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Zimmerbrunnen

Fieber durch Zimmerspringbrunnen




In diesem Jahr erkrankten in Bayern und Baden-Württemberg 14 Menschen aus zunächst unbekannter Ursache an wiederholt auftretenden Fieberschüben, Husten und Atemnot. Die behandelnden Ärzte leisteten wahre Detektivarbeit, um der Ursache auf den Grund zu kommen: Schuld waren Zimmerspringbrunnen oder Luftbefeuchter mit Ultraschall-Vernebelung, die in vielen Verbrauchermärkten preiswert zu haben sind.1

In der Zusamklinik in Zusmarshausen wurde bei zwölf der fieberkranken Patienten eine so genannte exogen-allergische Alveolitis dokumentiert und bei zwei Patienten eine toxische Reaktion. Auslöser war verunreinigtes Wasser in den Verneblern. „Die Zimmerspringbrunnen waren mit destilliertem Wasser gefüllt worden, das jedoch nicht steril ist. In dem Wasser ließen sich Bakterien, Schimmelpilze und Hefepilze nachweisen“, erläutert der Allergologe und Lungenfacharzt Dr. Dietrich Müller-Wening. Müller-Wening ist Chefarzt der Zusamklinik und leitet gemeinsam mit Professor Dr. Joachim Sennekamp aus Bonn die Arbeitsgruppe exogen-allergische Alveolitis der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAI).

Inhalation von Wassernebel bestätigte Diagnose
Müller-Wening und Sennekamp konnten nachweisen, dass im Blut der Patienten spezifische Antikörper gegen mindestens eine Komponente aus dem benutzten Wasser vorlag. Um die Diagnose ab-zusichern, ließ Müller-Wening die Patienten in der Zusamklinik Nebel des mitgebrachten Wassers aus ihren Zimmerspringbrun-nen einatmen. „Wir konnten nach dieser inhalativen Provokation unmittelbar die typischen Krankheitssymptome einer exogen-allergischen Alveolitis beobachten. Die Patienten bekamen Fieber und Husten“, berichtet Müller-Wening. Die DGAI und der Ärzteverband Deutscher Allergologen (ÄDA) raten daher zur Vorsicht bei der Verwendung von Zimmerspringbrunnen. Wenn es in unregel-mäßigen Abständen zu Fieber und Husten kommt, kann ein auf Allergien und Lungenerkrankungen spezialisierter Arzt feststellen, ob mit Mikroorganismen kontaminierter Nebel eine exogen-allergische Alveolitis (EAA) ausgelöst hat. Durch das konsequente Meiden der Auslöser kann diese Lungenkrankheit oftmals gut geheilt werden.

Alveolitis vor allem als Berufskrankheit bekannt
Eine EAA tritt überwiegend in Berufen auf, in denen verstärkt organischer Staub mit Schimmelpilzen, Pflanzenbestandteilen oder Tiereiweiß eingeatmet wird. Die Partikel führen zu einer allergischen Entzündung des Lungengewebes. Je nach Beruf wird die EAA auch als Farmerlunge, Vogelhalterlunge oder Befeuchterlun-ge bezeichnet. Drucker können an einer Befeuchterlunge erkranken, denn in Druckereien wird die Raumluft beständig mit Luftbefeuchtern klimatisiert. Es sind auch schon Krankheitsfälle durch die Verwendung von Dampf-Bügeleisen berichtet worden. „Eine Zimmerspringbrunnen-Alveolitis war bisher nicht bekannt. Aus allergologisch-lungenfachärztlicher Sicht muss derzeit von Zimmerspringbrunnen abgeraten werden. Die Geräte verkeimen rasch. Für einen gefahrlosen Gebrauch müssen sie mit keimfreien Was-ser befüllt und sehr häufig gereinigt werden. Müller-Wening kriti-siert, dass bei preiswerten Verneblern und Zimmerspringbrunnen oftmals keine Gebrauchsanweisung beiliegt, in der auf eine sorg-fältige hygienische Wartung der Geräte hingewiesen wird. Inzwischen hat das Verbraucherschutzministerium in Bayern eine Untersuchung eingeleitet.2

Impressum:
Quelle: Pressemitteilung der Allergologenverbände ÄDA und DGAI vom 29. November 2004
1 Koschel D, Sennekamp J, Schurz C, Müller-Wening D: Zimmerspringbrunnen-Alveolitis. Pneumologie 2004;58:666-669.
2 Verbraucherschutzministerium: Verdacht auf Lungenerkrankungen durch Luftbefeuchter mit Vernebelungstechnik. Pressemitteilung des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz vom 21.09.2004.
Erstellt: 03.12.2004
Bearbeitet von: Elke Gethmann