Allergologen raten: Sparsamer Umgang mit Chemikalien vermindert Allergie-Risiko

Baby

Viele Kinder leiden an Allergien. Nach Schätzungen des Verbandes deutscher Allergologen ist heute jedes vierte Kind von Hautausschlägen, Heuschnupfen oder Asthma betroffen. Eltern sind besorgt und fragen sich, ob sie dem vorbeugen können. Das sei nur bedingt möglich, sagen Fachleute, da Allergien teilweise angeboren sind und alle Auslöser noch lange nicht bekannt sind. Studien zeigen aber, dass Eltern das Allergie-Risiko zumindest reduzieren können: Grundsätzlich sei es ratsam, mit Chemikalien so sparsam wie möglich umzugehen, und das bereits im Babyalter, sagt der Kinderarzt Uwe Büsching aus Bielefeld.

“Der Wickeltisch muss nicht mit Plastik ausgelegt und dann mit Hygienesprays behandelt werden.” Stattdessen sollte man gekochte Tücher aus Leinen oder Baumwolle als Wickelunterlage benutzen. Außerdem sei es völlig ausreichend, die Badewanne nur mit Wasser auszuspülen. Sie müsse nicht extra mit Chemikalien desinfiziert werden. Auch Weichspüler könnten Allergien auslösen, warnt der Kinderarzt. “Vor allem in den ersten vier Lebenswochen reagiert Babyhaut sehr empfindlich darauf.”

Die heutzutage oftmals übertriebene Hygiene von klein auf trage eine Mitschuld an der Zunahme körpereigener Überempfindlichkeitsreaktionen, sagt Uwe Büsching. “Kinder können sich ruhig mal schmutzig machen.” Denn der Kontakt mit Umwelt-Keimen fördere den Reifungsprozess des Immunsystems: Die Immunabwehr werde so regelrecht trainiert.

Verband Deutscher Allergologen, Sparsamer Umgang mit Chemikalien vermindert Allergie-Risiko, Köln, Pressemitteilung vom 18.05.2010

Gefahren und Allergien durch Mückenstiche sind auf dem Vormarsch

Der Urlaub auf Sardinien war prima gewesen, auch die Rückreise recht stressfrei. In der Nacht nach der Ankunft Zuhause ging es los. Kopfschmerzen, Kältegefühl, das Gesicht schwoll einseitig an und das linke Ohr war feuerrot. Arbeiten oder auch nur einen klaren Gedanken fassen – daran war nicht zu denken. Mittelohrentzündung? Oder noch Schlimmeres? Ein Arztbesuch brachte die Gewissheit, dass es das nicht war. Er stellte aber ein kleines Löchlein am Ohr fest. Ein übler Mückenstich einer Tigermücke.

Tigermücke

Mückenstich mit Folgen

Eine Woche dauerte es, bis die einseitige Schwellung des Gesichts abklang. Es sah aus, als hätte jemand ein Bügeleisen aufgedrückt. Ein weiterer Arztbesuch bestätigte, dass es wohl eine Allergie auf den Stich einer Tigermücke gewesen war. Das eiweißhaltige Speichelsekret ist für manche Menschen hochallergen und kann zu Schock- und Kreislaufreaktionen führen.

Blinder Passagier aus den Tropen

Die Tigermücke, ursprünglich ein asiatische Insekt, hat sich in den letzten Jahren bis nach Europa ausgebreitet. Auch in Deutschland wurde sie schon gesichtet. Mit Schiffladungen alter Autoreifen reist die Mücke üblicherweise als blinder Passagier ein. Sie braucht zur Fortpflanzung stehendes Brackwasser, Regentonnen, kleine Tümpel, feuchte Baumhöhlen. Sie zu bekämpfen ist ein schwieriges Unterfangen und nahezu aussichtslos auf längere Sicht gesehen. Bislang wird meist ein für Menschen unschädliches Granulat eingesetzt, in manchen Fällen auch chemische Insektizide.

