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Während der Schwangerschaft

Kinder, die schon im Mutterleib Organophosphat-Pestiziden ausgesetzt waren, haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, in späteren Jahren Aufmerksamkeitsstörungen zu entwickeln. Das hat eine neue Studie von Wissenschaftlern an der University of California in Berkeley herausgefunden. Es ist das erste Mal, dass der Einfluss pränataler Organophosphat-Exposition hinsichtlich einer späteren Entwicklung von Aufmerksamkeitsstörungen und Hyperaktivität untersucht wurde.

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass Organophosphat-Metaboliten (Abbauprodukte der Pestizide) in der vorgeburtlichen Phase in signifikantem Zusammenhang mit Aufmerksamkeitsstörungen im Alter von fünf Jahren stehen und die Auswirkungen bei Jungen offenbar stärker sind als bei Mädchen. Die Pestizidklasse wird u.a. beim Obst- und Gemüseanbau eingesetzt.

Anfang 2010 hatte eine andere Studie von Wissenschaftlern der Harvard University bereits verstärkte Exposition gegenüber Organophosphat-Pestiziden bei Schulkindern mit einem vermehrten Auftreten von Aufmerksamkeitsdefiziten und Hyperaktivität (ADHS) in Zusammenhang gebracht.

“Diese Studien liefern eine wachsende Zahl von Beweisen, dass Belastung mit Organophosphat-Pestiziden die neurologische Entwicklung bei Menschen, insbesondere bei Kindern, beeinträchtigen kann”, sagte die Studienleiterin, Brenda Eskenazi, UC Berkeley-Professorin für Epidemiologie und Gesundheit von Mutter und Kind. “Wir waren besonders an der pränatalen Exposition interessiert, denn das ist der Zeitraum, wenn das Nervensystem eines Babys sich am Stärksten entwickelt.”

Die Wissenschaftler wiesen in ihrer Pressemitteilung darauf hin, dass die Pestizide, die sie untersuchten, überall eingesetzt werden und dass die Ergebnisse aus dieser Studie eine eindringliche Warnung darstellen, die Vorsorgemaßnahmen einfordert.

“Es ist bekannt, dass Lebensmittel eine wesentliche Quelle für die Pestizidbelastung in der Allgemeinbevölkerung darstellen”, sagte Eskenazi. “Ich würde empfehlen, Obst und Gemüse vor dem Verzehr gründlich zu waschen, vor allem, wenn Sie schwanger sind.”

Die Wirkung von Organophosphat-Pestiziden besteht in der Unterbrechung von Neurotransmittern, insbesondere des Acetylcholin, das eine wichtige Rolle bei der Aufrechterhaltung von Aufmerksamkeit und für das Kurzzeitgedächtnis spielt.

“Da diese Substanzen so konzipiert sind, dass sie das Nervensystem von Organismen angreifen, gibt es Grund zur Vorsicht, besonders in Situationen, in denen die Exposition vom Zeitpunkt her mit kritischer fetaler und kindlicher Entwicklung zusammenfallen kann”, sagte Amy Marks, der Hauptautor der Studie.

Eine Reihe der besagten UC Berkeley Wissenschaftler fanden in einer weiteren Studie außerdem heraus, dass Kinder mit bestimmten genetischen Merkmalen in größerer Gefahr sind. Diese Studie ergab, dass 2-Jährige mit einem niedrigen Paraoxonase 1 (PON1) Niveau, ein Enzym, dass die toxischen Metaboliten von Organophosphatpestiziden bricht, stärkere neurologische Verzögerungen aufwiesen als jene mit vermehrtem Vorhandensein des Enzyms. Die Autoren vermuten daher, dass Menschen mit bestimmten PON1 Genotypen besonders anfällig für Pestizidbelastung sein können.

Die Resultate der aktuellen Studie erweitern die Liste der chemischen Auslöser, die in den letzten Jahren mit ADHS in Verbindung gebracht wurden. Neben den Pestiziden haben Studien Assoziationen mit Exposition gegenüber Blei und Phthalaten festgestellt, die für gewöhnlich in Spielzeug und in Kunststoffen Verwendung finden.

Literatur: University of California – Berkeley, Prenatal exposure to pesticides linked to attention problems, 19. August 2010.
Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network

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