Greenpeace Ratgeber “Essen ohne Pestizide”

Obst und Gemüse mit hohen Pestizid-Rückständen aus Ländern außerhalb der EU

Hamburg (ots) – Der am 26. März 2012 veröffentlichte Greenpeace-Ratgeber “Essen ohne Pestizide” hilft beim Einkauf von gering belastetem Obst und Gemüse. Die Broschüre im Taschenformat bewertet die Pestizid-Rückstände in 76 Obst- und Gemüsesorten mit einem einfachen Ampelsystem. Im Auftrag der Umweltorganisation haben Experten mehr als 22.000 Proben der deutschen Lebensmittelüberwachung aus den Jahren 2009 und 2010 neu bewertet. Hinzu kommen Daten aus Pestizid-Tests von Greenpeace. Das Ergebnis: In rund 80 Prozent des konventionell erzeugten Obstes und in über 55 Prozent der Gemüseproben waren Pestizide enthalten. “Wer Pestizide im Essen vermeiden will, sollte Bio-Ware wählen oder auf das Herkunftsland von Obst und Gemüse achten”, sagt Manfred Santen, Chemieexperte von Greenpeace. Lebensmittel deutscher Herkunft schnitten häufig gut ab. Produkte aus der Europäischen Union waren weniger belastet als vergleichbare Ware aus der Türkei und Übersee.

Tafeltrauben, Paprika, Birnen, Zucchini und Grapefruit aus der Türkei überschritten die in der EU gültigen Pestizid-Höchstgehalte besonders häufig. Problematisch waren zudem “Exoten” wie Okra und Chilischoten aus Indien und Thailand. Ein Sorgenkind bleibt der Kopfsalat: In Proben aus Belgien, Holland und Italien fanden sich hohe Giftgehalte. Pestizide können den Hormonhaushalt und das Immunsystem beeinträchtigen, Krebs auslösen oder das Nervensystem schädigen. Knapp ein Drittel der geprüften Ware bewertete Greenpeace aus Vorsorgegründen mit “rot” als “nicht empfehlenswert”.

Chemie-Cocktails in Tafeltrauben & Co.

Insgesamt wurden in den 22.481 Proben 351 Wirkstoffe nachgewiesen. Viele Obst- und Gemüsesorten kamen mit einem ganzen Cocktail verschiedener Chemikalien ins Labor. Spitzenreiter war eine Probe türkischer Tafeltrauben mit 24 Pestiziden. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass sich die Wirkungen mehrerer Chemikalien verstärken können – auch schon in geringen Konzentrationen. Dennoch werden Pestizide in der EU bisher nur einzeln bewertet. Grenzwerte für Pestizid-Cocktails in Lebensmitteln gibt es nicht.

“Im Obst- und Gemüseanbau kann legal ein weites Spektrum an Pestiziden versprüht werden”, sagt Santen. “Greenpeace fordert Landwirtschaftministerin Ilse Aigner auf, Verbraucher und Umwelt besser vor Pestizid-Cocktails zu schützen.”

Mit einem im Jahr 2012 aktualisierten Bewertungssystem untersucht Greenpeace Lebensmittel strikt nach dem Gesundheitsvorsorgeprinzip. Die gesetzlichen Pestizid-Grenzwerte reichen nicht aus, um besonders schutzbedürftige Bevölkerungsgruppen wie Kleinkinder, Schwangere und Kranke ausreichend vor Agrargiften zu schützen.

Die für den aktuellen Greenpeace-Ratgeber bewerteten Proben stammen aus den großen Supermärkten und Discountern, dem Einzel- und Großhandel, sowie lokalen Supermärkten und Bioläden.

Kostenloser Greenpeace Ratgeber: 

Den 23-seitigen Ratgeber “Essen ohne Pestizide” erhalten Verbraucher kostenlos unter Tel. 040-30618-120

Download: Broschüre “Essen ohne Pestizide”

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Ameisengift im Bioladen?

Pestizide – oft unterschätzt

Es ist schon lästig, wenn Ameisen von draußen plötzlich durch die halbe Küche laufen, am Küchenschrank hochklettern und sich etwas Süßes suchen. Eine solche Ameisenstraße und Ungeziefer im Allgemeinen lösen schnell Panik aus und den Griff zum Gift. Steht keine verstaubte Dose Schädlingsbekämpfungsmittel im Haushaltsschrank oder in der Garage, wird schnell ein Pestizid aus dem Supermarkt oder Baumarkt besorgt. Neuerdings ist Ameisengift sogar in einigen Bioläden erhältlich.