Klein, aggressiv – selbst bei Tag stechen sie zu

Nur etwa 5mm ist die schwarz-weißgestreife Stechmücke groß. Sie kommt nicht erst in der Dämmerung aus ihrem Versteck, sondern sticht auch am helllichten Tag, selbst durch die Kleidung hindurch. Die Stiche der Tigermücke sind sehr schmerzhaft und oft jucken sie unerträglich.

Überträger von Tropenkrankheiten

Noch weitaus schlimmer als der Schmerz des Stiches ist jedoch, dass die Stechmücke, die 2007 erstmals in Deutschland lokalisiert wurde, rund 20 Krankheiten aus den Tropen verbreitet. Unter anderem wird das gefürchtete Dengue-Fieber und Chikungunya durch die Mücke übertragen. Zu den Symptomen gehören Fieber, Schüttelfrost, nahezu unerträgliche Gelenkschmerzen, die in der Regel ein bis zwei Wochen anhalten. Es wird aber auch von Fällen berichtet, die Monate unter den Schmerzen litten.

Prävention

Was kann man unternehmen, um nicht von der Tigermücke gestochen zu werden? Eigentlich recht wenig, denn wo sie verbreitet ist, sticht sie auch auf offener Strasse zu und nicht nur in Gärten, Wald- oder Feuchtgebieten. Dennoch ist Prävention wichtig, um sich zu schützen.

Wer in Gebiete reist, in denen die Tigermücke Fuß gefasst hat, ist gut beraten, ein Moskitonetz mitzunehmen und sich tagsüber zumindest von Orten fernzuhalten,, wo es stehende Gewässer hat. Vor Ort gibt es in befallen Gebieten meist Warnmitteilungen, die darauf hinweisen wo man fernbleiben soll.

Was die Stechmücken lieben ist Schweißgeruch, daher ist Körperhygiene mit täglich mehrfachem, kurzem Abduschen ein hilfreicher Präventionsbestandteil. Den Schweiß mit süßlichen Duftstoffen und Parfum zu überdecken ist jedoch ein Kardinalfehler, denn auch dafür haben die stechenden Plagegeister ebenfalls eine große Vorliebe.

Abzuraten ist von Insektensprays, die Nervengifte enthalten. Sie sind zwar wirksam gegen die Mücke, aber auch schädlich für die Gesundheit des Menschen. Mückenabwehr auf Basis ätherischer Öle ist die gesundheitlich unbedenklichere Alternative, sofern man nicht allergisch darauf reagiert oder chemikaliensensibel ist und dadurch auch mit manchen natürlichen Substanzen Probleme hat.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 26. April, 2010.

Pollenallergiker aufgepasst – Birkenpollen dieses Jahr besonders aggressiv

Birken

Mit den ersten Frühlingssonnenstrahlen fängt es überall an zu sprießen, und die ersten Pollen sind bereits unterwegs. Ein Blick auf den Pollenwarndienst zeigt, Pollen von Birke, Pappel, Erle, Hasel, Ulme und Weide schwirren durch die Luft. Wem jetzt die Nase läuft und juckt oder die Atmung schwer fällt, der muss nicht gleich an Erkältung denken, denn auch Pollen können diese und noch viele weitere Beschwerden auslösen.

Pollenwarndienst, eine prima Sache

Es lohnt sich, einen Pollenwarndienst im Internet anzuklicken oder ein App auf das Smartphone zu laden, denn so kann man Ausflüge so planen, dass man den Pollen, auf die man besonders reagiert, ein wenig ausweicht. Mit manchen Pollenarten wird es einem schwer fallen, denn Weide, Hasel und Birke sind fast überall anzutreffen. Diejenigen, die auf Birkenpollen reagieren, haben ohnehin einen harten Frühling vor sich, denn dieses Jahr ist ein so genanntes Birken-Mastjahr. Was dies bedeutet und wie man erkennt, ob man plötzlich auch Heuschnupfen entwickelt hat, kann man der Pressemitteilung des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen entnehmen:

