Diabetes-Risiko durch Kaiserschnitt

Gestörte Darmflora, geschwächte Immunabwehr

Kinder, die per Kaiserschnitt zur Welt kamen, haben laut der BABYDIAB-Studie ein mehr als doppelt so hohes Typ 1 Diabetes-Risiko als Kinder, die spontan entbunden wurden. In der Langzeit-Studie der Forschergruppe Diabetes der Technischen Universität München wurde der Einfluss von Umweltfaktoren auf die Entwicklung der Erkrankung bei 1.650 Kindern aus Risikofamilien untersucht. Die Studienteilnehmer wurden von Geburt an durchschnittlich 11 Jahre lang beobachtet. Eine Erklärung sehen die Forscher in der Tatsache, dass eine Entbindung per Kaiserschnitt die Zusammensetzung der kindlichen Darmflora verändert und damit die Entwicklung von Autoimmunität begünstigt.

Laut der Studie haben Kinder, deren Mutter oder Vater an Typ 1 Diabetes erkrankt ist und die per Kaiserschnitt geboren wurden, ein Diabetes-Risiko von 4,8 Prozent, bis zum 12. Lebensjahr daran zu erkranken. Dagegen liegt das Risiko von Kindern mit familiärer Vorbelastung, die vaginal entbunden wurden, bei 2,2 Prozent. Das erhöhte Diabetes-Risiko bei Kaiserschnitt trat unabhängig davon auf, ob es sich um eine Mehrlingsschwangerschaft, Frühgeburt oder um das Erstgeborene handelte. Auch der Geburtsmonat und Rauchen während der Schwangerschaft hatten keinen Einfluss.

Ein größeres Diabetes-Risiko durch Kaiserschnitt war auch nachweisbar bei Kindern mit bestimmten Varianten des Gens IFIH1 (Interferon induced with helicase C domain 1), das die Entwicklung von Typ 1 Diabetes beeinflusst. Das Protein IFIH1 ist für die Erkennung von Virus-RNA zuständig und reguliert somit die angeborene Immunabwehr gegenüber Viren. Man nimmt an, dass eine Virusinfektion das IFIH1 Gen aktiviert und es dadurch zur Ausschüttung des immunstimulierenden Proteins Interferon kommt. Dies hemmt zwar die Virusvermehrung, jedoch lockt es auch die zytotoxischen T-Zellen an, die – so nimmt man an – Betazellen erkennen und zerstören. Somit scheinen Virusinfektionen die Entwicklung von Typ 1 Diabetes zu fördern. Bei Kindern mit bestimmten Varianten dieses Gens steigt das Risiko für die Autoimmunerkrankung bei einem Kaiserschnitt sogar um etwa das Dreifache (9,1 Prozent gegenüber 2,8 Prozent bei spontaner Entbindung).

Ein Kaiserschnitt beeinflusst jedoch nicht das Risiko für die Entstehung von Inselautoimmunität und die Bildung von Autoantikörpern. Diese sind gegen die Insulin produzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse gerichtet und sind Vorboten der Manifestation des Diabetes. Allerdings beschleunigt die Geburt per Kaiserschnitt offenbar die Entstehung von Diabetes nach dem Auftreten erster Autoantikörper.

„Eine Erklärung für diese Ergebnisse ist die Tatsache, dass die Entbindung per Kaiserschnitt auf die Beschaffenheit der kindlichen Darmflora und damit auf das Immunsystem einwirkt“, erläutert Prof. Anette-Gabriele Ziegler, Studienleiterin und Leiterin der Forschergruppe Diabetes der Technischen Universität München. Unter den Mikroorganismen, die den Darm besiedeln, lassen sich bei Kindern, die per Kaiserschnitt auf die Welt kamen, zum Beispiel weniger Bifidobakterien nachweisen. „Somit ähnelt die Darmflora dieser Kinder der gestörten Darmflora von Diabetikern“, so Ziegler weiter. Bei den Bifidobakterien handelt es sich um die wichtigste Gruppe der nützlichen Darmbakterien. Sie sind auch in der Vagina gesunder Frauen zu finden, so dass sie bei einer vaginalen Entbindung vom Säugling aufgenommen werden können. Diese Mikroorganismen erfüllen neben der Bekämpfung von Krankheitskeimen und Schadstoffen vielfältige Aufgaben für das Immunsystem: So versorgen sie unter anderem die Immunzellen im Darm mit wichtigen Informationen zur Bekämpfung von Erregern, bilden Vitamine wie das Vitamin K und fördern den Aufbau der Darmschleimhaut.