Viele Konsumenten sind zwar bewusster im Umgang mit Pestiziden geworden, doch wie sieht es aus, wenn die Ameisen die Küche durchwandern? Wird in diesem Moment wirklich genau recherchiert, ob das Gift aus der Dose nicht nur die Ameisen killt, sondern möglicherweise auch die eigene Gesundheit? Verharmlosende Beschreibungen und Versprechungen auf der Pestizid-Dose können zu Unterschätzung des Gefahrenpotentials für Mensch und Haustier führen.

Ameisengift, überall frei erhältlich

Im Baumarkt an der Kasse scheint der Sommer eingezogen zu sein. Schädlingsbekämpfungsmittel jeglicher Art zum Töten von Mücken, Ameisen, Wespen, Schnecken und alles was sonst noch unliebsam ist, sind dort in Regalen groß aufgebaut.

Im Supermarkt ist es ähnlich, auch dort ist zur Sommerzeit oft ein großes Regal mit diversen Schädlingsbekämpfungsmitteln vorzufinden. Wer sich mit Pestiziden etwas auskennt, dürfte zusammenschrecken, denn was in den Regalen steht, sind meist Nervengifte. Zu den Inhaltsstoffen gehören u.a. Pyrethroide und Organophosphate, beide Pestizidklassen gelten als sehr gesundheitsschädlich. Für bestimmte Risikogruppen, u.a. Schwangere, Allergiker und Chemikaliensensible besteht erhöhte Gefahr, weshalb deutsche Behörden vor dem Einsatz von Pyrethroiden und Pyrethrum in deren Nähe warnen.

Verbrauchertäuschung durch die Begriff „natürlich“ und „Bio“

Auf manchen der Giftdosen mit dem Inhaltsstoff Pyrethrum, steht gut lesbar „natürliches Bekämpfungsmittel“, „Bio“ oder „aus der Chrysantheme gewonnen“. Keineswegs bedeuten solche Beschreibungen, dass man es mit einem völlig ungefährlichen „Bio-Gift“ zu tun hat. Pyrethrum ist zwar ein aus der Chrysantheme gewonnenes Kontaktinsektizid, doch es ist schon von alters her für seine zuverlässige toxische Wirkung bekannt. Ungefährliche Pestizide mit natürlichen Lockstoffen sind eher selten zu finden.

Neurotoxisches Ameisengift im Bioladen?

Szenenwechsel: „Was haben wir denn da?“, dachte ich, als mein Blick im Bioladen auf dem Weg zum Kühlregal auf ein Sortiment von Schädlingsbekämpfungsmitteln fiel. Kleine handliche Flaschen mit nett aufgemachtem, in Pastellfarben gehaltenem Design. „Na, vielleicht etwas völlig ungiftiges, was man Nachbarn empfehlen kann, wenn sie Probleme mit Ungeziefer haben“, war der zweite Gedanke. Ein Blick auf die Liste der Inhaltsstoffe auf der Pumpsprühdose mit dem Ameisengift und die Angelegenheit war erledigt. „Natur-Pyrethrum“ stand dort, ein toxisches Nervengift, und das im Bioladen.

Wer Ameisengift kauft, der weiß das! Wirklich?

Die Besitzerin des Bioladens stand unweit, und es war eine gute Gelegenheit, sie auf das Schädlingsbekämpfungsmittel-Sortiment anzusprechen. Auf die sachliche Erläuterung, wie gefährlich für die Gesundheit Pyrethrum sein kann, insbesondere für Kinder, Kranke, Allergiker, Asthmatiker und Haustiere, gab die Bioladen-Besitzerin die Antwort: „Wer Ameisengift kauft, der weiß das“.

Werden Schädlingsbekämpfungsmittel von jedem richtig eingeschätzt?

Genau diese Aussage war letztendlich eine Bestätigung, dass selbst diejenigen, die sich mit Schädlingsbekämpfungsmitteln etwas auskennen sollten, deren Gefährlichkeit völlig unterschätzen.

Auch Natur-Pyrethrum birgt erhebliche Gesundheitsgefahren für Menschen und Haustiere. Katzen können daran sterben. Aus der Toxikologie und Medizin ist bekannt, dass Pyrethrum gesundheitsschädlich ist und Allergien und Asthma auslösen kann. Man verzichtet sicherheitshalber also besser auch auf dieses natürliche Pestizid und versucht es stattdessen mit ungefährlichen Hausmitteln.

