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Strahlung durch Schnurlostelefone - Dect Telefon

Digitale Schnurlos-Telefone erobern zur Zeit den Markt. S­ie sind bequem und bieten jede Menge Komfort. Sie strahlen aber übermäßig durch Zimmerwände und machen jede Menge Elektrosmog.

Eines Sommers bekam Sabine Willems Schlafstörungen: Sie wachte oft auf und konnte schlecht wieder einschlafen. Sie wunderte sich, denn das Haus war weder umgebaut, noch waren neue Geräte oder Möbel angeschafft worden. Sie schob ihre Schlaflosigkeit deshalb auf den Streß, den sie als Industriekauffrau und Mutter hatte.

Als nach einem halben Jahr immer noch keine Besserung eintrat, setzte sie sich mit dem Neusser Baubiologen Wolfgang Maes in Verbindung. Er­ nahm die Wohnung in Augenschein und stellte mit aufwändiger Technik fest, daß ein schnurloses Telefon in der Nähe sein typisches Strahlenfeld aussendete. Sabine Willems: "Ich hatte vorher nie gehört, daß Telefone solche Felder verursachen können." Erst als Maes nachfragte, fiel ihr ein, daß der Nachbar etwas von einem neuen Telefon erzählt hatte. Doch der wohnt im Nebenhaus, ein paar Meter weg. Maes war sich sicher, daß dort die Elektrosmog-Quelle steht. "Zum Glück hat der Nachbar mir geglaubt und sein Telefon ausgetauscht", erzählt Sabine Willems. "Danach ging es mir tatsächlich rasch besser."

Ein typischer Fall für Wolfgang Maes


Der Sachverständige für Baubiologie und ÖKO-TEST-Berater wird immer wieder zu Menschen gerufen, die unter unbestimmten Beschwerden leiden: Sie schlafen schlecht, sind unruhig und nervös. Natürlich hat jeder mehr oder weniger Streß. "Das Auffällige ist aber, daß viele Betroffene ein relativ neues schnurloses Telefon angeschafft haben - manchmal eben auch der Nachbar", berichtet Maes. Nach Austausch des Telefons verschwinden die Probleme. "Das beobachte ich so häufig, das kann kein Zufall sein", sagt der Elektrosmog-Experte.

Informationen von und zu Wolfgang Maes

Dabei geht es ausschließlich um schnurlose Telefone, die nach dem sogenannten DECT-Standard arbeiten. Dieser digitale Standard ermöglicht benutzerfreundliche Funktionen. Damit das funktioniert, werden die Funkwellen "gepulst", also in viele kleine Stücke zerhackt. Darüber hinaus prüft die Basisstation der DECT-Geräte ständig, ob gerade jemand telefoniert. Rund um die Uhr sendet sie ununterbrochen gepulste Strahlung durch Haus und Wohnung - bis zu den Nachbarn. Und zwar auch dann, wenn der Hörer friedlich zum Laden in der Basisstation steckt. Es ist aber genau der Puls, 100mal in jeder Sekunde, der kritische Forscher auf den Plan gerufen hat. Sie fanden heraus, daß gepulste Strahlung von Schnurlosen wie übrigens auch von Handys die Hirnströme verändern und den Informationsfluß zwischen den Körperzellen behindern kann. Viele sehen darin nicht nur die Ursache von Schlaflosigkeit, sondern befürchten auch Beeinträchtigungen des Immunsystems bis hin zu Krebs. Im Gegenzug verkünden andere Studien immer wieder, es bestehe keine Gefahr. Solche Studien werden vor allem von Herstellern und ihren Verbänden vorgelegt. Auf ihnen beruhen auch die offiziellen Grenzwerte.Auch Familie Willems besitzt ein Schnurlos-Telefon.

Es war jedoch nicht die Ursache für die Schlafstörungen von Sabine Willems. Denn es funktioniert noch nach dem älteren CT1+-Standard. Diese Funkwellen sind analog und nicht gepulst. Wird der Hörer aufgelegt, hört es auf zu senden. "Diese Telefone sind harmlos, es gibt keine Hinweise auf eine biologische Wirkung", bestätigt Dr. Lebrecht von Klitzing, von der Uniklinik in Lübeck. Er hatte mit seinen Untersuchungen der Hirnströme die Diskussion um Funkwellen entfacht.

