| Allergie und Asthma | ![]() |
Sommerallergie durch Schimmelpilze
Bisher galt die Polle als klassischer Allergieauslöser im Sommer. Zunehmend gewinnen jedoch Schimmelpilze an Bedeutung.
Schätzungsweise drei bis fünf Prozent der Patienten mit allergischen Beschwerden der oberen und unteren Atemwege leiden an Sensibilisierungen gegenüber den Schimmelpilzen der Familie Alternaria und Cladosporium. Informationen dazu gibt es aus Spanien, Frankreich, Italien und in den letzten Jahren auch aus den GSA.
Die Problematik ist nicht neu, sie erhält nur zunehmend die Aufmerksamkeit, die ihr gebührt. In den verschiedenen Mitteilungen wird der starke Zusammenhang von Alternaria-Sensibilisierungen mit Asthma bronchiale betont und ein überproportionales Auftreten im Kindesalter beschrieben.
Bei Patienten, die ab dem Monat Mai über allergische Beschwerden klagen uns bei denen diese bis September anhalten, wird durch die diagnostizierenden Ärzte folgerichtig überwiegend an Graspollen und Beifußpollenallergien gedacht.
Sollte dann auch eine Sensibilisierung gegen diese Pollen an der Haut und/ oder spezifisches IgE (in der Blutuntersuchung) nachweisbar sein, gilt die Diagnose als bewiesen und den Patienten wird häufig die Durchführung einer spezifischen Immuntherapie vorgeschlagen.
Das ist prinzipiell richtig, aber eventuell nur die Behandlung eines Teilproblems. Noch zu selten wird beachtet, dass die Symptome auch durch Schimmelpilzsporen ausgelöst werden können.
Die größte klinische Bedeutung haben hierbei Alternaria alternata und Cladosporium herbarum. Insbesondere wenn die Beschwerden über Juni/Anfang Juli hinaus bestehe auch bei nachgewiesener Graspollen- und/ oder Beifußpollenallergie an eine Alternaria und/oder Cladosporiumallergie zu denken.
Alternaria und Cladosporiumsporen werden ganzjährig nachgewiesen, haben aber allergierelevante Konzentrationen in den Monaten Mai bis September/ Oktober.
Die Kolonien von Alternaria gewöhnlich schwarz oder olivgrün, die Konidiophoren bis 50 mm lang und drei bis sechs mm dick. Wenn sie sich "stromlinienförmig" legen, können sie bis in kleine und kleinste Bronchien vordringen und für Asthmaanfälle verantwortlich sein.
Hohe Konzentrationen finden sich auf Getreidekörnern. Betroffene beschreiben starke Beschwerden typischerweise beim Rasenmähen oder beim Vorbeigehen an Feldern mit reifem Getreide.
Gewissenhafte Diagnose
Die Bedeutung einer gewissenhaften Allergiediagnostik, die sich nie nur auf eine einmalige Momentaufnahme stützen sollte, wird in der folgenden Fallbeschreibung exemplarisch dargestellt.
Im Januar 2001 stellte sich ein zehnjähriges Mädchen vor. Seit vier Jahren litt sie im späten Frühjahr und Sommer, bis zum Herbst immer wieder auftretend, unter Nasenblockade, Reizhusten, teilweise Atemnot.
Die bronchiale Provokation mit Histamin induzierte einen Abfall der Lungenfunktion von 23 Prozent nach vier mg/ml, das heißt die Patientin hatte zum Vorstellungszeitpunkt eine mittelgradige unspezifische Hyperreaktivität des Bronchialsystems (Asthmabereitschaft), allerdings ohne Symptome.
In der Hauttestung (Pricktest) fand sich keine Reaktion auf die verschiedenen Pollen, allerdings eine eindeutig positive gegenüber Alternaria. Spezifisches IgE Antikörper gegenüber Pollen und Alternaria waren nicht nachzuweisen. Da eine Sensibilisierung, wie ein positiver Hauttest, nicht zwangsläufig bedeutet, dass der Patient tatsächlich unter einer Allergie leidet, wurde ein Schleimhautprovokationstest mit Alternariaallergen an der Nasenschleimhaut durchgeführt. Es war ein Abfall des nasalen Luftdurchflusses von 76 Prozent messbar (Abfall >/= 40 Prozent ist positiv), das heißt die Schleimhaut ist angeschwollen, der Test war eindeutig positiv.