Pollenallergiker aufgepasst: 2010 ist ein Birken-Mastjahr

Der Pollenflug 2010 setzt erst spät ein. Grund ist das lang anhaltende Winterwetter in diesem Jahr. Die Kälte verzögerte die Baumblüte. Beginnt der Pollenflug in milden Wintern sonst oft schon im Januar mit der Blüte von Haseln und Erlen, verzeichneten die Messstationen 2010 erst Mitte Februar vereinzelt Pollen in der Luft. „Der Pollenflug kommt spät, aber mit Macht“, warnt Professor Dr. Hans Merk, Allergologe an der Universitäts-Hautklinik in Aachen und Präsident des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (ÄDA). Die ersten warmen Frühlingstage werden in Deutschland einen massiven Pollenflug auslösen. Zum verspäteten Flug von Hasel- und Erlenpollen kommt in diesem Jahr eine besonders starke Belastung durch Birkenpollen. Birken setzen alle zwei Jahre besonders viele Pollen frei. „2010 ist ein Mastjahr für die Birken. Vermutlich kommt es bei Patienten mit einer Birkenpollenallergie in diesem Jahr zu besonders heftigen Allergiesymptomen“, so Merk. Eine Voraussage sei nicht sicher möglich, da die Pollenbelastung von Witterungsverhältnissen wie Temperatur, Wind und Niederschlag abhänge.

Birkenpollen gehören zu den Hauptauslösern von Heuschnupfen und allergischem Asthma (1). In einer Untersuchung des Globalen Europäischen Netzwerks für Allergien und Asthma (GA2LEN) liegt in Berlin bei 31,5 Prozent der Patienten eines Allergiezentrums eine Sensibilisierung gegen Birkenpollen vor (2). Der Birkenpollenflug beginnt meistens Mitte März und hat im April seinen Höhepunkt. In Jahren mit besonders starkem Pollenflug haben viele Menschen erstmals Beschwerden, weil sich ihre Allergie das erste Mal bemerkbar macht. Wer jetzt im Frühling starke Atemwegsbeschwerden hat, sollte daran denken, dass eine Pollenallergie dahinterstecken kann. Nicht immer ist eine Erkältung der Auslöser für Schnupfen, Niesen und Husten. An eine Pollenallergie sollten alle denken, deren Beschwerden saisonal auftreten, also immer wieder zur gleichen Jahreszeit. Dabei nehmen die allergischen Beschwerden eher zu und können auch zu ganzjährigen Symptomen oder zu Kreuzallergien bzw. Nahrungsmittelallergien führen. „Normale“ Erkältungsmedikamente gegen den Winterschnupfen helfen bei einer Pollenallergie nicht.

ÄDA-Präsident Merk rät Betroffenen, frühzeitig einen auf die Behandlung von Allergien spezialisierten Arzt aufzusuchen, denn bei rechtzeitiger und regelmäßiger Anwendung helfen antiallergische Medikamente am besten. „Pollenallergiker sollten sich außerdem bei einem Facharzt testen und beraten lassen, ob bei ihnen eine spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) indiziert ist. Diese Behandlung kann das Immunsystem tolerant gegenüber den Allergieauslösern machen. Dieser Effekt hält über die dreijährige Behandlungsphase hinaus an und verringert die Gefahr eines Etagenwechsels zu allergischem Asthma“, erläutert Merk. Er warnt davor, Heuschnupfen auf die leichte Schulter zu nehmen, da die allergische Entzündung sich auf die Bronchien ausdehnen und zu allergischem Asthma mit pfeifender Atmung, Luftnot und Husten führen kann. Heuschnupfen sollte auf jeden Fall rechtzeitig behandelt werden, um das Asthmarisiko zu senken und um zu verhindern, dass die Erkrankung chronisch wird.

Autor: Silvia K. Müller

Literatur:

Ärzteverband Deutscher Allergologen e.V. (ÄDA), Pressemitteilung, Aachen, 16. März 2010.