CT1+ scheint die perfekte Lösung im Hinblick auf eine unerwünschte Elektrosmog-Belastung - allerdings ist der Betrieb der CT1+ Telefone seit dem 1.1.2009 in Deutschland nicht mehr erlaubt, bzw wird der Weiterbetrieb geduldet solange keine Störungen von dem Telefon ausgehen. Denn DECT kann mehr. Digitale Geräte sind wesentlich abhörsicherer. Es lassen sich stets mehrere Hörer in Verbindung mit einer Basisstation verwenden. Funktionen wie Anklopfen und ein eingebautes Telefonbuch haben immer mehr der Modelle zu bieten. "Außerdem ist DECT so billig geworden, da kauft keiner mehr die alten Gurken", sagt ein Frankfurter Händler.

Die führende Fachzeitschrift connect testet nur noch schnurlose DECT-Telefone. "CT1+ ist für unsere Leser nicht mehr attraktiv", sagt Redakteur Bernhard Jodeleit. Die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post schließlich droht dem analogen Standard sogar die Erlaubnis zu entziehen: Ab 2009 dürfen die Telefone im CT1+ Standard gar nicht mehr benutzt werden. Wir wollten wissen, wieviel Strahlung die neuen digitalen Geräte nun tatsächlich abgeben, und haben 16 DECT-Moelle von Wolfgang Maes testen lassen. Ausgesucht haben wir einfache Telefone ohne Anrufbeantworter und Faxgerät aus der Preisklasdse von ca.100 bis 200 €, dazu ein ca. 350 € teures der Nobelmarke Bang & Olufsen. Zum Vergleich hat Wolfgang Maes zudem vier Telefone mit dem CT1+-Standard auf den Prüfstand gestellt. Die Beurteilung der Handhabung und des Komforts der DECT-Modelle stammt von der Zeitschrift connect. Das führende Magazin für Telekommunikation testet regelmäßig nicht nur Schnurlose, sondern unter anderem Handys, Faxgeräte und Modems. Im verlagseigenen Labor werden die Geräte durchgemessen und in der Redaktion anhand eines Punkte-Rasters bewertet.

Das Dilemma: Obwohl alle 16 DECT-Geräte gute Praxisnoten bekamen, können wir wegen des Elektrosmogs, den alle ständig verursachen, keines empfehlen.

Das ist an den Schnurlosen zu kritisieren


Die Basisstationen aller getesteten DECT-Telefone senden gepulste Strahlung wie ein Mobilfunkturm in 20 Metern Abstand. Absoluter Spitzenreiter ist das Panasonic KX-TCD 950. Der Wert von 100 Nanowatt pro Quadratzentimeter (nW/cm2) wird auch in drei Metern Abstand noch von allen überschritten. Bei Strahlung dieser Stärke hat der Medizinphysiker Dr. Lebrecht von Klitzing Veränderungen der Hirnströme festgestellt. Dafür wird er stark angegriffen, läßt sich aber nicht beirren: Wir empfehlen aus der Erfahrung mit erkrankten Kindern inzwischen sogar, 1 nW/cm2 nicht zu überschreiten, sagt er. Die Strahlung unserer Testgeräte lag selbst noch in zehn Metern Entfernung über diesem Wert.Die vier CT1+ Telefone, die wir zum Vergleich mittesteten, zeigten wie erwartet kaum Strahlung, und die ist nicht gepulst.Allen Telefonen liegen Akkus für den Hörer bei. Nur fünf Anbieter wählten modernere Nickel-Metallhydrid-Akkus, die übrigen elf liefern Nickel-Cadmium-Zellen. Sie können nicht nur durch den gefürchteten "Memory-Effekt" in ihrer Leistung nachlassen. Sie enthalten auch das giftige Schwermetall Cadmium.

Nur schnurlose Telefone mit CT1+-Standard verursachen keinen bedenklichen Elektrosmog. Moderne DECT-Geräte dagegen machen jede Menge Dauerstrahlung. Die digitalen Telefone erkennen Sie entweder an dem Kürzel DECT im Namen. Oder aber das Telefon wird als abhörsicher angeboten. Bei Unklarheiten muß man sich beim Hersteller direkt erkundigen. Wer bereits ein DECT-Telefon hat oder auf den technischen Komfort nicht verzichten möchte, sollte die Basisstation möglichst weit weg von Schlaf-, Arbeits- und Spielräumen aufstellen - im eigenen Haus zum Beispiel im Keller. So kommt nur ein Bruchteil der Strahlung an. Weil der Akku des Hörers regelmäßig an der Basisstation aufgeladen werden muß, aber wohl niemand dafür in den Keller geht, empfiehlt sich eine Extra-Ladestation in den Wohnräumen. Es gibt sie zu jedem Gerät als Zubehör. Auch der Hörer eines DECT-Telefons gibt gepulste Strahlung ab, solange Sie telefonieren.