Bioläden sollten keine Schädlingsbekämpfungsmittel mit Pyrethrum anbieten. Das Vertrauen der Verbraucher in ihre Bioläden wird durch solche gesundheits- gefährdenden Produkte im Sortiment in Mitleidenschaft gezogen. Die bessere Variante gibt eine amerikanische Bio-Supermarktkette vor, sie verteilt kostenlos kleine Broschüren mit Tipps für giftfreie Schädlingsbekämpfung. Gift und Bioladen, das passt nämlich nicht zusammen.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 20.06.2011

Giftfreier Tipp gegen Ameisen im Haus und Garten:

Eine Tüte Chilisamen im Supermarkt besorgen und mehrere Esslöffel davon in eine Glas mit Öl geben, einige Stunden ziehen lassen und dann an der Tür nach außen entlang träufeln. Diese wirkungsvolle Barriere ist völlig giftfrei und man kann zuschauen, wie die Ameisen eine Kehrtwendung machen.

Tipp für Eür Eilige: Chilisamen mit Öl auf dem Herd erwärmen, damit der für die Schärfe verantwortliche Wirkstoff Capsaicin schneller ins Öl übergeht. Man kann die Chilisamen auch ausstreuen, das hat jedoch den Nachteil, dass sie sich durch Luftzug verteilen.

Bienen, Wespen auf natürliche Weise fernhalten auf Terrasse und Balkon

Wespe

Die warme Jahreszeit ist wunderbar dazu geeignet, einen Teil des Lebens nach draußen zu verlagern. Die Terrasse, der Garten und der Balkon ersetzen oft schon zum Frühstück das Wohn- und Esszimmer. Ein unvergleichbarer Morgenbeginn, wenn man die ersten Sonnenstrahlen genießend das Frühstück draußen in der Natur einnehmen kann. Leider sind auch schnell Plagegeister präsent, denn Wespen und Bienen riechen schon von Ferne die leckeren Sachen auf dem Terrassentisch. Das kann auch gefährlich sein, wenn sie unbemerkt in ein Glas fliegen oder sich unter ein Nahrungsmittel setzen, das man in den Mund schiebt.

Tipps und Hausmittel gegen Wespen und Bienen auf Terrasse und Balkon

  • Keine offenen Marmeladengläser oder Süßes auf dem Tisch stehen lassen
  • Mückenschutzhauben für Wurstteller verwenden
  • Gläser und Tassen abdecken
  • Flaschen immer gleich zuschrauben oder einen Verschluss aufsetzen
  • Wespenfallen aus Glas oder Ton mit Lockstoff (Zuckerwasser, Bier, etc.) etwas entfernt aufhängen
  • Pflanzen mit Repellentwirkung anpflanzen, bzw. in Töpfen aufstellen, z.B. Lavendel, Thymian, Majoran
  • Eine Orange oder Zitrone mit Nelken gespickt auf dem Tisch legen
  • Einen Ventilator verwenden (Zugluft behagt den Insekten nicht)
  • Gegen Abend blaues Köder-Licht aufstellen
  • Sollte es ganz schlimm sein, einen Sommerbaldachin aus Netzgewebe aufhängen und darunter den Tisch stellen. Kann gleichzeitig sehr dekorativ wirken

Verzichten sollte man auf jede Art von chemischen Schädlingsbekämpfungsmitteln (Sprays, Stecker mit Pestizidplättchen, pestizidhaltige Kerzen oder Räucherspiralen, Aufkleber mit integriertem Pestizid, etc.). Sie enthalten in der Regel Nervengifte, die lange wirksam und sehr gesundheitsschädlich sind. Bienen und Wespen sind ausserdem nützliche Tiere und müssen nicht chemisch bekämpft werden, ein Vertreiben und im Ernstfall natürliche Schädlingsbekämpfungsmittel reichen völlig aus.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 12. Juni 2010

Bio-Essen in Schulen kostet nur 24 Cent mehr

Junge-Chinakohl

100 Prozent Bio-Essen für Kinder in Schulen und Kindergärten

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse der letzten Jahre lassen keinen Zweifel daran, dass Kinder soweit als möglich biologische Nahrung erhalten sollten. Konventionelle Nahrung, vor allem Obst und Gemüse, sind mit Pestiziden und anderen Agrar-Chemikalien belastet. Auch wenn davon gesprochen wird, dass Höchstwerte für bestimmte Pestizide seltener überschritten werden, bedeutet dies keine Entwarnung für die Verbraucher. Der Trick der Agrarindustrie ist einfach zu durchschauen, man verwendet ganz einfach verschiedene Pestizide im Wechsel und kann somit die Werte für das einzelne Pestizid drücken. Zudem wurden erst kürzlich die Grenzwerte für eine ganze Reihe hochgiftiger Pestizide EU-weit hochgesetzt. Das Pestizid-Aktions- Netzwerk veröffentlichte Ergebnisse neuer Kontrollen, die das Ausmaß erfassen lassen. Stangensellerie enthielt bspw. 69 verschiedene Pestizide. Die gesundheitlichen Auswirkungen eines solchen Pestizid-Cocktails kann niemand voraussagen – außer, dass solche Nahrung nicht gesund ist. Erkrankungen wie das Hyperaktivitäts-und Aufmerksamkeits-Syndrom stehen bei Kindern gemäß wissenschaftlicher Untersuchungen mit erhöhten Pestizidbelastung in Zusam-menhang.