Die Patientin und deren Eltern wurden nun aufgefordert, einen Symptomkalender zu führen und sich am 27. Juli 2001 erneut vorzustellen.
Die Auswertung des Symptomkalenders zeigt bis zum 7. Mai 2001 Beschwerdefreiheit, vom 7. Mai bis 31. Mai 2001 Reizhusten und Rhinitis aber keine Atemnot. Im Juni wurden nur geringe Beschwerden registriert, die sich dann im Juli erneut verstärkten. Zusätzlich trat Reizhusten auf.
Die Daten aus unserer Pollenfalle zeigten für den angegebenen Beschwerdezeitraum eine erhöhte Sporenkonzentration für Alternaria. Eine Abhängigkeit der Symptomatik von der Graspollen und Beifußpollenbelastung bestand nicht.
Die nochmalige Bestimmung der spezifischen IgE Antikörper am 27. Juli 2001 zeigte nun IgE Antikörper gegenüber Alternaria in der Klasse 2, gegenüber Birkenpollen und Graspollen waren wiederum keine Antikörper zu finden.
Eine nasale und konjunktivale (am Auge) Allergenprovokation mit Gräsern fiel negativ aus. Die unspezifische bronchiale Reaktivität (Asthmabereitschaft) hatte sich im Vergleich zum Winter erhöht (Lungenfunktionsabfall von 20 Prozent nach zwei mg/ml Histamin). Die Reizhustensymptomatik ist demzufolge als Asthmaäquivalent zu bewerten.
Konsequenterweise wurde in diesem Fall eine spezifische Immuntherapie mit Alternaria begonnen.
Sommerallergie durch Schimmelpilz
Zusammenfassend wird festgestellt, dass „Sommerallergien“ durch Pollen und Schimmelsproren ausgelöst sein können. Die Durchführung von Provokationstestungen bei Verdacht auf Alternariaallergie ist notwendig, da bei Vorliegen einer IgE vermittelten Allergie und bedeutsamer Symptome eine spezifische Immuntherapie sehr erfolgversprechend ist, zumal es sich überwiegend um Kinder handelt und die asthmatischen Beschwerden während der Alternariaflugzeit erheblich sein können.
Starke Alternariaallergien haben fast immer positive Reaktionen im Pricktest (Hauttest).
Die Konzentrationen von spezifischem IgE gegenüber Alternaria sind im allgemeinen trotz ausgeprägter allergischer Beschwerden und stark positiver Provokationstestungen gering bis sehr gering.
Nicht selten sind IgE Antikörper nicht nachweisbar. In solchen Fällen sollten die Bestimmungen wiederholt werden. Für Diagnostik und Therapieentscheidung (wie Spezifische Immuntherapie) ist ein durch den Patienten (bei Kindern eventuell durch die Eltern) sorgfältig geführter Symptomkalender sehr hilfreich. An unserer Klinik haben wir zusätzlich die Möglichkeit, diese Eintragungen im Symptomkalender mit den Daten aus einer auf dem Klinikgelände aufgestellten und durch uns ausgewerteten Pollenfalle (Zählung von Pollen und Alternariasporen) zu vergleichen und zur Einschätzung des Krankheitsbildes heranzuziehen.
Der momentane Kenntnisstand zu den Alternariaallergien macht es erforderlich, dass der Polleninformationsdienst auch die Alternariabelastung bekannt gibt. Es wäre insbesondere für Ärzte hilfreich, die Therapieentscheidungen treffen und Symptome einordnen müssen.
Die Dimension der Alternariaallergien ist allgemein noch nicht erkannt beziehungsweise wird noch nicht ausreichend beachtet.
Impressum:
Autor: Dr. med. Uta Rabe Chefärztin der Abteilung Allergologie und Asthma, Johanniterkrankenhaus im Fläming gGmbH
Quelle: Allergie kontret 2/2004, DAAB
Erstellt: 9.07.2004
Copyright: PureNature
Die Informationen dürfen auf keinen Fall als Ersatz für professionelle Beratung oder Behandlung durch einen Arzt angesehen werden. Der Inhalt von PureNature kann und darf nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
Bisher galt die Polle als klassischer Allergieauslöser im Sommer. Zunehmend gewinnen jedoch Schimmelpilze an Bedeutung.