Die Nickel-Cadmium-Akkus für den Telefonhörer (erkennbar am Kürzel NiCd) dürfen erst wieder zum Aufladen in die Basisstation gesteckt werden, wenn der Speicher fast leer ist. Sonst verringert sich mit der Zeit ihre Kapazität.Telefone mit Schnur verursachen keine bedenkliche Strahlung, auch nicht mit einem digitalen Anschluß. Es lohnt sich daher, am Schreibtisch oder im Lieblingssessel, wo man häufig telefoniert, ein Telefon mit Schnur zu benutzen.Wer ein Hörgerät trägt, sollte ein schnurloses Telefon im Laden ausprobieren: Manchmal ist er Sender des Telefonhörers als deutliches Summen zu hören und stört das Hörgerät.Hersteller haben nachgebessert:Aktuell gibt es verschiedene Varianten von strahlungsarmen schnurlosen Telefonen.Alternative Strahlungsarme Telefone im DECT Standard werden immer mehr angeboten. Dort sollte man darauf achten, dass bei aufgelegtem Hörer die Strahlung komplett auf  Null zurückgefahren wird. Die Bezeichnung für solche Geräte ist Full-Eco-Mode.


Eco-Mode temporär
Hierbei wird die Sendeleistung von Basisstation zum Mobilteil auf Null gesenkt. Der Nachteil dabei ist aber, dass die Senkung nur mit einem Mobilteil erfolgen kann. Das heißt dass zwar ein weiteres Mobilteil von der Basisstation anerkannt wird, dann aber für beide Mobilteile der Strahlenschutz aufgehoben wird. Dennoch lesen Sie vorher die Bedienungsanleitung, da der Strahlenschutz bei manchen Geräten vor Gebrauch im Menü eingeschaltet werden muss.

Eco-Mode permanent:
Beim permanenten Eco-Mode kann die Sendeleistung zwischen Basisstation und Mobilteil auf 60-80 Prozent zu senden. Dies ist aber Herstellerabhängig. Vorteilig hierbei ist, das die Basisstation mehrere Mobilteile anerkennt und trotzdem bei allen die Strahlung gesenkt wird. Auch wenn Mobilteil und Ladestation nicht vom selben Hersteller sind funktioniert diese Absenkung. Mehrere Etagen können meist nicht überbrückt werden. Denn jeder schwächer der Sender ist, desto geringer ist die Reichweite. Aus diesem Grund deaktivieren die Hersteller das System bei der Auslieferung. Die Reduktion kann man jederzeit deaktivieren, womit man die ursprüngliche Reichweite wieder herstellen kann.

Eco-Mode Mobilteil:
Die Sendeleistung des Mobilteils wird von manchen Herstellern reduziert, dies geschieht in Abhängigkeit der Entfernung zur Basis. Das heißt, wenn Sie Ihr Gespräch im näheren Umfeld der Basisstation führen wird die Sendeleistung des Mobilteils gesenkt. Man spricht von ungefähr fünf Metern. Der Vorteil ist, dass die Strahlenbelastung gesenkt wird und dass das Mobilteil weniger Strom verbraucht und man somit mit einer Akkuladung länger telefonieren kann.

Full Eco Mode:
Wenn kein Gespräch geführt wird, wird der Funkteil der Basisstation deaktiviert. Dies ist unabhängig von den eingebuchten Mobilteilen und unabhängig davon ob das Mobilteil in der Ladeschale aktiviert ist. Beim telefonieren regeln Mobilteil und Basis die Sendeleistung entfernungsabhängig.
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Impressum:
Autor: Sylvia Kossligk (referriert) überarbeitet August 2009.
Quelle: ÖKO-TEST Heft November 99- Stefan Becker


   * 0,09 € / min aus dem deutschen Festnetz, Mobilfunk max. 0,42 € / min incl. Mwst.

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