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Mai - der Aufklärungsmonat für toxische Schädigungen und Chemikaliensensibilität
Amerikanische Gouverneure zeigen Weitblick und Verantwortungsbewusstsein
Eine Welt ohne Chemie ist undenkbar, ein bedachtsamerer Umgang mit Chemikalien im gleichen Atemzug unverzichtbar, wenn man an das Leid, die Kosten und vor allem an die nachhaltigen Folgen für den Menschen, die Folgegenerationen und unsere Umwelt denkt.
Seit 1989 steht der Monat Mai in den USA für Aufklärung und Anerkennung von Chemikaliensensibilität (MCS) und toxischen Schädigungen. Im ersten Jahr waren es vier Gouverneure, die sich für Betroffene in ihrem Staat einsetzten. In diesem Jahr wurden alle bisherigen Rekorde gebrochen: Gouverneure aus 37 amerikanischen Bundesstaaten haben die Notwendigkeit erkannt, um mittels einer Proklamation den Mai als Aktionsmonat zur Aufklärung über toxische Schädigungen und Chemikaliensensibilität (MCS) aufzurufen.
Jeden kann es treffen
Toxische Schädigungen sind häufig gekennzeichnet durch erhöhte Sensibilität gegenüber sehr geringen Mengen von Luftschadstoffen, petrochemischen Substanzen und anderen toxischen Substanzen, die sich in unseren Alltagsprodukten und der Umwelt befinden. Diese toxischen Schädigungen können durch eine kurze oder durch chronische Exposition gegenüber einer oder mehreren Chemikalien, häufig Pestizide und Lösemittel, ausgelöst werden.
Toxische Schädigungen können in jedem Alter eintreten, und sie kennen keine Grenzen: Jede Person, ob jung, alt, arm oder reich, egal welcher Hautfarbe, Weltanschauung oder Erziehung, jeden kann es treffen. Die Symptomatik reicht je nach körperlicher Disposition u. a. von Kopfschmerzen, Benommenheit, Erschöpfung, Angstzuständen, bei schweren Fällen zu Hör- oder Sehverlust oder gar Bewusstlosigkeit. Die Symptome können jedes Organsystem treffen.
Neue Krankheiten - durch Chemikalien ausgelöst
Zu den Erkrankungen und Beschwerden, die durch toxische Expositionen verstärkt ausgelöst werden können zählen Migräne, Asthma, Autoimmunerkrankungen, chronische Erschöpfung, Lebererkrankungen, Aufmerksamkeitsdefizite, Hyperaktivität, Autismus, ALS, Parkinsons, Multiple Sklerose, Fibromyalgie und viele weitere Erkrankungen.
Einmal geschädigt beginnt der Körper auf immer mehr Substanzen in immer geringerer Dosis nachhaltig zu reagieren. Atembeschwerden, Kopfschmerzen, Gleichgewichtsstörungen, verminderte Denkfähigkeit, Krampfanfälle, etc. können ausgelöst werden.
Gouverneure setzen sich für Chemikaliengeschädigte ein
Seit acht Jahren findet in den USA jährlich im Mai gezielte Aufklärung über toxische Schädigungen, deren Vermeidungsmöglichkeiten und Chemikaliensensibilität (MCS) statt. In diesem Jahr riefen siebenunddreißig Gouverneure (entsprechen dt. Ministerpräsidenten, verfügen jedoch über größere Machtbefugnis) verschiedener Bundesstaaten hierzu in mit Staatssiegeln versehenen Proklamationen auf. Die Gouverneure wollen vor allem auf die Wichtigkeit wissenschaftlicher Forschung, Aus- und Weiterbildung von Umweltärzten, sowie darauf, wie toxische Schädigungen und Chemikaliensensibilität in der Zukunft zu vermeiden sind, aufmerksam machen.
Seit 1989 - Verständnis für Chemikaliengeschädigte setzt sich durch
Die erste Aufklärungswoche über toxische Schädigungen und MCS (Multiple Chemical Sensitivity) wurde 1989 vom Gouverneur von Connecticut, John G. Rowland ausgerufen. Gouverneur Rowland war sich bewusst, dass es von hoher Wichtigkeit ist, über das Schicksal toxisch Geschädigter und chemikaliensensibler Menschen aufzuklären, da deren Leben ganz besonders von der Hilfe und dem Verständnis anderer Mitmenschen abhängt.
