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Chlorpyrifos

Chlorpyrifos
Ein Insektizid mit Wirkung


In den USA verbannt, in Deutschland noch immer verwandt. Lesen Sie mehr über die Wirkweise und Gefährlichkeit von Chlorpyrifos
Ameisenstrassen durch die Küche, Kakerlaken im Dunkeln ihre Pfade ziehend, Motten die unsere Lieblingskleidungsstücke auffressen. Keiner liebt sie. Treten sie in grösserer Zahl auf, gerät jeder schnell in Panik und greift zu Spraydose, Pulver, oder ruft den Schädlingsbekämpfer an. Viele haben ihren Wohnraum und ihre Gesundheit auf diese Weise nachhaltig ruiniert. Das Insektizid Chlorpyrifos ist eines der Supergifte, die in Deutschland in Kaufhäusern, Supermärkten, Hotels, Kindergärten, Krankenhäuser, Privatwohnungen, Gartenbereichen, etc. zur Schädlingsbekämpfung angewendet werden (5). Es handelt sich um ein Insektizid der Organophosphatklasse, ein Phosphorsäureester. In dieser Klasse befinden sich auch Nervenkampfgifte wie Tabun, Sarin und Saran.

Als Wirkmechanismus geht Chlorpyrifos mit dem Enzym Acetylcholinesterase eine chemische Bindung ein und inaktiviert es. Hierdurch kommt es zu einer Überflutung durch Acetylcholin, was ein korrektes Funktionieren von Nerven, Muskeln und Drüsen unterbindet (1). Zusätzlich ist Chlorpyrifos in der Lage im Fettgewebe zu akkumulieren und Depots zu bilden, dies unterscheidet es von anderen Insektiziden der gleichen Stoffklasse (2,7).

Die wichtigsten Symptome einer akuten Vergiftung sind: Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel, enge Pupillen, Hypersekretion in Form von starkem Schwitzen, Speichel- und Tränenfluss, Atembeschwerden, Erbrechen, Bauchkrämpfe, Angstzustände, Depression, verwaschene Sprache, Alpträume, toxische Psychose, bei schweren Intoxikation hin zu Verlust von Reflexen, Ataxie und engen Pupillen. Die Symptomatik kann bereits Minuten bis mehrere Stunden nach der Exposition eintreten (1,7).


In Amerika verboten
In den USA wurde Chlorpyrifos in Teilbereichen und wird bis Ende 2001 komplett verbannt (3,4,5). In einem 94-seitigen Memorandum der EPA (amerik. Umweltschutzbehörde) vom 14. Jan. 1997 wird genauestens über die Schädingungen, Symtome, Auswirkungen des Nervengiftes berichtet. Berichte der Giftcenter in der ganzen USA lagen der Ausarbeitung zugrunde. Periphere Neuropathie, chronische Auswirkungen auf das Neuronenverhalten und multiple Empfindlichkeiten gegenüber Chemikalien (MCS) gehören zu den Spätfolgen. Die Symptompalette der am häufigsten genannten chronischen Symptome reichte von Müdigkeit, Lethargie, Beeinträchtigung des Gedächtnisses, Schwindel, Depression, Kopfschmerzen, Verwirrung, Reizbarkeit, Kurzatmigkeit, Motivationsverlust, Muskel- und Gelenkschmerzen, Übelkeit, Magen- Darmsymptome bis hin zu Gewichtsverlust (1,7).

Erstmals wurde von der EPA dargelegt, das Expositionen mit phosphororganischen Pestiziden im Zusammenhang mit Entwicklung einer Chemikaliensensibilität stehen. Der Konsens hierzu lautet, dass in den Fällen behaupteter oder vermuteter MCS die Beschwerden nicht als psychogen abgetan werden, sondern eine gründliche Untersuchung notwendig ist (1).

Da verantwortungsvolle Wissenschaftler in den USA die Handlungsweise der EPA als zu langsam empfanden, sandten sie erneut einen Brief an die EPA Administratorin Carol Browner. Die 12 unterzeichnenden Wissenschaftler von den grössten Universitäten, sowie EPA Offizielle fordern den Schutz für die derzeitige und zukünftige Generationen von Kindern in den USA (6).

Ein Verbot in Deutschland ist z. Zt. nicht geplant.



Impressum:
Autor: Silvia Müller
Erstellt: 14.5.2002
Literatur/Leitlinien/EBM:
1. Memorandum Chlorpyrifos, Umweltschutzbehörde der Vereinigten Staaten, Jan. 1997
2. Wirkstoffe in Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmitteln. Physikalisch-chemische und toxikologische Daten, Industrieverband Agrar, 2.Aufl.1990
3. Schreiben an DOW Elanco von Lynn R. Goldman, M.D. EPA, Jan. 1997
4. Schreiben von DOW Elanco an Lynn R. Goldman, M.D. EPA, Jan. 1997
5. USA bannen in Deutschland gebräuchliches Nervengift, Frankfurter Rundschau, 15.06.2000
6. Scientists call for Ban on Dursban, Toxic Times, Mai 2000, adapted from an ENN News Service article, 13. April, 2000.
7. GESTIS-Stoffdatenbank (BIA), Chlorpyrifos, Stand Juni 2000.

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