Als Folge-Studie zu BABYDIAB läuft derzeit die TEENDIAB-Studie:

Sie erforscht bei Kindern mit familiärer Vorbelastung die Entstehung von Typ 1 Diabetes. Teilnehmen können Kinder im Alter von acht Jahren bis zum vollendeten 12. Lebensjahr, deren Vater oder Mutter beziehungsweise ein Geschwisterkind an Typ 1 Diabetes erkrankt ist. Sie haben somit ein erhöhtes Risiko, später selbst diese Stoffwechselerkrankung zu entwickeln. Bei den Studienteilnehmern wird das individuelle Krankheitsrisiko für Typ 1 Diabetes ermittelt.

Autor:

Forschergruppe Diabetes der TU München, Kaiserschnitt erhöht das Risiko für Typ 1 Diabetes, 14.02.2012

Literatur:

Ezio Bonifacio, Katharina Warncke, Christiane Winkler, Maike Wallner and Anette-G. Ziegler. Cesarean Section and Interferon-Induced Helicase Gene Polymorphisms Combine to Increase Childhood Typ1 Diabetes Risk. DIABETES. Vol. 60. December 2011. 3300-3306.

Informationen im Internet unter TEENDIAB

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Chemikalien in der Umwelt gefährden Impfschutz bei Kindern

PFC’s können für das Immunsystem giftiger als Dioxine sein

Wissenschaftler der Harvard Universität fanden in einer Studie heraus, dass perfluorierte Verbindungen (PFC’s) bei Kindern die Wirkung von Schutzimpfungen schwächen. Perfluorate sind langkettige, äußerst persistente Kohlenwasserstoffe, die in vielen Alltagsgegenständen enthalten sind. Die chemisch hergestellten Kunststoffe finden sich beispielweise in beschichteten Antihaft-Pfannen, wetterfester Kleidung und Fastfood Verpackungen. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass der Einfluss der Chemikalien auf das Immunsystem so stark ist, dass der Impfschutz bei Tetanus- und Diphterie gefährdet sein kann. Die Studie ist die erste ihrer Art, die dokumentiert, wie PFC’s, die über den Mutterleib auf das Ungeborene weitergegeben werden, als auch über die Umwelt und die Nahrungskette ihren Weg in unsere Körper finden, Impfschutz negativ beeinträchtigen können. Die Ergebnisse wurden in der Januar 2012 Ausgabe des medizinischen Fachjournal JAMA veröffentlicht.

“Routine Impfungen in der Kindheit sind eine tragende Säule der modernen Verhütung von Krankheiten. Die negativen Auswirkungen auf die Impfungen im Kindesalter durch PFC sollte als eine potenzielle Bedrohung für die öffentliche Gesundheit angesehen werden”, sagte der Hauptautor der Studie, Philippe Grandjean, Professor für Umwelt und Gesundheit an der Harvard School of Public Health .

PFC’s werden von der Industrie und in Tausenden von Fertigungsprozessen verwendet. Darin liegt das große Problem. Die Chemikalie hat sich dadurch in unserer Nahrungskette angereichert und in der Umwelt verbreitet. Sie ist im Körper von fast jedem in den USA oder in Europa nachweisbar. Frühere Tierversuchsstudien an Mäusen zeigten, dass PFC Werte ähnlich denen bei Menschen, mit geschwächter Immunantwort einhergehen. Nur dass die negativen Auswirkungen beim Menschen lediglich schlechter dokumentiert wurden.

Die Wissenschaftler analysierten Daten von Kindern, die im National Hospital in Torshavn, auf den Färöer Inseln im Zeitraum 1999-2001 geboren wurden. Insgesamt 587 Kinder nahmen bis zu den Nachuntersuchungen teil. Bei den Kindern wurden die Immunantwort gegen Tetanus und Diphtherie Impfungen im Alter von 5 und 7 Jahren getestet. PFC wurden im mütterlichen Serum während der Schwangerschaft und im Serum von Kindern im Alter von 5 gemessen, um prä-und postnatale Exposition zu bestimmen. Die höchsten Konzentrationen wurden bei PFC Perfluoroctansulfonat (PFOS) und Perfluoroctansäure (PFOA) ermittelt.