Im ersten Jahr waren es vier Gouverneure, die eine Proklamation besiegelten.
Dieses Jahr bricht alle bisherigen Rekorde, eine mehr als zweidrittel Mehrheit aller US Bundesstaaten hat aus Dringlichkeitsgründen und Wichtigkeit den ganzen Monat Mai als Aufklärungsmonat ausgerufen, nicht mehr nur eine Woche wie zu Beginn.
Bedachtsamer Umgang verhindert Schäden
Chemikalien haben in den vergangenen Jahrzehnten in allen unseren Lebensbereichen Einzug gehalten. Ob in unserer Nahrung, in unserem Wasser, der Luft die wir atmen, unserem Wohn- oder Arbeitsumfeld, überall sind Chemikalien in verschiedenen Konzentrationen und Zusammensetzungen zu erwarten. Sie haben viel Erleichterung und Fortschritt erbracht, aber auch große unübersehbare Schäden bei Mensch und Umwelt. Manche Chemikalien, wie z.B. PCB, das weltweit im Großeinsatz war, sind in der Lage, sich in Mensch und Umwelt anzureichern und offenbaren erst nach einer gewissen Zeit die ganze Bandbreite der Gefahren, die von ihnen ausgeht. Noch Folgegenerationen werden den Tribut für den einstigen vermeintlichen Fortschritt, der von dieser Chemikaliengruppe auszugehen schien, bezahlen. Weitere Chemikalien sind akut toxisch und können einen Menschen schon bei einmaligem Kontakt nachhaltig schädigen. Zusätzlich sind wir im Alltag vielen Chemikalien ausgesetzt, die selbst im Niedrigdosisbereich Immun-, Nervensystem und Fortpflanzung akut oder schleichend schädigen oder Krebs auslösen können. Sie werden oft verkannt und wie beispielweise Parfüms, sogar als zur Kultur gehörend von manchen verteidigt, ohne sich der gesundheitlichen Konsequenzen bewusst zu sein.
Häufig und doch wenig beachtet
Durch Chemikalien verursachte Erkrankungen wie Chemikaliensensibilität (MCS) sind in der Bevölkerung häufiger vertreten als Asthma, Diabetes und Aids, aus einseitigen Interessengründen wird dennoch kaum darüber berichtet. Obwohl MCS eine von der WHO herausgegebene internationale Krankheitscodenummer - T78.4 - besitzt und mit der Ziffer 26.18 als Behinderung/Schwerbehinderung gelistet ist, erfahren Betroffene selten Hilfe, medizinische Versorgung oder behördliche Anerkennung. Sie werden ausgegrenzt und in manchen Fällen sogar psychiatrisiert, obwohl es keinen einzigen haltbaren wissenschaftlichen Nachweis gibt, der einer kritischen fachlichen Betrachtungsweise standhält. Die Konsequenzen für Betroffene sind nicht hinzunehmen, und Änderung muss eintreten, finden die amerikanischen Gouverneure, denn wissenschaftliche Studien gehen davon aus, dass bereits zwischen 15 - 30 % der Allgemeinbevölkerung (Personen, die nicht am Arbeitsplatz geschädigt wurden) (1,2,3,4,5,6,7, 8) leicht bis mittelschwer und 4 - 6 % schwer (8) auf Alltagschemikalien, wie z.B. Parfum, Zigarettenrauch, frische Wandfarbe, Zeitungsausdünstungen, Autoabgase, etc. reagieren. Die Situation in den USA dürfte auf Länder anderer Industrienationen übertragbar sein. Personen, die in bestimmten Arbeitsbereichen tätig sind, sind zusätzlich prädisponiert, Chemikaliensensibilität zu entwickeln (9,10). Morrow fand heraus, dass Arbeiter mit Lösungsmittelexposition am Arbeitsplatz sogar zu 60% (9) unter Chemikalienintoleranz leiden.