Für nur 24 Cent Mehrausgabe Bio auf dem Tisch

Anregungen von Eltern, in Schulen, Kindergärten und Kindertagesstätten nur biologisches Essen an die Kinder und Jugendlichen auszuteilen, wurden in der Vergangenheit meist mit dem Argument „Bio-Nahrung ist zu teuer“ lapidar abgeschmettert.

AID berichtete, dass viele Initiativen in den letzten Jahren jedoch das Gegenteil bewiesen haben und einen immer höheren Anteil an Bio-Komponenten in die tägliche Mahlzeit eingebaut wird. Dass sogar die ganze so genannte Außer-Haus-Verpflegung auf Bio-Lebensmittel umgestellt werden kann, scheint wohl vordergründig eine Frage des Engagements. So hat zum Beispiel die Münchner Initiative “Bio für Kinder” gerade ein vierjähriges Projekt äußerst positiv bilanziert.

Mittels einer Anschubfinanzierung von Patenunternehmen ist es gelungen, insgesamt 28 Einrichtungen komplett auf Bio umzustellen. Dabei spielte das Verpflegungssystem keine Rolle. Von selbst kochenden Eltern über eigene Küchenteams bis zu externen Caterern war alles vertreten.

Die Kostensteigerungen hielten sich in sehr überschaubaren Grenzen: Die Hauptmahlzeit kostete pro Kind durchschnittlich nur 24 Cent mehr im Vergleich zur konventionellen Verpflegung. Wichtig ist dabei, dass sich die Einrichtungen mittlerweile selber tragen und nicht mehr abhängig von Sponsoren sind. Das Geheimnis der geringen Mehrkosten lag laut der Initiatoren in der Verbesserung des Küchenmanagements: Systematisches Einkaufen, weniger Fleisch, die Erstellung langfristiger Speisepläne, saisonales Kochen oder das Zurückgreifen auf Bio-Produkte aus der Region spielten eine entscheidende Rolle.

Gründe, warum man Bio-Lebensmittel in der Küche einsetzen sollte:

  • Der Kauf von Bio-Lebensmitteln unterstützt die nachhaltige Landbewirtschaftung und schützt Natur und Umwelt.
  • Bio-Produkte enthalten weniger Nitrat und Rückstände von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln (Pestizide, Herbizide, Fungizide) als konventionelle Waren.
  • Obst und Gemüse aus Bio-Anbau haben im Vergleich zu konventionellen Erzeugnissen eine höhere Nährstoffdichte und einen höheren Gehalt an sekundären Pflanzenstoffen.
  • Tiere werden artgerecht gefüttert und gehalten – ohne Wachstums- und Leistungsförderer.
  • Bio-Lebensmittel werden schonend verarbeitet, nur wenige Zusatzstoffe sind erlaubt.
  • Einkauf regionaler und saisonaler Produkte stärkt die regionalen Anbieter und erspart lange Transportwege.

Außerdem lässt sich an Bio-Lebensmitteln wunderbar die Wertschöpfungskette erklären, egal ob man Kindergartenkinder oder Schulkinder vor sich hat.

Gibt es Argumente die gegen Bio-Essen an Schulen sprechen? NEIN

Gegen Bio spricht nichts und rund fünf Euro im Monat an Mehrkosten für biologische Mahlzeiten in Bildungseinrichtungen sind eine für jeden machbare Investition, die letztendlich durch bessere Leistungsfähigkeit und Gesundheit der Kinder aufgewogen wird.

Gesundes Essen kann Spaß machen – Spitzenköche zeigen wie es geht

Einigen Spitzenköchen ist die Gesundheit von Kindern ein großes Bedürfnis. Jamie Oliver kochte immer wieder einmal in Schulen und lieferte leckere Rezepte, die Kindern wirklich schmecken.