Die Ergebnisse zeigten, dass PFC Exposition mit niedrigerer Antikörper-Antwort auf Impfungen und einem erhöhten Risiko für geringere Antikörper-Werte einhergingen. Diese Antikörper sind erforderlich, um den Kindern langfristigen Schutz zu bieten. Ein zweifacher Anstieg von drei verschiedenen PFC’s war mit einem 49% Rückgang der Antikörper bei Diphterie und Tetanus bei Kindern im Alter von 7 Jahre verbunden.

Philippe Grandjean von der Harvard School of Public Health in Boston begleitet eine Kohorte von Kindern der Geburtsjahrgänge 1999/2001 seit der Schwangerschaft ihrer Mütter. Seine Daten dokumentieren die PFC-Exposition der Kinder seit ihrer pränatalen Phase. Die höchsten Konzentrationen erreichten dabei die PFC Perfluoroctansulfonat (PFOS) und Perfluoroctansäure (PFOA).

Grandjean zeigte sich extrem überrascht über die starken Auswirkungen der PFC’s auf das Immunsystem und kam zu dem Schluss, dass diese Erkenntnisse bedeuten können, dass PFC’s sich möglicherweise noch toxischer auf das Immunsystem auswirken, als die derzeitig vorhandenen Dioxinbelastungen. Die PFC-Konzentrationen, die im Rahmen der Studie gefunden wurden, liegen ähnlich oder leicht unter denen bei US-Frauen. Bedenklich ist, die meisten PFC Werte im Serum von färöischen Kindern im Alter von fünf Jahren, niedriger waren als die bei US-Kindern im Alter von 3 bis 5 Jahren, die in den Jahren von 2001 bis 2002 gemessen wurden. Antikörper-Konzentrationen im Serum sind ein Indikator für die gesamten Immunfunktionen bei Kindern.

 Im eigenen Umfeld vor PFC’s schützen

Der Einzelne kann sich nur sehr bedingt vor einer Belastung mit Perfluoraten schützen, wegen ihrer ubiquitären Verbreitung und weil sie in unserer Nahrungskette angelangt sind.

Im eigenen Umfeld sollte man auf Folgendes verzichten:

  • Alltagsgegenstände und Produkte mit Antihaft-Beschichtung
  • Eliminieren von Antihaft-Pfannen und Töpfen (Teflon)
  • Fast-Food, das in beschichtetem Papier verpackt ist
  • Wasserabweisend beschichtete Kleidung

Autor: Silvia K: Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 26.01.2012

Literatur:

  • Harvard School of Public Health, PFCs, chemicals in environment, linked to lowered immune response to childhood vaccinations, Jan, 24, 2012
  • Philippe Grandjean, Elisabeth Wreford Andersen, Esben Budtz-Jorgensen, Flemming Nielsen, Kare Molbak, Pal Weihe, Carsten Heilmann, Serum Vaccine Antibody Concentrations in Children Exposed to Perfluorinated Compounds, JAMA, January 25, 2012, Vol. 307, No. 4, pp. 391-397