Normales Leben nicht mehr möglich Wer bei geringsten Konzentrationen von Duftstoffen, Zigarettenrauch, Abgasen, Ausgasungen von Teppichböden, etc. mit beeinträchtigenden Symptomen reagiert, hat es schwer in unserer Gesellschaft. Eine Umstellung der Lebensgewohnheiten und des Lebensumfeldes sind bei mittelschwerer bis schwerer Symptomatik unerlässlich. Der zwangsweise Rückzug aus dem normalen sozialen Leben aufgrund der einschränkenden bis hin zu lebensbedrohlichen Reaktionen auf geringste Dosen von Alltagschemikalien und die damit verbundene Isolation belastet Betroffene zusätzlich. Manche reagieren so schwerwiegend auf sehr viele verschiedene Auslöser, dass sie ihren Beruf aufgeben müssen und keiner Arbeit mehr nachgehen können (13). Die amerikanischen Gouverneure möchten aus diesen Gründen durch gezielte Aufklärung erreichen, dass Chemikaliensensible und toxisch Geschädigte trotz ihrer Erkrankung Teil unserer Gesellschaft sein können, indem Ursachen für deren Reaktionen beseitigt werden. Ansätze gibt es und sie zeigen Erfolg: Über 30 Universitäten in den USA und Kanada haben ein Duftstoffverbot, damit allergische und chemikaliensensible Menschen ebenfalls studieren und ihre Intelligenz zum vollen Einsatz bringen können (14). Zahlreiche Schulen, Betriebe und Einrichtungen verfügen auch über ein Duftstoffverbot, kontrollieren den Umgang mit Chemikalien und verwenden schadstofffreie oder schadstoffarme Alternativen bei Reinigungsmitteln, Farben und Baumaterialien. Hiermit tragen sie bewusst dazu bei, dass alle gesund bleiben, die Umwelt geschont wird und Menschen, die auf Chemikalien Reaktionen zeigen, die Möglichkeit erhalten, ein Teil der Gemeinschaft zu sein und ein produktives Leben führen zu können.
Vermeidbare Kosten durch Unwissenheit und Ignoranz
Die Folgen von toxischen Schädigungen und Chemikaliensensibilität belasten die Volkswirtschaft eines Landes durch hohe Gesundheitskosten und Produktivitätsverlust jährlich in Milliardenhöhe, wie wissenschaftliche Studien und staatliche Erhebungen aus den USA und Kanada bestätigen. (11,12,13) Auch in Deutschland ist man sich der Folgen bewusst, ein Rat von Sachverständigen für Umweltfragen schätzte jüngst, dass in der EU alleine durch Allergien, die auch mit Immunschwäche, bzw. Auslösung durch toxische Stoffe in Zusammenhang stehen, jedes Jahr sozioökonomische Kosten von 29 Milliarden Euro entstehen. Auch deutsche Politiker haben die Situation schon seit einiger Zeit erkannt. Sie verwiesen in einer Anfrage an die Bundesregierung 1998 darauf, dass Chemikaliensensibilität für die Betroffenen katastrophale persönliche, finanzielle und soziale Folgen hat. Insbesondere der Wirtschaft und in der Industrie entstünden jährlich Kosten in Milliardenhöhe alleine aufgrund der nachlassenden Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz. (15)
Durch Chemikalien induzierte Varianten von Parkinsons, ALS, Alzheimers oder Autismus, deren Häufigkeit laut Aussagen namhafter Wissenschaftler weltweit rasant ansteigt, wächst die finanzielle Belastung für ein Land auf ein unerträgliches Maß, ganz abgesehen vom menschlichen Leid.
Betroffene ernst nehmen bedeutet eine bessere Zukunft für alle
Ein bedachter Umgang mit Chemikalien im Alltag kommt der Gesundheit, Lebensqualität und dem Wohl aller zugute. Menschen, die auf toxische Substanzen reagieren, sollten als Indikator dienen und nicht als Schikane angesehen werden. Dort, wo sie uns warnen, wie einst die Kanarienvögel in den Kohleminen die Bergleute vor gefährlichen Gasen warnten, haben die Mitmenschen eine größere Chance, gesund zu bleiben und bestimmte Situationen und Produkte mit Gefahrpotential zu meiden. Dieses Ziel möchten auch die Gouverneure erreichen, indem sie vor allem auf die Wichtigkeit wissenschaftlicher Forschung und darauf, wie toxische Schädigungen und Chemikaliensensibilität in der Zukunft zu vermeiden sind, aufmerksam machen.