In Dortmund kochte der deutsche Spitzenkoch Markus Haxter mit Kindern einer Grundschule. Elf weitere Bio-Kochveranstaltungen mit Schülern in verschiedenen deutschen Städten hat der Eventkoch für dieses Jahr eingeplant. Er ist nicht der einzige deutsche Koch, der sich engagiert, auf der Webseite ÖKOLANDBAU beispielsweise lassen sich weitere Projekte einsehen, bei denen Kinder sichtlich viel Spaß beim Kochen von Bio-Food hatten und geschmeckt hat es ihnen auch. Eltern sollten Mut zeigen und in der Schule ihres Kindes den Vorschlag vorbringen, dass die Verpflegung auf Bio umgestellt wird. Vielleicht erwachsen sogar weitere ökologische Projekte daraus, oder die örtlichen Gegebenheiten ermöglichen es, einen eigenen Bio-Schulgarten anzulegen, der den Kindern die Natur nahebringt.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 10. Juni 2010

Literatur:

Aid, 100 Prozent Bio für Kinder, 9. Juni 2010

University of Berkeley Berkley, Sarah Yang, Release: Children susceptible to pesticides longer than expected, study finds, 22 June 2009

Weitere Informationen finden Sie auf www.bio-fuer-kinder.de

Ein Meilenstein in der Historie von MCS – Multiple Chemical Sensitivity

Heute ist für Chemikaliensensible ein besonderer Tag. Es erscheint die 3. Auflage eines der renommiertesten Toxikologiebücher. Auf über 50 Seiten legt Prof. Dr. Martin Pall dar, dass MCS eine durch toxische Chemikalien verursachte Erkrankung ist. Mehr noch, er widerlegt die bisher von einzelnen immer wieder künstlich gepushte These, Chemikalien-Sensitivität sei eine Krankheit, die dem Kopf der Erkrankten entspringe.

Wir haben für Euch die Pressemitteilung zu diesem wichtigen Buchkapitel übersetzt, es ist ein Meilenstein in der MCS Historie:

Multiple Chemical Sensitivity – eine Krankheit verursacht durch toxische Chemikalienexposition  

M-PallEine bedeutender Artikel über Multiple Chemical Sensitivity wurde am 23. Oktober 2009 von Professor Martin L. Pall als Kapitel XX in einem angesehenen Referenzwerk für Toxikologen, “General and Applied Toxicology, 3rd Edition” (John Wiley & Sons) veröffentlicht. Multiple Chemical Sensitivity (MCS) ist auch als Chemical Sensitivity, chemische Intoleranz und toxisch bedingter Toleranzverlust bekannt, wobei der letzte Begriff die Rolle von Chemikalien als Krankheitsauslöser unterstreicht. Pall’s Veröffentlichung mit dem Titel: Multiple Chemical Sensitivity: Toxikologische Fragen und Mechanismen, basiert auf fünf wichtigen Fakten über MCS:    

1. MCS ist eine erstaunlich häufige Krankheit, sogar häufiger als Diabetes. Das stellte sich durch eine Reihe von neun epidemiologischen Studien aus den Vereinigten Staaten und jeweils einer Studie aus Kanada, Deutschland, Schweden und Dänemark heraus. In den Vereinigten Staaten sind schätzungsweise 3,5% der Bevölkerung von schwerer MCS betroffen, eine weitaus höhere Anzahl, mindestens 12% der Bevölkerung, ist mäßig betroffen. MCS ist demnach eine sehr große international auftretende Krankheitsepidemie mit weitreichenden Auswirkungen in Hinsicht auf die öffentliche Gesundheit.  

2. MCS wird durch toxische Chemikalienexposition verursacht. MCS Krankheitsfälle werden durch Exposition gegenüber sieben verschiedenen Chemikalienklassen initiiert. Dazu gehören drei Klassen von Pestiziden und die sehr große Klasse organischer Lösungsmittel und verwandter Verbindungen. Ergänzend führen publizierte Studien Quecksilber, Schwefelwasserstoff und Kohlenmonoxyd als Initiatoren an. Von allen dieser sieben Chemikalienklassen wurde in Tierversuchen gezeigt, dass sie eine gemeinsame Reaktion im Körper hervorrufen, und zwar eine übermäßige Aktivität eines Rezeptors, der als NMDA Rezeptor bekannt ist. Weiterhin haben Tierversuche demonstriert, dass bei den Chemikalien, die einer dieser sieben Klassen angehören, die toxische Wirkung durch Medikamente, die die NMDA-Aktivität vermindern, stark reduziert wird. Weil übermäßige NMDA-Aktivität auch nach anderen Studien an MCS beteiligt ist, haben wir jetzt eine überzeugende, bei allen MCS-Fällen gemeinsame Reaktion, die erklärt, wie derartig verschiedene Chemikalien die Krankheit, die wir MCS nennen, hervorrufen können.  