Bio-Essen in Schulen kostet nur 24 Cent mehr

Junge-Chinakohl

100 Prozent Bio-Essen für Kinder in Schulen und Kindergärten

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse der letzten Jahre lassen keinen Zweifel daran, dass Kinder soweit als möglich biologische Nahrung erhalten sollten. Konventionelle Nahrung, vor allem Obst und Gemüse, sind mit Pestiziden und anderen Agrar-Chemikalien belastet. Auch wenn davon gesprochen wird, dass Höchstwerte für bestimmte Pestizide seltener überschritten werden, bedeutet dies keine Entwarnung für die Verbraucher. Der Trick der Agrarindustrie ist einfach zu durchschauen, man verwendet ganz einfach verschiedene Pestizide im Wechsel und kann somit die Werte für das einzelne Pestizid drücken. Zudem wurden erst kürzlich die Grenzwerte für eine ganze Reihe hochgiftiger Pestizide EU-weit hochgesetzt. Das Pestizid-Aktions- Netzwerk veröffentlichte Ergebnisse neuer Kontrollen, die das Ausmaß erfassen lassen. Stangensellerie enthielt bspw. 69 verschiedene Pestizide. Die gesundheitlichen Auswirkungen eines solchen Pestizid-Cocktails kann niemand voraussagen – außer, dass solche Nahrung nicht gesund ist. Erkrankungen wie das Hyperaktivitäts-und Aufmerksamkeits-Syndrom stehen bei Kindern gemäß wissenschaftlicher Untersuchungen mit erhöhten Pestizidbelastung in Zusam-menhang.

Für nur 24 Cent Mehrausgabe Bio auf dem Tisch

Anregungen von Eltern, in Schulen, Kindergärten und Kindertagesstätten nur biologisches Essen an die Kinder und Jugendlichen auszuteilen, wurden in der Vergangenheit meist mit dem Argument „Bio-Nahrung ist zu teuer“ lapidar abgeschmettert.

AID berichtete, dass viele Initiativen in den letzten Jahren jedoch das Gegenteil bewiesen haben und einen immer höheren Anteil an Bio-Komponenten in die tägliche Mahlzeit eingebaut wird. Dass sogar die ganze so genannte Außer-Haus-Verpflegung auf Bio-Lebensmittel umgestellt werden kann, scheint wohl vordergründig eine Frage des Engagements. So hat zum Beispiel die Münchner Initiative “Bio für Kinder” gerade ein vierjähriges Projekt äußerst positiv bilanziert.

Mittels einer Anschubfinanzierung von Patenunternehmen ist es gelungen, insgesamt 28 Einrichtungen komplett auf Bio umzustellen. Dabei spielte das Verpflegungssystem keine Rolle. Von selbst kochenden Eltern über eigene Küchenteams bis zu externen Caterern war alles vertreten.

Die Kostensteigerungen hielten sich in sehr überschaubaren Grenzen: Die Hauptmahlzeit kostete pro Kind durchschnittlich nur 24 Cent mehr im Vergleich zur konventionellen Verpflegung. Wichtig ist dabei, dass sich die Einrichtungen mittlerweile selber tragen und nicht mehr abhängig von Sponsoren sind. Das Geheimnis der geringen Mehrkosten lag laut der Initiatoren in der Verbesserung des Küchenmanagements: Systematisches Einkaufen, weniger Fleisch, die Erstellung langfristiger Speisepläne, saisonales Kochen oder das Zurückgreifen auf Bio-Produkte aus der Region spielten eine entscheidende Rolle.

Gründe, warum man Bio-Lebensmittel in der Küche einsetzen sollte:

  • Der Kauf von Bio-Lebensmitteln unterstützt die nachhaltige Landbewirtschaftung und schützt Natur und Umwelt.
  • Bio-Produkte enthalten weniger Nitrat und Rückstände von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln (Pestizide, Herbizide, Fungizide) als konventionelle Waren.
  • Obst und Gemüse aus Bio-Anbau haben im Vergleich zu konventionellen Erzeugnissen eine höhere Nährstoffdichte und einen höheren Gehalt an sekundären Pflanzenstoffen.
  • Tiere werden artgerecht gefüttert und gehalten – ohne Wachstums- und Leistungsförderer.
  • Bio-Lebensmittel werden schonend verarbeitet, nur wenige Zusatzstoffe sind erlaubt.
  • Einkauf regionaler und saisonaler Produkte stärkt die regionalen Anbieter und erspart lange Transportwege.

Außerdem lässt sich an Bio-Lebensmitteln wunderbar die Wertschöpfungskette erklären, egal ob man Kindergartenkinder oder Schulkinder vor sich hat.

Gibt es Argumente die gegen Bio-Essen an Schulen sprechen? NEIN

Gegen Bio spricht nichts und rund fünf Euro im Monat an Mehrkosten für biologische Mahlzeiten in Bildungseinrichtungen sind eine für jeden machbare Investition, die letztendlich durch bessere Leistungsfähigkeit und Gesundheit der Kinder aufgewogen wird.