Weltweit Aktionen im Mai
Der Aufklärungsmonat über toxische Schädigungen und Chemikaliensensibilität wird in diesem Jahr auch in Europa u .a. durch Selbsthilfeorganisationen mit Aktionen verschiedenen Ausmaßes unterstützt.
Vorträge über toxische Schädigungen und Chemikaliensensibilität, Fernseh- und Radiobeiträge, Zeitungsberichte, Beiträge auf Webseiten, Neugründungen von Interessengruppen und Webseiten, Broschüren, etc. werden genutzt, um Mitbürgern die Situation toxisch Geschädigter und die Problematik, mit der Chemikaliensensible leben müssen, zu verdeutlichen. Viel Erfolg!
Informieren & selbst aktiv werden
Informationen über Chemikaliensensibilität, toxische Schädigungen, den Aufklärungsmonat, eine Liste aller Proklamationen von 1989-2007, eine internationale Petition für Chemikaliensensible zum unterzeichnen, Antworten deutscher Ministerpräsidenten und Gesundheitsministerien auf Anfragen zur Unterstützung sind auf www.csn-deutschland.de Rubrik „MCS Aktionen“ zu finden.
Flyer Chemikaliensensibilität zum Downloaden und verteilen:
http://csn-deutschland.de/flyer/CSN_Flyer_MCS.pdf
Impressum:
PureNature-Redaktion, Mai 2007
Autor: Silvia K. Müller, CSN, Mai 2007
Literatur/Leitlinien/EBM:
Anhang
Übersetzung der Proklamation des Bundesstaates Colorado
Amerikanische Gouverneure zeigen Weitblick und Verantwortungsbewusstsein
Eine Welt ohne Chemie ist undenkbar, ein bedachtsamerer Umgang mit Chemikalien im gleichen Atemzug unverzichtbar, wenn man an das Leid, die Kosten und vor allem an die nachhaltigen Folgen für den Menschen, die Folgegenerationen und unsere Umwelt denkt.
Seit 1989 steht der Monat Mai in den USA für Aufklärung und Anerkennung von Chemikaliensensibilität (MCS) und toxischen Schädigungen. Im ersten Jahr waren es vier Gouverneure, die sich für Betroffene in ihrem Staat einsetzten. In diesem Jahr wurden alle bisherigen Rekorde gebrochen: Gouverneure aus 37 amerikanischen Bundesstaaten haben die Notwendigkeit erkannt, um mittels einer Proklamation den Mai als Aktionsmonat zur Aufklärung über toxische Schädigungen und Chemikaliensensibilität (MCS) aufzurufen.
Jeden kann es treffen
Toxische Schädigungen sind häufig gekennzeichnet durch erhöhte Sensibilität gegenüber sehr geringen Mengen von Luftschadstoffen, petrochemischen Substanzen und anderen toxischen Substanzen, die sich in unseren Alltagsprodukten und der Umwelt befinden. Diese toxischen Schädigungen können durch eine kurze oder durch chronische Exposition gegenüber einer oder mehreren Chemikalien, häufig Pestizide und Lösemittel, ausgelöst werden.
Toxische Schädigungen können in jedem Alter eintreten, und sie kennen keine Grenzen: Jede Person, ob jung, alt, arm oder reich, egal welcher Hautfarbe, Weltanschauung oder Erziehung, jeden kann es treffen. Die Symptomatik reicht je nach körperlicher Disposition u. a. von Kopfschmerzen, Benommenheit, Erschöpfung, Angstzuständen, bei schweren Fällen zu Hör- oder Sehverlust oder gar Bewusstlosigkeit. Die Symptome können jedes Organsystem treffen.
