Grippale Virusinfektion verschlimmert Hausstaubmilbenallergie und allergisch bedingtes Asthma

Patienten berichten, dass sie während einer Virusinfektion stärker auf Hausstaubmilben reagieren und dass allergisches Asthma auftritt. Mediziner gehen davon aus, dass Virusinfektionen der Atemwegen mit einem erhöhten Auftreten von allergischem Asthma in Verbindung stehen. Allerdings werden die Mechanismen, durch die Infektionen der Atemwege zu allergischer Atemwegerkrankung führen, bislang nur unvollständig verstanden. Eine im Journal of Immunology publizierte Studie brachte Aufschluss.

Allergie wirkt sich während Virusinfektion stärker aus

Eine kanadische Wissenschaftlergruppe der McMaster University stellte sich die Aufgabe, Näheres herauszufinden. Im Vorfeld ihrer aktuell veröffentlichten Studie hatte das Team herausgefunden, dass der Kontakt gegenüber einer geringen Konzentration Hausstaubmilben (HSM) eine Haustaubmilben-vermittelte, allergisch bedingte Entzündung der Atemwege verstärkt, und was in diesem Zusammenhang besonders wichtig ist, dass eine Hyperreaktivität der Atemwege nur bei Allergenkontakt während einer akuten Influenza-A-Infektion auftritt.

Hausstaubmilben induzieren Gene während Influenza

In der aktuellen Studie werteten die Wissenschaftler die Auswirkungen der gleichzeitigen Influenza-Infektion und Allergenexposition auf genomischer Ebene aus. Die ermittelten Daten zeigten, dass ein Kontakt gegenüber einer niedrigen Konzentration von Hausstaubmilben während einer Influenza-A-Infektion zu einem dramatischen Anstieg der Genexpression führt, vor allem von TLRs, C-Typ Lektin-Rezeptoren, mehreren Komplementkomponenten, sowie Fc ε R1. Darüber hinaus beobachteten die Kanadier ein erhöhtes Auftreten einer Reihe von Genen, Chemokinen und Zytokinen, die mit einem Anstieg von entzündungsfördernden Zellen in Zusammenhang stehen. Zusätzlich stellen sie fest, dass der Kontakt mit Hausstaubmilben im Rahmen einer Influenza-A-Infektion zu einer Induktion einzigartiger Gene, darunter Calgranulin A (S100A8) und TLR4-Agonist führt.

Verstärkte allergische Reaktionen

Die Erkenntnisse aus dieser Studie bringen Aufschluss darüber, dass eine Influenza-Infektion die Expression mehrerer Genklassen deutlich erhöht und dass diese dann in der Lage sind, auf Allergene zu sensibilisieren und anschließende entzündliche Immunreaktionen zu verstärken. Die kanadischen Wissenschaftler gehen davon aus, dass eine Influenza-A-Infektion die Umgebung in der Lunge in einer Weise „schärft“, dass die Schwelle zur Reaktionsfähigkeit auf Allergene herabgesetzt wird, wodurch dieser klinisch signifikante, allergische Phänotyp entsteht.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 19. Dezember 2011

Literatur:

Al-Garawi A, Husain M, Ilieva D, Humbles AA, Kolbeck R, Stampfli MR, O’Byrne PM, Coyle AJ, Jordana M.,Shifting of Immune Responsiveness to House Dust Mite by Influenza A Infection: Genomic Insights, J Immunol. 2011 Dec 14.

Dieselpartikel können Hausstaubmilbenallergie auslösen

Dieselabgase lösen Allergien aus

Feinstäube aus Luftverschmutzung sind dafür bekannt, ein großes Gesundheitsrisiko darstellen und stehen besonders bei empfindlichen Bevölkerungsgruppen wie Asthmatikern in Zusammenhang mit erhöhter Sterblichkeit. Mehr als ein Jahrzehnt Feinstaubforschung legen klar dar, das diese Auswirkungen nicht wahllos einsetzen, sondern sowohl abhängig sind von der Partikel- und Oberflächengröße, als auch von der chemischen Zusammensetzung.Allergische Reaktion der Atemwege
Die amerikanische Umweltschutzbehörde EPA und das nationale amerikanische Umweltforschungslabor untersuchten in einer Studie den Einfluss von Dieselfeinstäuben auf die Entwicklung von Allergien bei Ratten. Im Forschungsexperiment konnte nachgewiesen werden, dass inhalierte oder eingeträufelte Dieselpartikel Lungenschädigung und Entzündungen hervorriefen und verstärkten. Man stellte weiterhin eine dosisabhängige allergische Reaktion der Atemwege fest. Ultrafeinstäube stellten sich bei diesem Forschungsabschnitt als am Wirkungsvollsten heraus.Dieselabgaspartikel lösen Allergie aus
Die Wissenschaftler untersuchten als nächstes eine mögliche allergische Sensibilisierung hervorgerufen durch die Dieselfeinstäube bei den Versuchstieren und setzten sie hierzu Hausstaubmilben aus. Es traten sowohl eine unmittelbare Reaktion der Atemwege nach der Provokation mit Hausstaubmilben als auch eine Reihe von pro entzündlichen und allergischen Reaktionen sowie Akutverletzungen der Atemwege ein. Die Wissenschaftler stellten als Erkenntnis abschließend fest, dass Dieselabgaspartikel das größte Potenzial hatten, eine Allergie herbeizuführen (Induktion), was in diesem Fall bedeutet, dass die chemische Zusammensetzung bei der Feststellung der Stärke der Auswirkungen auf die Gesundheit noch wichtiger war als die Partikelgröße.In der Praxis könnte das Resümee aus der vorliegenden Studie bedeuten, dass Personen, die verstärkt Dieselabgasen ausgesetzt sind, vermehrt unter Hausstaubmilbenallergie und anderen Allergien leiden. 
Autor:
Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 17. Dezember 2008Literatur:
Singh P, Madden M, Gilmour MI., Effects of diesel exhaust particles and carbon black on induction of dust mite allergy in brown norway rats, National Health and Environmental Effects Research Laboratory, U.S. Environmental Protection Agency, Research Triangle Park, North Carolina, USA,J Immunotoxicol. 2005 Jan 1;2(1):41-9.