1. Bousquet PJ et al: Prevalence of positive skin tests to environmental aeroallergens in the European Community Respiratory Health Survey I. Allergy 2007:62:301-309.

2. Heinzerling L et al: Standard skin prick testing and sensitization to inhalant allergens across Europe – a survey from the GA2LEN network. Allergy 2005:60:1287-1300.

An Ostern trotz Allergie auf Ei viel Spaß beim Eiersuchen

Frohe Ostern

Eier färben, Osterkuchen backen, das Haus österlich dekorieren und die vielen anderen Vorbereitungen bereiten einen Riesenspaß. Wer unter Allergien leidet oder Kinder hat, die auf Ei, Milch, Nüsse, Laktose oder Pollen allergisch reagieren, muss Verschiedenes für die Festtage im Vorfeld abwägen. Doch mit etwas Kreativität steht auch Allergikern für ein schönes Osterfest nichts im Weg.

Trotz Allergie Spaß am Eiersuchen

Mit zum größten Spaß an Ostern zählt das Eiersuchen. Pech für Allergiker, die auf Ei reagieren? Nein, denn es gibt jede Menge Alternativen und an manchen kann man sich sogar ein Leben lang erfreuen.

Statt der typischen gefärbten Hühnereier

Allergien auf Ei können sehr schwerwiegend sein und im schlimmsten Fall Schockreaktionen auslösen. Normale gefärbte Hühnereier sind vorsichtshalber völlig von der Liste zu streichen, wenn ein Allergiker darauf reagiert.

Alternativen:

  • Blecheier sind seit ein paar Jahren wieder in Geschäften erhältlich. Man kann sie mit kleinen Präsenten füllen oder einfach so verstecken.
  • Wenn ein Allergiker nicht auf Schokolade reagiert oder es eine bestimmte Schokolade gibt, die er essen kann, z.B. Schokolade aus Carob, Schafs- oder Ziegenmilch, dann kann man Hühnereier ausblasen, gründlich reinigen und mit Schokolade füllen. Diese witzige Idee kommt nicht nur bei Kindern an.
  • Ostereier als Kerze aus Bienenwachs.
  • Richtige Sammlerobjekte sind Eier aus Stein oder Porzellan
  • Handbemalte ausgeblasene Gänseeier in einem Moosnestchen dekoriert
  • Eier aus Glas. Es gibt sie in wunderschönen Farben und Verzierungen. Warum nicht ein paar Glas-Eier verstecken? Sie werden viele Jahre lang Freude bringen.
  • Witzige bemalte Hasenfiguren aus Keramik, Ton oder Glas.

Woran man noch denken sollte

Gerade an Ostern sind in vielen Leckereien Allergene versteckt. Manche Allergiker reagieren nicht extrem und können kleine Mengen eines Nahrungsmittels essen, ohne Beschwerden zu bekommen. Problematisch kann es werden, wenn mehrere Allergien vorliegen, z.B. auf Ei und Kuhmilch, Laktoseintoleranz, Nussallergie. Schnell hat sich dann einiges an Allergenen aufaddiert und das Befinden kann mächtig in den Keller gehen. Deshalb ist es gerade bei Kindern wichtig, für möglichst viele Alternativen zu sorgen, in denen sich kein Allergen versteck, und das Osterfest wird unter Garantie ein wunderschönes Familienfest werden.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, April 2010

SLIT – “MILCH-TROPFEN“ unter die Zunge, möglicherweise eine Therapie für Milchallergiker

Milch

Kleine Mengen von Milcheiweiß unter die Zunge von Kindern geträufelt, die allergisch auf Milch reagieren, könnte ihnen bei der Überwindung ihrer Allergien helfen. Zu dieser Erkenntnis kamen Wissenschaftler des Johns Hopkins Children’s Center und der Duke University durch eine kleine Studie.

Die Ergebnisse wurden am Sonntag, den 28. Februar, auf der Jahrestagung der American Academy of Allergy, Asthma & Immunology vorgestellt.