Neue Krankheiten - durch Chemikalien ausgelöst
Zu den Erkrankungen und Beschwerden, die durch toxische Expositionen verstärkt ausgelöst werden können zählen Migräne, Asthma, Autoimmunerkrankungen, chronische Erschöpfung, Lebererkrankungen, Aufmerksamkeitsdefizite, Hyperaktivität, Autismus, ALS, Parkinsons, Multiple Sklerose, Fibromyalgie und viele weitere Erkrankungen.
Einmal geschädigt beginnt der Körper auf immer mehr Substanzen in immer geringerer Dosis nachhaltig zu reagieren. Atembeschwerden, Kopfschmerzen, Gleichgewichtsstörungen, verminderte Denkfähigkeit, Krampfanfälle, etc. können ausgelöst werden.
Gouverneure setzen sich für Chemikaliengeschädigte ein
Seit acht Jahren findet in den USA jährlich im Mai gezielte Aufklärung über toxische Schädigungen, deren Vermeidungsmöglichkeiten und Chemikaliensensibilität (MCS) statt. In diesem Jahr riefen siebenunddreißig Gouverneure (entsprechen dt. Ministerpräsidenten, verfügen jedoch über größere Machtbefugnis) verschiedener Bundesstaaten hierzu in mit Staatssiegeln versehenen Proklamationen auf. Die Gouverneure wollen vor allem auf die Wichtigkeit wissenschaftlicher Forschung, Aus- und Weiterbildung von Umweltärzten, sowie darauf, wie toxische Schädigungen und Chemikaliensensibilität in der Zukunft zu vermeiden sind, aufmerksam machen.
Seit 1989 - Verständnis für Chemikaliengeschädigte setzt sich durch
Die erste Aufklärungswoche über toxische Schädigungen und MCS (Multiple Chemical Sensitivity) wurde 1989 vom Gouverneur von Connecticut, John G. Rowland ausgerufen. Gouverneur Rowland war sich bewusst, dass es von hoher Wichtigkeit ist, über das Schicksal toxisch Geschädigter und chemikaliensensibler Menschen aufzuklären, da deren Leben ganz besonders von der Hilfe und dem Verständnis anderer Mitmenschen abhängt.
Im ersten Jahr waren es vier Gouverneure, die eine Proklamation besiegelten.
Dieses Jahr bricht alle bisherigen Rekorde, eine mehr als zweidrittel Mehrheit aller US Bundesstaaten hat aus Dringlichkeitsgründen und Wichtigkeit den ganzen Monat Mai als Aufklärungsmonat ausgerufen, nicht mehr nur eine Woche wie zu Beginn.
Bedachtsamer Umgang verhindert Schäden
Chemikalien haben in den vergangenen Jahrzehnten in allen unseren Lebensbereichen Einzug gehalten. Ob in unserer Nahrung, in unserem Wasser, der Luft die wir atmen, unserem Wohn- oder Arbeitsumfeld, überall sind Chemikalien in verschiedenen Konzentrationen und Zusammensetzungen zu erwarten. Sie haben viel Erleichterung und Fortschritt erbracht, aber auch große unübersehbare Schäden bei Mensch und Umwelt. Manche Chemikalien, wie z.B. PCB, das weltweit im Großeinsatz war, sind in der Lage, sich in Mensch und Umwelt anzureichern und offenbaren erst nach einer gewissen Zeit die ganze Bandbreite der Gefahren, die von ihnen ausgeht. Noch Folgegenerationen werden den Tribut für den einstigen vermeintlichen Fortschritt, der von dieser Chemikaliengruppe auszugehen schien, bezahlen. Weitere Chemikalien sind akut toxisch und können einen Menschen schon bei einmaligem Kontakt nachhaltig schädigen. Zusätzlich sind wir im Alltag vielen Chemikalien ausgesetzt, die selbst im Niedrigdosisbereich Immun-, Nervensystem und Fortpflanzung akut oder schleichend schädigen oder Krebs auslösen können. Sie werden oft verkannt und wie beispielweise Parfüms, sogar als zur Kultur gehörend von manchen verteidigt, ohne sich der gesundheitlichen Konsequenzen bewusst zu sein.
