen Substanzen. Dazu gehören auch Hautschuppen, Schweiß und Urin”, erklärt der Bäderspezialist Rudolf Wagner von der Wasserwerkstatt im pressetext-Interview. “Wenn man sich vor dem Bad duscht, verringert man diese Reaktionen um Zehnerpotenzen”, so Wagner. “Eine Alternative zu Chlor ist Ozon. Dieses Oxidationsmittel ist weit weniger stark und weniger reaktiv.”

Chlor: Hohe Reaktivität

Chlor ist zwar ein effektiver Bakterienkiller, doch warnen Wissenschaftler schon länger vor den negativen Folgen auf die menschliche Gesundheit. Das Team um Kogevinias konnte bei einer 50 köpfigen Probandengruppe feststellen, dass einige der Zwischenprodukte des Desinfektionsmittels giftig und nie vorher in Swimmingpools gefunden wurden.

Bei den Schwimmern wurden vor und nach einem 40-Minuten-Aufenthalt im Wasser Blut, Urin und Atemluft untersucht. Nach dem Aufenthalt wiesen die Testpersonen einige erhöhte Marker einer DNA-Schädigung auf, die in weiterer Folge zu Krebs führen können. Die chemischen Zwischenprodukte gelangen über Haut und Atemorgane in den Körper. Dennoch betonen die Forscher, dass es zu früh sei, von einer kurzfristigen Veränderung auf langfristige Gesundheitsprobleme zu schließen.

Vorhergehende Studien haben gezeigt, dass Rettungsschwimmer vermehrt unter Asthma, Atemproblemen, Allergien und HNO-Reizungen leiden.

Bei der Planung schon an die Gesundheit denken

Bei Neuplanungen und Renovierungen von Schwimmbädern sollte eine gefahrlose Desinfektion mit in den Vordergrund gerückt werden. Schwimmbadangestellte und Badegäste Chlor und seinen toxischen Abbauprodukten auszusetzen, ist aufgrund der Forschungsergebnisse der letzen Jahre schlichtweg nicht mehr akzeptabel. Selbst wenn Experten zu weiterer Forschung aufrufen, bedeuet dies nicht, dass es hinnehmbar ist, dass Angestellte und Nutzer von Bädern weiterhin gesundheitlich Risiken ausgesetzt werden die umgehbar sind.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 15. September 2010

Literatur: PT Austria, Chlor im Pool: Ziemlich ungesunde Mischung, pte/14.09.2010

Verwendung von chemischen Haarfärbemitteln kann das Immunsystem beeinflussen

Haare-färbenDie ersten grauen Haare deuten unser Altern an und viele haben nur einen Gedanken: Die grauen Haare müssen verschwinden. Haarfärbemittel gibt es viele auf dem Markt, die meisten enthalten jedoch bedenkliche Chemikalien, um ihre färbende Wirkung zu entfalten. Erst kürzlich zeigten Wissenschaftler der Universität Kopenhagen, dass kommerz- ielle p-Phenylendiamin (PPD)-haltige Haar- färbemittel potente Aktivatoren für das Immun- systems sind, die bei Kontakt zu schweren Überempfindlichkeitsreaktionen in einem Tier- modell führten.

Jetzt betrieben die Wissenschaftler weitere Forschung, deren Ergebnis nur zwei Alternativen offenlässt: Entweder die grauen Haare akzeptieren oder zu einem unschäd- lichen Haarfärbemittel mit Wirkstoffen aus Pflanzen zu greifen.

Warum reagiert nicht jeder auf chemische Haarfarbe?

Durch ihre neue Studie wollten die Wissenschaftler aus Kopenhagen herausfinden, warum nicht jeder, sondern nur eine Minderheit bei Kontakt mit einem Permanent-Haarfärbemittel symptomatische Überempfindlichkeit entwickeln. Für das Wissen- schaftlerteam deutete dies darauf hin, dass die Mehrheit der Personen sich zwar nicht auf Haarfärbemittel sensibilisiert oder aber dass der Rest der Benutzer eine immunologische Toleranz entwickelt.

Versuche simulierten Verbrauchersituation

Für die Untersuchung, ob eine Immunantwort stattfindet, setzten die Wissenschaftler Mäuse wiederholt PPD-haltigen Haarfärbemittel in einer Weise aus, wie sie der Verbraucher in ähnlicher Weise ausgesetzt ist. Hierfür wurde ein kommerzielles Haarfärbemittel, das PPD enthält, an Versuchstieren getestet. Die lokale Immunantwort wurde durch Schwellung am Ohr und durch histologische Untersuchungen untersucht. Die Immunantwort in den Lymphknoten wurde von den Wissenschaftlern mittels Durchflusszytometrie, einer noch recht jungen Labortechnik, analysiert.