3. Die Rolle von Chemikalien als Giften bei MCS wurde durch genetische Studien bestätigt. Vier solcher Studien haben gezeigt, dass Gene, die die Geschwindigkeit der Metabolisierung von an MCS beteiligten Chemikalien bestimmen, die Anfälligkeit, an MCS zu erkranken, beeinflussen. Diese vier Studien wurden durch drei Wissenschaftlerteams in drei Ländern, den USA, Kanada und Deutschland publiziert. Sie haben insgesamt sechs Gene ermittelt, die an der Festlegung der Suszeptibilität für MCS beteiligt sind. Jedes dieser sechs Gene hat eine Rolle bei der Festlegung der Metabolisierungsrate von Chemikalien, die mit MCS in Zusammenhang stehen. Die deutschen Studien von Schnakenberg und seinen Kollegen, die vier dieser sechs Gene einbezog, sind hierbei wegen des extrem hohen Grades an statistischer Signifikanz ihrer Studien besonders überzeugend. Es gibt nur eine Interpretation für die Rolle dieser Gene bei der Festlegung der Suszeptibilität für MCS. Und zwar, dass Chemikalien bei der Initiierung von MCS-Krankheitsfällen als Gifte agieren und dass die Verstoffwechselung dieser Chemikalien zu Formen, die dabei entweder weniger aktiv oder stärker aktiv sind als zu Beginn, deswegen die Wahrscheinlichkeit beeinflusst, ob eine Person an MCS erkranken wird. Es ist daher offensichtlich, dass MCS ein toxikologisches Phänomen ist, bei dem Krankheitsfälle durch eine toxische Reaktion gegenüber Chemikalienexposition verursacht wurden.  

4. Wir haben einen detaillierten und generell gut untermauerten Mechanismus für MCS. Dieser Mechanismus erklärt sowohl die hochgradige Chemikalien-Sensitivität, die das charakteristischste Symptom von MCS ist, als auch viele andere Symptome und Kennzeichen dieser Erkrankung. Dieser Mechanismus beruht auf einem biochemischen Teufelskreis, der auch als NO/ONOO-Zyklus bekannt ist, und mit anderen Mechanismen interagiert, die schon vorher als für MCS mitverantwortlich verdächtigt worden waren, insbesondere neuronale Sensibilisierung und neurogene Entzündung. Diese agieren lokal in den verschiedenen Geweben des Körpers, um eine lokale Sensibilität in Regionen des Gehirns und der peripheren Gewebe zu erzeugen, einschließlich der Lungen, des oberen Respirationstraktes, Regionen der Haut und des Verdauungstraktes. Auf Grund dieser lokalen Beschaffenheit, also weil die betroffenen Gewebe sich von einem Patienten zum anderen unterscheiden, unterscheiden sich verschiedene MCS Patienten von einander auch in ihren Sensibilitätssymptomen. Zusätzlich zu den oben diskutierten Belegen, wird dieser generelle Mechanismus durch verschiedene physiologische Veränderungen unterstützt, die bei MCS und verwandten Krankheiten gefunden werden, bei MCS-Tiermodellen, bei objektiv messbaren Reaktionen von MCS-Patienten gegenüber Chemikalien im Niedrigdosisbereich und bei therapeutischen Reaktionen, die bei MCS und verwandten Krankheiten gefunden werden.   

5. Seit über 20 Jahren haben einige fälschlicherweise behauptet, MCS sei eine psychogene Erkrankung, die nach deren Sicht durch schlecht definierte psychologische Mechanismen erzeugt wird. Diese Sicht ist jedoch vollständig inkompatibel mit den ganzen Beweisen, die zuvor in dieser Veröffentlichung diskutiert wurden.  Obwohl solche Unvereinbarkeit schon mehr als Grund genug ist, diese psychogenen Behauptungen zurückzuweisen, führt der MCS-Toxikologie Artikel acht weitere schwerwiegende Mängel in den psychogenen Argumentationen auf. Es gibt eine lange Historie falscher Psychogenitätsbehauptungen in der Medizin, während der über Krankheiten wie Asthma, Autismus, Parkinson, Magengeschwüre, Multiple Sklerose, Lupus, interstitielle Zystitis, Migräne und Colitis Ulcerosa behauptet wurde, sie würden durch psychologische Mechanismen erzeugt werden. Der Nobelpreis in Physiologie und Medizin im Jahr 2005 wurde Dr. Robin Warren und Barry Marshall verliehen, weil sie zeigten, dass Magengeschwüre durch eine bakterielle Infektion verursacht werden und nicht psychogenen Ursprungs sind. Es ist nunmehr klar, dass MCS eine physiologische, durch Chemikalienexposition hervorgerufene Erkrankung ist, von der fälschlicherweise behauptet wurde, sie sei psychogen.   