Häufig und doch wenig beachtet
Durch Chemikalien verursachte Erkrankungen wie Chemikaliensensibilität (MCS) sind in der Bevölkerung häufiger vertreten als Asthma, Diabetes und Aids, aus einseitigen Interessengründen wird dennoch kaum darüber berichtet. Obwohl MCS eine von der WHO herausgegebene internationale Krankheitscodenummer - T78.4 - besitzt und mit der Ziffer 26.18 als Behinderung/Schwerbehinderung gelistet ist, erfahren Betroffene selten Hilfe, medizinische Versorgung oder behördliche Anerkennung. Sie werden ausgegrenzt und in manchen Fällen sogar psychiatrisiert, obwohl es keinen einzigen haltbaren wissenschaftlichen Nachweis gibt, der einer kritischen fachlichen Betrachtungsweise standhält. Die Konsequenzen für Betroffene sind nicht hinzunehmen, und Änderung muss eintreten, finden die amerikanischen Gouverneure, denn wissenschaftliche Studien gehen davon aus, dass bereits zwischen 15 - 30 % der Allgemeinbevölkerung (Personen, die nicht am Arbeitsplatz geschädigt wurden) (1,2,3,4,5,6,7, 8) leicht bis mittelschwer und 4 - 6 % schwer (8) auf Alltagschemikalien, wie z.B. Parfum, Zigarettenrauch, frische Wandfarbe, Zeitungsausdünstungen, Autoabgase, etc. reagieren. Die Situation in den USA dürfte auf Länder anderer Industrienationen übertragbar sein. Personen, die in bestimmten Arbeitsbereichen tätig sind, sind zusätzlich prädisponiert, Chemikaliensensibilität zu entwickeln (9,10). Morrow fand heraus, dass Arbeiter mit Lösungsmittelexposition am Arbeitsplatz sogar zu 60% (9) unter Chemikalienintoleranz leiden.
Normales Leben nicht mehr möglich Wer bei geringsten Konzentrationen von Duftstoffen, Zigarettenrauch, Abgasen, Ausgasungen von Teppichböden, etc. mit beeinträchtigenden Symptomen reagiert, hat es schwer in unserer Gesellschaft. Eine Umstellung der Lebensgewohnheiten und des Lebensumfeldes sind bei mittelschwerer bis schwerer Symptomatik unerlässlich. Der zwangsweise Rückzug aus dem normalen sozialen Leben aufgrund der einschränkenden bis hin zu lebensbedrohlichen Reaktionen auf geringste Dosen von Alltagschemikalien und die damit verbundene Isolation belastet Betroffene zusätzlich. Manche reagieren so schwerwiegend auf sehr viele verschiedene Auslöser, dass sie ihren Beruf aufgeben müssen und keiner Arbeit mehr nachgehen können (13). Die amerikanischen Gouverneure möchten aus diesen Gründen durch gezielte Aufklärung erreichen, dass Chemikaliensensible und toxisch Geschädigte trotz ihrer Erkrankung Teil unserer Gesellschaft sein können, indem Ursachen für deren Reaktionen beseitigt werden. Ansätze gibt es und sie zeigen Erfolg: Über 30 Universitäten in den USA und Kanada haben ein Duftstoffverbot, damit allergische und chemikaliensensible Menschen ebenfalls studieren und ihre Intelligenz zum vollen Einsatz bringen können (14). Zahlreiche Schulen, Betriebe und Einrichtungen verfügen auch über ein Duftstoffverbot, kontrollieren den Umgang mit Chemikalien und verwenden schadstofffreie oder schadstoffarme Alternativen bei Reinigungsmitteln, Farben und Baumaterialien. Hiermit tragen sie bewusst dazu bei, dass alle gesund bleiben, die Umwelt geschont wird und Menschen, die auf Chemikalien Reaktionen zeigen, die Möglichkeit erhalten, ein Teil der Gemeinschaft zu sein und ein produktives Leben führen zu können.