Gesundes Essen kann Spaß machen – Spitzenköche zeigen wie es geht

Einigen Spitzenköchen ist die Gesundheit von Kindern ein großes Bedürfnis. Jamie Oliver kochte immer wieder einmal in Schulen und lieferte leckere Rezepte, die Kindern wirklich schmecken.

In Dortmund kochte der deutsche Spitzenkoch Markus Haxter mit Kindern einer Grundschule. Elf weitere Bio-Kochveranstaltungen mit Schülern in verschiedenen deutschen Städten hat der Eventkoch für dieses Jahr eingeplant. Er ist nicht der einzige deutsche Koch, der sich engagiert, auf der Webseite ÖKOLANDBAU beispielsweise lassen sich weitere Projekte einsehen, bei denen Kinder sichtlich viel Spaß beim Kochen von Bio-Food hatten und geschmeckt hat es ihnen auch. Eltern sollten Mut zeigen und in der Schule ihres Kindes den Vorschlag vorbringen, dass die Verpflegung auf Bio umgestellt wird. Vielleicht erwachsen sogar weitere ökologische Projekte daraus, oder die örtlichen Gegebenheiten ermöglichen es, einen eigenen Bio-Schulgarten anzulegen, der den Kindern die Natur nahebringt.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 10. Juni 2010

Literatur:

Aid, 100 Prozent Bio für Kinder, 9. Juni 2010

University of Berkeley Berkley, Sarah Yang, Release: Children susceptible to pesticides longer than expected, study finds, 22 June 2009

Weitere Informationen finden Sie auf www.bio-fuer-kinder.de

SLIT – “MILCH-TROPFEN“ unter die Zunge, möglicherweise eine Therapie für Milchallergiker

Milch

Kleine Mengen von Milcheiweiß unter die Zunge von Kindern geträufelt, die allergisch auf Milch reagieren, könnte ihnen bei der Überwindung ihrer Allergien helfen. Zu dieser Erkenntnis kamen Wissenschaftler des Johns Hopkins Children’s Center und der Duke University durch eine kleine Studie.

Die Ergebnisse wurden am Sonntag, den 28. Februar, auf der Jahrestagung der American Academy of Allergy, Asthma & Immunology vorgestellt.

Der Behandlungsansatz, als SLIT (sublinguale Immuntherapie) bekannt, schließt ein, dass den Kindern kleine, aber zunehmend höhere Dosen der Lebensmittel verabreicht werden, auf die sie allergisch sind, bis ihr Immunsystem “lernt”, das Essen zu tolerieren, ohne dass eine allergische Reaktion ausgelöst wird oder nur noch ganz leichte Symptome eintreten. Frühere Forschungen des Hopkins Children’s Center zeigten, dass ein ähnlicher Behandlungsansatz, als orale Immuntherapie bekannt, in der Lage ist, Kinder mit Allergien auf Milch erfolgreich zu behandeln. Im Gegensatz zu SLIT beinhaltet die orale Immuntherapie jedoch das Essen von Milcheiweiß und nicht nur, dass es lediglich unter die Zunge gegeben wird.

Die aktuelle Studie deutet an, dass beide Ansätze bei der Behandlung von Kuhmilchallergien bei den meisten Patienten wirksam sein könnten, so die Autoren der Studie, jedoch scheint es so, dass die orale Immuntherapie etwas effektiver ist als SLIT. Die Wissenschaftler sprechen bislang Vorbehalt aus, indem sie mitteilen, dass die Ergebnisse vorläufiger Natur sind und dass die beiden Behandlungsansätze erst in größeren Patientengruppen miteinander verglichen werden müssen, bevor eine gleiche Wirksamkeit bestätigt werden könne.

Während beide Behandlungsansätze so funktionieren, dass man den Patient mit immer höheren Dosen des allergieauslösenden Lebensmittels konfrontiert, ist es bei SLIT mit niedrigerer Dosis getan – und damit mit einem niedrigeren Risiko für Patienten mit schweren allergischen Reaktionen. Die Wissenschaftler warnen, dass beide Therapien zu heftigen allergischen Reaktionen bei einigen Patienten führen können, daher sollten sie immer nur unter Aufsicht eines Arztes erfolgen.