Der Behandlungsansatz, als SLIT (sublinguale Immuntherapie) bekannt, schließt ein, dass den Kindern kleine, aber zunehmend höhere Dosen der Lebensmittel verabreicht werden, auf die sie allergisch sind, bis ihr Immunsystem “lernt”, das Essen zu tolerieren, ohne dass eine allergische Reaktion ausgelöst wird oder nur noch ganz leichte Symptome eintreten. Frühere Forschungen des Hopkins Children’s Center zeigten, dass ein ähnlicher Behandlungsansatz, als orale Immuntherapie bekannt, in der Lage ist, Kinder mit Allergien auf Milch erfolgreich zu behandeln. Im Gegensatz zu SLIT beinhaltet die orale Immuntherapie jedoch das Essen von Milcheiweiß und nicht nur, dass es lediglich unter die Zunge gegeben wird.

Die aktuelle Studie deutet an, dass beide Ansätze bei der Behandlung von Kuhmilchallergien bei den meisten Patienten wirksam sein könnten, so die Autoren der Studie, jedoch scheint es so, dass die orale Immuntherapie etwas effektiver ist als SLIT. Die Wissenschaftler sprechen bislang Vorbehalt aus, indem sie mitteilen, dass die Ergebnisse vorläufiger Natur sind und dass die beiden Behandlungsansätze erst in größeren Patientengruppen miteinander verglichen werden müssen, bevor eine gleiche Wirksamkeit bestätigt werden könne.

Während beide Behandlungsansätze so funktionieren, dass man den Patient mit immer höheren Dosen des allergieauslösenden Lebensmittels konfrontiert, ist es bei SLIT mit niedrigerer Dosis getan – und damit mit einem niedrigeren Risiko für Patienten mit schweren allergischen Reaktionen. Die Wissenschaftler warnen, dass beide Therapien zu heftigen allergischen Reaktionen bei einigen Patienten führen können, daher sollten sie immer nur unter Aufsicht eines Arztes erfolgen.

“Wir freuen uns sehr, zu sehen, dass beide Behandlungsansätze signifikante Verbesserung bei Kindern mit Allergien auf Milch erreichen können, aber wir sehen bislang eine leicht bessere Verträglichkeit bei Kindern auf die orale Immuntherapie”, sagt der Forschungsleiter Robert Wood, MD, Leiter der Abt. für Allergie und Immunologie am Hopkins Children’s Center. “Dennoch entsteht durch SLIT eine neue, wenn auch etwas weniger starke Waffe in unserem Arsenal.”

In der Studie wurde allen teilnehmenden 30 Kindern im Alter von 6 bis 17 Jahren Milch unter der Zunge geträufelt (SLIT). Sie wurden für einen Zeitraum von mehreren Wochen behandelt, bis sie Toleranz aufbauten. Sobald eine minimale Toleranz erreicht wurde, wurden die Kinder in zwei Gruppen eingeteilt. Zehn der Kinder setzten ihre SLIT Behandlung fort, während die anderen 20 Kinder Milchpulver um Essen bekamen (OIT). Nach drei Monaten Behandlung mit immer höherer Dosis von Milcheiweiß, wurden alle Kinder einem Lebensmittel-Provokationstest unterzogen, bei dem sie Milch unter ärztlicher Aufsicht tranken.

Alle Kinder aus der Gruppe, die Milchpulver zu Essen bekommen hatten, konnten, im Vergleich zu ihrem Ausgangswert beim Milch-Provokationstest vor der Behandlung, im Durchschnitt sieben Mal mehr Milch trinken, ohne eine allergische Reaktion zu zeigen oder sie hatten nur schwache Symptome auf das Getränk. Neun der 10 Kinder, die mit Milchtropfen unter die Zunge behandelt wurden, waren ebenfalls in der Lage, die Milch ohne großartige Beschwerden zu trinken.