Vermeidbare Kosten durch Unwissenheit und Ignoranz
Die Folgen von toxischen Schädigungen und Chemikaliensensibilität belasten die Volkswirtschaft eines Landes durch hohe Gesundheitskosten und Produktivitätsverlust jährlich in Milliardenhöhe, wie wissenschaftliche Studien und staatliche Erhebungen aus den USA und Kanada bestätigen. (11,12,13) Auch in Deutschland ist man sich der Folgen bewusst, ein Rat von Sachverständigen für Umweltfragen schätzte jüngst, dass in der EU alleine durch Allergien, die auch mit Immunschwäche, bzw. Auslösung durch toxische Stoffe in Zusammenhang stehen, jedes Jahr sozioökonomische Kosten von 29 Milliarden Euro entstehen. Auch deutsche Politiker haben die Situation schon seit einiger Zeit erkannt. Sie verwiesen in einer Anfrage an die Bundesregierung 1998 darauf, dass Chemikaliensensibilität für die Betroffenen katastrophale persönliche, finanzielle und soziale Folgen hat. Insbesondere der Wirtschaft und in der Industrie entstünden jährlich Kosten in Milliardenhöhe alleine aufgrund der nachlassenden Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz. (15)
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Durch Chemikalien induzierte Varianten von Parkinsons, ALS, Alzheimers oder Autismus, deren Häufigkeit laut Aussagen namhafter Wissenschaftler weltweit rasant ansteigt, wächst die finanzielle Belastung für ein Land auf ein unerträgliches Maß, ganz abgesehen vom menschlichen Leid.
Betroffene ernst nehmen bedeutet eine bessere Zukunft für alle
Ein bedachter Umgang mit Chemikalien im Alltag kommt der Gesundheit, Lebensqualität und dem Wohl aller zugute. Menschen, die auf toxische Substanzen reagieren, sollten als Indikator dienen und nicht als Schikane angesehen werden. Dort, wo sie uns warnen, wie einst die Kanarienvögel in den Kohleminen die Bergleute vor gefährlichen Gasen warnten, haben die Mitmenschen eine größere Chance, gesund zu bleiben und bestimmte Situationen und Produkte mit Gefahrpotential zu meiden. Dieses Ziel möchten auch die Gouverneure erreichen, indem sie vor allem auf die Wichtigkeit wissenschaftlicher Forschung und darauf, wie toxische Schädigungen und Chemikaliensensibilität in der Zukunft zu vermeiden sind, aufmerksam machen.
Weltweit Aktionen im Mai
Der Aufklärungsmonat über toxische Schädigungen und Chemikaliensensibilität wird in diesem Jahr auch in Europa u .a. durch Selbsthilfeorganisationen mit Aktionen verschiedenen Ausmaßes unterstützt.
Vorträge über toxische Schädigungen und Chemikaliensensibilität, Fernseh- und Radiobeiträge, Zeitungsberichte, Beiträge auf Webseiten, Neugründungen von Interessengruppen und Webseiten, Broschüren, etc. werden genutzt, um Mitbürgern die Situation toxisch Geschädigter und die Problematik, mit der Chemikaliensensible leben müssen, zu verdeutlichen. Viel Erfolg!
Informieren & selbst aktiv werden
Informationen über Chemikaliensensibilität, toxische Schädigungen, den Aufklärungsmonat, eine Liste aller Proklamationen von 1989-2007, eine internationale Petition für Chemikaliensensible zum unterzeichnen, Antworten deutscher Ministerpräsidenten und Gesundheitsministerien auf Anfragen zur Unterstützung sind auf www.csn-deutschland.de Rubrik „MCS Aktionen“ zu finden.