“Wir freuen uns sehr, zu sehen, dass beide Behandlungsansätze signifikante Verbesserung bei Kindern mit Allergien auf Milch erreichen können, aber wir sehen bislang eine leicht bessere Verträglichkeit bei Kindern auf die orale Immuntherapie”, sagt der Forschungsleiter Robert Wood, MD, Leiter der Abt. für Allergie und Immunologie am Hopkins Children’s Center. “Dennoch entsteht durch SLIT eine neue, wenn auch etwas weniger starke Waffe in unserem Arsenal.”

In der Studie wurde allen teilnehmenden 30 Kindern im Alter von 6 bis 17 Jahren Milch unter der Zunge geträufelt (SLIT). Sie wurden für einen Zeitraum von mehreren Wochen behandelt, bis sie Toleranz aufbauten. Sobald eine minimale Toleranz erreicht wurde, wurden die Kinder in zwei Gruppen eingeteilt. Zehn der Kinder setzten ihre SLIT Behandlung fort, während die anderen 20 Kinder Milchpulver um Essen bekamen (OIT). Nach drei Monaten Behandlung mit immer höherer Dosis von Milcheiweiß, wurden alle Kinder einem Lebensmittel-Provokationstest unterzogen, bei dem sie Milch unter ärztlicher Aufsicht tranken.

Alle Kinder aus der Gruppe, die Milchpulver zu Essen bekommen hatten, konnten, im Vergleich zu ihrem Ausgangswert beim Milch-Provokationstest vor der Behandlung, im Durchschnitt sieben Mal mehr Milch trinken, ohne eine allergische Reaktion zu zeigen oder sie hatten nur schwache Symptome auf das Getränk. Neun der 10 Kinder, die mit Milchtropfen unter die Zunge behandelt wurden, waren ebenfalls in der Lage, die Milch ohne großartige Beschwerden zu trinken.

Kinder in beiden Gruppen hatten während der Behandlung gleichermaßen häufig allergische Symptome. In der Gruppe von Kindern, die Milchpulver zu Essen bekommen hatten, verursachten 33 Prozent der 3619 verabreichten Milch-Einzeldosen Symptome, im Vergleich zu 35 Prozent der 3773 Milch-Einzeldosen in der Patientengruppe, die Milchtropfen unter die Zunge erhalten hatte. Die meisten Symptome waren nur leicht, am Häufigsten führten sie zu Juckreiz im Mund- und Rachenraum. Bauch- und respiratorische Symptome traten nur sehr selten auf, laut dem Bericht der Wissenschaftler.

Übersetzung: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 1. März 2010

Literatur: Johns Hopkins Medical Institutions, “MILK DROPS” UNDER THE TONGUE APPEAR TO TREAT MILK ALLERGIES, 28. Februar 2010

Nahrungsmittel-Allergie bei Kindern – Allergisch gegen Weihnachten

Allergiekind

In der Weihnachtszeit haben es Kinder mit einer Allergie auf Nahrungsmittel besonders schwer, denn viele weihnachtliche Leckereien enthalten bedeutende Allergene. Für die meisten betroffenen Kinder sind dies Milch und Eier: 70 Prozent der Kinder mit einer Nahrungsmittel-Allergie reagieren allergisch auf Kuhmilch und 40 Prozent auf Hühnereier.1,2 Weitere wichtige Allergene im Kindesalter sind Erdnüsse, Haselnüsse und andere Nusssorten. Für Kinder mit einer Allergie gegen Milch oder Eier sind viele Backwaren und Süßspeisen tabu. Nussallergiker müssen auf nusshaltiges Gebäck, Nougat und Krokant verzichten.