Schätzungsweise drei bis fünf Prozent der Patienten mit allergischen Beschwerden der oberen und unteren Atemwege leiden an Sensibilisierungen gegenüber den Schimmelpilzen der Familie Alternaria und Cladosporium. Informationen dazu gibt es aus Spanien, Frankreich, Italien und in den letzten Jahren auch aus den GSA.
Die Problematik ist nicht neu, sie erhält nur zunehmend die Aufmerksamkeit, die ihr gebührt. In den verschiedenen Mitteilungen wird der starke Zusammenhang von Alternaria-Sensibilisierungen mit Asthma bronchiale betont und ein überproportionales Auftreten im Kindesalter beschrieben.
Bei Patienten, die ab dem Monat Mai über allergische Beschwerden klagen uns bei denen diese bis September anhalten, wird durch die diagnostizierenden Ärzte folgerichtig überwiegend an Graspollen und Beifußpollenallergien gedacht.
Sollte dann auch eine Sensibilisierung gegen diese Pollen an der Haut und/ oder spezifisches IgE (in der Blutuntersuchung) nachweisbar sein, gilt die Diagnose als bewiesen und den Patienten wird häufig die Durchführung einer spezifischen Immuntherapie vorgeschlagen.
Das ist prinzipiell richtig, aber eventuell nur die Behandlung eines Teilproblems. Noch zu selten wird beachtet, dass die Symptome auch durch Schimmelpilzsporen ausgelöst werden können.
Die größte klinische Bedeutung haben hierbei Alternaria alternata und Cladosporium herbarum. Insbesondere wenn die Beschwerden über Juni/Anfang Juli hinaus bestehe auch bei nachgewiesener Graspollen- und/ oder Beifußpollenallergie an eine Alternaria und/oder Cladosporiumallergie zu denken.
Alternaria und Cladosporiumsporen werden ganzjährig nachgewiesen, haben aber allergierelevante Konzentrationen in den Monaten Mai bis September/ Oktober.
Die Kolonien von Alternaria gewöhnlich schwarz oder olivgrün, die Konidiophoren bis 50 mm lang und drei bis sechs mm dick. Wenn sie sich "stromlinienförmig" legen, können sie bis in kleine und kleinste Bronchien vordringen und für Asthmaanfälle verantwortlich sein.
Hohe Konzentrationen finden sich auf Getreidekörnern. Betroffene beschreiben starke Beschwerden typischerweise beim Rasenmähen oder beim Vorbeigehen an Feldern mit reifem Getreide.
Gewissenhafte Diagnose
Die Bedeutung einer gewissenhaften Allergiediagnostik, die sich nie nur auf eine einmalige Momentaufnahme stützen sollte, wird in der folgenden Fallbeschreibung exemplarisch dargestellt.
Im Januar 2001 stellte sich ein zehnjähriges Mädchen vor. Seit vier Jahren litt sie im späten Frühjahr und Sommer, bis zum Herbst immer wieder auftretend, unter Nasenblockade, Reizhusten, teilweise Atemnot.
Die bronchiale Provokation mit Histamin induzierte einen Abfall der Lungenfunktion von 23 Prozent nach vier mg/ml, das heißt die Patientin hatte zum Vorstellungszeitpunkt eine mittelgradige unspezifische Hyperreaktivität des Bronchialsystems (Asthmabereitschaft), allerdings ohne Symptome.
In der Hauttestung (Pricktest) fand sich keine Reaktion auf die verschiedenen Pollen, allerdings eine eindeutig positive gegenüber Alternaria. Spezifisches IgE Antikörper gegenüber Pollen und Alternaria waren nicht nachzuweisen. Da eine Sensibilisierung, wie ein positiver Hauttest, nicht zwangsläufig bedeutet, dass der Patient tatsächlich unter einer Allergie leidet, wurde ein Schleimhautprovokationstest mit Alternariaallergen an der Nasenschleimhaut durchgeführt. Es war ein Abfall des nasalen Luftdurchflusses von 76 Prozent messbar (Abfall >/= 40 Prozent ist positiv), das heißt die Schleimhaut ist angeschwollen, der Test war eindeutig positiv.