Entzündungen und Schwellungen durch wiederholten Kontakt schlimmer

Das Haarfärbemittel verursachte lokale Entzündungen, die durch Schwellung und Zellinfiltration der behandelten Ohren festgestellt wurden. Darüber hinaus verursachte der Kontakt mit dem Haarfärbemittel T-Zell-Aktivierung, was durch die T-Zell-Proliferation und die Produktion von IFNgamma und IL-17 in den Lymphknoten erkannt wurde. Die entzündliche Reaktion erfuhr nach dem vierten Kontakt gegenüber dem Haarfärbemittel ihren Höchststand.

Auswirkungen auf das Immunsystem festgestellt

Von diesem Punkt an wurde durch das Wissenschaftlerteam eine Hochregulation der regulatorischen T-Zellen und der IL-10 produzierende Zellen beobachtet. Die Studie zeigt also, dass PPD-haltige Haarfärbemittel das Immunsystem stark beeinflussen. Zusätzlich wurde erkennbar, dass sie potente Hautsensibilisatoren sind, die entzündlichen T-Zellen aktivieren und dass PPD-haltige Haarfärbemittel auch entzündungshemmende Mechanismen induzieren. Dies könnte erklären, warum viele Verbraucher Haarfärbemittel wiederholt ohne merkliche Entwicklung von Allergien verwenden können. Die Wissenschaftler aus Dänemark geben allerdings zu bedenken, dass einen das nicht in Sicherheit wiegen soll, denn genau diese Tatsache wirft die Frage auf, ob die immunmodulatorische Wirkung von Haarfärbemitteln nicht die Entwicklung von Autoimmunkrankheiten und Krebs beeinflussen kann.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 22.08.2010

Literatur:

Rubin IM, Dabelsteen S, Nielsen MM, White IR, Johansen JD, Geisler C, Bonefeld CM., Repeated exposure to hair dye induces regulatory T cells in mice, Department of International Health, Immunology and Microbiology, University of Copenhagen, Denmark, Br J Dermatol., Aug 13, 2010.

Allergologen raten: Sparsamer Umgang mit Chemikalien vermindert Allergie-Risiko

Baby

Viele Kinder leiden an Allergien. Nach Schätzungen des Verbandes deutscher Allergologen ist heute jedes vierte Kind von Hautausschlägen, Heuschnupfen oder Asthma betroffen. Eltern sind besorgt und fragen sich, ob sie dem vorbeugen können. Das sei nur bedingt möglich, sagen Fachleute, da Allergien teilweise angeboren sind und alle Auslöser noch lange nicht bekannt sind. Studien zeigen aber, dass Eltern das Allergie-Risiko zumindest reduzieren können: Grundsätzlich sei es ratsam, mit Chemikalien so sparsam wie möglich umzugehen, und das bereits im Babyalter, sagt der Kinderarzt Uwe Büsching aus Bielefeld.

“Der Wickeltisch muss nicht mit Plastik ausgelegt und dann mit Hygienesprays behandelt werden.” Stattdessen sollte man gekochte Tücher aus Leinen oder Baumwolle als Wickelunterlage benutzen. Außerdem sei es völlig ausreichend, die Badewanne nur mit Wasser auszuspülen. Sie müsse nicht extra mit Chemikalien desinfiziert werden. Auch Weichspüler könnten Allergien auslösen, warnt der Kinderarzt. “Vor allem in den ersten vier Lebenswochen reagiert Babyhaut sehr empfindlich darauf.”

Die heutzutage oftmals übertriebene Hygiene von klein auf trage eine Mitschuld an der Zunahme körpereigener Überempfindlichkeitsreaktionen, sagt Uwe Büsching. “Kinder können sich ruhig mal schmutzig machen.” Denn der Kontakt mit Umwelt-Keimen fördere den Reifungsprozess des Immunsystems: Die Immunabwehr werde so regelrecht trainiert.