„Wenn ein Kind nach dem Essen bestimmter Nahrungsmittel über Jucken oder Brennen im Mund oder ein Kloßgefühl im Hals klagt oder ein Nesselausschlag, Schwellungen oder Atembeschwerden auftreten, sollte ein allergologisch ausgebildeter Kinder- und Jugendarzt die Auslöser feststellen“, sagt Professor Dr. Albrecht Bufe, Vorsitzender der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie (GPA) und Kinder- und Jugendarzt an der Universitätsklinik in Bochum. Bufe warnt davor, sich bei einer Nahrungsmittel-Allergie auf die Ergebnisse von IgG-Labortests zu verlassen, die im Internet oder in Werbeanzeigen angeboten werden: „Die Tests auf IgG- oder IgG4-Antikörper sind völlig ungeeignet, um eine allergische Reaktion auf bestimmte Nahrungsmittel zu erkennen. Sie spiegeln nur eine normale Immunreaktion wider, die keinen Krankheitswert hat.“ Die deutschsprachigen und europäischen Allergie-Gesellschaften lehnen die Bestimmung von IgG-Antikörpern gegen Nahrungsmittel einstimmig ab.3 Leider lassen sich aufgrund der sinnlosen Testergebnisse immer wieder Patienten auf unnötig einschränkende Diätempfehlungen ein.

Laut Professor Dr. Bodo Niggemann, dem Sprecher der Arbeitsgruppe Nahrungsmittel-Allergien der GPA, sind auch andere unkonventionelle Methoden wie Bioresonanz oder Kinesiologie nicht geeignet, um eine Allergie auf Nahrungsmittel festzustellen. Eine seriöse Diagnostik von Nahrungsmittel-Allergien bei Kindern erfolgt durch ein ärztliches Gespräch, bei dem die individuelle Krankengeschichte des kleinen Patienten erfragt wird (Anamnese). Zusätzliche Informationen gewinnt der Allergologe durch den Nachweis spezifischer IgE-Antikörper, durch Haut-Prick-Tests oder – als sicherste Methode – eine orale Nahrungsmittelprovokation, bei der die Patienten unter kontrollierten Bedingungen verdächtige Nahrungsmittel erhalten.

„Die Allergie auslösenden Nahrungsmittel müssen strikt gemieden werden. Bei einer solchen Eliminationsdiät ist die Beratung durch eine allergologisch erfahrene Ernährungsfachkraft sehr wichtig, weil für einen Ersatz der fehlenden Nährstoffe gesorgt werden muss“, erläutert Niggemann. Zudem sei nach 12 bis 24 Monaten eine Überprüfung der Ernährungsempfehlungen notwendig, da vor allem kleine Kinder die Allergie auslösenden Nahrungsmittel nach einigen Jahren oftmals wieder vertrügen.4

In Deutschland leiden etwa vier Prozent der Kinder an einer Nahrungsmittel-Allergie. Kinder mit Neurodermitis sind allerdings wesentlich häufiger betroffen: Bis zu 30 Prozent der kleinen Neurodermitiker vertragen bestimmte Nahrungsmittel nicht. Ältere Kinder mit einer Pollenallergie haben ebenfalls häufiger Probleme mit bestimmten Nahrungsmitteln, sie leiden an einer so genannten Kreuzallergie. Denn viele pflanzliche Nahrungsmittel enthalten Proteine, die das Immunsystem nicht von denen aus Pollen unterscheiden kann. Eine Kreuzallergie kann bei Kindern mit einer Baumpollenallergie durch den Verzehr von Äpfeln, Mandeln, Hasel- oder Walnüssen und Nougat auftreten. Bei einer Allergie gegen Gräserpollen kann es zu Kreuzreaktionen mit Getreideprodukten oder Erdnüssen kommen.

Die Eltern allergiekranker Kinder müssen sehr genau darauf achten, was die Kleinen naschen. Das ist nicht immer leicht, obwohl inzwischen viele Allergene auf Lebensmittel-Verpackungen deklariert sind. Da die Rezepturen der Hersteller sich ändern können, müssen die Zutatenlisten auf den Verpackungen immer wieder sorgfältig gelesen werden. Für Kinder mit einer Nahrungsmittel-Allergie sollten rechtzeitig vor dem Fest allergenfreie Leckereien besorgt werden. Eine gute Alternative für Kinder mit einer Allergie gegen Erdnüsse oder Baumnüsse sind beispielsweise selbst gebackene Plätzchen ohne diese Zutaten.

Eine Nussallergie kann langfristig bestehen bleiben. Dagegen besteht bei Kindern mit einer Allergie gegen Milch oder Eier eine sehr gute Chance, dass diese Lebensmittel nach einiger Zeit wieder vertragen werden. „Nahrungsmittel-Allergien bei Kindern bessern sich oft oder verschwinden sogar über die Jahre. Daher ist es sinnvoll, die Allergie in regelmäßigen Abständen zu überprüfen. Hierzu sind am besten orale Provokationstests geeignet“, rät Niggemann.