Flyer Chemikaliensensibilität zum Downloaden und verteilen:
http://csn-deutschland.de/flyer/CSN_Flyer_MCS.pdf
Impressum:
PureNature-Redaktion, Mai 2007
Autor: Silvia K. Müller, CSN, Mai 2007
Literatur/Leitlinien/EBM:
- Wallace, Nelson, Kollander, Leaderer, Bascom, Dunteman - Indoor air quality and work environment study. Multivariate statistical analysis of health, comfort and odor perceptions as related to personal and workplace characteristics. US Environmental Protection Agency vol. 4, EPA Headquaters Buildings. Atmospheric Research and Exposure Assessment Laboratory. 1991
- Bell, Miller, Schwartz, Peterson, Amend - Neuropsychiatric and somatic characteristics of young adults with and without self-reported chemical odor intolerance and chemical sensitivity. Arch Envirn Health. 1996
- Meggs, Dunn, Bloch, Goodman, Davidoff - Prevalence and nature of allergy and chemical sensitivity in a general population. Arch Environ Health 1996
- Bell, Schwartz, Amend, Peterson, Stini - Sensitization to early life stress and response to chemical odors in older adults. Biol. Psychiatry. 1994
- Bell, Walsh, Goss, Gersmeyer, Schwartz, Kanof - Cognitive dysfunction and disability in geriatric veterans with self-reported sensitivity to environmental chemicals. J.Chronic Fatigue Syndrome. 1997
- Bell, Schwartz, Peterson, Amend - Self-reported illness from chemical odors in young adults without clinical syndromes or occupational exposures. Arch Environ Health. 1993
- Bell, Schwartz, Peterson, Amend, Stini - Possible time-dependent sensitization to xenobiotics: self - reported illness from chemical odors, foods and opiate drugs in an older adult population. Arch Environ. Health. 1993
- Kreutzer, Health Investigations branch, Department of Health Services, State of California. 1997
- Morrow, Ryan, Hodgson, Robin - Alternations in cognitive and psychological functioning after organic solvent exposure. J Occup Med. 1990
- Maschewsky - MCS und Porphyrinopathien. Zeitung für Umweltmedizin 1996
- Stanley M. Caress, Anne C. Steinemann, A Review of a Two-Phase Population Study of Multiple Chemical Sensitivities, State University of West Georgia, Carollton, Georgia, USA; Georgia Institute of Technology, Atalanta, Georgia, USA. Environmental Health Perspectives, Sept. 2003
- 5% of Canadians report 'medically unexplained' conditions, Januar 2007, CBC News
- 1.2 million Canadians suffer from unexplained illnesses, Jan. 2007, CanWest News Service
- Silvia K. Müller, Duftverbot an über 30 Universitäten, CSN, April 2007
- Deutscher Bundestag, Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Abgeordneten Michael Müller, Dr. A. Schwall-Düren,..13. Wahlperiode, Drucksache 13/11125, 19.06.1998
Anhang
Übersetzung der Proklamation des Bundesstaates Colorado
Ehrenproklamation Bill Ritter, JR. Gouverneur Aufklärungsmonat für Multiple Chemical Sensitivity und toxische Schädigungen Mai 2007 IN ANBETRACHT DESSEN, dass Multiple Chemical Sensitivity (MCS) und toxische Schädigungen Menschen aller Altergruppen, Völker, Kulturen und Religionen betreffen; und IN ANBETRACHT DESSEN, dass MCS und toxische Schädigungen oft durch erhöhte Sensibilität gegenüber sehr geringen Mengen von Luftschadstoffen, petrochemischen Substanzen und anderen toxischen Substanzen gekennzeichnet sind; und IN ANBETRACHT DESSEN, dass MCS und toxische Schädigung chronische Zustände sind, für die es keine bekannte Heilung gibt, die weit reichende, oft behindernde Krankheiten verursachen, die lebensbedrohlich sein können; und IN ANBETRACHT DESSEN, dass Erregen von Aufmerksamkeit, um Bürger über die Gefahren von MCS und toxischen Schädigungen zu informieren, eine von vielen Möglichkeiten ist, wie wir die verheerenden Auswirkungen dieser chronischen, nicht heilbaren Erkrankungen bekämpfen können; und IN ANBETRACHT DESSEN, dass der Bundesstaat Colorado Betroffene anerkennt, die unter MCS oder toxisch bedingten Schädigungen leiden, verdienen diese Opfer die gleichen Rechte, Respekt und Unterstützung, wie sie Menschen mit anderen Erkrankungen und Behinderungen auch zuteil werden: Demgemäß erkläre ich, Bill Ritter JR., Gouverneur von Colorado, den Monat Mai 2007, zum Aufklärungsmonat für Multiple Chemical Sensitivity und toxische Schädigungen im Staat von Colorado unter meiner Schirmherrschaft und dem Amtssiegel des Staates Colorado, am 2. April 2007 Bill Ritter JR. |











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