Die Patientin und deren Eltern wurden nun aufgefordert, einen Symptomkalender zu führen und sich am 27. Juli 2001 erneut vorzustellen.
Die Auswertung des Symptomkalenders zeigt bis zum 7. Mai 2001 Beschwerdefreiheit, vom 7. Mai bis 31. Mai 2001 Reizhusten und Rhinitis aber keine Atemnot. Im Juni wurden nur geringe Beschwerden registriert, die sich dann im Juli erneut verstärkten. Zusätzlich trat Reizhusten auf.
Die Daten aus unserer Pollenfalle zeigten für den angegebenen Beschwerdezeitraum eine erhöhte Sporenkonzentration für Alternaria. Eine Abhängigkeit der Symptomatik von der Graspollen und Beifußpollenbelastung bestand nicht.
Die nochmalige Bestimmung der spezifischen IgE Antikörper am 27. Juli 2001 zeigte nun IgE Antikörper gegenüber Alternaria in der Klasse 2, gegenüber Birkenpollen und Graspollen waren wiederum keine Antikörper zu finden.
Eine nasale und konjunktivale (am Auge) Allergenprovokation mit Gräsern fiel negativ aus. Die unspezifische bronchiale Reaktivität (Asthmabereitschaft) hatte sich im Vergleich zum Winter erhöht (Lungenfunktionsabfall von 20 Prozent nach zwei mg/ml Histamin). Die Reizhustensymptomatik ist demzufolge als Asthmaäquivalent zu bewerten.
Konsequenterweise wurde in diesem Fall eine spezifische Immuntherapie mit Alternaria begonnen.
Sommerallergie durch Schimmelpilz
Zusammenfassend wird festgestellt, dass „Sommerallergien“ durch Pollen und Schimmelsproren ausgelöst sein können. Die Durchführung von Provokationstestungen bei Verdacht auf Alternariaallergie ist notwendig, da bei Vorliegen einer IgE vermittelten Allergie und bedeutsamer Symptome eine spezifische Immuntherapie sehr erfolgversprechend ist, zumal es sich überwiegend um Kinder handelt und die asthmatischen Beschwerden während der Alternariaflugzeit erheblich sein können.
Starke Alternariaallergien haben fast immer positive Reaktionen im Pricktest (Hauttest).
Die Konzentrationen von spezifischem IgE gegenüber Alternaria sind im allgemeinen trotz ausgeprägter allergischer Beschwerden und stark positiver Provokationstestungen gering bis sehr gering.
Nicht selten sind IgE Antikörper nicht nachweisbar. In solchen Fällen sollten die Bestimmungen wiederholt werden. Für Diagnostik und Therapieentscheidung (wie Spezifische Immuntherapie) ist ein durch den Patienten (bei Kindern eventuell durch die Eltern) sorgfältig geführter Symptomkalender sehr hilfreich. An unserer Klinik haben wir zusätzlich die Möglichkeit, diese Eintragungen im Symptomkalender mit den Daten aus einer auf dem Klinikgelände aufgestellten und durch uns ausgewerteten Pollenfalle (Zählung von Pollen und Alternariasporen) zu vergleichen und zur Einschätzung des Krankheitsbildes heranzuziehen.
Der momentane Kenntnisstand zu den Alternariaallergien macht es erforderlich, dass der Polleninformationsdienst auch die Alternariabelastung bekannt gibt. Es wäre insbesondere für Ärzte hilfreich, die Therapieentscheidungen treffen und Symptome einordnen müssen.
Die Dimension der Alternariaallergien ist allgemein noch nicht erkannt beziehungsweise wird noch nicht ausreichend beachtet.
Impressum:
Autor: Dr. med. Uta Rabe Chefärztin der Abteilung Allergologie und Asthma, Johanniterkrankenhaus im Fläming gGmbH
Quelle: Allergie kontret 2/2004, DAAB
Erstellt: 9.07.2004
Copyright: PureNature
Die Informationen dürfen auf keinen Fall als Ersatz für professionelle Beratung oder Behandlung durch einen Arzt angesehen werden. Der Inhalt von PureNature kann und darf nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.








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