Autor:

Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie, Nahrungsmittel-Allergie bei Kindern,  Hamburg, 30. November 2009.

Literatur:

  1. Weißbuch Allergie in Deutschland, 2. Auflage. DGAKI, ÄDA, DAAU (Ring J, Fuchs T, Schultze-Werninghaus G, Hrsg.), Urban und Vogel, München 2004. ISBN 3-89935-182-7 
  2. Lange L, Pädiatrische Allergologie, Sonderheft Nahrungsmittelallergie 2009;12:7-9. 
  3. Kleine-Tebbe, Jörg et al. Keine Empfehlung für IgG und IgG4-Bestimmungen gegen Nahrungsmittel. Leitlinie der deutschsprachigen Allergiegesellschaften (DGAKI, ÄDA, GPA, ÖGAI und SGAI). Allergo Journal 2009;18(4):267-73. 
  4. Niggemann B, Pädiatrische Allergologie, Sonderheft Nahrungsmittelallergie 2009;12:5-7.

Glutenfreie Ernährung reduziert Knochenprobleme bei Kindern mit Zöliakie

Gesunde, glutenfreie Ernährung ist bei Kindern mit Zööliakie wchtig

Zöliakie ist eine angeborene Darmstörung, die durch eine lebenslange Intoleranz gegenüber der Nahrungsaufnahme von Gluten charakterisiert wird. Gluten ist ein Protein, das in Weizen, Roggen und Gerste gefunden wird. Zölliakie kann in jedem Alter eintreten, aber meist tritt die Intoleranz während der frühen Kindheit auf (zwischen dem 9. und 24. Lebensmonat). Häufig wird bei Personen, die unter Zölikakie leiden, eine verminderte Knochendichte festgestellt. Ein aktuell erschienener Artikel in der medizinischen Fachzeitschrift Nutrition Reviews überprüfte die existierende Literatur über das Thema und deckte auf, dass eine glutenfreie Ernährung die Genesung bei Kindern stark beeinflussen kann.

Zöliakie kann Knochendichte reduzieren

Metabolisch bedingte Knochenerkrankungen gehören zu den signifikanten und häufig auftretenden Komplikationen bei Zöliakie. Verminderte mineralische Knochendichte kann bei Kindern dazu führen, dass sie nicht in der Lage sind, eine optimale Knochenmasse zu entwickeln, und im Erwachsenenalter zu Knochenschwund. Beides steigert das Risiko, Osteoporose zu entwickeln. Außerdem besteht für Menschen mit Zöliakie ein zusätzliches Risiko für Knochenbrüche.

Glutenfreie Ernährung kann zu Genesung führen

Jedoch besteht Evidenz, dass eine glutenfreie Ernährung einen Anstieg der mineralischen Knochendichte rasch fördert. Dies kann zu einer vollständigen Genesung der Knochenmineralisierung bei Kindern führen. Eine glutenfreie Ernährung verbessert die mineralische Knochendichte auch bei Erwachsenen, eine Normalisierung ist dann jedoch selten. Kinder können eine normale Knochenmasse erlangen, wenn die Diagnose und Behandlung vor der Pubertät erfolgten. Dadurch wird auch die Entwicklung einer Osteoporose im späteren Lebensalter verhindert. 

Außerdem scheinen Nährstoffkomplexe, die Calcium und Vitamin D enthalten, die mineralische Knochendichte bei Kindern und Erwachsenen, die unter Zöliakie leiden, zu verbessern.

Fazit:

“Unsere Ergebnisse stärken die Wichtigkeit einer strikten glutenfreien Diät, was derzeit die einzige wissenschaftlich erwiesene Behandlung zu sein scheint, die es bei Zöliakie gibt”, sagten die Studienautoren. “Frühe Diagnose und Therapie sind entscheidend, um Komplikationen durch Zöliakie, wie reduzierte Knochendichte, zu verhindern.”

Übersetzung: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 10. Oktober 2009

Literatur:  Wiley-Blackwell, Gluten-free diet reduces bone problems in children with celiac disease, October 8, 2009