Verband Deutscher Allergologen, Sparsamer Umgang mit Chemikalien vermindert Allergie-Risiko, Köln, Pressemitteilung vom 18.05.2010

Gefahren und Allergien durch Mückenstiche sind auf dem Vormarsch

Der Urlaub auf Sardinien war prima gewesen, auch die Rückreise recht stressfrei. In der Nacht nach der Ankunft Zuhause ging es los. Kopfschmerzen, Kältegefühl, das Gesicht schwoll einseitig an und das linke Ohr war feuerrot. Arbeiten oder auch nur einen klaren Gedanken fassen – daran war nicht zu denken. Mittelohrentzündung? Oder noch Schlimmeres? Ein Arztbesuch brachte die Gewissheit, dass es das nicht war. Er stellte aber ein kleines Löchlein am Ohr fest. Ein übler Mückenstich einer Tigermücke.

Tigermücke

Mückenstich mit Folgen

Eine Woche dauerte es, bis die einseitige Schwellung des Gesichts abklang. Es sah aus, als hätte jemand ein Bügeleisen aufgedrückt. Ein weiterer Arztbesuch bestätigte, dass es wohl eine Allergie auf den Stich einer Tigermücke gewesen war. Das eiweißhaltige Speichelsekret ist für manche Menschen hochallergen und kann zu Schock- und Kreislaufreaktionen führen.

Blinder Passagier aus den Tropen

Die Tigermücke, ursprünglich ein asiatische Insekt, hat sich in den letzten Jahren bis nach Europa ausgebreitet. Auch in Deutschland wurde sie schon gesichtet. Mit Schiffladungen alter Autoreifen reist die Mücke üblicherweise als blinder Passagier ein. Sie braucht zur Fortpflanzung stehendes Brackwasser, Regentonnen, kleine Tümpel, feuchte Baumhöhlen. Sie zu bekämpfen ist ein schwieriges Unterfangen und nahezu aussichtslos auf längere Sicht gesehen. Bislang wird meist ein für Menschen unschädliches Granulat eingesetzt, in manchen Fällen auch chemische Insektizide.

Klein, aggressiv – selbst bei Tag stechen sie zu

Nur etwa 5mm ist die schwarz-weißgestreife Stechmücke groß. Sie kommt nicht erst in der Dämmerung aus ihrem Versteck, sondern sticht auch am helllichten Tag, selbst durch die Kleidung hindurch. Die Stiche der Tigermücke sind sehr schmerzhaft und oft jucken sie unerträglich.

Überträger von Tropenkrankheiten

Noch weitaus schlimmer als der Schmerz des Stiches ist jedoch, dass die Stechmücke, die 2007 erstmals in Deutschland lokalisiert wurde, rund 20 Krankheiten aus den Tropen verbreitet. Unter anderem wird das gefürchtete Dengue-Fieber und Chikungunya durch die Mücke übertragen. Zu den Symptomen gehören Fieber, Schüttelfrost, nahezu unerträgliche Gelenkschmerzen, die in der Regel ein bis zwei Wochen anhalten. Es wird aber auch von Fällen berichtet, die Monate unter den Schmerzen litten.

Prävention

Was kann man unternehmen, um nicht von der Tigermücke gestochen zu werden? Eigentlich recht wenig, denn wo sie verbreitet ist, sticht sie auch auf offener Strasse zu und nicht nur in Gärten, Wald- oder Feuchtgebieten. Dennoch ist Prävention wichtig, um sich zu schützen.

Wer in Gebiete reist, in denen die Tigermücke Fuß gefasst hat, ist gut beraten, ein Moskitonetz mitzunehmen und sich tagsüber zumindest von Orten fernzuhalten,, wo es stehende Gewässer hat. Vor Ort gibt es in befallen Gebieten meist Warnmitteilungen, die darauf hinweisen wo man fernbleiben soll.

Was die Stechmücken lieben ist Schweißgeruch, daher ist Körperhygiene mit täglich mehrfachem, kurzem Abduschen ein hilfreicher Präventionsbestandteil. Den Schweiß mit süßlichen Duftstoffen und Parfum zu überdecken ist jedoch ein Kardinalfehler, denn auch dafür haben die stechenden Plagegeister ebenfalls eine große Vorliebe.

Abzuraten ist von Insektensprays, die Nervengifte enthalten. Sie sind zwar wirksam gegen die Mücke, aber auch schädlich für die Gesundheit des Menschen. Mückenabwehr auf Basis ätherischer Öle ist die gesundheitlich unbedenklichere Alternative, sofern man nicht allergisch darauf reagiert oder chemikaliensensibel ist und dadurch auch mit manchen natürlichen Substanzen Probleme hat.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 26. April, 2010.