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Steinerschüler sind gesünder

Erste Resultate einer internationalen Studie veröffentlicht




1999 wurde in einer schwedischen Studie nachgewiesen, dass Schüler von Rudolf Steiner Schulen deutlich weniger unter Heuschnupfen, Dermatitis und Allergien leiden als ihre Altersgenossen aus staatlichen Schulen. Als Ursache für diese Unterschiede wurde der Lebensstil der Elternhäuser in Betracht gezogen. Nun konnten die Ergebnisse aus Schweden in der so genannten PARSIFAL-Studie bestätigt werden1 .

In fünf europäischen Staaten (Schweden, Schweiz, Deutschland, Österreich und Holland) wurden über 6.700 Kinder zwischen 5 und 13 Jahren auf ihre Gesundheit bezüglich allergischer Reaktionen untersucht. Durchgeführt wurde die Studie mit EU-Geldern an diversen Universi-täts-instituten in den teilnehmenden Ländern. Etwa zwei Drittel der untersuchten Kinder waren Schüler an Rudolf Steiner- oder Waldorfschulen, ein Drittel der Schüler stammte zum Vergleich aus staatlichen Schulen. Untersucht wurde in erster Linie der Zusammenhang der allergischen Leiden mit der Ernährung der Kinder, dem Einsatz fiebersenkender und antibiotischer Medikamente sowie der Masern-Mumps-Röteln-Impfung.
Die Konzentration der Studie auf die Allergien ist deshalb von Bedeutung, weil eine Allergie ein Symptom ist für ein Immunsystem, das sich mit der (stofflichen) Umwelt nicht mehr auf gesunde Weise auseinandersetzen kann. In den letzten Jahrzehnten haben die Allergien besonders in den westlichen Industriestaaten in erschreckendem Mass zugenommen, weshalb sie heute als die „Umweltkrankheiten Nr.1" gelten. Allergische Überreaktionen beispielsweise gegen Blütenpollen, Nahrungsmittel, Textilien, Tierhaare oder Hausstaub bedeuten für die betroffenen Menschen eine unter Umständen grosse Einbusse an Lebensqualität. Deshalb ist die Kenntnis sowohl der Risiken als auch der Schutzfaktoren bereits in der Kindheit von allergrösstem allgemeinem Interesse.
Die Ergebnisse aus den genannten Vergleichsstudien zeigen ein klares Bild: Steinerschüler haben im Vergleich mit Staatsschülern signifikant weniger Allergien. Die Studie zeigt auch deutlich auf, welches die Ursachen für die bessere Gesundheit sind. Entscheidend ist: Steinerschüler wurden weniger häufig oder gar nie mit Antibiotika und fiebersenkenden Mitteln behandelt, nur etwa zu einem Viertel wurden sie gegen Masern, Mumps und Röteln geimpft (26% gegenüber 72% an Staatsschulen); dagegen machen sie dreimal häufiger Masernerkrankungen durch als ihre Altersgenossen an der Staatsschule. Weiter geniessen Steinerschüler mehrheitlich eine Ernährung auf der Basis biologischer oder bio-dynamischer Produkte (82% gegenüber 19%).
Das internationale Forscherteam schliesst aus diesen Ergebnissen, dass insbesondere der Einsatz von Antibiotika und Antipyretika (fiebersenkende Mittel) sowie die MMR-Impfung ein Risiko darstellt, an Allergien zu erkranken. Durchgemachte Masern sowie eine biologische oder bio-dynamische Ernährung sind dagegen eindeutige Schutzfaktoren und stärken den Organismus gegen stoffliche Übergriffe aus der Umwelt.
In einer Erhebung an der basalstufe in Bern im Mai 2004 wurden ähnliche Resultate erzielt wie jetzt in dieser gross angelegten PARSIFAL-Studie. Zusätzlich zeigte sich, dass die Kinder der basalstufe auch weniger unter psychosomatischen Beschwerden leiden als gleichaltrige Kinder an staatlichen Schulen. Um diese noch vorläufigen Ergebnisse zu erhärten, ist für kommenden Mai eine weitere Erhebung mit Vergleichskohorten aus Staatsschulen vorgesehen.
Solche Untersuchungen wie die hier referierten sind nicht nur wichtig für die Rudolf Steiner Schulen und ihre Pädagogik. Sie zeigen auch auf, dass die Steiner-Pädagogik, die anthroposophische Medizin und die bio-dynamische Lebensmittelerzeugung nicht einer realitätsfremden und hinterwäldlerischen Welt-Anschauung entspringen, sondern eine lebensnahe und aktuelle Antwort sind auf die Herausforderungen, die uns die Gegenwart stellt.

Impressum:
1 Flöistrup H. et al. (2006): Allergic disease and sensitization in Steiner school Children. J Allergy Clin Immunol Jan 2006:50-66
Autor: Thomas Marti
PureNature-Redaktion, Januar 2007