Kinder in beiden Gruppen hatten während der Behandlung gleichermaßen häufig allergische Symptome. In der Gruppe von Kindern, die Milchpulver zu Essen bekommen hatten, verursachten 33 Prozent der 3619 verabreichten Milch-Einzeldosen Symptome, im Vergleich zu 35 Prozent der 3773 Milch-Einzeldosen in der Patientengruppe, die Milchtropfen unter die Zunge erhalten hatte. Die meisten Symptome waren nur leicht, am Häufigsten führten sie zu Juckreiz im Mund- und Rachenraum. Bauch- und respiratorische Symptome traten nur sehr selten auf, laut dem Bericht der Wissenschaftler.

Übersetzung: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 1. März 2010

Literatur: Johns Hopkins Medical Institutions, “MILK DROPS” UNDER THE TONGUE APPEAR TO TREAT MILK ALLERGIES, 28. Februar 2010

Für die Behandlung beim Allergologen gibt es kein Budget

Allergiehände 

Akuter Allergie-Notstand 

Jeder dritte Deutsche ist allergiekrank. Jeder Vierte, insgesamt also etwa 20 Millionen Menschen in Deutschland, hat nach Schätzungen des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (ÄDA) Heuschnupfen. Die Betroffenen leiden unter allergischem Schnupfen, juckenden Augen und einem stark beeinträchtigten Allgemeinbefinden. Ohne ausreichende Therapie erkranken 40 Prozent der Heuschnupfenpatienten an Asthma, das oft lebenslang bestehen bleibt und hohe Folgekosten verursacht. Noch dramatischer sind die Folgen einer lebensbedrohlichen Allergie auf Nahrungsmittel oder Insektengifte. Bei drei Prozent der Bevölkerung, das sind mehr als zwei Millionen Menschen in Deutschland, besteht die Gefahr, nach dem Stich einer Wespe oder Biene an einem Allergieschock zu sterben. Doch die fachärztliche Versorgung der Allergiepatienten steht am Abgrund: Für die Behandlung beim Allergologen gibt es kein Budget. Ein akuter Allergie-Notstand ist unausweichlich.

Allergiebehandlung ist dem Gesundheitssystem keinen Euro wert

„Fachärzte mit einer zusätzlichen Weiterbildung in Allergologie können Allergien wirkungsvoll bekämpfen. Sie bekommen dafür von der Kassenärztlichen Vereinigung allerdings kein Geld“, erklärt ÄDA-Präsident Professor Dr. Wolfgang Czech aus Villingen-Schwenningen. Allergiekranke Menschen werden von verschiedenen Fachärzten behandelt, beispielsweise von Hautärzten, HNO-Ärzten, Pneumologen oder Kinderärzten. Die meisten dieser Ärzte haben dafür eine allergologische Zusatzausbildung absolviert und können als Allergologen eine qualifizierte Diagnostik und Therapie bieten. Sie erhalten dafür jedoch kein zusätzliches Honorar, denn seit dem 1. Januar 2009 steht Fachärzten nur pauschal eine feste Summe für die komplette Behandlung des Patienten, das so genannte Regelleistungsvolumen (RLV), zu. So erhalten Hautärzte im 3. Quartal 2009 im Bundesdurchschnitt ca. 17 Euro für die dreimonatige Behandlung ihrer Patienten und HNO-Ärzte ca. 30 Euro. Für die Diagnostik und Therapie von Allergiepatienten gibt es keinerlei Zuschläge. Ausnahme: Die allergologisch tätigen Hautärzte in Baden-Württemberg erhalten im Quartal ein Extrabudget von 3,45 Euro (1,15 Euro monatlich) – allerdings bei vergleichbar niedrigeren RLV.