Martin L. Pall ist Professor Emeritus für Biochemistry und Allgemeinmedizinische Wissenschaft an der Washington State University  

Kontakt: martin_pall@wsu.edu  Webseite: www.thetenthparadigm.org    

Übersetzung: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, www.csn-deutschland.de/blog

Umweltverbände fordern radikale Änderung im Umgang mit Pestiziden

In ländlichen Regionen gehören Bauern mit Traktoren und riesigen Auslegern, die Pestizide und Herbizide versprühen, zum alltäglichen Landschaftsbild. In Weinregionen ist es ähnlich, auch dort werden hochgiftige Pestizide ausgebracht, häufig sogar mit Gebläsen vernebelt. Den Anwohnern solcher Gegenden geht es oft nicht gut. Wissenschaftliche Studien belegen zunehmend Zusammenhänge zwischen Pestiziden und typischen Krankheitsbildern in solchen Regionen, z.B. Parkinson und andere neurodegenerative Erkrankungen. Drei deutsche Umweltverbände haben heute die nachfolgende Pressemitteilung herausgegeben und mahnen zur rigiden Änderung der herrschenden Situation.

Pestizide haben Folgen für Gesundheit und Umwelt

 

Gemeinsame Presseinformation des Pestizid Aktions-Netzwerks (PAN), des Naturschutzbund Deutschland (NABU) und Greenpeace: 

 

Mehr Schutz vor Pestiziden – Der Countdown läuft  Umweltverbände fordern klare Zielvorgaben im neuen Pestizid-Aktionsplan 

 

Hamburg/Berlin, 22.06.2009. Klare und verbindliche Ziele zum Schutz von Natur und Umwelt sowie der Gesundheit von Verbrauchern und Anrainern fordern Umweltverbände im Vorfeld der morgen in Potsdam beginnenden Veranstaltung des Bundeslandwirtschaftsministeriums zur Risikoreduktion beim Pestizideinsatz.  

 

Das Pestizid Aktions-Netzwerk e.V. (PAN Germany), der Naturschutzbund Deutschland (NABU) und Greenpeace setzen sich in einer gemeinsamen Stellungnahme dafür ein, dass der Einsatz von Pestiziden innerhalb der nächsten fünf Jahre um dreißig Prozent reduziert wird.

 

Susan Haffmans von PAN: „Dabei ist wichtig, dass der Einsatz von Pestiziden mit besonders bedenklichen Wirkstoffen, z. B. solche, die krebserregend oder hormonell wirksam sind, innerhalb der nächsten 10 Jahre beendet wird. Sie müssen durch weniger problematische Wirkstoffe und durch nicht-chemische Alternativverfahren ersetzt werden.“  

 

Darüber hinaus fordern die Verbände eine deutliche Verringerung der Schäden des chemischen Pflanzenschutzes an Nichtziel-Organismen und schützenswerten Habitaten sowie ein Verbot der Anwendung aller chemisch-synthetischen Pestizide durch Laien. „48% unseres Grundwassers ist mit Pestiziden belastet, Amphibien werden durch Pestizide direkt geschädigt und ehemals häufige Vogelarten wie die Feldlerche finden in Ackerbauregionen nicht mehr genügend Nahrung. Wir brauchen dringend bessere Vorgaben zum Schutz der Biodiversität vor Pestiziden“, so Florian Schöne vom NABU. 

 

Zukünftig sollen in der EU die Risiken des Pestizideinsatzes und die Abhängigkeit von Pestiziden in der Landwirtschaft reduziert werden. So sieht es die neue EU-Gesetzgebung vor. Deutschland muss die Vorgaben aus Brüssel nun mit einem Nationalen Aktionsplan umsetzen. „Es kann nicht sein, dass VerbraucherInnen tagtäglich Lebensmittel zu sich nehmen, die besonders gefährliche Pestizide enthalten“, sagt Manfred Santen von Greenpeace.  

 

Eine weitere Forderung der drei Organisationen betrifft die Umstellung auf Anbauverfahren, die ohne chemisch-synthetische Pestizide auskommen. Der ökologische Landbau schafft das. Deshalb sollte es nach Ansicht der Umweltverbände einen jährlichen Zuwachs an ökologisch bewirtschafteten Flächen von 20% geben.  