Es liegt auf der Hand, dass auch mit 1,15 Euro im Monat keinem Allergiker geholfen werden kann, denn dafür ist keine allergologische Untersuchung, Diagnostik und Behandlung möglich. „Das für drei Monate vorgesehene Budget des Facharztes ist bereits beim ersten Arztbesuch des Patienten nahezu ausgeschöpft“, erläutert Czech. Das wissen die Verantwortlichen bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung selbstverständlich. Die Honorare der Fachärzte werden derzeit bei knappen Ressourcen beschnitten, um den gesundheitspolitischen Willen – die Anzahl der ambulant tätigen Fachärzte zu senken – durchzusetzen. Das geschieht auf Kosten der allergiekranken Menschen. „Für Allergologen ist es nicht nachvollziehbar, dass die Gesundheitspolitik allergiekranken Patienten die notwendige Versorgung vorenthält. Meistens sind Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene betroffen. Es handelt sich also um die Menschen, die für die Zukunft unseres Landes stehen. Völlig unberücksichtigt bei gesundheitspolitischen Entscheidungen bleiben die dramatische epidemiologische Entwicklung allergischer Erkrankungen und die sich daraus entwickelnden negativen Folgen für die Volkswirtschaft“, kritisiert Dr. Kirsten Jung, Vorstandsmitglied des ÄDA aus Erfurt. „Wir brauchen ganz dringend ein zusätzliches Extrabudget für die allergologische Versorgung unserer Patienten!“

Spezifische Immuntherapie muss den Patienten weiterhin zur Verfügung stehen

Für die fachärztliche Behandlung eines Allergiepatienten sind mehrere Arzttermine erforderlich, denn einer erfolgreichen Allergietherapie geht eine sehr sorgfältige Diagnosestellung voraus. Anhand der Ergebnisse der Untersuchungen können nur Allergologen eine spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung), die als einzige Therapie den Beginn einer Allergie-Karriere stoppen kann, empfehlen bzw. festlegen. Der Arzt injiziert einem Allergiker dazu über einen Zeitraum von etwa drei Jahren regelmäßig ein für ihn speziell ausgesuchtes Allergenpräparat unter die Haut des Oberarms, bis das Immunsystem des Allergikers sich an den Allergieauslöser gewöhnt hat.

Professor Wolfgang Czech fürchtet, dass immer weniger Patienten eine spezifische Immuntherapie erhalten: „Sollte sich an der derzeitigen gesundheitspolitischen Situation nichts ändern und eine Immuntherapie der Patienten wirtschaftlich unmöglich bleiben, werden wir in den nächsten Jahren stark ansteigende Zahlen von Asthmapatienten erleben.“ Bei Heuschnupfenpatienten können Allergologen nur mit einer spezifischen Immuntherapie der Entwicklung eines Asthma bronchiale vorbeugen. Die Behandlung führt außerdem zu einer langfristigen Besserung der Beschwerden und kann weitere Allergien verhindern. Für Insektengiftallergiker, die an ihrer Allergie sterben können, ist eine Immuntherapie besonders wichtig. Die Behandlung hilft bei ihnen nahezu hundertprozentig und kann lebensrettend sein.

„Wenn Entscheidungsträger im Wahljahr nicht nur Lippenbekenntnisse zur Versorgung Allergie-Kranker abgeben wollen, müssen endlich notwendige zusätzliche finanzielle Mittel für Allergiker bereitgestellt werden, um allergologisch tätigen Ärzten diese wichtige Therapieform außerhalb des Regelleistungsvolumens zu ermöglichen“, fordert Kirsten Jung vom Ärzteverband Deutscher Allergologen. Die seit Januar 2009 gültige Honorarreform für vertragsärztliche Leistungen macht jedoch eine fachärztliche Allergie-Diagnostik und  -Therapie praktisch unmöglich. Immer mehr Mitglieder des ÄDA signalisieren dem Vorstand des Allergologenverbandes, dass sie keine subkutane Immuntherapie mehr durchführen können, die Behandlung von Allergiepatienten aufgeben müssen und sich vorwiegend ihrem eigentlichen Fachgebiet (Dermatologie, HNO, Pädiatrie, Pneumologie) widmen werden. Leidtragender ist jeder Allergiepatient.

Literatur: Ärzteverband Deutscher Allergologen, Akuter Allergie-Notstand, 6. August 2009