 

Gemeinsame Presseinformation des Pestizid Aktions-Netzwerks (PAN), des Naturschutzbund Deutschland (NABU) und Greenpeace, 22. Juni 299 

Kirschen lecker, aber Vorsicht, in Kirschen stecken häufig gefährliche Pestizide

Kirschen aus dem Geschäft können Pestizide enthaltenKirschen lecker, aber Vorsicht… 

Am Wochenende war ich in der Pfalz und im Elsass. Überall standen Kirschbäume und waren schwer beladen mit roten Kirschen. Mir fiel auf, dass die wilden Kirschbäume und die Kirschbäume, die privat in Gärten standen, noch reicher behängt waren als die Bäume in Plantagen. Mancher dieser Bäume war so voller Kirschen, dass man nur noch rot und keine grünen Blätter mehr sah. Das waren Bäume um die sich niemand groß kümmerte und die keiner mit Pestiziden gespritzt hatte. Kaum Zuhause, landet die nachfolgende Pressemitteilung von Greenpeace auf meinem Schreibtisch über vergiftete Kirschen im Handel.

 

Nach einer neuen Greenpeace-Untersuchung weisen derzeit angebotene Kirschen aus Spanien und Frankreich häufig bedenklich hohe Pestizid-Rückstände auf. Erdbeeren aus Deutschland und Spanien sind dagegen kaum mit unerwünschten Agrarchemikalien belastet. Greenpeace-Mitarbeiter hatten Ende Mai bei den sechs führenden deutschen Supermarkt-Ketten bundesweit Kirschen und Erdbeeren eingekauft. Die 28 Erdbeer- und 12 Kirschproben wurden in einem Speziallabor auf 400 Pestizid-Rückstände getestet. Die in den Kirschen gefundenen Pestizide können Krebs auslösen und die Fortpflanzung beeinträchtigen. Greenpeace fordert, dass die Produzenten und Handelsketten besonders gefährliche Pestizide nicht mehr anwenden.

 

“Essen Sie Erdbeeren! Die derzeit angebotenen Früchte enthalten geringe Mengen an Pestiziden. Bei Früh-Kirschen ist aber Vorsicht angebracht”, sagt Manfred Krautter, Chemieexperte von Greenpeace. “Insgesamt setzt sich der Trend zu geringeren Rückständen bei Obst und Gemüse aus Supermärkten auch bei unserem aktuellen Test fort. Das ist ein Erfolg der Greenpeace-Pestizid-Kampagne.” Als Reaktion auf umfassende Greenpeace-Tests hatten alle großen deutschen Supermarkt-Ketten zwischen den Jahren 2006 und 2007 verschärfte Standards und Kontrollen für Pestizid-Rückstände eingeführt.

 

Im aktuellen Greenpeace-Test fand das beauftragte Labor in vier (14 Prozent) der Erdbeerproben gar keine und bei 24 (86 Prozent) geringe Spritzmittelrückstände. Dagegen stecken in fünf der zwölf Kirschproben aus konventionellem Anbau so hohe Pestizidmengen, dass Greenpeace sie als “nicht empfehlenswert” beurteilt. Diese mangelhafte Ware stammt aus Spanien und Frankreich. Sie wurde von Kaiser’s in Frankfurt, Kaufland und Real in Dresden sowie Aldi und Rewe in Hamburg verkauft. Die Kirschen enthielten zum Beispiel das die Fortpflanzung beeinträchtigende Pestizid Dimethoat sowie Imazalil, das Krebs auslösen kann. Drei der Kirschproben waren frei von Pestiziden. In keiner Probe wurden gesetzliche Grenzwerte überschritten. Das liegt jedoch auch an der Anhebung der Grenzwerte im Jahr 2008 durch die EU-Kommission.

 

“Wir haben auch bei diesem Test immer wieder Rückstände besonders gesundheitsschädlicher Pestizide gefunden, die auf den ‘Schwarzen Listen’ von Greenpeace und Edeka stehen”, sagt Krautter. Greenpeace fordert, dass die Bundesregierung den Landwirten und Handelsketten bei der Umstellung auf nichtchemische Pflanzenschutz-Alternativen unter die Arme greift. Bei der Start-Veranstaltung zum nationalen Pestizid-Aktionsplan der Bundesministerien für Landwirtschaft und Umwelt Ende Juni in Potsdam müssen dazu wirksame Programme verabschiedet werden.

 

Autor: Patty Paris, 15. Juni 2009

 

Literatur: Greenpeace, Greenpeace-Test: In Kirschen stecken häufig gefährliche Pestizide, 15. Juni 2009